Demokratische Werte als Grundlage für eine politisch unterstützte Regierung. Ein Vergleich zwischen den Republiken Polen und Bulgarien


Seminararbeit, 2010
27 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Grundzüge der Theorie Dieter Fuchs„
2.1 Die politische Unterstützung
2.2 Das Einstellungsebenenmodell

3. Operationalisierung und Empirie
3.1 Auswahl der Saaten
3.2 Bestimmung der Messobjekte

4. Polen und Bulgarien im Vergleich
4.1 Demokratieverständnis
4.2 Bindung an demokratische Werte
4.3 Unterstützung des eigenen demokratischen Regimes
4.4 Unterstützung politischer Entscheidungsträger

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Zusammenfassung & Abstract

1. Einleitung

Mit der Weiterentwicklung des klassischen Modells David Eastons gelang es 1989 dem Politikwissenschaftler Dieter Fuchs, eine Verknüpfung zwischen der Demokratietheorie und empirisch erhobenen Daten herzustellen, wie sie zuvor in der politischen Kulturforschung nicht stattfand. So ist es möglich anhand empirischer Daten Rückschlüsse auf die Anwendung demokratischer Grundsätze zu ziehen.

Politische Unterstützung kann ohne die vorherige Ausbildung gewisser demokratischer Werte nicht entstehen. Das Vorhandensein, oder Nichtvorhandensein, politischer Unterstützung übt Einfluss auf das System aus und findet seinen Ausdruck in Wahlen wieder. Erfährt eine Regierung eine ausreichende politische Unterstützung, so wird sie wiedergewählt. Die Funktionsweise eines demokratischen Systems steht also in direkter Abhängigkeit zum Legitimationsfluss, der mittels demokratischer Werte definiert wird. Auf Grund dieser Ableitungen lässt sich nunmehr die These einer unvermeidlichen Abhängigkeit zwischen der Ausbildung demokratischer Werte, politischer Unterstützung und der Wiederwahl von Volksvertretern aufstellen: Je mehr Bindung an demokratische Werte in einem Staat besteht, desto mehr Unterstützung ist für die politischen Entscheidungsträger vorhanden.

Zunächst werden die Grundzüge der Demokratieanalyse nach Dieter Fuchs erläutert, die die Grundlagen dieser Hausarbeit darstellen. In den Mittelpunkt rückt hier das Einstellungsebenenmodell, anhand dessen die These überprüft wird. Im Anschluss erfolgt die zunächst eine kurze Übersicht über die zu vergleichenden Länder und im Anschluss die Operationalisierung. Hier wird erörtert, anhand welcher Messobjekte die Bindung an demokratische Werte, politische Unterstützung und die Unterstützung für politische Entscheidungsträger erfasst werden kann. Vorher muss allerdings ermittelt werden, welches Verständnis von Demokratie in den beiden Staaten vorherrscht. Anschließend werden die beiden Staaten unter verschiedenen Gesichtspunkten verglichen. Zunächst ist es relevant herauszufinden, ob eine Bindung an demokratische Werte besteht, da hierauf die Fragestellung aufbaut. Hierfür werden vergleichend spezifische Fragen, die zuvor in der Operationalisierung ausgewählt wurden, ausgewertet. Darauf aufbauend wird der Aspekt der Unterstützung des eigenen demokratischen Regimes untersucht und der Frage nachgegangen, ob die jeweiligen Bevölkerungen das politische System im eigenen Staat unterstützt. Ist dies erfolgt, gelangt der Vergleich zum letzten Punkt. Es wird anhand empirischer Erhebungen ermittelt, ob eine Unterstützung für die politischen Entscheidungsträger vorhanden ist.

Bei den angesprochenen Staaten handelt es sich um die Republik Polen und die Republik Bulgarien. Bedeutend für das Falsifizieren oder Verifizieren der These ist es, zuvor mittels empirisch erhobener Daten und dem Einstellungsebenenmodell nach Dieter Fuchs die anfangs angesprochenen Aspekte miteinander in Verbindung zu bringen. Unter Berücksichtigung der Daten des World Values Survey werden also die Beziehungen zwischen dem Vorhandensein demokratischer Werte und der möglichen politischen Unterstützung hergestellt.

2. Grundzüge der Theorie Dieter Fuchs‘

2.1 Die politische Unterstützung

Aufbauend auf das Konzept der politischen Unterstützung David Eastons entwickelte der Politikwissenschaftler David Easton ein eigenes Konzept zur Bestimmung der politischen Unterstützung. Politische Unterstützung versteht er als „eine Einstellung von Individuen“ (Fuchs 1989: 5). Als Ausgangspunkt der politischen Unterstützung in einem Staat gilt die Akzeptanz demokratischer Werte. Darauf aufbauend ist die Existenz eines demokratischen Staates zu finden, aus der die Beurteilung der Funktionalität des politischen Systems resultiert. Abhängig ist die Funktionalität allerdings auch von externen Faktoren, wie beispielweise ökonomischer Leistung (Pickel/Pickel 2006: 114).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In diesem hierarchisch aufgebautem Modell Fuchs´, das chronologisch angeordnet ist, findet eine klare Trennung zwischen der Werteebende, der Strukturebene und der Perfomanzebene statt (Pickel/Pickel 2006: 114). Bereits hier ist eine Interdependenz zwischen dem Vorhandensein demokratischer Werte und der Bewertung politischer Resultate erkennbar.

Bei der Analyse politischer Unterstützung versteht Fuchs, anders als Easton, politische Unterstützung als ein „sozialpsychologisches Konzept“ (Fuchs 1989: 21) und ergreift sie daher mittels unterschiedlicher Kategorien. Um politische Unterstützung erfassbar zu machen bedient sich Fuchs einer Kategorisierung Talcott Parsons´ Handlungstheorie. Eingeteilt wird in die instrumentelle, expressive und die moralische Handlungsorientierung. Unter der instrumentellen Orientierung ist die bestmögliche Erreichung von bestimmten Absichten zu verstehen. Messbares Merkmal in diesem Fall ist die Effektivität der Erreichung der zuvor bestimmten Absichten (Fuchs 1989: 24). Das Zentrum der expressiven Orientierung ist die Qualität eines bestimmten Objektes, gemessen an Prämien (Gratifikationen) (Fuchs 1989: 24). Das Interesse der moralischen Orientierung liegt in der Anwendung von Normen. Diese Orientierung ist evaluativ durch Bewertungen erfassbar. Ermittelt wird hier, ob gewisse Normen eingehalten werden, oder nicht. Dieter Fuchs schreibt der moralischen Orientierung daher einen Sollenscharackter zu (Fuchs 1989: 24-25).

Auf der Grundlage der soeben erläuterten Orientierungsmodi nach Talcott Parson und der angepassten Differenzierung der Unterstützungsobjekte von David Easton ist ein analytisches Schema politischer Unterstützung entstanden, mit Hilfe dessen es möglich ist, neun verschiedene Modelle politischer Unterstützung voneinander abzugrenzen. Abhängig von der Art der Orientierungsobjekte (Politische Gemeinschaft, Regime, Autoritäten) dominiert jeweils eines der drei Unterstützungs-Modi (expressiv, moralisch, instrumentell) (Fuchs 1989: 25-27).

(Fuchs 1989: 26 Schaubild 2.3 Analytisches Schema politischer Unterstützung)

Auf dem Schaubild zur Analyse politischer Unterstützung ist die jeweils dominierende Unterstützungsform ablesbar. Eine Dominanz der expressiven Orientierung gegenüber der politischen Gemeinschaft erklärt sich dadurch, dass eine politische Gemeinschaft auf Norman basiert. Folglich ist ein Regime oder eine autoritäre Staatsmacht bei einer expressiven Einstellung unvorstellbar. Die moralische Orientierung, ist Ausgangslage für die Funktionalität eines Regimes, da ein solches aus moralischen Bestimmungen und Belangen hervorgeht. Eine instrumentelle Orientierung stellt Forderungen an ein System und zielt somit auf die Bestimmung von Autoritäten ab. Daher dominiert bei Autoritäten, die für die Transformation von demands in outputs verantwortlich sind, eine instrumentell orientierte Gesellschaft (Fuchs 1989: 27). Dennoch sind, abgesehen von den Kernpunkten, andere Kombinationen ebenfalls möglich (Pickel/Pickel 2006: 113).

2.2 Das Einstellungsebenenmodell

Aufbauend auf das Schema zur Analyse politischer Unterstützung entwickelte Dieter Fuchs im Jahre 2002 das Einstellungsebenenmodell. Zunächst unterscheidet Fuchs zwischen vier verschiedene Typen eines Demokratiekonzeptes: Das libertäre, das republikanische, das sozialistische und das liberale (Pickel/Pickel 2006: 116). Die vorerst letzte Version seiner Weiterentwicklung des politischen Kulturkonzeptes David Eastons ermöglicht es, Verbindungen zwischen sozialen Konstrukten und den daraus resultierenden Systemischen Konsequenzen zu erfassen.

(Pickel 2008: 621, Abbildung 3: Einstellungsebenenmodell eines demokratischen Systems nach Dieter Fuchs)

Anhand des Modelles ist klar erkennbar, dass Fuchs einen Zusammenhang zwischen der Bindung an demokratischen Werten auf der Ebene der Kultur und der Unterstützung des demokratischen Regimes im eigenen Land auf der strukturellen Ebene sieht. Aus diesem Zusammenhang folgt anschließend die Unterstützung politischer Entscheidungsträger, die dem politischen Prozess zuzuordnen sind. Natürlich ist dieser Zusammenhang auch in umgekehrter Richtung kausal. Aus der Unterstützung politischer Entscheidungsträger folgt die Unterstützung des eigenen Regimes, was zur Bindung an demokratischen Werten führt. Ebenso ist in dem Einstellungsebenenmodell erkennbar, welche systemischen Konsequenzen auf den einzelnen Ebenen (Kultur, Struktur und Prozess) erfolgen. Bei der Bindung an demokratischen Werten erfolgt eine Persistenz eines demokratischen Systems im eigenen Land. Die Unterstützung des demokratischen Regimes im eigenen Land führt auf der systemischen Seite zu einer Persistenz des genauen Typs des demokratischen Regimes im eigenen Land. Ebenso geht aus der Unterstützung politischer Entscheidungsträger eine Wieder- bzw. Abwahl jener politischen Entscheidungsträger hervor. Betrachtet man lediglich die Systemischen Konsequenzen, ist zu erkennen, dass der Persistenz eines demokratischen Systems im eigenen Staat eine Persistenz des demokratischen Regime-Typs folgt. Hieraus ergibt sich anschließend eine Wieder- und Abwahl politischer Entscheidungsträger. Betrachtet man den Verlauf entgegengesetzt, ist es so, dass einer Wiederwahl der Entscheidungsträger eine Persistenz des Regimetyps folgt, die zur allgemeinen Persistenz eines demokratischen Systems übergeht (Pickel/Pickel 2006: 116-117). Zusammenfassend ist zu erkennen, dass alle sechs Konstrukte in einem kausalen Zusammenhang stehen und aufeinander aufbauen. Somit erfolgt eine Verbindung der Demokratietheorie und der empirischen Kulturforschung (Pickel/Pickel 2006: 117).

3. Operationalisierung und Empirie

3.1 Auswahl der Staaten

Um der Anfangs formulierten These „Je mehr Bindung an demokratische Werte in einem Staat besteht, desto mehr Unterstützung ist für die politischen Entscheidungsträger vorhanden“ nachzugehen wird sie mittels Dieter Fuchs Einstellungsebenenmodell und empirischer Erhebungen anhand zweier Staaten vergleichend überprüft. Hierfür ist es notwendig zwei Staaten auszuwählen, an denen eine solche Überprüfung anhand vorhandener Daten möglich ist, und die eine gewisse Ähnlichkeit vom politischen System und dem Kulturkreis aufweisen, um einen Vergleich durchzuführen.

Die Wahl der zu vergleichenden Staaten fiel auf die osteuropäischen Republiken Polen und Bulgarien.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Demokratische Werte als Grundlage für eine politisch unterstützte Regierung. Ein Vergleich zwischen den Republiken Polen und Bulgarien
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Politische Systeme im Vergleich: Vergleichende politische Kulturforschung
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V174816
ISBN (eBook)
9783640955053
ISBN (Buch)
9783640954759
Dateigröße
943 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Einstellungsebenenmodell, Dieter Fuchs, Vergleich politischer Systeme, World values survey, Bulgarien, Polen
Arbeit zitieren
Hendrik Jaeschke (Autor), 2010, Demokratische Werte als Grundlage für eine politisch unterstützte Regierung. Ein Vergleich zwischen den Republiken Polen und Bulgarien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174816

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