Vertrauen und Kontrolle als Steuerungsinstrumente temporärer interorganisationaler Projekte

Ein kontingenztheoretischer Ansatz


Diplomarbeit, 2008

89 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise

2 Interorganisationale Projekte, Vertrauen und Kontrolle
2.1 Definition und begriffliche Abgrenzung interorganisationaler Projekte und ihre Rolle als temporäre kooperative Organisationen
2.2 Zwei Betrachtungsebenen interorganisationaler Projekte
2.3 Vertrauen und Kontrolle als Steuerungsinstrumente interorganisationaler Projekte
2.3.1 Vertrauen
2.3.1.1 Definition und konzeptionelle Grundlagen
2.3.1.2 Arten von Vertrauen
2.3.2 Kontrolle
2.3.2.1 Definition und konzeptionelle Grundlagen
2.3.2.2 Arten von Kontrolle
2.3.3 Der Vertrauen-Kontrolle Nexus

3 Die Kontingenztheorie als Analyseinstrument vertrauens- und kontrollbasierter Steuerungsoptionen in temporären interorganisationalen Projekten
3.1 Die Kontingenztheorie im Rahmen der Analyse permanenter und temporärer Organisationen
3.2 Kontingenzen temporärer interorganisationaler Projekte
3.2.1 Unsicherheit als Kontingenzfaktor interorganisationaler Projekte
3.2.2 Kontinuität der Beziehung als Kontingenzfaktor interorganisationaler Projekte

4 Handlungsempfehlungen für die vertrauens- und kontrollbasierte Steuerung interorganisationaler Projekte unter Berücksichtigung der Kontingenzen
4.1 Die Steuerung interorganisationaler Projekte hinsichtlich der Aufgabenunsicherheit
4.1.1 Der Einsatz von Vertrauen als Steuerungsinstrument
4.1.1.1 Auf Unternehmensebene
4.1.1.2 Auf Projektebene
4.1.2 Der Einsatz von Kontrolle als Steuerungsinstrument
4.1.2.1 Auf Unternehmensebene
4.1.2.2 Auf Projektebene
4.2 Die Steuerung interorganisationaler Projekte hinsichtlich der Kontinuität der Beziehung
4.2.1 Der Einsatz von Vertrauen als Steuerungsinstrument
4.2.1.1 Auf Unternehmensebene
4.2.1.2 Auf Projektebene
4.2.2 Der Einsatz von Kontrolle als Steuerungsinstrument
4.2.2.1 Auf Unternehmensebene
4.2.2.2 Auf Projektebene
4.3 Eine integrierte Betrachtungsweise

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Projektorientierte Forschungslinien

Abb. 2: Zwei Betrachtungsebenen interorganisationaler Projekte

Abb. 3: Das kontingenztheoretische Grundgerüst

Abb. 4: Eine Typologie von Kontextsituationen interorganisationaler Projekte

Abb. 5: Eine Typologie dyadischer Interaktionsbeziehungen in interorganisationalen Projekten

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Kontingenzen und die damit jeweils verbundenen Risiken

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

In den letzten Jahren sind projektbasierte Strukturen zu einer sehr häufig zu beobach- tenden Form des Organisierens geworden und haben verstärkt Einzug gehalten in eine Vielzahl unterschiedlicher Industriezweige (Whittington et al., 1999, S. 590; Midler, 1995; Mintzberg, 1983, S. 149, 274). Insofern hat sich die These von Peters anschei- nend bestätigt, der 1992 vermutete, dass „most of tomorrow’s work will be done in pro- ject teams“ (1992, S. 154). Gleichzeitig werden Wettbewerbsvorteile zunehmend im Aufbau und der Steuerung interorganisationaler Beziehungen verortet (Dyer & Singh, 1998), was eine generell steigende Anzahl und Bedeutung von Unternehmenskooperati- onen erklärt (Gulati, 2007, S. 1; Barringer & Harrison, 2000, S. 367 f.; Oliver & Ebers, 1998, S. 549 f.). Vor diesem Hintergrund haben insbesondere interorganisationale Pro- jekte (im Folgenden IOP) an praktischer und theoretischer Relevanz gewonnen (Jones & Lichtenstein, 2008, S. 231 f.; Söderlund, 2004, S. 659 f.).

Zunehmend behandeln Wissenschaftler Projekte weniger als technokratische „Tools“, sondern betonen ihre Rolle als temporäre kooperative Organisationen (Packendorff, 1995; Lundin & Söderholm, 1995, Bryman et al., 1987; Goodman & Goodman, 1976). In solchen zeitlich befristeten Projektorganisationen arbeiten mindestens zwei rechtlich unabhängige Unternehmen gemeinschaftlich an einer komplexen Aufgabe in einer ten- denziell unsicheren Umwelt. Hierfür lassen sich zahlreiche Beispiele in unterschiedli- chen Branchen finden: Die Rohölgewinnung (Stinchcombe, 1985a), das Baugewerbe (Ebers & Maurer, 2007; Eccles, 1981), die Werbeindustrie (Grabher, 2002b), die Bio- technologie (Powell et al., 1996), der Modesektor (Uzzi, 1997), die Filmindustrie (Bechky, 2006; Windeler & Sydow, 2001; Faulkner & Anderson, 1987) und das Bera- tungswesen (Glückler & Armbrüster, 2003).

Diese Projekte weisen einen stark heterogenen Charakter bezüglich der mit ihnen ver- bundenen Unsicherheit als auch hinsichtlich der Projektlaufzeit auf. Ein IOP ist zudem nicht immer eingebettet in ein Netzwerk (Manning, 2008, S. 33 f.; Windeler & Sydow, 2001, Uzzi, 1997) und somit bezüglich des Projektpartners potentiell repetitiv, sondern findet teilweise zwischen unbekannten Parteien statt und bleibt einmalig (Meyerson et al., 1996, S. 167). Gemeinsam ist allen Projekten also ein fixierter Endpunkt und somit ein von vornherein begrenzter zeitlicher Horizont (Heide & Miner, 1992, S. 266-268;

Axelrod, 1984, S. 124 ff.), der sich in seinem Ausmaß jedoch deutlich unterscheiden kann. IOP variieren außerdem in Bezug auf die ihnen inhärente Unsicherheit. Sind bei einigen Projekten sowohl das Ziel als auch die Mittel zu dessen Erreichung bekannt und die Projektumwelt vergleichsweise stabil, so sind innovative Projekte hinsichtlich ihres Ergebnisses schlechter zu definieren und weisen eine höhere Unsicherheit im Hinblick auf die zu verwendenden Methoden und Technologien als auch bezüglich potentieller Marktänderungen auf (Söderlund & Anderson, 1998).

Parallel zur steigenden Relevanz temporärer IOP hat Vertrauen als organisationales Steuerungsinstrument stark an Bedeutung gewonnen (Bachmann & Zaheer, 2008; Za- heer & Harris, 2006). Kramer (2006, S. 1) stellt fest, dass „over the past two decades, the topic of trust moved from bit player to center stage in organizational theory and re- search”. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Vertrauen in interorganisationalen Be- ziehungen für eine Reihe positiver Effekte, etwa die Reduktion von Transaktionskosten, verantwortlich ist und somit einen Wettbewerbsvorteil darstellen kann (Gulati & Ni- ckerson, 2008; Dyer & Chu, 2003; Kramer, 1999, S. 569; Barney & Hansen, 1994). Trotzdem besteht Einigkeit darüber, dass auf Kontrolle nicht gänzlich verzichtet werden kann, weshalb die Diskussion von Vertrauen als Steuerungsoption oftmals durch eine Analyse des Spannungsverhältnisses zu diesem zweiten, in der Literatur lange etablier- ten, Steuerungsinstrument ergänzt wird (Mellewigt et al., 2007; Costa & Bijlsma- Frankema, 2007; Klein Woolthuis et al., 2005; Das & Teng, 2001, 1998).

Die skizzierten Entwicklungen offenbaren eine Forschungslü>wurde der Einsatz dieser beiden Steuerungsinstrumente nicht explizit in einem interor- ganisationalen Projektkontext analysiert. Es stellt sich deshalb die Frage, wie IOP durch den Einsatz von Vertrauen und Kontrolle effizient gesteuert werden können. Die Be- antwortung dieser Frage soll, dem heterogenen Charakter interorganisationaler Projekte entsprechend, an den Kontingenzen Aufgabenunsicherheit und Kontinuität der Projekt- beziehung ausgerichtet werden. Die exakte Problemstellung lautet also: Welches Steue- rungsinstrument, Vertrauen oder Kontrolle, sollte in welcher Form unter der Berück- sichtigung der zwei Kontingenzen wann zum Einsatz kommen? Diese Frage stellt sich dabei sowohl auf Unternehmensebene als auch auf Projekt- oder Gruppenebene und soll dementsprechend in beiden Kontexten beleuchtet werden.

1.2 Zielsetzung

Durch die Übertragung des kontingenztheoretischen Ansatzes (Kieser, 2006; Pennings, 1992) auf die Projektorganisation (Shenhar, 2001a) soll aufgezeigt werden, wie temporäre kooperative Projekte zwischen mindestens zwei beteiligten Unternehmen durch Vertrauen und Kontrolle effizient gesteuert werden können. Dies soll unter Berücksichtigung zweier konkreter Kontingenzen (Unsicherheit und Kontinuität) sowohl auf Unternehmensebene als auch auf Projekt- bzw. Gruppenebene geschehen.

1.3 Vorgehensweise

Zunächst werden IOP als zentraler Untersuchungsgegenstand definiert, von anderen Kooperationsformen abgegrenzt und ihre Rolle als temporäre kooperative Organisatio- nen verdeutlicht. Anschließend werden die zwei Analyseebenen der Arbeit, die interor- ganisationale und die Projektebene, skizziert und die beiden Steuerungsinstrumente Vertrauen und Kontrolle mit ihren verschiedenen Ausprägungen vorgestellt. Eine Be- schreibung des Spannungsverhältnisses dieser beid]en Steuerungsinstrumente bildet den Abschluss des zweiten Kapitels.

Im dritten Kapitel wird die Kontingenztheorie als grundlegendes Analyseinstrument der Arbeit eingeführt und die Adaption dieses Ansatzes für die Projektforschung aufgezeigt. Es werden anschließend zwei konkrete Kontingenzen (Unsicherheit und Kontinuität) entwickelt, anhand derer der situationsbedingte Einsatz der Steuerungsinstrumente ana- lysiert werden soll.

Diese Analyse geschieht im vierten Kapitel, dem Hauptteil der Arbeit. Hier werden für jede Kontingenz und für jedes Steuerungsinstrument zunächst isolierte Handlungsemp- fehlungen sowohl auf Unternehmens- als auch auf Projektebene generiert. Anschließend wird eine integrierte Sichtweise präsentiert, welche sowohl die Kontingenzen, als auch die Steuerungsinstrumente und Betrachtungsebenen integriert. Die Arbeit schließt mit einem Fazit sowie einem Ausblick auf weiterführende Problemstellungen.

2 Interorganisationale Projekte, Vertrauen und Kontrolle

Im zweiten Kapitel werden die zentralen Bestandteile der Arbeit erläutert. Das interor- ganisationale Projekt wird als Untersuchungsgegenstand definiert, von anderen Formen der Unternehmenskooperation bzw. von anderen projektorientierten Organisationsfor- men abgegrenzt und dessen Charakter als temporäre kooperative Organisation verdeutlicht. Anschließend werden zwei für die Analyse grundlegende Sichtweisen auf IOP aufgezeigt. In einem letzten Schritt erfolgt die Darstellung der Steuerungsinstrumente Vertrauen und Kontrolle mit ihren relevanten Ausprägungen und schließlich die Skizzierung des Spannungsverhältnisses dieser beiden Steuerungsinstrumente.

2.1 Definition und begriffliche Abgrenzung interorganisationaler Pro- jekte und ihre Rolle als temporäre kooperative Organisationen

Definition und Abgrenzung interorganisationaler Projekte

Das Project Management Institute definiert ein Projekt als „temporary endeavor under- taken to create a unique product, service, or result” (PMI, 2004, S. 5). Diese Definition nimmt eine rein intraorganisationale Sichtweise ein, da sie keine Austauschbeziehungen über die Unternehmensgrenzen hinweg inkludiert. Jones & Lichtenstein (2008, S. 234) erweitern diese Definition deshalb um eine unternehmensübergreifende Perspektive: „Inter-organizational projects involve two or more organizational actors from distinct organizations working jointly to create a tangible product/service in a limited period of time”.1

Betrachtet man die beiden für den Begriff des IOP zentralen Merkmale interorganisati- onal sowie Projekt, wird ein in zweierlei Hinsicht spezifischer Ansatz der vorliegenden Arbeit deutlich: Der hier zentrale Untersuchungsgegenstand des IOP unterscheidet sich zum Einen durch seinen unternehmensübergreifenden Charakter von intraorganisationa- len Projekten, also Projekten, die innerhalb der Grenzen eines Unternehmens initiiert werden. Die einschlägige Literatur zum Projektmanagement legt ihren Schwerpunkt in der Regel auf das Management unternehmensinterner Projekte (z.B. Gray & Larson, 2008; Pinto, 2007; Litke, 2007; Lock, 2007; Kerzner, 2006; Meredith & Mantel, 2006). Darüber hinaus sind IOP zusätzlich von anderen längerfristigen Formen der Unterneh- menskooperation wie etwa Allianzen oder Joint Ventures zu unterscheiden, da Projekte per Definition temporär sind, also einen fixierten Endpunkt aufweisen.2 Langfristige

Formen der zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit sind gewöhnlich der Untersu- chungsgegenstand in Arbeiten zur Unternehmenskooperation in management- und stra- tegiebezogenen Fachzeitschriften (vgl. Barringer & Harrison, 2000, S. 382 ff.). IOP nehmen insofern eine Mittelstellung ein zwischen dem klassischen (intraorganisationa- len) Projektmanagement einerseits und den längerfristig orientierten Formen der Unter- nehmenskooperation andererseits (vgl. auch Jones & Lichtenstein, 2008, S. 232; Beck, 1994, S. 63-75).

Es soll nun jedoch eine noch etwas differenziertere begriffliche Abgrenzung interorga- nisationaler Projekte erfolgen. Außer vom klassischen Projektmanagement, welches sich auf die Planung, Steuerung und Kontrolle eines einzelnen, i. d. R. intraorganisatio- nalen Projektes fokussiert, sind IOP auch von weiteren projektbezogenen Forschungsli- nien zu unterscheiden (vgl. Söderlund, 2004, S. 658). So beschreibt der Begriff der „project-based organization“ solche Organisationen, in denen Projekte die primären Einheiten der Aufgabenerfüllung darstellen und funktionale Strukturen zugunsten der Projektdimension in den Hintergrund treten (Davies & Hobday, 2005, S. 117 ff.; Lindk- vist, 2004, S. 5; Keegan & Turner, 2002, S. 367; Hobday, 2000, S. 874 ff.).3 Entspre- chend dieser Projektfokussierung unterhalten solche Organisationen mehrere Projekte gleichzeitig, weshalb auch von einer „multi-project strategy“ bzw. von „multi-project firms“ gesprochen wird (Nobeoka & Cusumano, 1997; S. 170; Söderlund, 2004, S. 660). Projektbasierte Organisationen können als ein Produkt der fortschreitenden „pro- jectification of the firm“ (Midler, 1995, S. 364) gesehen werden. Sind sie Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, steht zumeist das Projektportfolio- oder Pro- grammmanagement eines Unternehmens im Fokus (z.B. Lock, 2007, S. 465 ff.; Cooper et al., 1999; Gray, 1997). Ist, wie im Rahmen dieser Arbeit, der Fokus auf ein IOP unter Beteiligung von mindestens zwei Unternehmen gerichtet, so ist das Management mul- tipler Projekte einer Organisation weniger relevant.

Die Einbettung solcher projektbasierten Organisationen in Projektnetzwerke gewinnt zunehmend an wissenschaftlicher Relevanz (vgl. Manning, 2008, S. 33 f.; Windeler & Sydow, 2001, S. 1036; Hobday, 1998, S. 702; DeFillippi & Arthur, 1998, S. 125). Vor diesem Hintergrund ist auch das Aufkommen eines eher auf makrosoziologischer Ebene angesiedelten, einer „projectified society“ (Lundin & Söderholm, 1998, S. 16) geschul- deten Untersuchungsansatzes zu sehen. Dieser wird durch das Phänomen des Projekt- netzwerks bzw. der Projektökologie repräsentiert (Grabher, 2002b; Sydow & Staber, 2002; Powell, 1990). Eine Projektökologie wird beschrieben als ein organisationaler und physischer Raum, charakterisiert durch „the interdependencies between projects and the particular firms, personal relations, localities and corporate networks from which these projects draw essential resources“ (Grabher, 2002b, S. 246). Projektökolo- gien entstehen gewissermaßen als Nebenprodukt des intensivierten Einsatzes von Pro- jekten zur Verrichtung ökonomischer Aktivität und der damit einhergehenden Verbrei- tung projektbasierter Organisationen bzw. der Entstehung von Projektnetzwerken (Manning, 2008, S. 33 f.; Sydow et al., 2004, S. 1478). Abbildung 1 zeigt die vier pro- jektorientierten Forschungslinien, differenziert nach intra- bzw. interorganisationaler Betrachtungsweise und der Anzahl an relevanten Projekten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Projektorientierte Forschungslinien (in Anlehnung an Söderlund, 2004, S. 658)

Im Rahmen dieser Arbeit konzentriert sich die Analyse primär auf den Untersuchungsgegenstand des IOP. Der Fokus liegt also auf den Aktivitäten im Rahmen eines Projektes unter Beteiligung mehrerer Parteien. Allerdings wird auch auf Implikationen von Projektnetzwerken bzw. Projektökologien für den Einsatz der Steuerungsinstrumente Kontrolle und Vertrauen eingegangen, insofern dies der Arbeit dienlich ist.

Ein IOP bezieht sich in seiner einfachsten Form auf einen Auftraggeber und einen Auf- tragnehmer, was Söderlund (2005, S. 467) „business projects“ nennt. In einigen Fällen, wie z.B. im Baugewerbe, übernimmt der Auftragnehmer die Funktion eines Koordina- tors mehrerer unabhängiger Unterauftragnehmer, welche zusammen eine „quasi-firm“ bilden (Eccles, 1981, S. 336). Andererseits kann auch der Auftraggeber mehrere Akteu- re repräsentieren. In sehr komplexen IOP arbeiten dann mehrere Auftraggeber mit einer Vielzahl von Auftragnehmern zusammen, bspw. im Rahmen eines großangelegten Inf- rastrukturprogramms (Morris & Hough, 1987, S. 95-97). Die vorliegende Arbeit kon- zentriert sich aus Platzgründen auf den erstgenannten dyadischen Fall. Von zentraler Bedeutung ist, dass IOP oftmals nicht Projekte für einen Klienten darstellen, sondern eher Projekte mit einem Klienten (Grabher, 2002a, S. 208). Innerhalb des Bereichs tem- porärer IOP kann sich die Dauer der Projekte sehr stark voneinander unterscheiden. Sie reicht von wenigen Monaten beim Dreh eines Spielfilmes (Jones & DeFillippi, 1996, S. 92) bis hin zu mehreren Jahren der Zusammenarbeit bei Biotechnologie- und Pharmaun- ternehmen, die gemeinsam einem Medikament zur Marktreife verhelfen wollen (Gunz et al., 2002, S. 43). Außer in der Privatwirtschaft sind Projekte auch im öffentlichen Sektor verbreitet und stellen bspw. die primäre Organisationsform großer Infrastruktur- projekte (Altshuler & Luberoff, 2003) und des Krisenmanagements (Moynihan, 2005a, 2005b)4 dar.

Das interorganisationale Projekt als temporäre kooperative Organisation

Die Disziplin des Projektmanagements ist seit jeher systemtheoretisch fundiert und be- trachtete ein Projekt somit als Einheit, konstituiert durch seine Bestandteile und die In- terdependenzen zwischen diesen Bestandteilen (Kerzner, 2006, S. 36; Roman, 1986, S. 120 f.; Cleland & King, 1983, S. 17 f.). Je besser die einzelnen Bestandteile (Planung, Steuerung und Kontrolle) strukturiert sind, desto funktionsfähiger ist das Ganze. Eine zentrale Konsequenz dieser systemtheoretischen Perspektive ist die Charakterisierung eines Projektes als Werkzeug, als Mittel zur Erreichung von Zielen auf höheren Ebenen eines Systems. Ein Produktenwicklungsprojekt bspw. stellt nach dieser technokrati- schen Sichtweise ein Mittel zur Steigerung von Marktanteilen des Gesamtunternehmens dar (Packendorff, 1995, S. 325). Wissenschaftliche Literatur zum Projektmanagement beschreibt oftmals Methoden zur technischen Optimierung der Projektorganisation oder aktuelle „best practices“ in diesem Bereich (Grabher, 2002a, S. 207). Betrachtet man Projekte aber als universelle „tools“, werden nicht nur situationsspezifische Einflussfak- toren (siehe Kap. 3.1), sondern auch die Projektteilnehmer und ihre individuellen Moti- ve vernachlässigt. Vor diesem Hintergrund fordert Packendorff (1995, S. 326): „Pro- jects should be researched in terms of culture, conceptions, relations to the environment, longitudinal processes, etc., rather than simply as goal-fulfilling subsystems whose rai- son d ’ê tre is provided by a decisive and strategically aware super-system. In short: the project is a temporary organization” (vgl. auch Lundin & Söderholm, 1995; Turner & Müller, 2003, S. 3).

Die Idee der temporären Organisation geht zurück auf die Arbeit von Miles (1964, S. 437 ff.) zu temporären Systemen als gesellschaftliches Phänomen. Als nur eine mögli- che Form von vielen, in der sich temporäre Strukturen manifestieren, nennt der Autor auch das Forschungsprojekt (S. 439). Bennis (1966, S. 12 f., 1968, S. 73 f.) und Slater (1968, S. 77-96) greifen diese Idee später konkret im Organisationskontext auf und pro- pagieren eine steigende Relevanz temporärer Systeme für die soziale Struktur von Or- ganisationen in der Zukunft (vgl. auch Heydebrand, 1989, S. 335).5 Goodman & Good- man (1976, S. 495) sowie Goodman (1981, S. 4) identifizieren temporäre Systeme als Ad-hoc-Projektgruppen zur Verrichtung komplexer Aufgabenstellungen in unterschied- lichen Kontexten wie etwa Forschungs- und Entwicklungsprojekten, Theatergruppen, Architektenkollektiven oder im Baugewerbe (vgl. auch Bryman et al., 1987, S. 255; Morley & Silver, 1977, S. 59; Goodman & Goodman, 1972, S. 103; Miller & Rice, 1967, S. 129-133). Sie definieren ein temporäres System als „a set of diversely skilled people working together on a complex task over a limited period of time” (Goodman & Goodman, 1976, S. 494).6 Während sich auch genuin permanente Organisationen als temporär erweisen (bspw. aufgrund einer Insolvenz) und Projektteams auch über die geplante Zeitspanne hinweg existieren können (bspw. aufgrund geänderter Zielsetzun- gen, Miller & Rice, 1967, S. 130), ist ein konstituierendes Merkmal temporärer Organi- sationen in der Antizipation der Vergänglichkeit ebendieser durch die Projektmitglieder und die beteiligten Organisationen zu sehen (Lundin & Söderholm, 1995, S. 439; Bry- man, 1987, S. 256; Palisi, 1970, S. 200, siehe auch Kapitel 3.2.2). Temporäre Organisa- tionen werden zumeist in Anbetracht einzig- bzw. neuartiger und komplexer Aufgaben- stellungen gebildet und erfordern somit oftmals eine intensive Kommunikation und Interdependenz zwischen ihren oft unterschiedlich spezialisierten Mitgliedern (Meyer- son et al., 1996, S. 167). Diese Organisationsform ähnelt somit der von Burns & Stalker (1961, siehe auch Kap. 3.1) beschriebenen organischen Form, unterscheidet sich von ihr jedoch durch „members who have never worked together before and who do not expect to work together again“ (Goodman & Goodman, 1976, S. 495), da Mitglieder fremder Unternehmen aufeinandertreffen. Die Tatsache, dass eigens zur Erreichung unmittelba- rer Ziele temporärere Strukturen geschaffen werden (Palisi, 1970, S. 4), deutet auf die Wichtigkeit dieser Ziele und das hohe Maß der damit oftmals verbundenen Unsicherheit hin (vgl. Kap. 3.2.1). Aus diesem „sense of urgency“ (Lundin & Söderholm, 1995, S. 438) resultiert eine starke Betonung der Projektaufgabe, klare Zieldefinitionen zu deren Bewältigung und eine zentrale Stellung des Handelns („action“) an sich (ebd.; Meyer- son et al., 1996, S. 180; Luhmann, 1988, S. 100).

Die Charakterisierung eines IOP als temporäre (kooperative) Quasi-Organisation (Korbmacher, 1991, S. 13) bzw. als „temporary multiorganization“ (Cherns & Bryant, 1984, S. 180) ist ein in dreifacher Hinsicht zentraler Aspekt der vorliegenden Arbeit. Erstens basiert auf der Beschreibung eines IOP als Organisation die Annahme der Übertragbarkeit der im Kontext permanenter Organisationen und Gruppen verbreiteten Vertrauens- und Kontrollkonzepte (vgl. Kap. 2.3). Zweitens resultiert aus der temporä- ren Natur eines IOP die Einsicht, dass diese spezielle Art der Kooperation nicht nur durch die potentielle Zieldivergenz der Projektpartner als „fundamental problem of coo- peration“ (Ouchi, 1980, S. 130) gekennzeichnet ist, sondern der begrenzte Zeithorizont eine weitere spezifische Problematik dieser Kooperationsform darstellt (Grabher, 2002a, S. 207, vgl. Kap. 3.2.2). Drittens impliziert dies die Vernachlässigung der technokrati- schen Funktion eines Projektes als „Mittel zum Zweck“ zugunsten der Betonung sozia- ler Prozesse (Engwall, 2003, S. 802). Diese nehmen im Rahmen der vorliegenden Ar- beit eine gleichberechtigte Stellung gegenüber den eher anonymisierten Austauschbeziehungen auf Unternehmensebene ein. Der letztgenannte Sachverhalt wird im nächsten Abschnitt durch die Beschreibung zweier Betrachtungsebenen interorgani- sationaler Projekte weiter vertieft.

2.2 Zwei Betrachtungsebenen interorganisationaler Projekte

Interorganisationale Projektorganisationen bzw. IOP werden im Rahmen dieser Arbeit auf zwei verschiedenen Ebenen beleuchtet, auf der Unternehmensebene und der Pro- jektebene (Dahlgren & Söderlund, 2001, S. 316). Beck (1994, S. 99-121) beschreibt diesen Sachverhalt als „innere“ und „äußere Projektorganisation“. Die äußere Organisa- tion7 umschreibt dabei das kooperative Zusammenwirken der am Projekt beteiligten Unternehmen, sprich der Auftraggeber und Auftragnehmer. Das Außenverhältnis ist somit gekennzeichnet durch interorganisationale Austauschbeziehungen und wird im Wesentlichen durch die vertraglichen Arrangements der Projektparteien bestimmt.8 Auf der Unternehmensebene wird ebenfalls über die strukturelle Projektorganisation ent- schieden, also bspw. darüber, ob bei einer unternehmensübergreifenden Produktent- wicklung die Projektarbeit separat oder integriert erfolgt und ob bei integrierter Arbeits- verrichtung die Entscheidungsgewalt bei einem Projektmanager liegt oder aber ein Gruppenkonsens angestrebt wird (Gerwin & Ferris, 2004, S. 24 f.). Die innere Projekt- organisation hingegen bezieht sich auf die projektinternen Teamprozesse und ist durch interpersonale Austauschbeziehungen charakterisiert.

Diese Unterscheidung der Betrachtungsebenen beruht auf der Einsicht, dass interorgani- sationale Kooperationen ebenso wenig anonym und monolithisch sind wie Organisatio- nen selbst, sondern „[…] pluralistic, divided into interests, subunits, and subcultures“ (Pfeffer, 1982, S. 64). Sie werden also aktiv von Individuen (in der Literatur oftmals als sog. „boundary spanners“ bezeichnet, vgl. Fang et al., 2008, S. 81; Perrone et al., 2003, S. 422; Zaheer, et al., 1998, S. 142) koordiniert und aufrechterhalten. Dies wird bei ei- nem IOP besonders deutlich, denn hier sind es konkret und kollektiv die Mitglieder des interorganisationalen Projektteams (und nicht lediglich einzelne „boundary spanners“), denen die Aufgabe der zwischenbetrieblichen Koordination auf der Projektebene zu- kommt (Gerwin & Ferris, 2004, S. 22). Die explizite Adressierung des Projektmitglieds ist wichtig, da sich dessen Orientierungen und Motivationen sehr wohl von denen der Gesamtorganisation unterscheiden können (Zaheer et al., 1998, S. 143). Weick (2001, S. 28) behauptet analog, dass „[…] macro perspectives are hollow unless linked with micro dynamics“.9 Vor diesem Hintergrund haben zahlreiche Forscher darauf hingewie- sen, dass Vertrauen ein sowohl auf interorganisationaler als auch auf interpersonaler Ebene zu analysierendes Steuerungsinstrument darstellt (Zaheer et al., 2002, S. 348; Currall & Inkpen, 2002, S. 480; Jeffries & Reed, 2000, S. 873; Zaheer, et al., 1998, S. 142; Doney & Cannon, 1997, S. 35). Rousseau et al. (1998, S. 393) konstatieren: „[…] trust may be a „meso“ concept, integrating microlevel psychological processes and group dynamics with macrolevel institutional arrangements“.10 Luo (2002, S. 686 f.) etwa konnte dies auch empirisch zeigen, indem er die Effekte interpersonalen und inte- rorganisationalen Vertrauens voneinander separierte. Theoretisch verhindert die Integra- tion beider Analyseebenen insbesondere das Auftreten von Fehlschlüssen (Rousseau, 1985, S. 7; vgl. auch Schoorman et al., 2007, S. 345).11 Hinsichtlich der praktischen Relevanz haben zahlreiche Autoren den potentiellen Nutzen von Vertrauen sowohl für Unternehmen (Gulati & Nickerson, 2008, S. 689; Dyer & Chu, 2003, S. 63 f.; Sako, 1998, S. 90 ff.) als auch für (Projekt-) Gruppen (Jarvenpaa et al., 2004, S. 263 f.; Jar- venpaa & Leidner, 1999, S. 809 f.; Zand, 1972, S. 235 f.) aufgezeigt. Vertrauen auf (in- ter-) organisationaler Ebene wird dabei oftmals als kollektive Vertrauensorientierung der Mitglieder einer Organisation hinsichtlich einer anderen Organisation betrachtet, was eine Aggregierbarkeit interpersonalen Vertrauens suggeriert (Dyer & Chu, 2000, S. 261; Jeffries & Reed, 2000, S. 873, Zaheer et al., 1998, S. 143). Während diese Sicht- weise in Frage gestellt werden kann (Janowicz & Noorderhaven, 2006, S. 270; Ariño et al., 2005, S. 15; Zaheer et al., 2002, S. 366), bestehen erste experimentelle Hinweise darauf, dass beide Vertrauensebenen zwar voneinander verschieden, aber dennoch mit- einander verbunden sind (McEvily et al., 2006, S. 64). Sie wird deshalb auch hier ver- treten.

Ein aktueller Ansatz einer mehrstufigen Analyse organisationalen Vertrauens stammt von Fang et al. (2008). Die Autoren differenzieren zwischen verschiedenen Ebenen ei- ner “coentity”, auf denen Vertrauen in spezifischer Weise relevant ist. Eine “coentity” wird gebildet, wenn „at least two collaborating firms agree to contribute designated rep- resentatives to an identifiable group with an independent mission that benefits both firms“ (ebd., S. 81). Eine solche “coentity” kann, wenngleich sie nicht “free-standing” im Sinne eines Joint Ventures ist (Das & Teng, 2001, S. 270), durch ein interorganisa- tionales Projekt repräsentiert sein: „[…] the coentity may be an informal intersection of the two firms, such as a product development or project management team created by identifying specific members who remain formally attached to their original firms but simultaneously interact with their counterparts at the other firm” (ebd.). Definiert man eine “coentity” als IOP und differenzieren zwischen interorganisationalem und interper- sonalem („intraentity“) Vertrauen, dann entsteht folgende, durch Abbildung 2 verdeut- lichte Sichtweise von IOP. Die interorganisationale Ebene repräsentiert dabei strategische Vertrauens- und Kontrollentscheidungen, während auf Projektniveau operative Steuerungsprobleme relevant sind (Janowicz & Noorderhaven, 2006, S. 271 ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Zwei Betrachtungsebenen interorganisationaler Projekte (in Anlehnung an Fang et al., 2008, S. 81)

Es wird deutlich, dass IOP einen geeigneten Untersuchungsgegenstand in Bezug auf die Analyse der Steuerungsinstrumente Vertrauen und Kontrolle darstellen, da sich in ihnen sowohl interorganisationale als auch interpersonale Prozesse sehr klar manifestieren. In Kapitel 4 wird die Analyse an diesen beiden Eben ausgerichtet und versucht, spezifische Implikationen für den Einsatz von Vertrauen und Kontrolle auf der jeweiligen Ebene abzuleiten. Auf die Steuerungsinstrumente wird nun im nächsten Abschnitt näher ein- gegangen.

2.3 Vertrauen und Kontrolle als Steuerungsinstrumente interorgani- sationaler Projekte

2.3.1 Vertrauen

2.3.1.1 Definition und konzeptionelle Grundlagen

Vertrauen hat seit den 1990er Jahren im Managementkontext sehr stark an Bedeutung gewonnen. Davon zeugen nicht zuletzt einige, speziell dem Steuerungsinstrument Ver- trauen gewidmete Sonderausgaben management- und organisationstheoretischer Fach- zeitschriften (Möllering et al., 2004; McEvily et al., 2003a; Bachmann et al., 2001, Rousseau et al., 1998) sowie zahlreiche herausgegebene Bände und Handbücher zu die- sem Thema (Bachmann & Zaheer, 2006; Bijlsma-Frankema & Klein Woolthuis, 2005; Kramer & Cook, 2004; Nooteboom & Six, 2003; Nooteboom, 2002; Lane & Bach- mann, 1998; Kramer & Tyler, 1996). Bachmann et al. (2001, S. v) stellen folglich fest, dass „trust is undoubtedly one of the key concepts in the analysis of […] external rela- tionships“. Trotz der offensichtlich hohen Relevanz von Vertrauen hat sich keine ein- heitliche Definition dieses komplexen, schwer fassbaren Begriffes etablieren können (Rousseau et al., 1998, S. 394, Gambetta, 1988, S. ix; Shapiro, 1987, S. 625; Zucker, 1986, S. 56). Aus diesem Grund wird Vertrauen an dieser Stelle etwas ausführlicher beleuchtet.

Die meisten Theoretiker sehen interpersonales Vertrauen übereinstimmend weniger als Verhalten (Blau, 1986, S. 94) sondern als einen psychologischen Zustand bzw. als ein Persönlichkeitsmerkmal (Gambetta, 1988, S. 217; Rotter, 1967, S. 651). Eine Vielzahl von Autoren betont dabei vor allem kognitive Prozesse und verbindet Vertrauen mit der wahrgenommenen Verwundbarkeit oder dem antizipierten Risiko in Anbetracht der mit den Motiven, Intentionen und zukünftigen Handlungen anderer verbundenen Unsicher- heit (z.B. Mayer et al., 1995, S. 712; Robinson, 1993, S. 576; Sabel, 1993, S. 1133; Le- wis & Weigert, 1985, S. 970).12 Im Rahmen dieser Arbeit sei Vertrauen daher grund- sätzlich definiert als „a psychological state comprising the intention to accept vulnerability based upon positive expectations of the intentions or behavior of another” (Rousseau et al., 1998, S. 395).13 Vertrauen kann als ein kognitives Mittel zur Redukti- on sozialer Komplexität (Luhmann, 1973, S. 7) verstanden werden und bezieht sich „stets auf eine kritische Alternative, in der der Schaden beim Vertrauensbruch größer sein kann als der Vorteil, der aus dem Vertrauenserweis gezogen wird“ (ebd. S. 24). Andere Autoren ergänzen die kognitive Komponente von Vertrauen durch die Integrati- on von affektiven und motivationalen Aspekten (Williams, 2001, S. 387; McAllister, 1995, S. 29; Lewis & Weigert, 1985, S. 971) berücksichtigend, dass „one not only thinks trust, but feels trust“ (Fine & Holyfield, 1996, S. 25). Einigkeit über alle For- schungsdisziplinen hinweg besteht hinsichtlich der Bedingungen für das Entstehen von Vertrauen. So schafft erst ein gewisses Maß an Unsicherheit und das daraus resultieren- de Risiko (vgl. Kap. 3.2) den Raum zur Entstehung von Vertrauen, bzw. eines „leap of faith“ (Möllering, 2001, S. 411). Dieses Vertrauen ermöglicht die Übernahme von Risiken, die wiederum eine vertrauensvolle Atmosphäre schafft (Rousseau et al., 1998, S. 395). Eine zweite Bedingung für Vertrauen ist Interdependenz, also eine Situation in welcher der Erfolg eines Akteurs zu einem bestimmten Grad von einem oder mehreren weiteren Akteuren abhängt (ebd.).

Einige Autoren analysieren Vertrauen nicht als psychologischen Zustand sondern als beobachtbares Kooperationsverhalten, indem sie es als Entscheidungsalternative in spieltheoretischen Vertrauensdilemmata konzeptionalisieren (Kramer, 2001; March, 1994, S. 123 f.; Kreps, 1990, S. 100 ff.; Miller, 1992, Kap. 9; Dasgupta, 1988, S. 56 ff.; Deutsch, 1958, S. 266).14 Dieser Ansatz basiert auf der Theorie rationalen Entscheidens, nach deren Annahmen vertrauensrelevante Entscheidungen ähnlich anderen risikobehaf- teten Entscheidungen einem rationalen und effizienzorientiertem Nutzenkalkül folgen (Hardin, 2002, S. 13 f., 1992, S. 152; Coleman, 1990, Kap. 5., vgl. auch Loose & Sydow, 1994, S. 167 f.; Williamson, 1981, S. 554). Vertrauen ist nach dieser Sichtweise mit kooperativem Verhalten in risikobehafteten Situationen identisch.15

Diese rationale Perspektive wird stark durch die kognitiven Fähigkeiten des Entschei- ders und dessen rationales Kalkül dominiert, was ein solches Vertrauenskonzept als „undersocialized“ erscheinen lässt (Granovetter, 1985, S. 438). Deshalb weisen einige Autoren auf eine relationale Dimension von Vertrauen hin, die konkrete soziale Bezie- hungen und Strukturen (bspw. Netzwerke) betont und Vertrauen von reziproken, rein auf rationalen Erwartungen und Risiko beruhenden Austauschverhältnissen differenziert (Hosmer, 1995, S. 388 ff.; March & Olson, 1989, S. 27; Granovetter, 1985, S. 490). Dieser relationale Ansatz manifestiert sich ebenfalls in der Annahme, dass nicht nur die isolierte dyadische Beziehung, sondern auch der Einfluss von Makrostrukturen wie etwa Netzwerken die Diffusion von Vertrauen innerhalb und zwischen Organisationen beein- flusst (Ferrin et al., 2006, S. 871; Burt & Knez, 1995, S. 260 f.; Kollock, 1994, S. 319).

Der vorliegenden Arbeit liegt ein integriertes Verständnis von Vertrauen zugrunde. Erstens wird die psychologische Fundierung des Vertrauenskonzepts durch verhaltens- orientierte bzw. spieltheoretische Ansätze ergänzt. Dies erscheint sinnvoll, da auf die- sem Wege das grundsätzliche Problem von Kooperation bei einem begrenzten Zeithori- zont („finite game“) verdeutlicht werden kann (vgl. Kap. 3.2.2). Darüber hinaus besitzt eine vertrauensvolle Einstellung ohne das daraus resultierende vertrauensvolle Handeln ohnehin wenig theoretischen und praktischen Nutzen (Robson et al., 2008, S. 648 f.). Zweitens sollen sowohl der instrumentell-kalkulatorische als auch der relationale As- pekt von Vertrauen Berücksichtigung finden (vgl. McEvily et al., 2003b, S. 93; Kramer, 1999, S. 574; Rousseau et al., 1998, S. 398), also Ökonomik und Moral bzw. Kalkül und Gefühl gleichermaßen als Ursprung individuellen und organisationalen Handelns berücksichtigt werden (Ripperger, 1998, S. 240 f.). Vertrauen ist zusammenfassend als eine dreiteilige Relation, bestehend aus dem Vertrauensgeber (bzw. dessen Vertrauen), dem Vertrauensnehmer (bzw. dessen Vertrauenswürdigkeit) sowie dem spezifischen Kontext (Kap. 3.2) dieser Vertrauensbeziehung zu sehen (Hardin, 2002, S. 9 f.; Nooteboom et al., 1997, S. 314).16

Trotz der offensichtlich zentralen Bedeutung von Vertrauen für soziale Systeme im All- gemeinen (Arrow, 1974, S. 23) und für Unternehmenskooperationen im Speziellen (für einen Überblick siehe Zaheer & Harris, 2006; Child & Faulkner, 1998, Kap. 3) sowie dessen potentiell positiven Einfluss auf den Projekterfolg (Wong et al., 2008, S. 828; Hartman, 2002, S. 226; Munns, 1995, S. 21 ff.) haben nur wenige Wissenschaftler das Vertrauenskonzept explizit auf IOP angewandt (Diallo & Thuillier, 2005, S. 241; Kade- fors, 2004, S. 175). In diesem wissens- und koordinationsintensiven Kontext kommt Vertrauen jedoch eine prominente Rolle zu (McEvily et al., 2003b, S. 99). Vor diesem Hintergrund greift die vorliegende Arbeit auf die in der Managementliteratur verbreite- ten Arten von Vertrauen zurück. Diese werden im Folgenden kurz vorgestellt.

2.3.1.2 Arten von Vertrauen

Rousseau et al. (1998, S. 398 ff.) identifizieren drei grundlegende Arten von Vertrauen, Kalkül-basiertes Vertrauen, relationales Vertrauen sowie Institutionen-basiertes Vertrauen (vgl. auch Kadefors, 2004, S. 176 f.).17

Kalkül-basiertes Vertrauen

Diese Form von Vertrauen basiert auf der bereits genannten Annahme rationalen Ent- scheidens. Vertrauen entsteht dann, wenn der Vertrauensgeber davon ausgehen kann, dass der Vertrauensnehmer in einer für ihn vorteilhaften Art und Weise handeln wird. Insofern beruht Vertrauen primär auf dem (kognitiven) Eigeninteresse der Akteure und findet seine Bestätigung in ökonomischen Anreizen und Informationen über die Ver- trauenswürdigkeit eines Kooperationspartners (McAllister, 1995, S. 25 f.). Die Erwar- tung positiver Intentionen des Partners basiert nicht nur auf Abschreckung (z.B. Ver- tragsstrafen), sondern wird maßgeblich bestimmt durch die Reputation bzw. Kompetenz eines anderen (Barber, 1983, S. 14; Mayer et al., 1995, S. 717 f.). Diese werden bspw. repräsentiert durch Zertifizierungen oder durch andere als sicher geltende Informations- quellen signalisiert (Das & Teng, 2001, S. 256; Doney et al., 1998, S. 606). Folglich ist auch der Begriff „competence trust“ gebräuchlich (Das & Teng, 2001, S. 256; Noote- boom, 1996, S. 990). Die kalkuliertem Vertrauen inhärente Stimmung lässt sich gut mit der gängigen Faustregel „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ umschreiben.18 Kalkül- basiertes Vertrauen ähnelt Ring’s (1997, S. 120, 1996, S. 152) „fragile trust“, da es den Akteuren zwar Handlungsfähigkeit ermöglicht, dies aber lediglich in eingeschränktem Maße und situationsbezogen. Es transzendiert nicht die spezifische Transaktion und entfaltet keine generalisierte Wirkung hinsichtlich neuer, andersartiger Situationen.

Relationales Vertrauen

Relationales Vertrauen leitet sich aus der wiederholten Interaktion zweier Akteure und den damit verbundenen Lerneffekten ab und geht über reines Vertrauen in Kompetenz oder anderer kalkulierbare Vertrauensquellen hinaus (Barber, 1983, S. 15). Durch diese Beziehung erhalten beide Parteien direkte, persönliche Erfahrungen und Informationen, welche die Grundlage darstellen für Emotionen, persönliche Bindungen und die Interna- lisierung von Normen (McAllister, 1995, S. 26). Vor diesem Hintergrund sprechen eini- ge Autoren auch von affektivem (ebd., S. 29) oder, noch etwas umfassender, von identi- auch hier vertreten. Allerdings impliziert diese Sichtweise ein substitutives Verhältnis von Vertrauen und Kontrolle, was ihm Rahmen dieser Arbeit differenzierter betrachtet wird. tätsbasiertem Vertrauen (Lewicki & Bunker, 1995, S. 151 ff.).19 Zentral für dieses Ver- ständnis von Verrauen ist die zeitliche Perspektive, da sich Möglichkeiten zum Vertrau- ensaufbau kontinuierlich im Zeitablauf ergeben. Man spricht deshalb auch von „pro- cess-based trust“ (Sydow, 1998, S. 42 f.). Gleichzeitig besteht aber die Gefahr einer Akkumulierung negativer Erfahrungswerte, welche die Entstehung relationalen Ver- trauens behindert. Relationales Vertrauen kann über die Zeit also wachsen oder schrumpfen. Grundsätzlich sind Beziehungsgefüge, die auf relationalem Vertrauen ba- sieren jedoch belastbarer als solche, die lediglich durch kalkuliertes Vertrauen dominiert werden. Putnam (1993, S. 171) spricht in diesem Zusammenhang von „thick trust“ und Das & Teng (2001, S. 256) sowie Nooteboom (1996, S. 990) von „goodwill trust“. In Ring’s (1997, S.122, 1996, S. 155 ff.) Terminologie handelt es sich um „resilient trust“. Ein hohes Niveau an relationalem Vertrauen manifestiert sich oftmals in prosozialem Verhalten, im Organisationskontext auch als „citizenship behavior“ (Smith et al., 1983, S. 653) bezeichnet.

Institutionen-basiertes Vertrauen

Institutionen-basiertes Vertrauen beschreibt jenes Vertrauen, welches von Institutionen ausgeht und die konkrete Transaktion transzendiert, also unabhängig ist von einem Pro- jektpartner. Diese Art von Vertrauen ist insofern eine nicht-personengebundene, genera- lisierte Form von Vertrauen und manifestiert sich in institutionalisierten Praktiken und Handlungsweisungen wie etwa Routinen, Vorschriften, Traditionen und Sanktionsme- chanismen (Möllering, 2008, S. 100; Sydow, 1998, S. 43 f.; Shapiro, 1987, S. 634; Zu- cker, 1986, S. 63). Diese bestehen sowohl auf organisationaler Ebene (Whitener, 1998, S. 518 ff.), etwa in Form von Organisations- bzw. Teamkultur (Schein, 1996, S. 236), als auch auf gesellschaftlicher Ebene repräsentiert durch Normen, ein funktionsfähiges Rechtssystem (Fukuyama, 1995, S. 26 f., 149 ff.), institutionalisierte Berufsbilder20 (Zucker, 1986, S. 64) sowie allgemein akzeptierte Vertragsformen und Reputationsme- chanismen (Pearce et al., 2000, S. 151; Hagen & Choe, 1998, S. 595 f.; Zucker, 1986, S. 63). Auf institutionellen Faktoren beruhendes Vertrauen kann die Entwicklung persona- len Vertrauens einerseits fördern, indem es als eine Art „commodity“ den Aufbau und Erhalt von Vertrauensbeziehungen gerade dort vereinfacht, wo persönliche Bindungen fehlen (Sitkin, 1995, S. 190; Dasgupta, 1988, S. 50; Shapiro, 1987, S. 636, Zucker, 1986, S. 64). Institutionen, wie etwa Interessen- und Branchenverbände, unterstreichen dann die Bedeutung von Reputationen auf Basis derer Projektpartner sich gegenseitig einschätzen (kalkuliertes Vertrauen) oder ermöglichen ein kritisches Maß an Vertrauen, welches Kooperation erst ermöglicht und als Ausgangspunkt einer längerfristigen Be- ziehung (relationales Vertrauen) dient. Andererseits kann es die Entstehung personen- gebundener Vertrauensformen auch behindern oder Misstrauen verschärfen, da die Möglichkeiten zum persönlichen Vertrauensaufbau geschmälert und formelle, objektive Erfordernisse stärker betont werden (Sitkin & Bies, 1994, S. 38 f.; Sitkin & Roth, 1993, S. 376; Zucker, 1986, S. 82 ff., 101; Granovetter, 1985, S. 489). Dem Begriff des insti- tutionellen Vertrauens ähnlich ist das Konzept des Systemvertrauens, welches bei Loose & Sydow (1994, S. 163) sowie Luhmann (1973, S. 23) beschrieben wird.21 Neben die- sen in der Literatur verbreiteten Vertrauensformen existiert eine weitere, vor allem im Kontext temporärer Gruppen relevante Form von Vertrauen, das sogenannte „swift trust“.

Swift Trust

Temporäre Organisationen verfügen nicht oder nur in eingeschränktem Maße über tradi- tionelle Mechanismen der Vertrauensbildung dauerhafter Organisationen, wie etwa In- timität und gemeinsame Erfahrungswerte. Dennoch erfordern sie aufgrund ihrer spezifi- schen Eigenschaften wie dem hohen Grad an Interdependenz und Komplexität (siehe Kap. 2.1) oftmals vergleichsweise viel Vertrauen. In einer solch paradoxen Situation, die Möllering (2008, S. 95) als „Vertrauensdilemma“ beschreibt, verhalten sich die Mitglieder einer temporären Gruppe „[…] as if trust were present, but their histories seem to preclude its development“ (Meyerson et al., 1996, S. 167). Dieses Vertrauen, von den Autoren als „swift trust“ bezeichnet, entwickelt sich nicht, sondern existiert von Beginn der Beziehung an, bzw. wird ex ante übertragen (McKnight et al., 1998, S. 474; Meyerson et al., 1996, S. 170). Aus diesem Grund basiert es weniger auf Gefühlen und Reziprozität sondern eher auf Kognitionen, einer starken Aufgabenorientierung und der Betonung des Handelns an sich (Meyerson et al., 1996, S. 191). Dies impliziert ebenfalls, dass Vertrauensverhältnisse in temporären Gruppen nicht durch individuelle Persönlichkeitseigenschaften, sondern eher durch kategorisierte Rollen dominiert wer- den. Ähnlich institutionalisiertem Vertrauen handelt es sich bei „swift trust“ also um eine Art „depersonalisierten Vertrauens“ (Brewer, 1981, S. 356). Obwohl „swift trust“ das gegenseitige Vertrauen von Individuen, bspw. von Mitgliedern eines interorganisa- tionalen Projektes beschreibt, ist diese Vertrauensform „not so much an interpersonal form as it is a cognitive and action form“ (Meyerson et al., 1996, S. 191).22 Ob sich diese natürlicherweise eher labile Form des Vertrauens stabilisiert, hängt von verschie- denen psychologischen und sozialen Prozessen ab. Diese können die Existenz von „swift trust“ entweder bestätigen und diese somit aufrecht erhalten oder aber zu deren Auflösung führen (ebd.).

2.3.2 Kontrolle

2.3.2.1 Definition und konzeptionelle Grundlagen

Kontrolle23 stellt ein zentrales Thema innerhalb der Kooperationsforschung dar (van der Meer-Kooistra & Vosselman, 2006, S. 227 f.; Birnberg, 1998, S. 421; Child & Faulkner, 1998, S. 184; Das & Teng, 1998, S. 493; Gulati & Singh, 1998, S. 781). Vor dem Hintergrund der Fülle von Publikationen zum Themenkomplex Kontrolle und der grundsätzlichen Übereinstimmung in der Literatur über dessen verschiedene Ausprägungen seien die generellen Überlegungen hier eher kurz gefasst.

Kontrolle lässt sich grundsätzlich beschreiben als jeglicher Prozess ausgeführt durch eine Person, Gruppe oder Organisation, der darauf ausgerichtet ist, das Verhalten einer anderen Person, Gruppe oder Organisation zu beeinflussen (Tannenbaum, 1968, S. 5; vgl. auch Pennings & Woiceshyn, 1987, S. 73). Da Kontrolle im Managementkontext generell und auch speziell im Rahmen dieser Arbeit primär mit der Erreichung bzw. Überwachung ex ante definierter Ziele verbunden ist, wird eine instrumentelle Definiti- on von Kontrolle adaptiert als „attempts by the organization to increase the probability that individuals and groups behave in ways that lead to the attainment of organizational goals” (Flamholtz et al., 1985, S. 36, vgl. auch Kirsch, 1997, S. 216, 1996, S. 1).

[...]


1 Im deutschsprachigen Raum spricht man von interorganisationalem Projektmanagement (Beck, 1994), überbetrieblicher Projektorganisation (Brand, 1974, S. 71) sowie von Projektmanagement im Rahmen industrieller Kooperationen (Madauss, 1994, S. 113).

2 Es sei trotz der Unterscheidung zwischen IOP und Allianzen darauf hingewiesen, dass Projekte inhärenter Bestandteil etwa strategischer Allianzen sein können (vgl. Gerwin & Ferris, 2004).

3 Eine abgeschwächte Variante der „project-based organization“ stellt die „project-led organization“ dar. Hier wird zwar ein wachsender Anteil der ökonomischen Aktivität in Projekten verrichtet, allerdings sind die primären Aktivitäten weiterhin volumen- und ablauforientiert bzw. in funktionalen Einheiten organisiert (Hobday, 2000, S. 873).

4 Moynihan (2005a, 2005b) spricht nicht von Projekten, sondern von „taskforces“.

5 Vgl. auch Kapitel 3.1. Mintzberg’s „Adhocracy“ repräsentiert ebendiesen Organisationstyp.

6 Die Definition bezieht sich sowohl auf Systeme als auch Organisationen. Im weiteren Verlauf dieser

Arbeit wird ausschließlich der Begriff der temporären Organisation verwendet. Für eine Diskussion dieser Begrifflichkeiten siehe Bryman et al. (1987, S. 254-256).

7 Für eine Übersicht der äußeren Erscheinungsformen interorganisationaler Projekte siehe Carmichael (2000, Kap. 4); Beck (1994, S. 26-34); Madauss (1994, S. 113-119) sowie Brand (1974, S. 71-74).

8 Zu Projektvertragsformen siehe Carmichael (2000, S. 25-82) und Weber (1989, S. 949 ff.).

9 Ebers (1999, S. 36 f.; 1997, S. 16 ff.) schlägt ebenfalls eine duale Sichtweise („micro-level ties“ und „institutional ties“) für die Analyse interorganisationaler Beziehungen vor.

10 Für das Meso-Paradigma siehe House et al. (1995).

11 Für eine ausführliche methodologische Diskussion einer mehrstufigen Analyse von Vertrauen siehe auch die Beiträge in Yammarino & Dansereau (2004, Teil 2).

12 Diese Verwundbarkeiten inkludieren laut Barney & Hansen (1994, S. 176) „adverse selection, moral hazard, hold-up, or any other vulnerabilities that might exist in a particular exchange”.

13 Diese Definition ist laut den Autoren weit verbreitet und lässt sich zudem problemlos auf den Kontext eines IOP übertragen (vgl. McEvily, 2003b, S. 101). Für eine Übersicht weiterer Definitionen von Vertrauen siehe Das & Teng (2004, S. 87-95), Blois (1999, S. 197-199) sowie Blomqvist (1997, S. 272-277). Einen umfassenden interdisziplinären Überblick gibt Hosmer (1995).

14 Für eine Diskussion experimenteller Untersuchungen von Vertrauen siehe Cook & Cooper (2002).

15 Zur Unterscheidung psychologischer und verhaltenstheoretischer Ansätze vgl. Lewicki et al. (2006, S. 992) sowie Nooteboom (2002, S. 36 ff.).

16 Für eine ausführlichere Diskussion verschiedener Konzeptionalisierungen von Vertrauen siehe z.B.

McKnight & Chervany (2001). Für eine ökonomisch fundierte Diskussion von Vertrauen im deutschspra- chigen Raum siehe Ripperger (1998). Einen soziologisch orientierten Ansatz bietet Möllering (2006).

17 Tatsächliche beschreiben die Autoren vier Formen von Vertrauen. Allerdings schlussfolgern sie, dass rein auf Abschreckung basierendes Vertrauen kein Vertrauen sei (S. 401). Diese Argumentation wird

18 Williamson (1993, S. 463) behauptet, „calculative trust“ sei ein Widerspruch in sich und Vertrauen nur dann sinnvoll, wenn es über das Eigeninteresse hinausgeht. Vertrauen spielt in seiner Transaktionskosten- theorie jedoch kaum eine Rolle, da er dem Opportunismus der Akteure als „self-interest seeking with guile“ (1985, S. 47) eine dominante Rolle zuschreibt (vgl. McEvily et al., 2003b, S. 99, Nooteboom et al., 1997, S. 310, Ghoshal & Moran, 1996, S. 17 ff. sowie Ripperger, 1998, S. 236 ff.). Umfassende deutsch- sprachige Abhandlungen von Vertrauen in einem institutionenökonomischen Kontext bieten Pieper (2000) und Vogt (1997).

19 Die Unterscheidung der Vertrauensarten ist nicht immer ganz trennscharf. Auch die Fähigkeiten und Kompetenzen des Projektpartners können langfristig besser eingeschätzt werden, weshalb Kompetenzvertrauen auch eine Facette relationalen Vertrauens darstellt (Gulati & Sytch, 2008, S. 169).

20 Beispielhaft sei hier das Berufsbild des Projektmanagers genannt (vgl. Lindgren & Packendorff, 2007, S. 355; Morris et al., 2006, S. 711 ff.; Hodgson, 2002).

21 Ein aktuelles Beispiel für fehlendes Systemvertrauen stellt die Finanzkrise dar. Fehlendes Vertrauen in das Finanzsystem veranlasst sowohl private Haushalte als auch die Banken selbst dazu, diesem System weniger finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Diese Vertrauenskrise im Finanzsektor beeinflusst dann auch die Realwirtschaft negativ, da nicht mehr ausreichend Kredite zur Verfügung gestellt werden.

22 Die Betonung der Aufgabe und des Handelns an sich ist konsistent mit Lundin & Söderholm’s (1995, S. 438 ff.) Theorie der temporären Organisation (vgl. auch Kap. 2.1 dieser Arbeit).

23 Interorganisationale Kontrolle wird oftmals auch mit dem Begriff der Lenkungsform („governance structure“) umschrieben (Dekker, 2004, S. 28; Nooteboom, 1996, S. 1000).

Ende der Leseprobe aus 89 Seiten

Details

Titel
Vertrauen und Kontrolle als Steuerungsinstrumente temporärer interorganisationaler Projekte
Untertitel
Ein kontingenztheoretischer Ansatz
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für ABWL Unternehmensentwicklung und Organisation)
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
89
Katalognummer
V174936
ISBN (eBook)
9783640956593
ISBN (Buch)
9783640956876
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vertrauen, kontrolle, steuerungsinstrumente, projekte, situativer ansatz, kontingenz, kontingenztheorie, interorganisationale projekte, projektmanagement, temporäre organisation, unternehmensentwicklung, organisation, netzwerke, reputation, kooperation
Arbeit zitieren
Oliver Jakob (Autor), 2008, Vertrauen und Kontrolle als Steuerungsinstrumente temporärer interorganisationaler Projekte , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174936

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