Haben schiitische Geistliche Einfluss auf die Islamische Revolution 1979 im Iran gehabt?


Seminararbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Fremdwörtererklärung

2. Einleitung

3. Exkurs: Die Islamische Revolution

4. Funktion, Rolle und Handeln der Geistlichen
4.1 Marja-e taqlid Großayatollah Husain Ali Borudscherdi
4.2 Ayatollah Ruhollah Musavi Khomeini
4.3 Die Ergebnisse der geistlichen Intervention

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Fremdwörtererklärung

Schah: Das Wort Schah entstammt dem persischen und ist ein Herrschertitel (ähnlich König).1

Ayatollah: Arabisch, Ehrentitel für einen Rechtsgelehrten. Er wird einem schiitischen Gläubigen im Iran verliehen, der durch seine religiöse Bildung und Frömmigkeit besondere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit genießt. Übersetzt bedeutet es „Zeichen Gottes“.2

Großayatollah: Arabisch, Ehrentitel für einen Rechtsgelehrten, der durch ein längeres Studium hierarchisch über einem Ayatollah steht.3

Marja-e taqlid: Persisch, Höchster schiitischer Religionstitel, der auf die Anerkennung durch sämtliche anderen Gelehrten basiert. Übersetzt bedeutet der Titel „Instanz der Nachahmung“.4 5

Schiiten: Auch als Schia bezeichnet, Anhänger der zweitgrößten Konfession im Islam.6

Imâm: Arabisch für „Führer“, Bezeichnet den Vorbeter oder religiöse und politische Autoritäten im Islam.7

2. Einleitung

Der iranische Staat war bis zur islamischen Revolution Ende der siebziger Jahre eine Monarchie, geführt von Schah Mohammad Reza Pahlavi. Zahlreiche Reformprogramme, wirtschaftliche Probleme, Fehler der Regierung und eine unzufriedene Bevölkerung führten letztendlich zur Revolution und im Jahre 1979 zur Gründung der Islamischen Republik Iran unter Ayatollah Ruhollah Musavi Khomeini. Hier fand also ein politischer Transformationsprozess des Regierungssystems statt: Von einer Monarchie zur Republik.

Auf Grund der Errichtung einer islamischen Republik in dem schiitischen Land, welche den Islam als Grundlage jeder verfassungsmäßigen und politischen Aktivität ansieht, ergibt sich die Frage, ob bereits bei der Ursache der Transformation - also der Revolution - Geistliche Einfluss auf den Lauf der Geschichte hatten. Zunächst erfolgt ein Rückblick auf die Revolution. Die Wege dorthin und der Verlauf sind für die Beantwortung der Frage elementar. Da nicht jeder Geistliche der damaligen Zeit im Iran in dieser Ausarbeitung Beachtung finden kann, liegt ein besonderer Schwerpunkt hier bei der Betrachtung der Figur Khomeini, der bis zu seinem Tode im Jahre 1989 als oberster Rechtsgelehrter im Iran fungierte und eine zentrale Position während der Revolution inne hatte. Auch der Großayatollah Husain Ali Borudscherdi scheint eine wichtige Rolle im Bezug auf die Revolution gehabt zu haben, da er im Jahre 1960 als erster Geistlicher öffentlich das Wort gegen den Schah Pahlavi erhob und die geplanten Reformen bis zu seinem eigenem Tode im Jahre 1961 blockierte. Anschließend soll die Tragweite des Handelns Borudscherdis, Khomeinis und weiterer Geistlicher herausgearbeitet werden. Denn wenn das Handeln direkte politische Folgen hervorgerufen hat, ist auch von Einfluss zu sprechen. Um festzustellen, ob die Geistlichen Einfluss auf die islamische Revolution ausübten und welche politische Macht ein einzelner Ayatollah ausüben kann wird im letzten Kapitel - dem Fazit - hergeleitet.

3. Exkurs: Die Islamische Revolution

Seit 1941 regierte Mohammad Reza Pahlavi als Schah von Persien. Der Schah strebte eine Modernisierung des Landes an und öffnete sich der westlichen Welt, insbesondere den USA. 1962 kam es zur sogenannten „Weißen Revolution“8 - Ein umfassendes Reformprogramm, was unter anderem eine Umgestaltung der agrarischen Bevölkerung bewirkte, denn in Folge dieser bedrohten kapitalistische Großbewirtschaftungen die Existenzen kleiner Landwirte, was zu einem Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion führte. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen dieser Reformen machten sich in den siebziger Jahren im Iran bemerkbar. Die junge Bevölkerung wanderte in die Großstädte ab, die darauf nicht vorbereitet waren. Slums in Teheran, Täbris und Isfahan waren die Folge9.

Darüber hinaus wurde die Annährung an die USA und die damit einkehrende Verwestlichung des Landes von vielen Iranern kritisiert. So bildeten beispielsweise Amerikaner den iranischen Geheimdienst SAVAK aus und der damalige US-Präsident John F. Kennedy übte Einfluss auf die Gestaltung der Agrarreform im Zuge der „Weißen Revolution“ aus10. Seit 1964 waren im Iran über 60.000 US-Militärs und Berater stationiert. Ayatollah Ruhollah Musavi Khomeini, ein schiitischer Geistlicher, zweifelte unter diesen Bedingungen die Souveränität des Staates an11.

Das Hauptinteresse des damaligen Monarchen Pahlavi lag in der Manifestierung seiner Macht, was unter anderem anhand der Gründung der Pahlavi-Stiftung deutlich wird. Sie diente lediglich dem Zweck, für Einfluss im Industrie- und Bankensektor zu sorgen12.

In Folge der teilweise misslungenen Reformen und der, von nicht jedem Iraner gewünschten, Verwestlichung des Staates kam es immer häufiger zu Konflikten zwischen „dem säkularen, nationalistischen, vor allem aber anti-islamischen System“13 im Iran und dem traditionellen Marktsystem der Basare. Laut J. Paul Luft basierte das Schah-Regime auf lediglich zwei Pfeilern. Zum einem die Armee und auf der anderen Seite die enge Bindung an die USA, die diese als Zugang zum Erdöl und der Kontrolle im arabischen Raum nutzte14.

Im Zuge der Weißen Revolution führte Pahlavi ein allgemeines Frauenwahlrecht ein und ermöglichte ihnen den Einzug ins Parlament15. Das Reformprogramm führte er mit Hilfe einer Volksabstimmung durch und umging somit das Parlament16. Daraufhin folgten im März 1963 Massendemonstrationen, bei denen Ayatollah Khomeini ebenfalls die Zusammenarbeit des Schahs mit Israel und den USA kritisierte. Wegen Unruhestiftung wurde er anschließend verhaftet17.

Kritiker des Schahs bemängelten, dass die Geschwindigkeit der sozial-ökonomischen Entwicklung ungleich der politischen Entwicklung sei. Forderungen nach politischer Öffnung wurden durch Überwachungen und Repressionen unterdrückt, was folglich zu einem Konflikt mit Teilen der Bevölkerung führte18.

Auf Grund des Verbotes der Parteien im Iran und die Einführung einer Einheitspartei im Jahre 1975 (Rastakhiz)19, dem Nationalismus und der Modernisierung, sowie der Unterdrückung der Meinungsfreiheit bei Demonstrationen erfüllt das iranische Modell alle drei Merkmale eines autoritären Systems nach Juan José Linz: Eingeschränkten politischen Pluralismus, Rückgriff auf einzelne Werte und eingeschränkte politische Partizipation20. Bei der vom Schah angeführten Modernisierung des Staates durch Reformen und westlicher Annährung erfolgte eine Zusammenlegung gesellschaftlicher Teilsysteme, was beispielsweise bei der Regulierung der Wirtschaft durch die Reformen zur Industrialisierung erkennbar ist21. Hierbei „wird die funktionale Differenzierung der gesellschaftlichen Teilsysteme blockiert“. Nach Niklas Luhmanns autopoietischer Systemtheorie navigiert dieser Schritt „längerfristig zu Effizienz- und Legitimationskrisen“, die zur Instabilität eines politischen Systems führen22. Somit ist folglich Legitimitätsmangel erkennbar, der bereits Proteste in der Bevölkerung hervorgerufen hat.

[...]


1 Vgl. E Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hrsg.)(2001): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. Verlag C. H. Beck, München. Lizenzausgabe: Bundeszentrale für politische Bildung 2006, Bonn. S. 283.

2 Vgl. Ebd., S. 52.

3 Vgl. Halm, Heinz (2005): Die Schiiten. Verlag C.H. Beck, München. S. 86.

4 Vgl. Ebd., S. 84.

5 Vgl. Naini, Ahmad (1979): Die Revolution in Iran - Hintergründe und Ereignisse. DokumentationsLeitstelle Moderner Orient, Hamburg. S. 211.

6 Vgl. E Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hrsg.)(2001): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. Verlag C. H. Beck, München. Lizenzausgabe: Bundeszentrale für politische Bildung 2006, Bonn. S. 285.

7 Vgl. Ebd., S. 134

8 Vgl. Luft, J. Paul (2000): Die Islamische Revolution 1979, In: Wende, Peter (2000): Große Revolutionen der Geschichte. Verlag C.H. Beck, München. S.335

9 Vgl. Ebd., S.337

10 Vgl. Bayat-Philipp, Mangol (2004): Die Beziehungen zwischen den USA und Iran seit 1953. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 9/2004, 23.02.2004, Bonn. S.29-38.

11 Vgl. Luft, J. Paul (2000): Die Islamische Revolution 1979, In: Wende, Peter (2000): Große Revolutionen der Geschichte. Verlag C.H. Beck, München. S.345

12 Vgl. Amineh, Mehdi Parvizi (1999): Die globale kapitalistische Expansion und Iran. LIT Verlag, BerlinHamburg-Münster. S. 421

13 Luft, J. Paul (2000): Die Islamische Revolution 1979, In: Wende, Peter (2000): Große Revolutionen der Geschichte. Verlag C.H. Beck, München. S. 335.

14 Vgl. Ebd. S.335.

15 Vgl. Wahdat-Hagh, Wahied (2003): Die Islamische Republik Iran: Die Herrschaft des politischen Islam als eine Spielart des Totalitarismus. Dissertation an der Freien Universität Berlin, LIT Verlag, BerlinHamburg-Münster. S. 16.

16 Vgl. Luft, J. Paul (2000): Die Islamische Revolution 1979, In: Wende, Peter (2000): Große Revolutionen der Geschichte. Verlag C.H. Beck, München. S.336

17 Vgl. Wahdat-Hagh, Wahied (2003): Die Islamische Republik Iran: Die Herrschaft des politischen Islam als eine Spielart des Totalitarismus. Dissertation an der Freien Universität Berlin, LIT Verlag, BerlinHamburg-Münster. S. 18.

18 Vgl. Luft, J. Paul (2000): Die Islamische Revolution 1979, In: Wende, Peter (2000): Große Revolutionen der Geschichte. Verlag C.H. Beck, München. S.337

19 Vgl. Amineh, Mehdi Parvizi (1999): Die globale kapitalistische Expansion und Iran. LIT Verlag, BerlinHamburg-Münster. S. 397.

20 Vgl. Merkel, Wolfgang (1999): Systemtransformation - Eine Einführung in die Theorie und Empirie der Transformationsforschung. Leske + Budrich, Opladen. S. 36-44.

21 Vgl. Luft, J. Paul (2000): Die Islamische Revolution 1979, In: Wende, Peter (2000): Große Revolutionen der Geschichte. Verlag C.H. Beck, München. S.337

22 Merkel, Wolfgang (1999): Systemtransformation - Eine Einführung in die Theorie und Empirie der Transformationsforschung. Leske + Budrich, Opladen. S. 82.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Haben schiitische Geistliche Einfluss auf die Islamische Revolution 1979 im Iran gehabt?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V174817
ISBN (eBook)
9783640955060
ISBN (Buch)
9783640954766
Dateigröße
722 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schiiten, Iran., Islamische Revolution, 1979, Geistliche
Arbeit zitieren
Hendrik Jaeschke (Autor), 2009, Haben schiitische Geistliche Einfluss auf die Islamische Revolution 1979 im Iran gehabt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174817

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