In den letzten Jahren sind projektbasierte Strukturen zu einer sehr häufig zu beobach-tenden Form des Organisierens geworden und haben verstärkt Einzug gehalten in eine Vielzahl unterschiedlicher Industriezweige. Insofern hat sich die These von Peters anscheinend bestätigt, der 1992 vermutete, dass „most of tomorrow’s work will be done in project teams“ (1992, S. 154). Gleichzeitig werden Wettbewerbsvorteile zunehmend im Aufbau und der Steuerung interorganisationaler Beziehungen verortet was eine generell steigende Anzahl und Bedeutung von Unternehmenskooperationen erklärt. Vor diesem Hintergrund haben insbesondere interorganisationale Projekte (im Folgenden IOP) an praktischer und theoretischer Relevanz gewonnen. Zunehmend behandeln Wissenschaftler Projekte weniger als technokratische „Tools“, sondern betonen ihre Rolle als temporäre kooperative Organisationen. In solchen zeitlich befristeten Projektorganisationen arbeiten mindestens zwei rechtlich unabhängige Unternehmen gemeinschaftlich an einer komplexen Aufgabe in einer ten-denziell unsicheren Umwelt. Hierfür lassen sich zahlreiche Beispiele in unterschiedli-chen Branchen finden: Die Rohölgewinnung, das Baugewerbe, die Werbeindustrie, die Bio-technologie, der Modesektor, die Filmindustrie und das Beratungswesen. Parallel zur steigenden Relevanz temporärer IOP hat Vertrauen als organisationales Steuerungsinstrument stark an Bedeutung gewonnen Kramer (2006, S. 1) stellt fest, dass „over the past two decades, the topic of trust moved from bit player to center stage in organizational theory and re-search”. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Vertrauen in interorganisationalen Beziehungen für eine Reihe positiver Effekte, etwa die Reduktion von Transaktionskosten, verantwortlich ist und somit einen Wettbewerbsvorteil darstellen kann. Trotzdem besteht Einigkeit darüber, dass auf Kontrolle nicht gänzlich verzichtet werden kann, weshalb die Diskussion von Vertrauen als Steuerungsoption oftmals durch eine Analyse des Spannungsverhältnisses zu diesem zweiten, in der Literatur lange etablierten, Steuerungsinstrument ergänzt wird.
Die skizzierten Entwicklungen offenbaren eine Forschungslücke: Während sowohl die steigende Relevanz von IOP als Organisationsform einerseits als auch die wachsende Bedeutung des Vertrauen-Kontrolle Nexus’ andererseits in der Literatur evident sind, so wurde der Einsatz dieser beiden Steuerungsinstrumente nicht explizit in einem interor-ganisationalen Projektkontext analysiert...
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise
2 Interorganisationale Projekte, Vertrauen und Kontrolle
2.1 Definition und begriffliche Abgrenzung interorganisationaler Projekte und ihre Rolle als temporäre kooperative Organisationen
2.2 Zwei Betrachtungsebenen interorganisationaler Projekte
2.3 Vertrauen und Kontrolle als Steuerungsinstrumente interorganisationaler Projekte
2.3.1 Vertrauen
2.3.1.1 Definition und konzeptionelle Grundlagen
2.3.1.2 Arten von Vertrauen
2.3.2 Kontrolle
2.3.2.1 Definition und konzeptionelle Grundlagen
2.3.2.2 Arten von Kontrolle
2.3.3 Der Vertrauen-Kontrolle Nexus
3 Die Kontingenztheorie als Analyseinstrument vertrauens- und kontrollbasierter Steuerungsoptionen in temporären interorganisationalen Projekten
3.1 Die Kontingenztheorie im Rahmen der Analyse permanenter und temporärer Organisationen
3.2 Kontingenzen temporärer interorganisationaler Projekte
3.2.1 Unsicherheit als Kontingenzfaktor interorganisationaler Projekte
3.2.2 Kontinuität der Beziehung als Kontingenzfaktor interorganisationaler Projekte
4 Handlungsempfehlungen für die vertrauens- und kontrollbasierte Steuerung interorganisationaler Projekte unter Berücksichtigung der Kontingenzen
4.1 Die Steuerung interorganisationaler Projekte hinsichtlich der Aufgabenunsicherheit
4.1.1 Der Einsatz von Vertrauen als Steuerungsinstrument
4.1.1.1 Auf Unternehmensebene
4.1.1.2 Auf Projektebene
4.1.2 Der Einsatz von Kontrolle als Steuerungsinstrument
4.1.2.1 Auf Unternehmensebene
4.1.2.2 Auf Projektebene
4.2 Die Steuerung interorganisationaler Projekte hinsichtlich der Kontinuität der Beziehung
4.2.1 Der Einsatz von Vertrauen als Steuerungsinstrument
4.2.1.1 Auf Unternehmensebene
4.2.1.2 Auf Projektebene
4.2.2 Der Einsatz von Kontrolle als Steuerungsinstrument
4.2.2.1 Auf Unternehmensebene
4.2.2.2 Auf Projektebene
4.3 Eine integrierte Betrachtungsweise
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, auf Basis der Kontingenztheorie zu analysieren, wie temporäre interorganisationale Projekte durch Vertrauen und Kontrolle effizient gesteuert werden können. Dabei wird untersucht, welche Rolle die Faktoren Aufgabenunsicherheit und Kontinuität der Projektbeziehung spielen, um Handlungsempfehlungen für die Steuerung auf Unternehmens- und Projektebene abzuleiten.
- Vertrauen und Kontrolle als zentrale Steuerungsinstrumente in Projekten
- Anwendung der Kontingenztheorie auf interorganisationale Projekte
- Einfluss von Aufgabenunsicherheit auf die Wahl der Steuerungsmechanismen
- Bedeutung der zeitlichen Kontinuität der Projektbeziehung für Vertrauensbildung und Kontrolle
- Differenzierung zwischen Unternehmens- und Projektebene
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition und begriffliche Abgrenzung interorganisationaler Projekte und ihre Rolle als temporäre kooperative Organisationen
Das Project Management Institute definiert ein Projekt als „temporary endeavor undertaken to create a unique product, service, or result” (PMI, 2004, S. 5). Diese Definition nimmt eine rein intraorganisationale Sichtweise ein, da sie keine Austauschbeziehungen über die Unternehmensgrenzen hinweg inkludiert. Jones & Lichtenstein (2008, S. 234) erweitern diese Definition deshalb um eine unternehmensübergreifende Perspektive: „Inter-organizational projects involve two or more organizational actors from distinct organizations working jointly to create a tangible product/service in a limited period of time”.
Betrachtet man die beiden für den Begriff des IOP zentralen Merkmale interorganisational sowie Projekt, wird ein in zweierlei Hinsicht spezifischer Ansatz der vorliegenden Arbeit deutlich: Der hier zentrale Untersuchungsgegenstand des IOP unterscheidet sich zum Einen durch seinen unternehmensübergreifenden Charakter von intraorganisationalen Projekten, also Projekten, die innerhalb der Grenzen eines Unternehmens initiiert werden. Die einschlägige Literatur zum Projektmanagement legt ihren Schwerpunkt in der Regel auf das Management unternehmensinterner Projekte (z.B. Gray & Larson, 2008; Pinto, 2007; Litke, 2007; Lock, 2007; Kerzner, 2006; Meredith & Mantel, 2006). Darüber hinaus sind IOP zusätzlich von anderen längerfristigen Formen der Unternehmenskooperation wie etwa Allianzen oder Joint Ventures zu unterscheiden, da Projekte per Definition temporär sind, also einen fixierten Endpunkt aufweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die zunehmende Relevanz interorganisationaler Projekte und identifiziert eine Forschungslücke in der effizienten Steuerung durch Vertrauen und Kontrolle unter Berücksichtigung von Kontingenzen.
2 Interorganisationale Projekte, Vertrauen und Kontrolle: Das Kapitel definiert interorganisationale Projekte als temporäre Organisationen und erläutert die Konzepte von Vertrauen und Kontrolle sowie deren Nexus in diesem Kontext.
3 Die Kontingenztheorie als Analyseinstrument vertrauens- und kontrollbasierter Steuerungsoptionen in temporären interorganisationalen Projekten: Hier wird die Kontingenztheorie als theoretischer Rahmen eingeführt und auf die spezifischen Kontingenzfaktoren Aufgabenunsicherheit und Kontinuität angewandt.
4 Handlungsempfehlungen für die vertrauens- und kontrollbasierte Steuerung interorganisationaler Projekte unter Berücksichtigung der Kontingenzen: Das Hauptkapitel generiert differenzierte Empfehlungen für den Einsatz von Steuerungsinstrumenten basierend auf den identifizierten Kontingenzen.
5 Fazit und Ausblick: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die theoretische Fundierung sowie mögliche weiterführende Forschungsrichtungen.
Schlüsselwörter
Interorganisationale Projekte, Vertrauen, Kontrolle, Kontingenztheorie, Aufgabenunsicherheit, Kontinuität, Projektmanagement, Steuerungsoptionen, Leistungsrisiko, Beziehungsrisiko, interorganisationale Beziehungen, temporäre Organisation, Projektnetzwerke, Kooperation, Effizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie interorganisationale Projekte (IOP) effizient gesteuert werden können, indem sie die Steuerungsinstrumente Vertrauen und Kontrolle in Abhängigkeit von situativen Rahmenbedingungen analysiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft Projektmanagement, Kooperationsforschung und Kontingenztheorie, um zu erklären, wie Unsicherheit und Beziehungsdauer die Wahl zwischen vertrauensbasierten und kontrollbasierten Steuerungsmechanismen beeinflussen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, ein theoretisches Grundgerüst zu liefern, das aufzeigt, wann und wie Vertrauen oder Kontrolle zur effizienten Steuerung temporärer Projekte auf Unternehmens- und Projektebene eingesetzt werden sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein kontingenztheoretischer Ansatz gewählt, der die "Fit"-Annahme nutzt, um situationsabhängige Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil (Kapitel 4) werden für die Kontingenzfaktoren Aufgabenunsicherheit und Kontinuität jeweils spezifische Handlungsempfehlungen für Vertrauen und Kontrolle auf Unternehmens- und Projektebene generiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Vertrauen, Kontrolle, interorganisationale Projekte (IOP), Aufgabenunsicherheit, Kontinuität und Kontingenztheorie.
Warum ist das Projekt als "temporäre Organisation" besonders?
Da Projekte im Gegensatz zu permanenten Organisationen einen fixen Endpunkt haben, stellt sich die Frage nach dem Vertrauensaufbau und der Koordination besonders drängend, da klassische Clan-Strukturen oft nicht ausreichend Zeit haben, sich zu etablieren.
Welche Rolle spielt der Begriff "Swift Trust" in der Arbeit?
In temporären Gruppen, in denen eine langfristige Vertrauensbildung durch gemeinsame Geschichte nicht möglich ist, dient "Swift Trust" als kognitive Vertrauensform, um Handlungsfähigkeit und Koordination von Beginn an zu ermöglichen.
Wie stehen Vertrauen und Kontrolle laut der Arbeit zueinander?
Die Arbeit vertritt eine integrierte Sichtweise, in der Vertrauen und Kontrolle je nach Kontext sowohl als Substitute als auch als Komplemente fungieren können.
- Quote paper
- Oliver Jakob (Author), 2008, Vertrauen und Kontrolle als Steuerungsinstrumente temporärer interorganisationaler Projekte , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174936