Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Einstellung zu Säkularisierung und zu Demokratie in unterschiedlichen Kulturkreisen. Zu vermuten war aufgrund der Theorien von Samuel P. Huntington sowie Talcott Parsons und Niklas Luhmann eine hohe Zustimmung sowohl zur Säkularisierung als auch zur Demokratie in westlichen und westlich geprägten Ländern gegenüber den nicht-westlichen, insbesondere den islamischen Staaten. Die Analyse hat ergeben, dass in westlichen Kulturkreisen die Befürwortung der Säkularisierung etwas höher ist als in nicht-westlichen Staaten. Die Unterstützung demokratischer Strukturen ist hier ebenfalls höher. Allerdings sind die Zusammenhänge nicht so stark, wie die entsprechenden Theorien vermuten ließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundüberlegungen
2.1. Säkularisierungstheorie
2.2. Systemtheorien
3. Auswahl der Variablen
4. Empirische Untersuchungen
5. Fazit
6. Literatur
7. Zusammenfassung/ Abstract
8. Anhang
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen individuellen Einstellungen zur Säkularisierung und der Unterstützung demokratischer Werte und Strukturen in unterschiedlichen Kulturkreisen. Die Forschungsfrage hinterfragt, ob eine Trennung von Politik und Religion, wie sie in modernen säkularisierten Gesellschaften postuliert wird, mit einer stärkeren demokratischen Grundhaltung korreliert.
- Analyse der Säkularisierungstheorie und ihrer Relevanz für moderne Gesellschaften
- Anwendung systemtheoretischer Ansätze nach Parsons und Luhmann
- Operationalisierung und Auswahl von Variablen aus dem World Values Survey
- Empirische Untersuchung mittels Faktorenanalysen und Korrelationen in verschiedenen Kulturkreisen
- Vergleich der Ergebnisse mit der theoretischen Erwartung einer positiven Korrelation
Auszug aus dem Buch
2.2 Systemtheorien
Die Theorie von Talcott Parsons fußt auf der Idee eines Strukturfunktionalismus. Hiernach hat jedes soziale System bestimmte Funktionen zu erfüllen. Diese fasst Parsons in einem Schema (AGIL) zusammen, wobei jedes Teilsystem seinerseits wieder nach dem AGIL-Schema organisiert ist:
1 Adaption: die Anpassung an die Umwelt ist die Hauptfunktion der Wirtschaft
2 Goal-attainment: das politische System ist für die Erreichung der Ziele des Gesamtsystems zuständig
3 Integration: die soziale Gemeinschaft hat die Integrationsfunktion
4 Latency: das kulturelle System erhält oder erneuert die Kulturmuster. In diesem Subsystem findet sich auch die Religion, die hier eine Integrationsfunktion hat. (vgl. Knoblauch 1999: 97)
In der modernen (westlichen) Gesellschaft, so Parsons, kommt es zu einer Pluralisierung der Gesellschaft, in der immer weniger gemeinsame Werte und Rituale geteilt werden. Die Religion rückt vom öffentlichen in den privaten Bereich. Das soziale System benötigt nun also im kulturellen Subsystem neue Kulturmuster. An die Stelle der Religion treten jetzt andere Ideologien. In Anlehnung an Emile Durkheim kann diese Ideologie statt eines religiösen auch einen politischen Charakter haben. Die politischen Normen und Institutionen haben nun die Aufgabe, ein latentes Wertesystem zu bilden. Diese Normen müssen von der Gesellschaft anerkannt sein und können nicht einfach aufoktroyiert werden. Ein durch Zwang geschaffenes Kulturmuster würde in der Gesellschaft keine Unterstützung finden und das politische System somit destabilisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung des Verhältnisses von Religion, Säkularisierung und politischer Unterstützung ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung für die Demokratieforschung.
2. Theoretische Grundüberlegungen: In diesem Kapitel werden die theoretischen Konzepte der Säkularisierung, insbesondere Huntingtons Kulturtheorie sowie die systemtheoretischen Ansätze von Parsons und Luhmann, dargelegt.
2.1. Säkularisierungstheorie: Dieser Unterpunkt definiert den Begriff der Säkularisierung und diskutiert die Trennung von Kirche und Staat auf institutioneller sowie persönlicher Ebene.
2.2. Systemtheorien: Hier werden die Strukturfunktionalismus-Theorie von Parsons und die autopoietische Systemtheorie von Luhmann auf ihre Erklärungsgehalte für moderne Gesellschaften hin untersucht.
3. Auswahl der Variablen: Dieses Kapitel erläutert die Operationalisierung der theoretischen Begriffe in messbare Variablen anhand von Daten des World Values Survey.
4. Empirische Untersuchungen: Dies ist der Kernteil, in dem die Daten mittels Faktorenanalysen und Korrelationen statistisch ausgewertet werden, um die theoretischen Hypothesen zu prüfen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die empirischen Befunde zusammen und reflektiert kritisch über die Eignung der gewählten Variablen sowie die Validität der zugrunde liegenden Theorien.
6. Literatur: Dieses Verzeichnis listet die gesamte im Rahmen der Arbeit verwendete Fachliteratur und Quellen auf.
7. Zusammenfassung/ Abstract: Dieser Abschnitt bietet eine prägnante Zusammenfassung der Zielsetzung, der Methode und der Ergebnisse in deutscher und englischer Sprache.
8. Anhang: Der Anhang enthält ergänzende statistische Tabellen, wie Faktorenanalysen und Korrelationstabellen, zur Dokumentation der Ergebnisse.
Schlüsselwörter
Säkularisierung, Demokratie, Politische Kulturforschung, World Values Survey, Huntington, Systemtheorie, Talcott Parsons, Niklas Luhmann, Politische Unterstützung, Laizismus, Religiosität, Empirische Politikwissenschaft, Demokratisierung, Politische Stabilität, Transformationsforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den theoretischen und empirischen Zusammenhang zwischen der Einstellung einer Gesellschaft zur Säkularisierung und ihrer Unterstützung für demokratische Werte und Strukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Säkularisierungstheorie, verschiedene systemtheoretische Erklärungsansätze für moderne Gesellschaften sowie die Messung politischer Kultur und demokratischer Unterstützung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu prüfen, ob Kulturen, die eine stärkere Säkularisierung (Trennung von Politik und Religion) befürworten, auch eine höhere Stabilität bzw. Unterstützung für demokratische Institutionen aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative empirische Analyse durchgeführt. Dafür werden Daten des World Values Survey aggregiert, mittels Faktorenanalysen auf ihre Dimensionen geprüft und anschließend durch Korrelationen auf Zusammenhänge hin untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung (Huntington, Parsons, Luhmann), die Auswahl und Operationalisierung der Variablen sowie die detaillierte empirische Auswertung und Interpretation der Ergebnisse anhand von Korrelationen und Streudiagrammen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Säkularisierung, Demokratie, politische Kultur, Systemtheorie, politische Unterstützung und der Vergleich verschiedener Kulturkreise.
Warum spielt die Religion in dieser Analyse eine zentrale Rolle?
Die Religion dient als Indikator für kulturelle Prägungen, da davon ausgegangen wird, dass ihr Grad an Einfluss auf die Politik (oder deren Abwesenheit) die Demokratiefähigkeit einer Gesellschaft beeinflusst.
Zu welchem Ergebnis kommt die Autorin hinsichtlich der theoretischen Erwartungen?
Die empirische Analyse zeigt, dass die theoretisch erwarteten starken Zusammenhänge zwischen Säkularisierung und demokratischer Unterstützung in der Realität deutlich schwächer ausfallen als vermutet.
Welche kulturelle Besonderheit wird für islamische Länder festgestellt?
Obwohl theoretisch ein starker negativer Zusammenhang erwartet wurde, lieferte die Analyse für islamische Staaten keine signifikanten Ergebnisse, was auf Schwierigkeiten bei der Messung oder Komplexität der Einflüsse hindeutet.
- Citar trabajo
- Silke Eckerleben (Autor), 2008, Säkularisierung und Demokratieunterstützung in der politischen Kulturforschung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175111