Corporate Governance & Corporate Corruption


Hausarbeit, 2010

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Korruption
1.1. Das Dilemma der Korruption
1.2. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gesamtfolgen der Korruption

2. Corporate Governance
2.1. Corporate Governance als Erfolgsfaktor einer Unternehmung?
2.2. Kann eine gute Corporate Governance vor Korruption schützen?

3. Maßnahmen zur Bekämpfung von Korruption
3.1. Compliance Management
3.2. Corporate Citizenship
3.3. Institutionelle Maßnahmen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Korruptions-Dilemma

Abbildung 2: Die Auswirkungen von Korruption

1. Korruption

1.1. Das Dilemma der Korruption

Siemens, MAN und nun auch Daimler: Die Größen der deutschen Wirtschaft sind tief in Korruption verwickelt. Dabei lohnt es sich kaum, Schmiergelder zu zahlen. Langfristig überwiegen die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schäden, die sich die Firmen für den kurzfristigen Vorteil erkaufen. Und die Gefahr erwischt zu werden steigt.

Der Begriff der Korruption wird unterschiedlich definiert. Rechtswissenschaf-ten, Soziologie, Kriminologie, Politologie und Psychologie definieren den Be-griff verschieden. Sie bilden jedoch eine wichtige Ausgangssituation in der ökonomischen Analyse. Bei den Ökonomen gibt es jedoch keine Übereinstim-mung wie Korruption zu verstehen ist. In der vorliegenden Arbeit wird die De-finition von Muche verwendet, der Korruption als unbilligen Tausch ansieht, bei dem ein vertraglicher Handlungsspielraum zum eigenen Vorteil miss-braucht wird.1

Zur Korruption gehören mindestens drei Akteure, der Prinzipal, der Agent und der Klient. Ein so genannter Prinzipal-Agenten-Vertrag besteht zwischen dem Prinzipal und dem Agenten. Zwischen Agent und Klient findet ein Tausch statt, in dem der Agent aufgrund einer Vorteilsgewährung durch den Klienten gegen den Prinzipal-Agenten-Vertrag verstößt und somit regelwidrig handelt.2

Aber weshalb ist Korruption trotz gesetzlicher Korruptionsbekämpfung3 so weit verbreitet? Das Hauptproblem liegt sicherlich in der geringen Aufde-ckungsrate. Deshalb kommt es häufig zu einer typischen Dilemma-Situation (vgl. Abb. 1). Zur Erklärung dieses Dilemmas wird das Gefangenen-Dilemma herangezogen. Besticht ein Unternehmen nicht, wird sich die Konkurrenz (wel-che besticht) den Großteil der Aufträge sichern und sich einen Gewinn von vier Einheiten einstreichen. Das moralisch handelnde Unternehmen wird in diesem Fall nur eine Einheit erwirtschaften. Bestechen beide Unternehmen nicht, erhal-ten sie jeweils drei Einheiten. Macht in der Summe sechs, eine Einheit mehr als im vorherigen Fall (Bestechung verursacht Kosten, welche vom Gewinn abge-zogen werden müssen). Korrumpieren beide Unternehmen bleiben ihnen je-weils nur zwei Gewinneinheiten. In der Summe von vier ist dies die schlechtes-te Alternative, bedingt durch den kostenproduzierenden Korruptionswettlauf zwischen den Unternehmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Korruptions-Dilemma4

Für welche Alternative müsste sich, unter rationalen Gesichtspunkten, bei-spielsweise Unternehmen A entscheiden. Besticht Unternehmen B dann ist für Unternehmen A bestechen die zwingende Option (2>1). Handelt Unternehmen B jedoch moralisch und besticht nicht ist trotzdem für Unternehmen A beste-chen die dominante Strategie (4>3). Nach dieser Theorie werden beide Unter-nehmen bestechen, weil der Anreiz zusätzliche Gewinne zu generieren bzw. das Risiko Verluste zu erleiden durch Korruption erreicht bzw. vermieden werden kann.5

Ein vorbildlich handelndes Unternehmen würde nach der Logik des Gefangenen-Dilemmas durch Defektion der anderen ausgebeutet werden6. Im nächsten Abschnitt werden jedoch die Folgen von Korruption für die Gesellschaft und die Unternehmen dargestellt.

1.2. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gesamtfol- gen der Korruption

Korruption ist vielleicht kurzfristig erfolgsversprechend jedoch richtet es auf Dauer Schäden an. Verschiedene Studien haben die Folgen von Korruption untersucht. Schwerpunkt der Forschung waren die Folgen für private und öffentliche Akteure, sowie für die gesellschaftliche Allgemeinheit. Einen Überblick über die Ergebnisse gibt Abbildung 2 in Anlehnung an Pies7.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die Auswirkungen von Korruption

Empirische Untersuchungen haben festgestellt, dass Unternehmen und Privat-leute versuchen Korruptionszahlungen zu minimieren. Produktive aber korrup-tionsanfällige Tätigkeiten werden somit zurückgestellt. Im Extrem kann es so-gar zum Rückzug aus einem Markt kommen.8 Dieses Verhalten lässt sich in drei Bereiche aufteilen. Das Investitionsvolumen korreliert negativ mit der Korruption. Das Kapital wird aufgrund höherer Sicherheiten in Länder mit ei-ner niedrigen Korruptionsquote umgeleitet. Mauro stellte mit Hilfe des Korrup-tionsindexes fest, dass eine Verbesserung des Korruptionsindexes eines Landes um eine Einheit, die Investitionsrate um 3% erhöht.9 Ein weiterer Effekt bei privaten Akteuren als Reaktion auf Korruption ist die veränderte Zusammen-setzung von Investitionen. Durch die erhöhte Unsicherheit werden vermehrt kurzfristige liquide Mittel eingesetzt, die auch schnell wieder abgezogen wer-den können.10 Dies gefährdet auch die Stabilität des Finanzsystems eines Lan-des. Der dritte Punkt beschreibt das Abwandern in die Schattenwirtschaft, da hier die Korruptionsbelastung geringer zu sein scheint als in der offiziellen Wirtschaft.11 Auch daraus ergeben sich Nachteile für Wirtschaft und Staat, nämlich durch Steuerausfälle, höhere Kosten und weniger produktive Transak-tionen.

Auch staatliche Akteure verändern ihr Verhalten durch Korruption. Sie haben Anreize ihr Handeln nach der Maximierung von Bestechungsgeldern auszu-richten, d.h. sie betreiben Rent-Seeking.12 Dies lässt sich an den folgenden Punkten empirisch nachweisen. Regulierungen werden erhöht und verzerrt (z.B. durch Wettbewerbsbeschränkung, höhere und komplexere Zölle und Steuern), auch die Staatsquote wird erhöht und Budgetentscheidungen ver-zerrt.13

Da Korruption, wie gerade aufgezeigt, private und staatliche Akteure negativ beeinflusst, entsteht somit auch ein negativer Einfluss auf die Gesellschaft im Allgemeinen. Diese negativen Wirkungen lassen sich in fünf Kategorien unter-teilen: Verringerung der Produktivität und des Bruttoinlandsprodukts, Verlang-samung des Wachstums sowie die Erhöhung der Ungleichheit und der Armut und die damit verbundene Verschlechterung des Gesundheits- und Bildungs-wesens.14 In der Untersuchung von Gupta et al. wurde herausgefunden, dass ei-ne Verschlechterung auf dem Korruptionsindex um eine Standardabweichung einen Anstieg des Gini-Koeffizienten15 um elf Punkte zur Folge hat.

Es kann durch die hier zitierten Quellen also bestätigt werden, dass Korruption ein Problem für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft darstellt. Es schadet lang-fristig also auch den Unternehmen somit kann die Argumentation des Gefange-nen-Dilemmas widerlegt werden und somit muss versucht werden mit rechtli-chen und unternehmensinternen Mitteln Korruption zu unterbinden denn Schätzungen besagen, dass jährlich etwa eine Billionen US-Dollar Beste-chungsgeld bezahlt werden.16 Welche Maßnahmen hier angebracht wären, werden im dritten Kapitel erläutert.

[...]


1 Vgl. Muche 2008, S. 126.

2 Vgl. Homan 1997, S. 192.

3 U.a. das Korruptionsbekämpfungsgesetz (1997), das Vergaberechtsänderungsgesetz (1999), die OECD-Korruptionskonvention, das Gesetz zur Bekämpfung internationaler Bestechung (1999), das Steuerentlastungsgesetz (1999/2000/2002).

4 In Anlehnung an Schramm 2005, S. 85.

5 Vgl. Schramm 2005, S. 85.

6 Vgl. Homann 1997, S. 195.

7 Vgl. Pies 2005, S. 93.

8 Vgl. Klitgaard 1988, S. 43f..

9 Vgl. Mauro 1995, S. 695.

10 Vgl. Rose-Ackermann 2001, S. 19.

11 Vgl. Weltbank 2004, S. 41.

12 Vgl. Graf Lambsdorff 2005, S. 22ff..

13 Vgl. dazu die Studien von Kaufmann/ Wei 2000, Ades/ DiTella 1999, Tanzi/ Davoodi 1997.

14 Vgl. dazu die Studien von Tanzi/ Davoodi 1997, Pellegrinie/ Gerlagh 2004, Mauro 1995, Gupta et al. 2002.

15 Ein statistisches Maß zur Darstellung von Ungleichverteilungen, hier beim Einkommen.

16 Vgl. Rose-Ackermann 2004, S. 2.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Corporate Governance & Corporate Corruption
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V174951
ISBN (eBook)
9783640957323
ISBN (Buch)
9783640957569
Dateigröße
744 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Korruption, Corporate Governance, Bestechung, Compliance Management, Corporate Citizenship
Arbeit zitieren
Manuel Maurer (Autor), 2010, Corporate Governance & Corporate Corruption, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174951

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