1 Einleitung
Die gegenwärtige wirtschaftliche Situation ist insbesondere für junge und innovative
Unternehmen als Antriebskräfte für das Wachstum einer Volkswirtschaft äußerst
schwierig. Auf Grund von immer weiter steigenden Anforderungen der Märkte und verstärkter
globaler Konkurrenz müssen Unternehmenseigentümer nicht nur an den Fortbestand
des Unternehmens, sondern darüber hinaus auch nachhaltig an international ausgerichtete,
wettbewerbsfähige Wachstumsstrategien denken. Die für eine kontinuierliche
Innovation, Flexibilität und Kundenorientierung erforderliche Kapitalausstattung
übersteigt dabei meist die finanziellen Möglichkeiten der Eigentümer. Als Gründe hierfür
sind einerseits die geringe Innenfinanzierungskraft hinsichtlich der hohen F&EKosten
und andererseits die restriktive Haltung der Kreditinstitute zu nennen, da junge
Mittelstandunternehmen noch keine stabile Cash Flows aufweisen. Zur Deckung des
benötigten Kapitals ist das Initial Public Offering (IPO) – der öffentliche Verkauf von
Aktien an eine größere Anzahl von Investoren – eine denkbare Alternative.
Seit den siebziger Jahren ist es weltweit bekannt, dass mit einem IPO ein häufiges Auftreten
von Underpricing verbunden ist, das eine Preisdifferenz zwischen dem Emissionspreis
und dem ersten Börsenpreis darstellt. Für das Unternehmen bedeutet Underpricing
nicht eingenommenes Eigenkapital, das besonders bei kleinen und jungen Unternehmen
in hohem Maße zu beobachten ist. Hierbei kann infolge unterschiedlicher Informationsstände
auf dem Primärmarkt der Emissionspreis erheblich vom Unternehmenswert
abweichen. Daher sind die Fragen, ob die Emissionsbank in der Lage ist,
IPOs effizient zu bewerten und wie der Emittent die Underpricing-Problematik mindern
kann, von besonderer Bedeutung. In diesem Kontext stehen insbesondere informationstheoretische
Überlegungen, die auf der Problematik der adverse selection und moral
hazard aufbauen, im Zentrum der zahlreichen Erklärungsmodelle.1
Diese Arbeit stellt vorerst die wichtigsten Beweggründe für ein IPO, die originären
Interessen der Hauptakteure auf dem Primärmarkt, ihre Sichtweise bzgl. der Underpricing-
Problematik sowie die verschiedenen Preisbildungsverfahren dar. Das Ziel dieser
Arbeit ist die Darstellung der Hauptursachen des Underpricings aus informationstheoretischer
Sicht und die Beschreibung einiger Handlungsstrategien, die in der Praxis verwendet
werden, um die damit einhergehenden Probleme zu überwinden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Konzeptionelle Grundlagen
2.1 Initial Public Offering
2.2 Beweggründe des Emittenten für ein IPO
2.2.1 Hauptmotive
2.2.2 Kosten
2.3 Underpricing
2.4 Underpricing aus Sicht der IPO-Hauptakteure
2.5 Preisbildungsverfahren
2.5.1 Festpreisverfahren
2.5.2 Auktionsverfahren
2.5.3 Bookbuilding-Verfahren
3 Hauptursachen von Underpricing aus informationstheoretischer Sicht
3.1 Winner’s curse-Hypothese
3.2 Signaling-Hypothese
3.3 Market Feedback-Hypothese
3.4 Information Advantage-Hypothese
3.5 Resümee
4 Handlungsstrategien für den Emittenten
4.1 Maßnahmen zur Optimierung der Informationsstruktur
4.2 Wahl eines renommierten Konsortialführers
4.3 Bookbuilding-Verfahren als das optimale Preisbildungsverfahren
4.4 Resümee
5 Eigene empirische Untersuchung
5.1 Ziel
5.2 Daten
5.3 Methodik
5.4 Ergebnisse
5.5 Resümee
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des IPO-Underpricings, bei dem der Emissionspreis von Aktien unter dem ersten Börsenkurs liegt. Das primäre Ziel ist es, die Hauptursachen dieses Phänomens aus informationstheoretischer Sicht zu analysieren und geeignete Handlungsstrategien für Emittenten zur Milderung der ex-ante Unsicherheit und Reduktion des Underpricings aufzuzeigen.
- Grundlagen des Initial Public Offering und der Preisbildungsverfahren
- Informationstheoretische Erklärungsansätze für Underpricing
- Handlungsstrategien für Emittenten zur Steigerung der Informationsqualität
- Einfluss der Reputation von Emissionsbanken auf das Underpricing
- Empirische Untersuchung anhand von NASDAQ-Daten (1991-1995)
Auszug aus dem Buch
3.1 Winner’s curse-Hypothese
Die wohl bekannteste Ursache von Underpricing ist das von ROCK (1986) entwickelte Gleichgewichtsmodell, das auf asymmetrischer Informationsverteilung zwischen den Investoren beruht: Während ein großer Teil der Investoren über keine Informationen verfügt, ist ein kleinerer Teil der Investoren über den wahren Wert des Emittenten gut informiert. Dabei nimmt Rock an, dass der Emittent und die Emissionsbank ebenso uninformiert sind und dass beide denselben Informationsstand aufweisen. Somit handelt die Bank (Agent) im Sinne des Emittenten (Prinzipal) und das principal-agent-Problem kann zwischen ihnen vernachlässigt werden. Weiterhin weist er darauf hin, dass der Emittent für eine vollständige Platzierung des IPOs auf die Nachfrage der uninformierten Investoren angewiesen ist.
Bezüglich ihres Informationsvorsprunges werden die informierten Investoren im Mittel nur IPOs zeichnen, die unterbewertet bzw. „underpriced“ sind und die eine positive Überrendite antizipieren lassen. Dagegen können die uninformierten Investoren nicht differenzieren und zeichnen alle IPOs (adverse selection), das bedeutet, dass ausschließlich sie die negativen Renditen der überbewerteten IPOs tragen. Bei den unterbewerteten IPOs entsteht durch einen Nachfrageüberhang eine Überzeichnung, was zu einer rationierten Zuteilung durch die Bank führt. Dadurch verfügen die uninformierten Investoren – selbst bei einer nicht diskriminierenden Zuteilung – einen überdurchschnittlich hohen Anteil überbewerteter IPOs. Folglich müssen die uninformierten Investoren bereit sein, im Durchschnitt einen höheren Preis zu bezahlen (winner’s curse), um wenigstens einen Anteil der unterbewerteten IPOs zu erhalten. Somit werden sie eine geringere Gesamtrendite als die informierten Investoren erzielen und sich vom Markt zurückziehen (crowding out).
Wendet sich ein großer Teil der Investoren vom Platzierungsverfahren am Primärmarkt ab, kann das schlimmstenfalls dessen Zusammenbrechen hervorrufen. Um dieses Szenario zu vermeiden, müssen die Nachteile der uninformierten Investoren kompensiert werden. Demnach ist der Emissionspreis so niedrig anzusetzen (Underpricing), dass diese Investoren durch die volle Zuteilung der überbewerteten IPOs und die rationierte Zuteilung der unterbewerteten IPOs im Mittel keinen Verlust erleiden, bzw. eine Überrendite erzielen. Da die informierten Investoren für ihre Informationen Recherchekosten aufwenden müssen, erzielen sie im Marktgleichgewicht eine identische Verzinsung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des IPO-Underpricings ein und erläutert die Relevanz des Themas für junge Unternehmen bei der Kapitalbeschaffung.
2 Konzeptionelle Grundlagen: Dieses Kapitel definiert das Initial Public Offering, erläutert Beweggründe und Kosten eines Börsengangs und beschreibt die verschiedenen Preisbildungsverfahren.
3 Hauptursachen von Underpricing aus informationstheoretischer Sicht: Hier werden theoretische Modelle wie die Winner's Curse- und Signaling-Hypothese analysiert, um die systematische Preisdifferenz beim IPO zu erklären.
4 Handlungsstrategien für den Emittenten: Dieses Kapitel stellt Maßnahmen zur Verbesserung der Informationsstruktur und die Wahl renommierter Konsortialführer als Strategien zur Reduktion von Underpricing vor.
5 Eigene empirische Untersuchung: Die empirische Studie analysiert anhand von 839 IPOs den Zusammenhang zwischen Unternehmensmerkmalen, Underwriter Reputation und der Höhe des Underpricings.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Komplexität der Steuerung von Underpricing durch Unternehmens- und Bankstrategien.
Schlüsselwörter
Initial Public Offering, IPO, Underpricing, Emissionspreis, Primärmarkt, Informationstheorie, Winner's Curse, Signaling-Hypothese, Markt Feedback-Hypothese, Information Advantage, Konsortialführer, Reputation, Börsengang, Kapitalbeschaffung, Unternehmensfinanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Ursachen des Phänomens "Underpricing" bei Börsengängen (IPOs) und untersucht Möglichkeiten, wie Unternehmen durch strategisches Handeln dieses Underpricing beeinflussen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die informationstheoretischen Erklärungsansätze für Preisdiskrepanzen am Primärmarkt sowie die Rolle von Emissionsbanken und verschiedenen Preisbildungsverfahren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die Darstellung der Hauptursachen von Underpricing aus informationstheoretischer Sicht sowie die Identifikation von Handlungsstrategien, um die ex-ante Unsicherheit beim Börsengang zu mildern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse zu verschiedenen Hypothesen mit einer eigenen empirischen Studie, die auf Daten von 839 IPOs an der NASDAQ basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Herleitung der Ursachen von Underpricing sowie eine praktische Untersuchung von Handlungsstrategien, wie z.B. der Wahl renommierter Konsortialführer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Initial Public Offering, Underpricing, Information Advantage-Hypothese, Signaling-Hypothese und Reputation von Konsortialführern.
Wie definiert die Arbeit den "Winner's Curse"?
Der Winner's Curse beschreibt das Phänomen, dass uninformierte Investoren bei der Zeichnung von Aktien im Durchschnitt eher überbewertete Emissionen erhalten, da bei den unterbewerteten (attraktiven) IPOs eine rationierte Zuteilung erfolgt.
Welche Rolle spielen renommierte Konsortialführer bei einem Börsengang?
Renommierte Konsortialführer wirken durch ihr Ansehen als Signalgeber für die Qualität des Emittenten, was dazu beitragen kann, Informationsasymmetrien zu reduzieren und das Underpricing zu senken.
Was ist das Ergebnis der eigenen empirischen Untersuchung in Bezug auf Unternehmensalter?
Die Untersuchung bestätigt, dass ein negativer Zusammenhang zwischen Unternehmensalter und Underpricing besteht, das heißt, ältere Unternehmen weisen tendenziell ein geringeres Underpricing auf.
Warum wird das Bookbuilding-Verfahren als optimal dargestellt?
Das Bookbuilding-Verfahren ermöglicht es, durch Roadshows und Gespräche mit Investoren wertvolle Informationen über die Nachfrage zu gewinnen, was zu einer marktnahen Preisfindung führt und als effektives Mittel zur Steuerung des Underpricings gilt.
- Arbeit zitieren
- Hamed Abbaspur (Autor:in), 2011, Initial Public Offering, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174835