Universitäre Gründungsförderung im internationalen Vergleich

Welchen Effekt haben extrinsische und intrinsische Motive auf die Gründungsintention von Universitätsstudenten?


Wissenschaftliche Studie, 2010
38 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

FORMELVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1. ABSTRACT

2. EINLEITUNG
2.1. PROBLEMSTELLUNG
2.2. ZIELSETZUNG DER ARBEIT
2.3. AUFBAU DER ARBEIT

3. HERLEITUNG DER HYPOTHESEN
3.1. UNIVERSITÄRE GRÜNDUNGSFÖRDERUNG
3.1.1. Zielsetzung & Definition
3.1.2. Hypothesen H1a & H2a
3.2. MOTIVE DER GRÜNDUNGSFÖRDERUNG
3.2.1. Zielsetzung
3.2.2. Gründungsförderung als extrinsische Motivation
3.2.3. Intrinsische Motive
3.2.3.1. Trait Approach - Der geborene Unternehmer
3.2.3.2. Kulturbezogene Einflüsse auf die Gründungsintention
3.2.4. Hypothesen H1b & H2b
3.3. ÜBERSICHT ÜBER DIE HYPOTHESEN H1 UND H2
3.4. MATRIARCHALISCH VS. PATRIARCHALISCH
3.4.1. Zielsetzung
3.4.2. Begriffsdefinitionen
3.4.3. Theoretisches Rahmenmodell
3.4.4. Hypothesen H3a und H3b

4. METHODEN & ERGEBNISSE
4.1. METHODEN UND STICHPROBE
4.1.1. Methoden
4.1.2. Stichprobe
4.2. ERGEBNISSE DER STATISTISCHEN ANALYSE
4.2.1. Hypothese H1a und H2a
4.2.2. Hypothese H1b und H2b - Der Einfluss des Veranstaltungsbesuches
4.2.3. Ergebnisse für Hypothese H3a und H3b

5. DISKUSSION

6. FAZIT
6.1. ZUSAMMENFASSUNG
6.2. IMPLIKATION FÜR DIE PRAXIS
6.3. IMPLIKATION FÜR DIE FORSCHUNG

7. ANHANG
7.1. ERGEBNISSE H1A, H2A
7.2. ERGEBNISSE ABGELEITET ZU H1A, H2A [MÄNNLICHE STUDENTEN]
7.3. ERGEBNISSE DER HYPOTHESE H1B
7.4. ERGEBNISSE DER HYPOTHESE 2B
7.5. ERGEBNIS HYPOTHESE 3A
7.6. ERGEBNIS HYPOTHESE 3B
7.7. HYPOTHESENÜBERSICHT UND EFFEKTSTÄRKE

LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Zirkelkreislauf der Gründungsförderung. Warum eine Hochschule in Gründungsförderung investieren sollte

Abbildung 2: Überblick über den Zusammenhang intrinsischer sowie extrinsischer Motivation mit der Gründungsintention (H1 & H2)

Abbildung 3: Zusammenhang zwischen geschlechterspezifischer Gründungsneigung in patriarchalischen wie matriarchalischen Gesellschaften

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Ergebnis H1a, H2a

Tabelle 2: Kollinearitätsdiagnose für Hypothese 1a und 2a

Tabelle 3: Korrigiertes R-Quadrat für H1a und H2a

Tabelle 4: Ergebnisse für H1a und H2a bei männlichen Respondenten

Tabelle 5: Ergebnis für H1b

Tabelle 6: Ergebnis für H2b

Tabelle 7: Ergebnis H3a: Türkei

Tabelle 8: Ergebnis H3b: Finnland

Tabelle 9: Hypothesenübersicht und deren Effektstärke

FORMELVERZEICHNIS

Formel 1: Summierte Regressionsanalyse

Formel 2: T-Test Prüfgröße Formel 3: Standardabweichung T-Test

Formel 4: T-Test unter Einbezug der Standardabweichung

Formel 5: Freiheitsgrade

Formel 6: Logischer Zusammenhang extrinsischer und intrinsischer Motivation

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. ABSTRACT

Hochschulen haben das Potential erfolgreicher Unternehmensgründer erkannt. Sie steigern das Absolventengehalt und verbessern damit das Hochschulranking, in dem sich Studenten vor ihrer Ausbildung bewusst informieren. Ziel ist es, mehr erfolgreiche Unternehmungs- gründungen hervorzubringen. Doch wie? Diese Arbeit zeigt, dass extrinsische Motive wie die Gründungsförderung negativ auf die Gründungsförderung wirken - es passieren also Fehler. Intrinsische Motive (Kultur, Gesellschaftliche Prägungen, Veranlagung) können den negati- ven Effekt nicht ausgleichen. Ergebnis ist, dass Universitäten ein Evaluierungsproblem auf- weisen und flexibler auf die Anforderungen der Studierenden eingehen müssen. Individuelle Förderung statt Zwang durch Kursvorgabe. Außerdem wird gezeigt, dass Frauen (Männer) in männerdominierten (frauendominierten) Ländern keine geringere Gründungsintention haben.

2. EINLEITUNG

2.1. Problemstellung

Universitäre Gründungsförderung ist ein vielversprechender Ansatz zur Wertsteigerung einer Universität. Das Beispiel Rentabo.de zeigt, wie ein Gründungsseminar an der Uni Lüneburg schnell zum Erfolg führen kann. Vier Studenten erwirtschafteten zuletzt einen geschätzten Jahresumsatz von >250.000 Euro. Das Portal zum Mieten und Vermieten von Booten ist das Paradebeispiel erfolgreicher Gründungsmanagement Lehre. Massiv an Bedeutung gewinnend flossen von 1997-2005 Fördermittel i. H. v. 46 Millionen Euro in das bundesweit aktive EXIST Gründungsförderungsprogramm. (Vgl. Kulicke (2006), S. 10. zit. aus Walter S., Wal- ter A. 2008). Zurückzuführen ist das Engagement auf die Bedeutung von Hochschulrankings im Spiegel, Focus, Handelsblatt, Karriere, Wirtschaftswoche und der FAZ. Bedeutender Be- standteil sind Gehaltserwartungen nach dem erfolgreichen Abschluss an der jeweiligen Hoch- schule. Dieser Faktor wird durch erfolgreiche Ausgründungen signifikant gesteigert und ver- bessert damit die Rankingposition. Wie später gezeigt wird, aktiviert dies einen Zirkelkreis- lauf [siehe insb. auch Abb.1 weiter unten]. Doch weshalb gründen Studenten eigene Unter- nehmen? Nur aufgrund von Vorlesungen und Praxisseminaren, wie in dem Beispiel mit Rentabo.de? In diesem Fall wäre der Besuch von Gründungsveranstaltungen unabdingbar. Oder basiert die Gründungsintention auf klassischer Konditionierung und kulturellen Beson- derheiten? Hofstede (2005) und Trompenaars / Hampden-Turner (1998) kategorisieren kultu- relle Unterschiede. Management Charakteristika wie bspw. Risikofreude würden intuitiv die Gründungswahrscheinlichkeit - auch ohne Gründungsveranstaltung an den Universitäten- steigern. Der externe Effekt i.S.v. Gründungsförderung würde dann verstärkend wirken. Inte- ressant ist, dass viele Ausgründungen von Männern durchgeführt werden. Doch ist das überall in Europa so? Länder mit einem hohen Gleichheitsindex und einer geringen Punktezahl auf Hofstedes (2005) Masculinity Index sollten zumindest gleich viele Frauen als Gründerinnen aufweisen. Ein Vergleich vom ewigen Pisa Sieger Finnland als Vertreter matriarchalischer Werte mit der Türkei, als patriarchalischer Vertreter wird Klarheit bringen können[Vgl. Walter S. & Walter A., 2008, S. 560; Hofstede, 2008, S. 120f.].

Die Forschung auf dem Gebiet der universitären Gründungsförderung bezieht sich zumeist auf die Situation in den USA. Walter, A. und Walter, S. (2009) haben eine Übersicht über die unterschiedlichen Einflüsse auf die Gründungswahrscheinlichkeit von Studierenden und an- hängige Artikel aufgelistet. Die meisten Artikel konzentrieren sich auf Personen, die bereits ein Unternehmen gegründet haben oder beträchtliche Berufserfahrung haben. (Vgl. Müller- Böling und Klandt, 1993). Die Übertragbarkeit auf Studenten muss daher kritisch hinterfragt werden, da sich Unternehmer vom Studenten unterscheiden. (Vgl. Robinson 1991).

2.2. Zielsetzung der Arbeit

Generelles Ziel dieser Arbeit ist zu untersuchen, ob gründungsorientierte Veranstaltungen alleine eine positive Gründungsintention auslösen [H1a, H2a], oder ob kulturelle und gesell- schaftliche Aspekte [H2a, H2b] die Gründungsintention vorgeben. Im letzteren Fall sei ange- nommen, dass eine Gründungsveranstaltung lediglich als Multiplikator wirke. Ausgehend von der Existenz kultureller und gesellschaftlicher Einflüsse auf das Gründungsverhalten unter- sucht diese Arbeit den Geschlechteraspekt. Männer und Frauen werden je nach sozialer Ord- nung unterschiedlich wahrgenommen - mit unklaren Folgen auf ihre Gründungsintention. Erstmals untersucht diese Arbeit den Effekt von Geschlechterdominanz in Kulturen auf die Gründungsneigung von Studenten. Die Forschungsfrage lautet dann: Welchen Effekt haben extrinsische und intrinsische Motive auf die Gründungsintention von Universitätsstudenten?

2.3. Aufbau der Arbeit

Der theoretischen Herleitung der Hypothesen folgt deren Begründung. Die anschließende statistische Analyse nutzt die gesamte Stichprobe von n=501. Wann immer das Signifikanzniveau es zulässt, wird auch das Ergebnis für Finnische Studenten dargestellt. Aufgrund der verwertbaren Antworten von n=74 ist dies wissenschaftlich fraglich. Für die Hypothese H3 wird ein Vergleich der stark maskulinen Türkei [patriarchalisch] und dem fe- minineren Finnland [matriarchalisch] vorgenommen. (Hofstede, 2005: S. 120f.)

3. HERLEITUNG DER HYPOTHESEN

3.1. Universitäre Gründungsförderung

3.1.1. Zielsetzung & Definition

Gründungsförderung an Hochschulen kann auf zwei Arten erfolgen. Anwendungsorientiert und nicht anwendungsorientiert. Anwendungsorientierte Gründungsförderung sind etwa Pra- xisseminare. In diesen sollen ]Studenten durch die Erstellung eines Businessplanes erste prak- tische Erfahrungen sammeln. Durch den unmittelbaren Bezug wird der Arbeitsaufwand eines solchen Businessplans später besser eingeschätzt und erste Strategien zur Überführung einer Idee zum fertigen Projekt entwickelt. Je nach Fähigkeiten und Kreativität wird aus einer Se- minararbeit eine Idee für ein Unternehmen, wie man am Eingangsbeispiel Rentabo.de sieht. Durch direkte Konfrontation mit der Thematik werden Berührungsängste überwunden. Ge- wonnenes Wissen dient als Grundlage für eine spätere Unternehmungsgründung.

Parallel dazu existiert die nicht anwendungsorientierte Gründungsförderung. Ziel ist die Vermittlung theoretischen Wissens und der Kenntnis von Modellen zur Lösung von Frage- stellungen. Vorlesungen zum Thema Entrepreneurship etwa. Die Auswirkung von Grün- dungsförderung in beiden Fällen wurde in der Literatur diskutiert. Nach Peterman und Ken- nedy (2003) bekundeten Schüler nach Teilnahme gründungsorientierter Maßnahmen eine po- sitivere Gründungshaltung. Brockhoff und Tscheulin (2001) verglichen die Studierenden der WHU Koblenz mit der Universität Freiburg und fanden eine positivere Gründungshaltung, zurückzuführen auf unternehmerische Ausbildung. Backes-Gellner, Demirer und Sternberg (2002) erkannten eine positive Korrelation zwischen der Kenntnis einer Gründungsprofessur und Gründungsintention. Zhao, Seibert und Hills (2005) fanden einen positiven Zusammen- hang zwischen dem Erfolg bei Gründungsausbildung und der Selbsteinschätzung, später ein Unternehmen gründen zu können.

Zu guter letzt entsteht eine positive Atmosphäre erzeugt durch den Gründergeist. Er regt zu Kreativität an und fördert die Gründungsintention (Franke und Lüthjes, 2002). Gründungsin- tention oder Gründungsneigung ist ebenso wie eine hohe Wahrscheinlichkeit zur Unterneh- mensgründung definiert, als der Drang zur Selbstständigkeit und eine hohe Wahrscheinlich- keit, diesen nach dem Studium auszuleben. Diesen fünf Studien folgend, kann die Hochschule durch ein gezieltes gründungsorientiertes Angebot die Gründungsneigung steigern. Kombi- niert ergibt es einen Zirkelkreis.

Abbildung 1: Zirkelkreislauf der Gründungsförderung. Warum eine Hochschule in Gründungsförderung investieren sollte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Höhere Gründungsneigung bedeutet höheres Gehalt nach Hochschulabschluss. Größere Gehaltserwartungen erhöhen den Score in den Hochschulrankings.

Dieser wird von den zukünftigen Studenten viel beachtet. Gute Zukunftsperspektiven sind attraktiv für eine höhere Anzahl an Bewerbern. Durch ein Mehr an Bewerbern als Studien- plätze zur Verfügung stehen, entsteht eine Auslese anhand von Numerus Clausus. Das Niveau der Bewerber steigt. Leistungsfähigere Studenten erzielen mit höherer Wahrscheinlichkeit ein besseres Gehalt als weniger leistungsfähigere Studenten. Damit schließt sich der Kreis, weil die Rankingposition erhöht wird. (Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland, 2010)

3.1.2. Hypothesen H1a & H2a

Basierend auf diesen Überlegungen werden Hypothese 1a und Hypothese 2a formuliert:

H1a: Je höher das anwendungsorientierte Lehrangebot an einem Fachbereich, desto höher die Gründungsintention der Studierenden.

H2a: Je höher das nicht-anwendungsorientierte Lehrangebot, desto höher die Gründungsin- tention der Studierenden.

Gibt es Praxisseminare die auf eine Unternehmungsgründung vorbereiten, so ist die Grün- dungsintention folglich auch höher [H1a]. Fiet (2000) sieht dabei das nicht- anwendungsorientierte Lehrgebot [H2a] durch den schwachen Einbezug der Studierenden als ineffektiv. Gartner und Vesper (1994) kommen zu dem Ergebnis, dass anwendungsorientierte Lernprogramme (Businessplan-Erstellung) erfolgreich die Gründungsneigung steigert. Einfa- che Vorlesungen als nicht anwendungsorientiertes Lehrangebot hingegen nicht.

3.2. Motive der Gründungsförderung

3.2.1. Zielsetzung

Das Ziel ist die Gründungsneigung zu steigern um den Zirkelkreislauf zu starten. Gründungs- förderung kann dabei eine Möglichkeit sein. Die zu stellende Frage ist, wann ist Gründungs- förderung effizient? Gibt es Effekte -unabhängig von universitärer Gründungsförderung- die Studierende dazu veranlassen Unternehmer(in) zu werden? In diesem Zusammenhang werden sowohl intrinsische als auch extrinsische Motive diskutiert. Intrinsische Motive sind eigenbe- stimmt und brauchen deshalb keine Anstöße von außen. Als Gegenbegriff gilt extrinsisch, per Definition als Antrieb von außen.

3.2.2. Gründungsförderung als extrinsische Motivation

Gründungsförderung schafft durch extrinsische Motivation von Professoren, Unterneh- mungsvertretern und dem Studienplan den Wunsch bei Studierenden nach einer Unterneh- mungsgründung. Dieser war vorher nicht vorhanden. Meist ist es auch die einzige Ausbildung ist und damit fehlen Alternativen. Der Student wird in die Selbstständigkeit gedrängt.

3.2.3. Intrinsische Motive

Theorien zur intrinsischen Gründungsmotivation beziehen sich auf 2 Ansätze. Zum einen den Trait Approach und zum Anderen den Kulturbezogenen Ansatz.

3.2.3.1. Trait Approach - Der geborene Unternehmer

Im Rahmen der frühkindlichen Erziehung werden Werte und Normen vorgelebt, die für einen Unternehmer wichtig sind. Diese sind nicht in den Genen bei Geburt enthalten, werden aber durch kognitive Lernprozesse wie der klassischen Konditionierung von Geburt anerzogen. Diese Verhaltensmuster werden im Erwachsenenleben Teil der Persönlichkeit. Sind unter diesen antrainierten Eigenschaften die Selbstständigkeit, das Denken in Heuristiken und Freude an neuen Sachverhalten, so wird er Aufgaben einfacher lösen können. (Vgl. Gartner, 1989, S.48) Ein solches Denken führt zu höherer Gründungsintention.

3.2.3.2. Kulturbezogene Einflüsse auf die Gründungsintention

Auch kulturbezogene Einflüsse fließen in die Persönlichkeit mit hinein. Unbewusste Reaktio- nen auf gesellschaftliche Erwartungen oder kulturelle Gegebenheiten prägen die Persönlich- keit. Dieser Faktor unterscheidet sich durch den Trait Approach insoweit, als dass er die Be- zugsgruppe weiter fasst und einen Kulturkreis umschließt. Hofstede (2005) hat 5 Kultur- Dimensionen erstellt, anhand derer er jedes Land eingeteilt hat. Maskulinität, Unsicherheits- vermeidung, Individualismus, Zeithorizont und Gleichheitsstreben sind die Dimensionen. Diese Faktoren können nicht in Gründungsveranstaltungen vermittelt werden. Als herausra- gende Eigenschaft von Unternehmern wird die intuitive Fähigkeit genannt, günstige Gelegen- heiten zur erkennen und angemessene Entscheidungen zu treffen (Vgl. Cunningham und Lischeron, 1991, S. 46). Individualismus und Risikofreude sind Bestandteil z.B. der Ameri- kanischen Kulturdimension und stehen für Gründungsfreude. Energie, Ausdauer, Selbstbe- wusstsein und persönliche Stärke ergänzen die Eigenschaften von Unternehmern. (Vgl. für weitere externe Einflüsse H2&H3 in Walter, Dohse 2009, S. 10-11). Dieser Unterscheidung ergibt H1b & H2b. Sind intrinsische Motive (Trait Approach & Kulturbezogener Ansatz) stark ausgeprägt, braucht ein Studierender die Gründungsförderung nicht. Die Gründungsin- tention sollte auch ohne den Besuch des Praxisseminars (H1b) oder der Vorlesung (H2b) po- sitiv sein.

3.2.4. Hypothesen H1b & H2b

H1b: Der positive Zusammenhang zwischen anwendungsorientiertem Lehrangebot und Gründungsintention ist unabhängig vom Besuch der Veranstaltung.

H2b: Der positive Zusammenhang zwischen nicht-anwendungsorientiertem Lehrangebot und Gründungsintention ist unabhängig vom Besuch der Veranstaltung.

Die Gründungsneigung ist durch die unmittelbare familiäre (Trait Approach) und die mittel- bare gesellschaftliche Konditionierung i. S. v. Hofstede (2005) determiniert und bereits bei Stellung der notwendigen Kontakte oder Infrastruktur positiv. Ein Besuch der Praxisseminare, oder des Lehrangebots, ist nicht notwendig, da die Fähigkeiten wie das Denken in Heuristiken oder die Selbstständigkeit in der Persönlichkeit verankert sind. Gründungsförderung verstärkt die vorhandene Gründungsneigung. (Vgl. Carland, Hoy und Carland, 1988, S. 37.)

3.3. Übersicht über die Hypothesen H1 und H2

Abbildung 2: Zusammenhang von intrinsischer, extrinsischer Motivation & Gründungsintention

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

3.4. Matriarchalisch vs. Patriarchalisch

3.4.1. Zielsetzung

Das dritte Hypothesenpaar H3a und H3b untersucht, das Konstrukt Patriarchalisch vs. Matriarchalisch. Finnland ist gekennzeichnet durch seinen geringen Masculinity Index (Platz 68/74). Die Türkei erreicht Platz 43-45/74. (Vgl. Hofstede, 2005, S. 120f.) In der Literatur wird von einem negativen Effekt des weiblichen Geschlechts auf die Gründungsneigung ausgegangen. Sowohl Zhao et. Al (2005), Tkachev et. Al (1999), Vesalainen et. Al (1999), Chen et. Al (1998), Crant (1996), Lovereid (1996) und Matthews (1996) unterstützen dies. Dabei wird nicht unterschieden, ob es sich um matriarchalische oder patriarchalische Gesellschaftsstrukturen handelt. Diese Arbeit nutzt die Forschungslücke, unterscheidet die beiden Konstrukte voneinander und testet die geschlechterspezifischen Gründungsintentionen in einer maskulin dominierten und einer feminin dominierten Kultur.

3.4.2. Begriffsdefinitionen

Der Begriff patriarchalisch kommt aus der Soziologie und leitet sich vom griechischen patér - „Vater“ und arché - „Herrschaft“ ab (Vgl. Zinkernagel 2008, S.3 ff.) Im täglichen Sprachge- brauch steht es für die Vorherrschaft von Männern. Im wissenschaftlichen Kontext umfasst der Begriff die Bündelung von Macht. Diese Ungleichverteilung erzeugt soziale Ungleichhei- ten zu Lasten von Frauen. Millet (1977, zit. nach Becker, Kortendiek (hrsg.) 2004, S. 15) de- finiert das patriarchalische gesellschaftliche System als Herrschaft der Männer über Frauen und Kinder innerhalb der Familie. I. w. S. überträgt sich das System Familie auf die gesamte Gesellschaft. Frauen fühlen sich durch die männliche Vormachtstellung diskriminiert. Es be- steht keine Chancengleichheit. Im matriarchalischen System wird den Frauen gesellschaftli- che Macht zugeordnet. Die Gesellschaft sei auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet. Bspw. spezielle arbeitsrechtliche Regelungen während der Mutterpause oder die Verpflichtung zum Betriebs- kindergartens. Die Situation ist an die emotionalen Bedürfnisse der Mutter angepasst, wonach Sie stärkeren Bezug zum Kind bis zum 3. Lebensjahr aufweist. (Bachofen, 1997)

3.4.3. Theoretisches Rahmenmodell

Der Masculinity Index (MI) nach Hofstede (S. 114ff.) misst verschiedene Charakteristika und erstellt eine Skala. Ein hoher MI bedeutet eine starke Performanceorientierung und Interesse am Wettbewerb. Ein geringer Wert steht für das Interesse an dem sozialen Umfeld und der Teilnahme am Leben der Mitmenschen. Je nach gesellschaftlicher Ausprägung in Bezug auf Patriarchismus oder Matriarchismus haben entweder die Männer oder die Frauen einen gesellschaftlichen Vorteil. Sie werden unterschiedlich stark gefördert, sei es durch ihre Familie oder der Gesellschaft. Die Typische Männerolle in patriarchalischen Gesellschaften ist der Alleinverdiener. In matriarchalischen Gesellschaften wird hingegen die Frau durch individuelle Förderung gleich/bessergestellt. Sei es durch die Förderung von Studienprogrammen speziell für Frauen oder die Vereinbarkeit von Beruf und Kind.

3.4.4. Hypothesen H3a und H3b

H3a: In patriarchalisch-orientierten Gesellschaften ist die Gründungsintention von Studen- ten höher als die von Studentinnen.

H3b: In matriarchalisch-orientierten Gesellschaften ist die Gründungsintention von Studen- ten nicht höher als die von Studentinnen.

Abbildung 3: Zusammenhang geschlechterspezifischer Gründungsneigung versch. Gesellschaftsformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

4. METHODEN & ERGEBNISSE

4.1. Methoden und Stichprobe

4.1.1. Methoden

Für H1a, H1b, H2a und H2b wurde die Regressionsanalyse verwendet.

Formel 1: Summierte Regressionsanalyse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erläuterung der Regressionsanalyse: Die Werte der abhängigen Variablen yi und der unab- hängigen Variablen xi,k sind beobachtbar, während die Parameter der Regressionsfunktion b0 und bk sowie aller Residualgrößen ei, die mitunter auch als Residuen, Störgrößen oder Feh- lerterme bezeichnet werden, zu schätzen sind. Die Residualgröße ei beschreibt dabei die Ab- weichung zwischen dem tatsächlichen Wert der abhängigen Variablen yi für die i-te Beobach- tung und dem auf Basis der Parameter der Regressionsfunktion geschätzten Wert der abhän- gigen Variablen. Ziel ist, die Parameter der Regressionsfunktion b0 und bk (k K) so zu schät- zen, dass die Summe der quadrierten Abweichungen zwischen dem tatsächlichen Wert der i- ten Beobachtung yi und deren geschätzten Wert , also die Summe der quadrierten Residu- algrößen, minimiert wird. Dies wird auch als Methode der kleinsten Quadrate bezeichnet (Hansen 1993, S. 53, Schneeweiß 1990, S. 21; Zit. aus Albers, Skiera, 1998, S.2). Für die Hypothesen H3a und H3b wurden die jeweiligen T-Tests bei unabhängigen Stichproben der Türkei [patriarchalisch] mit den Ergebnissen von Finnland [matriarchalisch] verglichen. Ziel ist, zwei Stichprobenmittelwerte (Männern=1, Frauen=2) zu vergleichen. Für die Be- rechnung der Prüfgröße ergibt sich:

Formel 2: T-Test Prüfgröße

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Formel 3: Standardabweichung T-Test

Man kann t mit ausführlicher schreiben als:

Formel 4: T-Test unter Einbezug der Standardabweichung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Formel 5: Freiheitsgrade

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Prüfgröße stellt einen Wert der t-verteilten Variablen mit den Freiheitsgraden dar. Der Unterschied zwischen den Mittelwerten ist signifikant, wenn er sich der t-Wert von dem kritischen t-Wert in der Tabelle signifikant unterscheidet.

4.1.2. Stichprobe

Ein standardisierter Fragebogens ermittelte an 8 Universitäten die Gründungsintention. Da- runter waren die Länder Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Belgien, Türkei, Irland und Kanada. Damit die Stichproben einen geringen Bias aufweisen, wurden verschiedene Studiengänge im höheren Semesters befragt. Ergibt: n=501 verwertbare Datensätze. Stellver- tretend für die Gesamtstichprobe wird das Vorgehen in Finnland erläutert. An der Vaasan Yliopisto (University of Vaasa) waren von n=100 Teilnehmern n=74 Antworten verwertbar.

[...]

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Universitäre Gründungsförderung im internationalen Vergleich
Untertitel
Welchen Effekt haben extrinsische und intrinsische Motive auf die Gründungsintention von Universitätsstudenten?
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
38
Katalognummer
V174931
ISBN (eBook)
9783640955879
Dateigröße
1360 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
SPSS Analyse der Einflussfaktoren von Unternehmensgründungen von Studenten im internationalen Vergleich. Eigene Datenerhebung - Eigene Berechnungen
Schlagworte
spss, finnland, türkei, gründungsförderung, universität, partiarch
Arbeit zitieren
Oliver Gätgens (Autor), 2010, Universitäre Gründungsförderung im internationalen Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174931

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