Aufbauend zu einer Untersuchung des Mexikanischen Totenfestes "Día de los Muertos" habe ich die Vorstellungen der Azteken und Christen bezüglich dem Sterben und dem Leben nach dem Tod untersucht. Untersucht werden die Vosrtellungen von Orten der Postmortalen Existenz, die ideen zur anthropologischen Beschaffenheit und die Ritualpraktiken und Totenfeste. Im Vergleich stellt sich heraus, dass die Gemeinsamkeiten auf der Ideenebene gering sind, jedoch auf der Praxisebene anschlussfähig waren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Postmortalitätsvorstellungen – Eine komparatistische Kategorie
3 Fallbeispiele
3.1 Der Totenkult der Azteken
3.1.1 Exkurs: Die Quellenproblematik
3.1.2 Tod und Opfer als Garant für Leben im Mythos
3.1.2.1 Kosmogenesis - Die Geburt durch Opfer
3.1.2.2 Anthropogenesis – Vom Tod kommt das Leben
3.1.3 Postmortale Anthropologie
3.1.4 Die Orte der Postmortalen Existenz – Sag mir wie du stirbst und ich sag dir wer du bist
3.1.4.1 Das Haus der Sonne
3.1.4.2 Tlalocán
3.1.4.3 Chihihuacuauhco
3.1.4.4 Mictlán
3.1.5 Bestattungsritual – Der Dienst der Lebenden an die Toten
3.1.5.1 Die Anreden
3.1.5.2 Wasser
3.1.5.3 Die Reise durch die 5 Stationen
3.1.5.4 Die Verbrennung
3.1.5.5 Fünf weitere Verbrennungen
3.1.6 Totengedenkfeste
3.1.6.1 Werk von Fr. Bernardino de Sahagún (1559-1585)
3.1.6.2 Codex Magliabechiano (um 1550)
3.1.6.3 Codex Telleriano-Remensis (vor 1562)
3.1.6.4 Codex Vaticanus A (3738) (zwischen 1570 und 1596)
3.1.6.5 Das Werk von Fray Juan der Torquemada (1616)
3.1.6.6 Das Werk von Fray Toribio de Motolinia (zwischen 1579 und 1581)
3.1.6.7 Das Werk von Fray Diego Durán (1579-1581)
3.2 Tod und Sterben bei den Katholiken in Zamora, Kastilien, im 16. Jhd.
3.2.1 El buen Morir - Das Gute Sterben
3.2.2 Testamente als Quelle
3.2.3 El alma y el más allá – Die anthropologische Form und die Orte postmortaler Existenz im Jenseits
3.2.3.1 El infierno – Die Hölle
3.2.3.2 El Purgatorio – Das Fegefeuer
3.2.3.3 Limbo – Der Limbus
3.2.3.4 El Cielo – Der Himmel
3.2.4 Die Mittel zum Heil – der Dienst der Lebenden an die Toten
3.2.4.1 Las misas – Die Messen
3.2.4.2 Las Indulgencias – Ablasshandel
3.2.4.3 Obras der Caridad - Karitative Handlungen
3.2.4.4 Los funerales – Bestattungsrituale
3.2.4.5 Ofrendas y Banquetes
3.2.5 Die Feiertage zum Totengedenken - Allerheiligen und Allerseelen
4 Vergleich
4.1 Postmortalitätsvorstellungen
4.1.1 Die Orte postmortaler Existenz
4.1.2 Die anthropologische Form postmortaler Existenz
4.2 Beziehungen zwischen den Lebenden und den Toten
4.2.1 Bestattungsrituale
4.2.2 Totengedenkfeiern
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vorstellungen von Tod, Sterben und Postmortalität sowie die rituellen Praktiken des Totengedenkens im Vergleich zwischen der aztekischen Kultur des 16. Jahrhunderts und den katholischen Vorstellungen in der spanischen Provinz Zamora zur gleichen Zeit. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Identitätskonstruktionen und den Beziehungen zwischen Lebenden und Toten aufzuzeigen, wobei die methodische Herausforderung der komparatistischen Religionswissenschaft und die Problematik der quellenkritischen Analyse kolonialer und postkolonialer Konstrukte im Vordergrund stehen.
- Religionswissenschaftliche Komparatistik und methodische Debatten
- Aztekische Mythen von Tod, Opfer und kosmischer Ordnung
- Postmortale Anthropologie und Seelenkonzepte in zwei verschiedenen kulturellen Settings
- Rituelle Praktiken als Dienst der Lebenden am Heil der Toten (Testamente, Messen, Totenfeste)
- Kulturtheoretische Reflexion über Synkretismus und Transkulturation
Auszug aus dem Buch
3.1.2.1 Kosmogenesis - Die Geburt durch Opfer
Die Legende beginnt mit der Geburt der vier unterschiedlichen Sonnen und ihrer jeweiligen Zerstörung, danach beschreibt sie das Auftauchen des Feuers und die Geburt der Menschen und wie es durch die Raffinesse des Gott/Helden Quetzalcoatl es gelingt Nahrung für die Menschen zu finden (Matos Moctezuma 1997, 45).7
Im Mythos wird die Welt als eine horizontale Scheibe beschrieben, die in vier Regionen nach den Himmelsrichtungen aufgeteilt ist und zusätzlich eine fünfte Region beherbergt, welche vom Mittelpunkt aus sich vertikal zum „Himmel“ und der Unterwelt erstreckt. Alle Wesen und Gottheiten werden nach den Himmelsrichtungen und auf der zentralen Achse nach oben und unten gruppiert (Caso 2009, 21). Es wurden dreizehn Ebenen oberhalb der Erde und neun Unterebenen vorgestellt, die auf dem vertikalen Schaft – von Carrasco als „axis mundi“ klassifiziert – liegen. Jeder davon wurden wiederum gegensätzliche Paare zugeordnet. Dies wird von Carrasco als die Repräsentation der grundlegenden Dualität interpretiert, die alle Elemente der aztekischen Weltvorstellung durchdringen soll (Carrasco und Sessions 1998, 36).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung etabliert das Totentagsfest als ein Spannungsfeld zwischen kolonialer Geschichte, Nationalidentität und religiösen Traditionen in Mexiko.
2 Postmortalitätsvorstellungen – Eine komparatistische Kategorie: Dieses Kapitel diskutiert die theoretischen Herausforderungen einer religionswissenschaftlichen Komparatistik und die Debatten um methodische Ansätze beim Vergleich unterschiedlicher religiöser Traditionen.
3 Fallbeispiele: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Totenkult-Praktiken und Jenseitsvorstellungen der Azteken sowie die testamentarischen Dokumente und katholischen Vorstellungen von Tod und Jenseits in der spanischen Provinz Zamora.
4 Vergleich: Hier werden die Ergebnisse der beiden Fallstudien gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten und strukturelle Unterschiede in den Vorstellungen von Postmortalität und der rituellen Kommunikation mit den Toten herauszuarbeiten.
5 Fazit: Das Fazit reflektiert die Erkenntnisse kritisch und bewertet die Anwendbarkeit von Begriffen wie Synkretismus und Transkulturation für das Verständnis aztekischer Ideen in einer postkolonialen Welt.
Schlüsselwörter
Totenkult, Azteken, Postmortalität, Katholizismus, Zamora, Komparatistik, Jenseitsvorstellungen, Totengedenken, Bestattungsrituale, Opferpraxis, Identitätskonstruktion, Religionsgeschichte, Synkretismus, Transkulturation, Quellenkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht vergleichend die religiösen Vorstellungen und Praktiken zum Thema Tod und Jenseits im 16. Jahrhundert, konkret bei den Azteken in Mexiko und den Katholiken in der spanischen Provinz Zamora.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf den postmortalen Lebensvorstellungen, der Bedeutung von Riten (wie Bestattungen und Totenfeste) für die Beziehung zwischen Lebenden und Toten sowie der Konstruktion von Identität in religiösen Kontexten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Konzepte von Tod und Jenseits in zwei unterschiedlichen Kulturen methodisch reflektiert zu vergleichen und dabei auch die Schwierigkeiten der religionswissenschaftlichen Komparatistik kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine komparatistische Methodik, die sich kritisch mit den Herausforderungen auseinandersetzt, wie man religiöse Phänomene aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten vergleichen kann, ohne in ethnozentrische Fallstricke zu geraten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Fallbeispiele: Der aztekische Totenkult (inklusive Mythen, Seelenkonzepten wie tonalli/teyolia und Bestattung) sowie der katholische Umgang mit dem Tod in Zamora (einschließlich Fegefeuer, Testamenten und Totenmessen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Postmortalität, Totenkult, Komparatistik, Bestattungsrituale, Opferpraxis, Identitätskonstruktion und Transkulturation.
Inwiefern beeinflussten Mythen das aztekische Handeln gegenüber den Toten?
Die aztekischen Mythen, insbesondere die Vorstellung vom Opfer als notwendiger Erhalt der kosmischen Ordnung, prägten die rituelle Praxis des Gedenkens, bei der die Lebenden durch Gaben und Zeremonien zur Unterstützung der Verstorbenen auf ihrer Reise in die Jenseitsreiche beitrugen.
Wie unterscheidet sich die katholische Testamentspraxis vom aztekischen Totenkult?
Während die katholische Testamentspraxis stark individualistisch und durch das Streben nach persönlichem Heil (Abmilderung des Fegefeuers durch Messen) geprägt war, war der aztekische Kult kollektiver organisiert und enger mit den kosmologischen Zyklen und der Art des Todes des Verstorbenen verbunden.
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- Mariana Pinzon (Author), 2010, Postmortalitätsvorstellungen der "Azteken" im Vergleich zu den Postmortalitätsvorstellungen der Katholiken in Zamora, Kastilien im 16. Jhd. , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175131