Discounter als Vertriebskanal deutscher Reiseveranstalter


Hausarbeit, 2010

27 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG
1.1 AUFGABENSTELLUNG UND ZIELSETZUNG
1.2 DEFINITION DISCOUNTER
1.3 KOOPERATIONSÜBERSICHT ZWISCHEN DISCOUNTERN UND REISEVERANSTALTERN
1.4 VERÄNDERTES KONSUMVERHALTEN

2 DISCOUNTER ALS VERTRIEBSKANAL
2.1 DAS VERTRIEBSKONZEPT
2.1.1 BUCHUNGSABLAUF UND VERANTWORTLICHKEITEN
2.1.2 RECHTLICHE ASPEKTE
2.2 DAS PRODUKT DISCOUNTERREISE
2.3 BEZUG ZUM MULTICHANNEL-VERTRIEBSSYSTEM
2.3.1 ASPEKTE DES DISCOUNTERVERTRIEBS FÜR VERANSTALTER
2.3.2 DIE POSITION GROßER TOURISTIKKONZERNE

3 SCHLUSSBETRACHTUNGEN

III ANHANG

IV LITERATURVERZEICHNIS

II Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Klassische Erfolgsfaktoren der Discounter

Abb. 2: Analogie zum ursprünglichen Discountersortiment

Abb. 3: Vertriebswege im Tourismus

Abb. 4: Bewertung der Unterkunftsleistung einer Discounterreise

1 Einleitung

1.1 Aufgabenstellung und Zielsetzung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem relativ neuen Vertriebsweg deutscher Reiseveranstalter die ihre Reiseangebote über Lebensmittel- discounter wie Aldi, Lidl oder Plus vertreiben. Zielstellung ist die Hintergründe dieses Distributionskanals und die Akteure auf dem deutschen Markt zu beleuchten.

Basierend auf einer begrifflichen Abgrenzung und Darstellung der führenden Discounter, ihrer Kooperationspartner im Vertrieb von Pauschalreisen und deren Angebotsspektrum wird vor dem Hintergrund des geänderten Konsumverhaltens das Vertriebskonzept und das Produkt Discounterreise beschrieben. In Zuge dessen werden Parallelen zum ursprünglichen Lebensmittelsortiment der Discounter und deren Geschäftsmodel aufgezeigt. Anschließend wird Bezug auf die Multichannel-Vertriebsstrategie der beteiligten Reiseveranstalter genommen und deren Motive für die Wahl dieses Vertriebskanals sowie die Stellung großer Touristikkonzerne erörtert. Die vorab dargestellten Punkte dienen im Rahmen der Schlussbetrachtung einer Bewertung dieses Vertriebskanals hinsichtlich dessen Entwicklungspotentials, Angebotsentwicklung und Nachfrage.

1.2 Definition Discounter

Discounter sind im allgemeinen Verständnis, aber nicht ausschließlich, Lebensmittelmärkte, die durch ein relativ schmales und flaches Warensortiment und einfache Warenpräsentation gekennzeichnet sind.1 Abgeleitet vom englischen Wort discount (Rabatt, Ermäßigung) sollen niedrigere Preise im Vergleich zu konkurrierenden Betriebsformen suggeriert werden, was u. a. durch relativ kleine Verkaufsflächen, einen hohen Lagerumschlag und eine schlanke Organisationsstruktur erreicht wird wie in Abb. 1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Discount kann als preisbetonte Marketingstrategie oder eine Art Prinzip der niedrigen Preise interpretiert werden.2 Den Grundstein für diese Betriebsform legten die Gebrüder Albrecht 1961 mit der Eröffnung des ersten Aldi-Markts im heute üblichen Discounterformat. Durch das seit den 1970ern überdurchschnittliche Wachstum konnten die Lebensmitteldiscounter einen Anteil am gesamten Lebensmittelumsatz von 42% erreichen.3 Mit einer deutschlandweit flächendeckenden Präsenz von über 15.000 Discountmärkten zählen sie zu den wichtigsten Nahversorgern, wobei in nachstehender Reihenfolge Aldi, Lidl, Plus, Penny und Netto zu den 5 bedeutendsten Vertretern mit einem Marktanteil im Discounterformat von über 92% gehören.4 Den höchsten Ausgabenanteil erzielen die Discounter bei Studierenden und Auszubildenden, Arbeitslosen und Geringverdienern, sowie bei jungen Familien aus der Arbeiterschicht, wo das vergleichsweise geringe Einkommen entscheidend für den Einkauf im Discounter ist.5

1.3 Kooperationsübersicht zwischen Discountern und Reiseveranstaltern

Die Übersicht in Anlage 1A und 1B ist eine Auswahl der Kooperationsverhältnisse zwischen Discountern und Veranstaltern sowie deren Angebotsumfang und Zusatzleistungen. Des Weiteren ist, soweit recherchierbar, die Zugehörigkeit der Direktveranstalter zu den größten deutschen Touristikkonzernen dargestellt. Der Mischkonzern Tchibo wird in dieser Betrachtung bewusst nicht berücksichtigt, da Geschäftsmodel und gehobene Außendarstellung6 mittlerweile nicht mehr den aus Abb. 1 abzuleitenden und in Punkt 1.2 dargestellten Charakteristika entsprechen.

Die Anzahl der Kooperationspartner variiert je nach Discounter. Bis 2009 wurden alle über Aldi vertriebenen Reisen von Berge & Meer produziert. Inzwischen stellen Österreichs größter Direktreiseveranstalter Eurotours International und Centerparcs ebenfalls zahlreiche Angebote ein. Lidl hingegen setzt auf ein breites Veranstalterportfolio mit auf einzelne Reisearten spezialisierte Anbieter wie Mediplus Reisen (Gesundheitstourismus) oder Compass Kreuzfahrten. Hauptsächlich tritt aber der zu FTI gehörige Generalist BigXtra in Erscheinung. Der REWE-Konzern hält das gesamte Geschäft im eigenen Haus und hat somit als einziger der aufgeführten Handelsunternehmen ein integriertes Geschäftsmodel. Clevertours, der 2007 eigens für Großkunden gegründete Vertriebspartner,7 beliefert exklusiv die zum Konzern gehörigen Discounter mit einer übersichtlichen Auswahl gängiger Reisearten.

Generell haben alle Discounter Reisen ein identisches Sortiment an Reisearten, welches fast ausschließlich auf die breite Masse abzielt. Nur vereinzelt treten auf kleinere Zielgruppen ausgerichtete Angebote wie Fußballreisen auf. PLUS bietet zusätzlich zum Standardangebot als einziger Discounter über seine Website die Buchung separater Reiseleistungen wie Flug, Hotel und Mietwagen an.

1.4 Verändertes Konsumverhalten

Bislang dominiert neben anderen Vertriebskanälen der stationäre Reisebürovertrieb.8 Doch in den vergangen Jahren hat sich das Verhalten der Konsumenten grundlegend verändert, was sich unter anderem in der stark gesunkenen Anzahl der stationären Reisebüros widerspiegelt. Dies hängt vor allem mit dem Fall des Informations- und Preismonopols zusammen der maßgeblich durch das Internet herbeigeführt wurde. Heutzutage bietet die nahezu unüberschaubare Vielfalt von Produkten und Anbietern den Kunden eine Vielzahl von Möglichkeiten sich ohne Anbieterbindung, zeit- und ortsunabhängig für eine Reise zu entscheiden oder sich selbst eine solche zu erstellen. In diesem Zusammenhang spricht man von hybriden und multioptionalen Kunden, welche sich durch ein heterogenes Konsumverhalten und somit auch Wechsel von Vertriebskanälen auszeichnen. Es gibt zunehmend nicht mehr den (berechenbaren) sondern diesen (einen) Konsumenten, welcher zwischen verschiedenen Bedürfnisstrukturen und Verhaltensweisen wechselt und nur noch bedingt markentreu ist.9 Dieser Konsumententypus „wechselt je nach Bedarf zwischen verschiedenen Einkaufsstätten und sein Handeln hat sich vom Entweder-oder-Verhalten hin zum Sowohl-als-auch-Verhalten gewandelt.“10

Die potentiellen Nachfrager von Discounter Reiseangeboten sind vornehmlich preisgetriebene Verbraucher für welche das Reiseziel, das Freizeitangebot und der Service vor Ort von nachrangiger Bedeutung sind. Wenn auch in geringerem Umfang, nutzen ebenso einkommensstärkere Schichten regelmäßig die Angebote von Discountern.11 Immer mehr Kaufentscheidungen werden nicht aufgrund logischer Überlegungen, sondern aus einer Art Bauchgefühl getroffen, welches mit der überzogenen Metapher des Porsche fahrenden Managers, der bei Aldi eine Flasche Champagner kauft umschrieben werden kann,12 und für das die zunehmende Informationsflut und Substituier- barkeit standardisierter Produkte als Begründung angeführt werden kann.13

Einer Umfrage14 im Auftrag des Deutschen Reiseverbands (DRV) zufolge lag 2010 der Bekanntheitsgrad von Reiseangeboten über Discounter bei 90%.15 Jedoch konnten sich lediglich 42% der Befragten vorstellen solch eine Reise zu buchen und nur 5% haben dies bereits getan. Im Jahr 2007 hatten 53% der Konsumenten nicht vor eine Reise über einen Discounter zu buchen16 worauf der DRV prognostizierte, dass über diesen Vertriebsweg keine ernstzunehmenden Umwälzungen auf dem Reisemarkt zu befürchten wären.17 Im Vergleich zu den Vorjahren ist seit 2007 eine leichte Steigerung der Discounterreise hinsichtlich Bekanntheitsgrad und Akzeptanz zu erkennen. Im Verhältnis führte das jedoch nicht zu einer proportionalen Steigerung der tatsächlichen Buchungen, welche sich aber immerhin um 4% erhöhten. Hervorzuheben ist die positive Resonanz von fast 100%. Nur eine Person der in 2010 gereisten Befragten befand das Preis-Leistungsverhältnis als schlecht und würde nie wieder buchen.

2 Discounter als Vertriebskanal

In Deutschland zeichnet sich ein Schwinden der Vormachtstellung der Discounter ab. Sinkende Flächenproduktivität, Umsatzrückgänge und neue Filialen die nicht die angestrebten Renditeziele erreichen sind die markantesten Indikatoren dafür, dass auf diesem Sektor das Kundenpotential nahezu ausgeschöpft ist und eine Sättigung erreicht wurde.18 Zusätzlich verlieren die Discounter ihre relative Alleinstellung bei den Handelsmarken. Auch Vollsortimenter bieten über ein wachsendes Eigenmarkensortiment gute Einstiegspreislagen, sodass eine Profilierung der Discounter allein über den Preis nicht mehr ausreicht.19 Somit ist es mehr denn je notwendig neue Absatzfelder zu erschließen um ein breites Klientel in die Märkte zu locken.

2.1 Das Vertriebskonzept

Das Angebot der Lebensmitteldiscounter hat sich seit 1993 rasant ausgeweitet. So haben Non-Food Produkte bzw. Zusatzartikel20 wie Möbel, PCs, Schuhe, Pflanzen oder Pauschalreisen mittlerweile ihren festen Platz im Sortiment. Wie bei allen Zusatzartikeln wird der Zugang zum Kunden und die hohe Filialfrequentierung sowie das Niedrigpreisimage dazu genutzt diese Zusatzartikel zu vertreiben. Das Konzept ist kein Novum und findet sich auch in anderen Bereichen wie der Computerbranche wieder. Aldi begann 1995 mit dem zeitlich begrenzten Verkauf von Computern was der Marke einen hohen Imagegewinn und Kundschaft verschaffte. Auch wurden in der Vergangenheit bereits viele Anstrengungen unternommen Reisen als Zusatzprodukt in anderen, nicht touristischen Unternehmen zu verkaufen.21 Jedoch erst durch die erfolgreiche Verknüpfung mit dem Internet gelang einigen Unternehmen wie den Discountern dieser Ansatz in nennenswerten Umfang.

[...]


1 Vgl. Günther, M. et al. (2006): S. 181

2 Vgl. Schmalhaus, D. (2005): S. 4-5

3 Vgl. Martell, M.: Discounter verlieren weiter Marktanteile, in: Der Handel (2010)

4 Vgl. www.statista.com

5 Vgl. Lieb, M. ; Brözel, C. (2009): S. 2

6 Vgl. www.tchibo.com

7 Vgl. www.rewe-touristik.com

8 Vgl. Bastian, H. (2004): S. 55

9 Vgl. Breidenbach, R. (2002): S. 214

10 Seidensticker, R. (2008): S. 14

11 Vgl. Konert, F. J. (2004): S. 240

12 Vgl. Allgayer, F. (2007): S. 165

13 Vgl. F.U.R. (2004): S. 25

14 Online Panel Befragung in Deutschland mit 1000 Probanten seit 2007

15 Vgl. Dialego AG (2010)

16 Vgl. Dialego AG (2007)

17 Vgl. www.drv.de

18 Vgl. GfK, Accenture (2008): S. 5

19 Vgl. Lange, K.: Der perfekte Preisbrecher, in: manager magazin online (2008)

20 Im Folgenden wird der Begriff Zusatzartikel für außerhalb des ursprünglichen Lebensmittel- sortiments stehende Artikel der Discounter verwendet.

21 Vgl. Marbach, J. ; Hirche, T. (2004): S. 462

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Discounter als Vertriebskanal deutscher Reiseveranstalter
Hochschule
Hochschule Harz - Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V175015
ISBN (eBook)
9783640958894
ISBN (Buch)
9783640959266
Dateigröße
808 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
discounter, vertriebskanal, reiseveranstalter
Arbeit zitieren
Frank Schories (Autor), 2010, Discounter als Vertriebskanal deutscher Reiseveranstalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175015

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