Literatur und Anarchie

Anarchismus in Aldous Huxleys "Eiland"


Seminararbeit, 2010

7 Seiten, Note: unbenotet- bestanden


Leseprobe

Inhalt

1. Inhaltszusammenfassung

2. Utopie

3. Anarchistische Merkmale im Text

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur

1. Inhaltszusammenfassung

Der Protagonist Will, ein schiffbrüchiger englischer Reporter, strandet auf der Insel Pala. Er liegt verletzt am Boden, wird von zwei Inselbewohnern gefunden und medizinisch versorgt. Im Laufe der Zeit trifft Will auf einige bedeutungsvolle Inselbewohner. Murugan, der zukünftige Radscha von Pala, Mr. Bahu, der Gesandte von dem Nachbarort Rendang, Dr. MacPhail, der Arzt und Susila, die Schwiegertochter des Arztes, die Will zu verhilft sich selbst besser kennenzulernen.

Will lernt auf der Insel ebenfalls viele, ihm bisher unbekannte und unvertraute Dinge kennen, denen er zunächst skeptisch gegenüber tritt. Wie beispielsweise die moksha-Medizin, die bewusstseinserweiternde Droge bzw. die „Pille der Wahrheit und Schönheit“ (S. 163) und den KAG, den Kinderpflegeverein auf Gegenseitigkeit.

Er erhält somit einen Einblick in die „heile Welt“ der Inselbewohner und distanziert sich nun immer weiter von der ihm bisher vertrauten westlich-zivilisierten Welt.

Letztendlich wird allerdings auch die Idylle der Insel vom Fortschritt eingeholt und zunichte gemacht. (Vgl. S. 2)

2. Utopie

In dem Roman „Eiland“ entwirft Huxley eine positive Utopie. (Vgl. S. 2) Meist entsteht eine Utopie aus der Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Situation. Insbesondere die positive Utopie zielt auf eine Verbesserung des Gegenwärtigen ab.[1]

Manche Texte „sind literarische Utopien mit Verwirklichungsabsicht“[2], andere sind stattdessen „literarische Utopien, ohne dass sie verwirklicht werden sollen“[3]. Letztere scheint Huxley in diesem Roman versucht dargestellt zu haben, da sich letztendlich selbst die Insel einem Fortschritt nicht entziehen kann und die Skepsis der Verwirklichung auch im Text selbst, durch die Äußerungen verschiedener Personen, angedeutet wird.

Zusammenfassend meint Utopie einen „durchdachten Entwurf einer idealen Gesellschaft“[4]. Auf diese Vorstellungen Huxleys von einer Idealgesellschaft soll im Folgenden näher eingegangen werden.

3. Anarchistische Merkmale im Text

Die Gemeinschaft der Insel besteht aus Bewohnern, die sich zu den Prinzipien des Guten und der Freiheit bekennen und sie praktizieren. (Vgl. S.2)

Die Politik der palanesischen Regierung ist darauf ausgerichtet „[…] jeden Mann, jede Frau und jedes Kind vollkommen frei und glücklich zu machen, als es nur möglich ist.“ (S.68) Die Insel ist demnach „so lange eine ideale Gesellschaft [und lebensfähig, wenn sie] mit der übrigen Welt nicht in Berührung kommt“ (S. 69), was bisher auch gut gelang. Pala war lebensfähig bis zu dem Zeitpunkt als sich die Welt veränderte hinsichtlich der Entwicklung von Autos, Radios, Flugzeugen etc. (Vgl. ebd.) In der Zwischenzeit kommen Glück und Freiheit eigentlich überhaupt nicht mehr in Frage, sagt Mr. Bahu. Da „die Außenwelt diesem kleinen Eiland der Freiheit und des Glücks immer näher zu Leibe [rückt]“ (S. 69) und sie von Tag zu Tag näher kommt. Diesbezüglich ist Mr. Bahu, wie auch Murugan, der Meinung, dass Pala radikal verändert werden muss. Daraufhin bringt Mr. Bahu den Vergleich mit einem Boot. Alle sitzen darin, doch das Boot ist ständig am sinken. Diejenigen, die versuchen es zu verlassen, kommen nicht sehr weit, da „die Geschichte und die [Anderen] […] immer dafür sorgen werden, daß sie mit allen übrigen von uns ersaufen. Darum hat Pala nicht die geringste Chance“ (S. 79).

Dieser Inhalt weist deutlich anarchistische Merkmale auf, da die leitenden Prinzipien dieser Gesellschaft Glück und vor allem Freiheit sind. Es gibt allerdings einige wenige „Störenfriede“, darunter auch Mr. Bahu und Murugan, die der Meinung sind, dass diese Prinzipien nicht länger aufrecht erhalten werden können.

Bezüglich der Regierungsform ist Pala eine konstitutionelle Monarchie. Daraus schlussfolgert Will der Radscha Palas regiere, wie die Königin von England und herrscht somit nicht. „Der Radscha von Pala regiert nicht nur, er herrscht auch, […] er herrscht auf eine konstitutionelle Weise“ (S. 51), entgegnet Murugan auf Wills Äußerung. Er assoziiert sein zukünftiges Amt mit dem Herrschen, jedoch ist eine Anarchie eine Ordnung ohne Herrschaft bzw. keine Herrschaft von Menschen über Menschen. Somit erweist sich dieser Textinhalt als anarchistisch, da bis zu diesem Zeitpunkt niemand herrscht. Kein Inselbewohner möchte extreme Macht über etwas bzw. jemanden haben. (Vgl. S. 186) Falls es doch vorkommt, wird der Wunsch nach Dominanz bisher auf Dinge, anstatt auf Menschen, umgelenkt.

Auf die Frage, ob Murugan als zukünftiger Radscha schon irgendwelche Pläne habe, antwortet er, dass er die Insel den neuzeitlichen Verhältnissen anpassen, sowie eine Armee erschaffen möchte. Pala besitzt keine Armee, da „[…] hier alle Pazifisten [sind]“ (S. 55). In naher Zukunft hat Murugan somit Pläne des Militarisierens und Industrialisierens. Wogegen Dr. MacPhail sagt, dass die Inselbewohner “[…] weder die Kommunisten noch die Kapitalisten [wollen]. Am wenigsten aber wollen [sie] Industrialisierung […]“ (S. 132).

Dieser Textabschnitt entspricht den Merkmalen einer anarchistischen Gesellschaft, da in einer solchen Gesellschaft sogar Rüstung und Militär überflüssig sind.

Auf Pala wird auch nur das hergestellt, was die Menschen wirklich brauchen. Das geschieht umweltverträglich, direkt auf der Insel. Hier widersteht man übermäßigem Konsum, im Gegensatz zum Westen. In Pala glaubt man nicht, dass man „mit zwei Fernsehern glücklicher ist als mit einem“ (S. 176). Lediglich lebensnotwendige Dinge werden in Pala importiert. Dazu zählen unter anderem die Elektrizitäts- und Kühlanlagen in Pala. (Vgl. S. 174)

Aufgrund der Wirtschaftsform ist dieser Inhalt eindeutig anarchistisch. Es werden nur die wirklich notwendigen Dinge produziert, sowie importiert und das vorwiegend für den eigenen Bedarf. Auch der Kapitalismus ist nicht von besonderer Bedeutung, „Masse“ ist nicht das leitende Prinzip und Waren werden nicht um die halbe Welt transportiert. Somit ist Pala umweltschonend zugleich.

Hier gilt: Sei gut zur Natur und sie wird gut zu dir sein. (Vgl. S. 257) Die Menschen auf Pala kommen sehr gut mit ihrer Umwelt klar. Sie machen die Kinder sehr früh mit den Tieren ihrer Umgebung vertraut, wobei sie eine bestimmte Technik des Vertrautmachens anwenden. (Vgl. S. 228 ff.)

Diese vollkommene Harmonie mit der Umwelt entspricht der anarchistischen Grundidee. Man schätzt die Natur und behandelt sie dementsprechend gut.

Ein palanesisches Kind hat durchschnittlich 20 Heime. Alle Bewohner Palas gehören einem KAG, einem Kinderpflegeverein auf Gegenseitigkeit, an. Das ist eine andere Art von Familie, „keine hermetisch abgeschlossene, […] keine vorbestimmte, zwangsmäßige“ (S. 109). Ein KAG wird nicht von der Regierung, sondern von seinen Mitgliedern selbst verwaltet. Die Kinder werden ihren Eltern demnach, vom Jugendamt beispielsweise, nicht weggenommen, sondern sie haben diesbezüglich ein größeres Maß an Freiheit und nicht „die Freiheit einer Telephonzelle“ (S. 110). Kinder wenden sich nicht nur an ihre stellvertretenden Eltern bzw. Großeltern, wenn Probleme auftreten, sondern auch, wenn sie neue Erfahrungen machen wollen. Sollten familiäre Probleme auftreten erhalten die leiblichen Eltern eine Therapie, die von den anderen KAG Mitgliedern durchgeführt wird, um das Zusammenleben der Familie wieder zu ermöglichen.

Auch bezüglich der Familienverhältnisse spielt das Prinzip der Freiheit eine große Rolle. Genauso wichtig sind die freien Vereinbarungen, die Solidarität, sowie die gegenseitige Hilfe in Pala. All diese Merkmale entsprechen einer Anarchie, denn Gesetze und Konkurrenzkämpfe beispielweise sind ebenfalls nicht nötig. Auch aus dem Grund, dass es keinem der Bewohner möglich ist sehr viel mehr Geld zu besitzen, als der Rest (bezüglich des Wirtschaftssystems). (Vgl. S. 177)

Die Inselbewohner nehmen ihre Bedürfnisse selbst in die Hand, ohne bevormundet zu werden und klären alles weitestgehend unter sich. Diese Eigenschaften der Anarchie ziehen sich durch den gesamten Text. So gibt es auch einen Kriminal-KAG, der die wenigen Verbrechen, die auf Pala begangen werden in den meisten Fällen verwaltet. Trotzdem benötigt man auch auf der Insel einige Richter und die Polizei.

Auf die Frage, wem das alles gehört, wird Will geantwortet, dass Pala genossenschaftlich organisiert ist. Der gesamte Landwirtschaftsbetrieb erfordert Zusammenarbeit und Freundschaftlichkeit. Alle Inselbewohner unterstützen sich gegenseitig, wobei die Finanzierung ebenfalls durch Kooperation erfolgt. (Vgl. S. 175)

[...]


[1] Vgl. http://epub.ub.uni-muenchen.de/5359/1/5359.bdf (S. 44)

[2] Seyferth, P. Utopie, Anarchismus und Science Fiction: Ursula k. Le Guins Werke von 1962 bis 2002.

1. Auflage. Berlin: LIT Verlag (2008). S. 21.

[3] Ebd.

[4] http://epub.ub.uni-muenchen.de/5359/1/5359.bdf (S. 42)

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Details

Titel
Literatur und Anarchie
Untertitel
Anarchismus in Aldous Huxleys "Eiland"
Hochschule
Universität Regensburg
Note
unbenotet- bestanden
Autor
Jahr
2010
Seiten
7
Katalognummer
V174999
ISBN (eBook)
9783640958078
ISBN (Buch)
9783640958368
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literatur, anarchie, anarchismus, aldous, huxleys, eiland
Arbeit zitieren
Maria Steiniger (Autor), 2010, Literatur und Anarchie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174999

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