Die Macht im Kontext der Organisation

Das Spielfeld politisierter Handlungssysteme


Seminararbeit, 2011

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG - DIE MACHT ALS UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND

2. ANNÄHERUNG UND ABGRENZUNG DER BEGRIFFLICHKEITEN
2.1 DER BEGRIFF DER ORGANISATION
2.2 DER BEGRIFF DER MACHT

3. DIE MACHT IN ORGANISATIONEN

4. MACHTSPIELRÄUME IN DER PRAXIS
4.1 GERHARD SCHRÖDER - OFFENSIVSPIELER MIT HANG ZUM EIGENTOR
4.2 VOM VORREITER ZUM IMAGESCHADEN: DIE GESCHEITERTE FUSION DER DEUTSCHEN UND DRESDNER BANK

5. FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung - Die Macht als Untersuchungsgegenstand

„Das menschliche Verhalten ist nie völlig voraussehbar und programmierbar. Jede zwischenmenschliche Kooperation und damit jede Struktur kollektiven Handelns ist also politisch, d.h. letztlich nur durch Machtbeziehungen stabilisiert und - bewußt oder unbewußt,organisiert‘.“ (Crozier/Friedberg 1979: Klappentext).

Die Untersuchung des Gegenstandes „Macht“ beschäftigt die Soziologie und andere wissenschaftliche Disziplinen bereits seit langem. Die Frage danach, was Macht ist, wie sie sichäußert und inwieweit sie grundlegender Bestandteil menschlicher Interaktionen ist, beschäftigt Soziologen von der klassischen soziologischen Lehre (vgl. u.a. Weber 2005), bis hin zur modernen Organisationssoziologie.

Der Begriff der Macht und Machtausübung begleitet jeden Akteur im Alltag und erfährt daher auch eine stets aktuelle Relevanz: Die Gewaltenteilung eines Staates, der Vorgesetzte in der Firma, die Erziehung der Kinder, Fusionen großer Unternehmen oder einfach die Diskussion mit dem Ordnungsamt, in der es um einen soeben ausgestellten Strafzettel geht - wir befinden uns im „Spielraum“ (vgl. Crozier/Friedberg 1979: 41f.) der Macht.

In dieser Hausarbeit soll zunächst der Begriff der Organisation untersucht und abgegrenzt werden, ebenso wie der Begriff der Macht. Zur genauen Bestimmung von Machtprozessen und Macht im Kontext von Handlungssystemen dient vor allem das Buch Macht und Organisation von Michel Crozier und Erhard Friedberg, welches bis heute als prägender Denkansatz für die Managementtheorie und Organisationslehre gilt. Zum Aufbau eines Theoriekonstrukts wird ebenso Niklas Luhmanns Theorie funktionaler Systeme berücksichtigt, die als grundlegend für die Betrachtung von Organisationen in der Gesellschaft und der Gesellschaft selbst angesehen werden kann. Aufbauend auf der theoretischen Einleitung zur Macht werden problematische Machtstrukturen anhand zweier praktischer Beispiele aus der Politik und der Wirtschaft dargestellt.

2 Annäherung und Abgrenzung der Begrifflichkeiten

2.1. Der Begriff der Organisation

Die Organisation und das organisierte Handeln sind auch für Nicht-Soziologen Termini, die häufig verwendet werden. Allerdings unterscheidet sich die Auffassung der Soziologie von der herkömmlichen, „tagtäglichen“ Betrachtungsweise. „Von analytischer Relevanz ist die gesellschaftliche Realkategorie „Organisation“, d.h. die Frage, was tun Menschen dann, wenn sie das tun, was sie Organisation nennen.“ (Matys 2006: 11). Um dieser Frage nachzugehen, muss man sich demnächst den Rahmenbedingungen nähern, in welchen Organisationen sich entwickeln und existieren. Einen anerkannten Ansatz liefert hierzu Niklas Luhmanns Theorie einer funktional-differenzierten Gesellschaft. Luhmann beschreibt die Gesellschaft als System mit höchster Komplexität, welches, um die Komplexität zu reduzieren, mehrere Subsysteme zur Verarbeitung ausbildet (z.B. Politik, Wirtschaft, Kultur, usw.) (vgl. Luhmann 1984). Er betont, dass „Systeme der Reduktion von Komplexität dienen, und zwar durch Stabilisierung einer Innen/Außen-Differenz. Alles was über Systeme ausgesagt wird - Differenzierung in Teile, Hierarchiebildung, Grenzerhaltung, Differenzierung von Struktur und Prozess, selektive Umweltentwürfe usw.-, lässt sich […] funktional analysieren als Reduktion von Komplexität“ (Luhmann 1971: 11). Auf dem Weg zu der Frage, was die Relation von Organisation und Gesellschaft beinhaltet, lässt sich in Hinblick auf die Akteure feststellen, dass „nun obige Subsysteme ihrerseits Leitdifferenzen [ausbilden], d.h. Unterscheidungsrahmen mit eigenen Codes […], also Arten, Weisen und Modi, unter Zuhilfenahme derer in einem jeden Subsystem verstehbar kommuniziert werden kann. Für das Subsystem Recht ist z.B. Wahrheit das generalisierte Kommunikationsmedium, für Politik ist es Macht, für Ökonomie das Geld“ (Matys 2006: 11). Im Hinblick auf das Thema der Arbeit lässt sich schon die Parallelität von Macht in politisierten Spielräumen einerseits und dem Subsystem der Politik und seinem binären Codesystem Macht (Regierung) beziehungsweise Nicht-Macht (Opposition) erkennen.

Die Frage ist nun, wie Organisationen entstehen. Der Zweck wurde bereits u.a. in der Reduktion von Komplexität dargestellt. Betrachtet man die Individuen an sich, lassen sie sich als autonome Akteure begreifen, die trotz ihrer Autonomie kollektives Handeln anstreben, z.B. zur Nutzen- oder Gewinnmaximierung. Nach Crozier und Friedberg sind daher Organisationen „nichts anderes als die immer spezifischen Lösungen, die relativ autonome Akteure mit ihren jeweiligen Ressourcen und Fähigkeiten erfunden und eingesetzt haben, um die Probleme kollektiven Handelns zu lösen, d.h. vor allem, um ihre zur Erreichung gemeinsamer Ziele notwendige Zusammenarbeit trotz ihrer widersprüchlichen Interessenlagen und Zielvorstellungen zu ermöglichen und sicherzustellen“ (Crozier/Friedberg 1979: 7). Über die Organisation in der Gesellschaft lässt sich zusammenfassend feststellen, dass Organisationen bedeutende Aktionszentren der Gesellschaft sind, vermittels Organisation maßgebliche gesellschaftliche Strukturen hervorgebracht bzw. reproduziert werden, wie z.B. Strukturen sozialer Ungleichheit. Außerdem werden über Organisationen Probleme als gesellschaftlich relevant definiert, weshalb Organisationen also über Thematisierungs- und Problematisierungsmacht verfügen (vgl. Türk/Lemke/Bruch 2002: 10f.).

Um die Organisation weiter zu bestimmen und in die Kategorie der Macht einzuleiten, bedienen man sich der Herrschaftstheorie. Einerseits gibt diese eine Schärfung der Entstehung von Organisation: „Organisation kann als typische Form von Herrschaft innerhalb der modernen kapitalistischen Gesellschaft begriffen werden, weil durch den Modus Organisation eine spezifisch kapitalistische Nutzungsform menschlicher Arbeit konstituiert wird.“ ( Matys 2006: 12).

2.2 Der Begriff der Macht

Andererseits liefert der Begriff der Herrschaft - vor allem nach Max Weber - eine wichtige Möglichkeit zur Abgrenzung der Begriffe Herrschaft und Macht voneinander, denn für die folgenden Darstellungsformen von Macht in Theorie und Praxis wird es wichtig sein, die Begriffe klar zu definieren. Nach Weber ist Herrschaft die Chance für einen Befehl bestimmten Inhalts bei einer angebbaren Person Gehorsam zu finden (vgl. Weber 2006: Kap. 1, §16). Herrschaft setzt also ein Mindestmaß an „Gehorchenwollen“ voraus. Dem entgegen steht die Macht: Sie meint vielmehr jede Chance innerhalb einer Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht (vgl. ebd.: Kap. 1, §16 ). Während Weber sich in seinen Theorien mehr auf den Begriff der Herrschaft fixiert, soll für uns der Begriff der Macht im Vordergrund stehen. Ansatzpunkt bleibt jedoch der Beziehungsaspekt aus Webers Definition, der auch für Crozier und Friedberg entscheidendes Kriterium für Macht ist: „Auf andere einwirken heißt, in Beziehung zu ihnen treten; und erst in dieser Beziehung kann sich die Macht einer Person A über eine Person B entfalten. Macht ist also eine Beziehung und nicht ein Attribut der Akteure.“ (Crozier/Friedberg 1979: 39). Macht entsteht also nur in der Verbindung von zwei oder mehr Akteuren und wird nur dann zwingend für die Akteure oder „Gegenspieler“ (ebd.: 39), wenn „deren persönliche Interessen durch Erreichung eines gemeinsamen Ziels bedingt werden und die somit voneinander abhängig sind“ (ebd.: 39).

Machtbeziehungen haben stets einen Austausch zum Inhalt und können damit auch als Tausch- und Verhandlungsbeziehungen bezeichnet werden (vgl. ebd.: 12). Mit dem Ergebnis, dass sich Macht nur als Produkt von Beziehungen entwickelt, ergeben sich noch einige interessante Ansätze bezüglich der Arten von Beziehungen: Zum einen besteht Macht in instrumentellen Beziehungen, denn das Phänomen Macht lässt sich nur begreifen im Hinblick auf die Perspektive eines Ziels, das in „einer instrumentellen Logik die Mobilisierung von Ressourcen seitens der Akteure mobilisiert“ (ebd.: 40). Weiter ist Macht eine nicht-transitive Beziehung, was bedeutet, dass wenn „eine Person A von einer Person B und diese ihrerseits von einer Person C leicht eine gewisse Handlung erreichen kann, so ist es nichtsdestoweniger möglich, daß A außerstande ist von C diese Handlung zu erwirken. […] Jede Handlung bildet einen spezifischen Spielraum, um den herum sich eine eigene Machtbeziehung ansiedelt. So wird A von B mit Leichtigkeit Handlung X erwirken, schwerer schon eine Handlung Y und es wird ihm unmöglich sein, eine Handlung Z herbeizuführen, die wiederum eine Person C leicht veranlassen kann“ (ebd.: 40). Es lässt sich also festhalten, dass Macht nicht nur fest mit den Akteuren verbunden ist, die an der Beziehung beteiligt sind, sondern auch mit den geforderten Handlungen. Als weitere Art von Beziehungen führen Crozier und Friedberg die Machtbeziehung als gegenseitige, aber unausgewogene Beziehung an. Die Gegenseitigkeit dieser Beziehung beruht auf den Aspekten, die sich durch den Prozess des Tausches beziehungsweise Austausches ergeben. Die Unausgewogenheit ergibt sich aus der Möglichkeit, dass ein Spieler gegenüber einem anderen seine Spielposition deutlich verbessern kann, obwohl er die gleichen Trümpfe/Ressourcen für das Spiel in der Hand hält. „[Man] könnte sagen, daß die Macht von A über B der Fähigkeit A´s entspricht, für seine Verhandlung mit B ihn begünstigende Tauschbedingungen zu schaffen beziehungsweise durchzusetzen.“ (ebd.: 41).

3 Die Macht in Organisationen

Nachdem nun einleitend die Begriffe Macht und Organisation zum besseren Verständnis skizziert wurden, widmet sich das folgende Kapitel zum Abschluss des Theoriekonstrukts der Macht im Kontext der Organisation. Entscheidend sind vor allem die Fragen danach, inwiefern sich Machtprozesse in Organisationen abspielen und welche Typen von Macht sich speziell in Organisationen ergeben.

Wie bereits festgestellt, ergibt sich Macht immer in Beziehungen. Da Organisationen von den Interaktionen seiner Akteure geprägt sind, erfolgt die logische Schlussfolgerung, dass Organisation und Macht untrennbar miteinander verbunden sind.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Macht im Kontext der Organisation
Untertitel
Das Spielfeld politisierter Handlungssysteme
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Organisationssoziologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V174988
ISBN (eBook)
9783640957866
ISBN (Buch)
9783640957743
Dateigröße
777 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
macht, kontext, organisation, spielfeld, handlungssysteme
Arbeit zitieren
Timo Evers (Autor), 2011, Die Macht im Kontext der Organisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174988

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