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Der Sachsenspiegel des Eike von Repgow

Zur Entwicklung der Rechtssprache

Titel: Der Sachsenspiegel des Eike von Repgow

Hausarbeit , 2020 , 20 Seiten

Autor:in: Lilli Bernitzki-Ash (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Seminararbeit untersucht die sprachlichen Besonderheiten des Sachsenspiegels, des bedeutendsten deutschen Rechtsbuchs des Mittelalters, und beleuchtet dessen Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Rechtssprache. Im Mittelpunkt stehen die Entstehung des Werks, seine historische und gesellschaftliche Bedeutung sowie die sprachlichen Merkmale, mit denen Eike von Repgow das mittelalterliche Recht verständlich und nachhaltig prägte.

Neben einer Einführung in die Geschichte und den Inhalt des Sachsenspiegels analysiert die Arbeit den Rechtswortschatz sowie den Zusammenhang zwischen Sprache, Recht und gesellschaftlicher Ordnung. Darüber hinaus widmet sie sich den berühmten Bilderhandschriften und zeigt, wie Bildsprache, Gesten und Miniaturen zur Vermittlung rechtlicher Inhalte beitrugen und auch Menschen ohne Lesekenntnisse den Zugang zum geltenden Recht ermöglichten.

Die Untersuchung verdeutlicht, dass der Sachsenspiegel weit über seine Funktion als mittelalterliches Gesetzbuch hinauswirkte. Als frühes Prosawerk des Mittelniederdeutschen beeinflusste er nicht nur die Entwicklung der deutschen Rechtssprache, sondern hinterließ auch Spuren im allgemeinen Sprachgebrauch und in der europäischen Rechtsgeschichte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG - THEORIE - FRAGESTELLUNG

1.1 Der Sachsenspiegel

1.1.1 Ziele der Arbeit

2 ZU GESCHICHTE UND INHALT

2.1 Im Kontext der Rechtssprache

2.2 Der Autor Eike von Repgow und sein Schaffen

2.3 Zum Inhalt des Sachsenspiegels

3 RECHT IM BILD

3.1 Überlieferung und Herkunft des Sachsenrechts

3.2 Die Bilderhandschriften

4 SPRACHE

4.1 Zum Rechtswortschatz im Allgemeinen

4.2 Die Sprache im Sachsenspiegel

4.3 Zur Bildersprache und Gesten im Sachsenspiegel

5 FAZIT

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die historische und sprachliche Bedeutung des Sachsenspiegels von Eike von Repgow für die Ausbildung der deutschen Rechtssprache umfassend darzulegen. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Forschungsfrage, inwiefern dieses mittelalterliche Rechtsbuch durch seine Volkssprachigkeit, stilistische Gestaltungsmittel und die synchrone Bildüberlieferung das juristische Fachvokabular formte sowie nachhaltigen Einfluss auf den allgemeinen Sprachgebrauch bis in die Gegenwart ausübte.

  • Historische Einordnung des Sachsenspiegels im Kontext von Gewohnheitsrecht, Landrecht und Lehnrecht
  • Der Autor Eike von Repgow, sein soziokulturelles Umfeld und die Entstehungsgeschichte des Werkes
  • Struktur und Entwicklung des deutschen Rechtswortschatzes von frühmittelalterlichen Quellen bis zum Spätmittelalter
  • Linguistische Besonderheiten: Wortbildungsmuster, Komposita, Paarformeln, Modalverben und Syntax im Mittelniederdeutschen
  • Die Funktion der Bilderhandschriften und juristischen Gestensprache als didaktisches Vermittlungsmedium für Leseunkundige
  • Nachwirkung mittelalterlicher Rechtsformeln und Sprichwörter in der modernen Standardsprache und im Zivilrecht

Auszug aus dem Buch

4.2 Die Sprache im Sachsenspiegel

Zweifelsohne ist der Sachsenspiegel als ein Fachbuch anzusehen. Es lässt sich der juristischen Fachliteratur zuordnen und wurde ebenso nur von einem speziellen Personenkreis benutzt. Da wir es mit ursprünglich überliefertem, mündlichen Recht zu tun haben finden wir in diesem Fachwortschatz kaum Fremdwörter. Es lassen sich wenige Ausnahmen finden, wie turnei (für Turnier) welches Eike wohl der höfischen Literatur seiner Zeit entnommen haben könnte. Innerhalb der Fachausdrücke dominieren neu gebildete Komposita die auch in Paarformeln auftreten können (1.1.1). Wortbildungen wie kebeskind (ein uneheliches Kind), swertmag (ein Verwandter väterlicherseits) oder musteil (die Hälfte der Speisevorräte) prägen die Sprache im Sachsenspiegel. Auch die egenscap (Leibeigenschaft) ist ein gutes Beispiel dafür: Ok secgen sume lüde, it queme egenscap von kam noes sone (auch sagen manche Leute, es käme die Leibeigenschaft von Cham, Noahs Sohn) (Ssp. III,42,3). In dieser Zusammensetzung wird eine Ableitung mit dem Suffix –skap gebildet, auch Formen mit –unge und –inge kommen vor.

Wie bereits erwähnt und auch für die gesamte Rechtsterminologie gültig, werden Modalverben sehr häufig gebraucht. Die vader mach den sone enes ut nemen, of he um ungerichte beklaget wert (der Vater kann den Sohn einmal auslösen, wenn er wegen eines Vergehens belangt wird) (Ssp. II, 17 ,2), man mut it ime gelden mit eneme halven weregelde (man muss ihm abgelten mit halber Mannesbuße) (SspII,16,5). Die Verwendung liegt natürlich nahe, wenn man das Recht als allgemeingültig ansieht, man muss sich ihm fügen und man soll sich nach den Gesetzen richten. Dieses Phänomen schwingt natürlich bis heute mit, denn schließlich beruft man sich auf Artikel und Paragraphen die feststehen. Aus pragmatischer Perspektive lässt das Gesetz keinen Raum für individuelle Auslegungen, weshalb es durch die starre und strenge Wortstruktur geleitet wird. Eike bricht diese anzunehmende Starre allerdings durch die Verwendung stilistischen Merkmale wieder auf. Dass er in Stabreimen geschrieben hat, Paarformeln und Alliterationen verwendet hat, all das bringt eine gewisse Leichtigkeit in die eigentlich inhaltliche Schwere des Textes.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG - THEORIE - FRAGESTELLUNG: Das Kapitel führt in die Entstehungsbedingungen und Überlieferungslage des Sachsenspiegels ein und formuliert das Erkenntnisziel, sprachliche Eigenheiten sowie soziokulturelle Dimensionen des Werkes zu untersuchen.

2 ZU GESCHICHTE UND INHALT: Es beleuchtet den historischen Rahmen der Rechtssprache im Unterschied zu den Freien Künsten, porträtiert Eike von Repgow als Verfasser und skizziert die Hauptbestandteile Landrecht und Lehnsrecht mitsamt der Heerschildordnung und Zweischwertlehre.

3 RECHT IM BILD: Der Abschnitt betrachtet den Übergang von der mündlichen Rechtskultur zur Schriftlichkeit, ständische Gesellschaftsordnungen sowie die Entstehung und Eigenheiten der vier berühmten Bilderhandschriften aus Oldenburg, Heidelberg, Dresden und Wolfenbüttel.

4 SPRACHE: Dieses Hauptkapitel analysiert die linguistischen Charakteristika des Rechtswortschatzes, die spezifische Wortbildungslehre und Syntax im Sachsenspiegel sowie das Zusammenspiel von Bildsprache, Rechtsgebärden und Text.

5 FAZIT: Das Schlusskapitel bilanziert den nachhaltigen Einfluss des Sachsenspiegels auf nachfolgende Rechtsbücher, die Etablierung einer volkssprachigen Rechtstradition und die Fortdauer seiner Formulierungen bis ins heutige Sprach- und Rechtsleben.

Schlüsselwörter

Sachsenspiegel, Eike von Repgow, Rechtssprache, Fachsprache, Mittelniederdeutsch, Landrecht, Lehnrecht, Bilderhandschriften, Zweischwertlehre, Heerschildordnung, Rechtswortschatz, Rechtsgebärden, Stabreim, Paarformeln, Rechtsgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem mittelalterlichen Rechtsbuch Sachsenspiegel von Eike von Repgow und analysiert dessen zentrale Bedeutung für die Herausbildung und Entwicklung der deutschen Rechtssprache.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den thematischen Schwerpunkten gehören die rechtshistorische Einbettung des Sachsenspiegels, sprachwissenschaftliche Merkmale des Mittelniederdeutschen, die juristische Wortbildung sowie die visuelle Vermittlung von Normen über Bilderhandschriften.

Was ist das primäre Ziel bzw. die Forschungsfrage der Publikation?

Das primäre Ziel besteht darin aufzuzeigen, wie der Sachsenspiegel bestehendes Gewohnheitsrecht in die Volkssprache überführte und welche stilistischen und lexikalischen Mechanismen die Rechtsterminologie und den allgemeinen Sprachgebrauch nachhaltig prägten.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Publikation kombiniert rechtshistorische Quellenanalyse mit germanistischer Sprach- und Textanalyse, indem originale Textbelege und Bildquellen strukturell, etymologisch und syntaktisch interpretiert werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden nach einer historischen Verortung des Autors und des Textinhalts die sprachlichen Besonderheiten wie Komposita, Ableitungen, Modalverben und Stabreime sowie die Funktion von Rechtsgebärden in den illuminierten Codices detailliert aufgeschlüsselt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Zentrale Leitbegriffe sind unter anderem Sachsenspiegel, Rechtssprache, Eike von Repgow, Mittelniederdeutsch, Landrecht, Lehnrecht, Bilderhandschriften, Zweischwertlehre und Rechtswortschatz.

Welche Funktion hatten die Bilderhandschriften für die zeitgenössische Rechtsvermittlung?

Die Bildstreifen der illuminierten Handschriften machten das Recht auch für leseschwache oder schriftunkundige Zeitgenossen visuell erfassbar, indem sie konkrete Rechtsfälle, Statusunterschiede und rechtlich bindende Gesten abbildeten.

Welche bis heute gebräuchlichen Wendungen gehen auf den Sachsenspiegel zurück?

Bekannte Redensarten und Konzepte wie das Sprichwort „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, der Terminus der „handhaften Tat“ (Vorläufer der „frischen Tat“) oder das rechtliche „Überhangsrecht“ bei Nachbargrundstücken haben ihren Ursprung in Eikes Formulierungen.

Was besagt die im Sachsenspiegel dargestellte Zweischwertlehre?

Die Zweischwertlehre beschreibt die theologische und verfassungsrechtliche Auffassung, dass Gott dem Papst das geistliche und dem Kaiser das weltliche Schwert zur Regierung übergab, womit eine grundlegende Gleichrangigkeit beider Gewalten postuliert wurde.

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Details

Titel
Der Sachsenspiegel des Eike von Repgow
Untertitel
Zur Entwicklung der Rechtssprache
Hochschule
Universität Leipzig  (Germanistik)
Veranstaltung
Historische Deutsche Fachsprachen
Autor
Lilli Bernitzki-Ash (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V1749376
ISBN (PDF)
9783389202029
ISBN (Buch)
9783389202036
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtssprache Historische Linguistik Sachsenpiegel Sprachgeschichte Mediävistik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lilli Bernitzki-Ash (Autor:in), 2020, Der Sachsenspiegel des Eike von Repgow, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1749376
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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