Jean-Luc Godard - Sein Leben. Sein Werk. Und sein Einfluss auf die Nouvelle Vague.


Facharbeit (Schule), 2010

49 Seiten


Leseprobe

Gliederung:

I. Einleitung - Ziele der Arbeit

II. Jean-Luc Godard
1. Sein Leben
1.1 Sein Elternhaus
1.2 Pariser Zeit
1.3 Bruch mit frühen Werken
1.4 Godard heute
2. Sein Werk

III. Nouvelle Vague
1. Eine Definition
2. Die Entstehung der Nouvelle Vague
2.1 Von Amerika nach Europa
2.2 Die Nouvelle Vague in Frankreich
2.2.1 Das Jahr 1959 und das Filmfestival in Cannes
2.2.2 Rahmenfaktoren der Nouvelle Vague
2.2.2.1 Die Jugend
2.2.2.2 Die Politik
2.2.2.3 Die Filmförderung
3. Die „politique des auteurs“
3.1 Eine Definition
3.2 Die Entstehung
3.3 Einmal auteur - immer auteur
3.4 Mit der Kamera „Ich“ sagen - Ziele der „politique des auteurs“
3.4 Kritik an der „politique des auteurs“ - Bazins Ansichten
4. Die Methoden Godards
4.1 Ein radikaler Stil
4.2 PR-Kampagne als Wegbereiter für den Erfolg
5. Der Einfluss der Nouvelle Vague auf die Moderne

IV. Die Elemente der Nouvelle Vague in Godards „Vivre sa vie“
1. Genre und Inhalt
2. Interpretation
2.1 Bilder
2.1.1 Bildaufbau
2.1.2 Bildqualität
2.1.3 Schrift im Bild
2.2 Kamerabewegungen
2.3 Musik
3. Montage

V. Jean-Luc Godard bereichert die Filmgeschichte

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

I. Einleitung - Ziele der Arbeit

„Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist die französische Nouvelle Vague einer der faszinierendsten Epochalstile des modernen Kinos. Jeder Interessierte weiß, worum es geht, aber nur wenige kennen die Details. Jeder kennt Truffaut und Godard, zumindest namentlich, wenige nur wissen etwas von der Bewegung und den Beteiligten insgesamt."

Das Ziel, besser gesagt, die Ziele dieser Arbeit liegen darin formuliert, sowohl den bereits wissenden Interessierten, als auch den Laien, die Nouvelle Vague und auch Jean-Luc Godard näher zu bringen.

Was versteht man unter dem Begriff der Nouvelle Vague? Worin ist die Besonderheit dieser Epoche des französischen Kinos begründet? Und inwiefern hat sich Jean-Luc Godard mit diesem Thema auseinandergesetzt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich folgende Facharbeit mit einem thematischen Schwerpunkt auf der Interpretation des Films „Vivre sa vie“ von Jean-Luc Godard.

Nach einer Vorstellung des Lebens und des Werkes Jean-Luc Godards wird zunächst ein detaillierter Überblick über die Nouvelle Vague gegeben. Ausgehend von einem Versuch der Definition über die Entstehungsgeschichte bis hin zu wichtigsten Stilmitteln und den Einfluss der Nouvelle Vague auf die Moderne.

Der Fokus dieser Arbeit liegt anschließend auf dem Nouvelle Vague-Film „Vivre sa vie“ von Jean-Luc Godard. Es wird versucht die Grundgedanken dieser Epoche im Film aufzuzeigen basierend auf den Kamerabewegungen, den Bildern und der Montage.

Ein abschließendes Fazit und eine persönliche Stellungnahme zur Person Jean- Luc Godard und dem vorgestellten Film rundet die Facharbeit ab.[1]

II. Jean-Luc Godard

1.1 Sein Elternhaus

Jean-Luc Godard gilt als einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Filmemacher und Vertreter der Nouvelle Vague. Geboren wurde er am 03.12.1930 in Paris als Sohn eines Arztes und einer Bankierstochter. Er wuchs in einem streng protestantischen Elternhaus in Nyon, Schweiz auf. Mehr ist über seine Kindheit nicht bekannt.

1.2 Pariser Zeit

Nach seiner Schulzeit in Nyon zieht es Godard zurück nach Paris wo er an der Sorbonne mit dem Studium der Ethnologie, das er mit einem „Certificat d’ethnologie“ abschliesst, beginnt.

„Häufiger als in der Universität ist er in dieser Zeit in den Filmclubs und der Cinémathèque zu finden, wo der André Bazin, Francois Truffaut, Jacques Rivette und Eric Rohmer trifft.“[2] Diese Freundschaft sollte Jean-Luc Godard und sein Werk bis in die heutige Zeit nachhaltig prägen.

Mit Rivette und Rohmer gründet er 1950 die Zeitschrift „Gazette du Cinéma“, eine kritische Filmzeitschrift die den Grundstein für sein Werk legt. Godard schrieb teils unter seinem wirklichen Namen als auch unter seinem „Pseudonym“ Hans Lucas, der deutschen Übersetzung seines Vornamens. Hauptaussage der „Gazette du

Cinéma“ waren „[...]die harsche Klagen und provokativen Vorwürfe gegen das Konventionelle und das Allseits-Bekannte[...]“[3]

1950 hat Godard den ersten Kontakt mit dem Film als er Rivette’s Film „La quadrille“ finanziert. 1951 unternimmt Godard eine Studienreise in die USA und Südamerika währenddessen er sich verstärkt mit dem Kino Hollywoods auseinandersetzt.

Wieder in Frankreich publiziert er einige Artikel im „Cahiers du Cinéma“ einer Zeitschrift von Doniol-Valcroze, Lo Duca und Keigel. So schnell er damals mit dem Publizieren begonnen hatte, so rasch hörte er damit auch wieder auf, denn weitere Artikel publizierte er erst wieder im Jahr 1956.

1954 kehrt Godard in die Schweiz zurück. „Über die Gründe gibt es zwei Versionen: häufig ist die Rede vom Tod seiner Mutter die bei einem Autounfall ums Leben kam. Andere sprechen davon, das Godard dem Wehrdienst entgehen wollte.“[4] Seit dieser Zeit besitzt er den schweizerischen Pass.

Während dieser Zeit arbeitet Godard auf einer Großbaustelle in der Grande Dixance. Von seinem Lohn kauft er sich eine 35 mm-Kamera und produziert den Kurzfilm „Operation Béton“ auf eigene Kosten, dem ein Jahr später „Une femme Coquette“ folgt.

1956 geht er wieder zurück nach Paris und nimmt seine Kritikerrolle bei den „Cahiers“ wieder auf, die bis 1959 dauert. Parallel dazu beginnt er seine aktive Filmarbeit als Produzent, unter anderem bei „La sonate à Kreuzer“ von Rohmer und bei bei „Le coup de berger“ von Rivette.

1959 hört Godard schließlich ganz mit dem Filmjournalismus auf und widmet sich seinem ersten Spielfilm „A bout de souffle“. Der Film macht ihn mit einem Schlag
über Nacht berühmt. „Er markiert den Beginn einer für Godard äußert fruchtbaren Dekade: von 1959 bis 1968, also in neun Jahren, macht er 17 Filme. Sie sind zwar kommerziell gesehen eher erfolglos, machen ihn aber zu einem der bedeutendsten Regisseure des modernen Kinos“.[5] Auf die Filmographie wird im späteren Verlauf der Arbeit noch mal eingegangen.

Seit seinem Film „Masculin-Féminin“ (1965/66) offenbart sich in Godard’s Film ein deutlicher Wandel. Ein größeres politisches und soziales Engagement, gepaart mit einer Suche nach Möglichkeiten einer neuen filmischen Form.

Nach einer weiteren Reise in die USA, engagiert er sich bei der „Affäre Langlois“ für den Leiter der Cinémathèque, der entlassen werden soll. Diese Aktion ist eng mit dem Beginn der „Maiereignisse“ verbunden im Zuge derer es zu einem Aufstand und Generalstreik der Studenten gegen die Regierung kommt.

1.3 Bruch mit frühen Werken

Nach dem Mai 1968 bricht Godard mit den herkömmlichen Produktionsformen und mit dem konventionellen Kinofilm völlig. Ausschlaggebend dafür ist sein Wunsch „politische Filme und Filme politisch“[6] zu machen. In dieser Zeit dreht er mit Jean-Pierre Gorin bis 1972 insgesamt 12 Filme die von den auftraggebenden Filmanstalten entweder nur verstümmelt oder gar nicht mehr gesendet werden.

„Die Filme dieser Zeit summieren sich zur traurigen Chronik der Periode Godards, die mit dem Stichwort von den unsichtbaren Filmen charakterisiert worden sind.“[7]

1.4 1972-heute

Die dritte Periode Godards ist geprägt von der Arbeit mit Video. Nachdem Godard schwer erkrankt lässt er sich in Grenoble nieder und entdeckt mit dem Video eine Technik für sich, mit der er schon 1969 kurz experimentiert hatte. Er gründet mit Anna-Marie Miéville die Firma Sonimage und liefert mit „Numéro Deux“ den ersten Videofilm, der auf Filmmaterial umkopiert wird und in die Kinos kommt.

Godard begibt sich in dieser Zeit auf eine Reise nach Mexiko, wo die staatliche Fernsehgesellschaft seinen Film „Comment ca va“ coproduziert. Für das französische Fernsehen entsteht 1976 die zwölfteilige Dokumentation „6 fois 2“ und wird im selben Jahr auch erstmals wieder ungekürzt ausgestrahlt. Schlagzeilen macht seine Entscheidung einer Einladung des Hamburger Senats als Stipendiat nach Hamburg zu kommen nicht zu folgen. Auch eine Zusammenarbeit mit dem NDR schlägt er aus.

1978 zieht Godard in die Schweiz. Danach beschäftigt sich Godard unter anderem mit der Selbstreflexion seines Werkes, der Film „Nouvelle Vague“ von 1989 thematisiert die gleichnamige filmische Strömung. Auch die Wiedervereinigung Deutschlands macht er in seinem Film „Allemagne neuf zéro“ zum Thema. Zurzeit lebt Godard in Rolle.

2. Sein Werk

Aufgrund der Fülle an Filmen und Videos die Godard bis zum heutigen Datum geschaffen hat, wird im Folgenden nur eine Auswahl seiner Werke als Regisseur aufgelistet.

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Luc Godard)

- 1954: Opération Beton

- 1957: Alle Jungen heißen Patrick (Tous les garçons s'appellent Patrick, Kurzfilm)

- 1958: Charlotte und ihr Kerl (Charlotte et son Jules, Kurzfilm)

- 1958: Eine Geschichte des Wassers (Une histoire d'eau)

- 1960: Außer Atem (À bout de souffle)

- 1960: Der kleine Soldat (Le petit soldat)

- 1961: Eine Frau ist eine Frau (Une femme est une femme)

- 1962: Die Geschichte der Nana S. (Vivre sa Vie)

- 1962: Die sieben Todsünden (Les sept péchés capitaux) Episodenfilm aus sieben Kurzfilmen

- 1962: Die Karabinieri (Les Carabiniers)

- 1963: Die Verachtung (Le Mépris)

- 1964: Die Außenseiterbande (Bande à part)

- 1964: Eine verheiratete Frau (Une femme mariée)

- 1965: Lemmy Caution gegen Alpha 60 (Alphaville, une étrange aventure de Lemmy Caution)

- 1965: Elf Uhr nachts (Pierrot le fou)

- 1965: Masculin - Feminin oder: Die Kinder von Marx und Coca-Cola (Masculin - féminin: 15 faits précis)

- 1966: Made in U.S.A.

- 1966: Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß (2 ou 3 choses que jé sais d'elle)

- 1967: Das älteste Gewerbe der Welt (Le plus vieux métier du monde)

- 1967: Die Chinesin (La Chinoise)

- 1967: Weekend

- 1968: Liebe und Zorn (Amore e rabbia)

- 1968: Eins plus Eins (One plus One / Sympathy for the Devil)

- 1969: Ostwind (Le vent de l'est)

- 1972: Alles in Butter (Tout va bien)

- 1972: Letter to Jane

- 1975: Numéro 2

- 1980: Rette sich, wer kann (... das Leben) (Sauve qui peut (la vie))

- 1982: Passion

- 1983: Vorname Carmen (Prénom Carmen)

- 1984: Maria und Joseph

- 1985: Detective

- 1986/87: Aria (Episodenfilm)

- 1987: King Lear

- 1987: Schütze deine Rechte (Soigne ta droite)

- 1988: Kraft des Wortes (Puissance de la parole)

- 1990: Nouvelle Vague

- 1991: Deutschland Neu(n) Null (Allemagne 90 Neuf Zéro)

- 1993: Weh mir (Hélas pour moi)

- 1995: Godard über Godard (Godard par Godard)

- 1996: Forever Mozart

- 1998: Geschichte(n) des Kinos (Histoire(s) du cinéma)

- 2001: Eloge de l'amour

- 2002: Dans le noir du temps (Episode des Films Ten Minutes Older : The Cello)

- 2004: Notre musique

- 2010: Filme Socialisme

III. Nouvelle Vague

1. Eine Definition

Laut J. Monacos „Film verstehen“ ist die Nouvelle Vague eine Strömung in der Filmgeschichte, die sich durch eine Revolution in der Kameratechnik sowohl als auch in der Tontechnik und vor allem drei Personen zusammensetzt: Claude Chabrol, Francois Truffaut und Jean-Luc Godard. (vgl. Monaco, 2000, S. 356)

Cinéphile, Filmtheoretiker und Regisseure begrenzen die Nouvelle Vague (zu dt. Neue Welle) oftmals auf eine Revolution der Technik. Ergo eine neue Generation von Maschinen die eine neue Generation des Films ermöglichten. Doch die

Herkunft des Begriffs ist eine ganz andere - und hat viel mehr mit der Intention der Filmemacher zu tun.

Sie geht auf eine Artikel-Serie der Journalistin Francoise Giroud zurück, „[...]die unter dem Titel „La Nouvelle Vague“ die zeitgenössische Jugend, die junge Generation der späten fünfziger Jahre, in ihrer Eigenart, ihrem Denken und ihrem Lebensstil porträtierte, wobei auch das Kino eine Rolle spielt, in dem sich die Werte dieser Jungend langsam manifestierten.“[8]

Somit kann man als einen Versuch der Definition folgenden Satz durchaus als korrekt betrachten: „Die Nouvelle Vague meint das Erscheinen einer neuen, jungen Sicht der Welt in einer eigenen Form des Ausdrucks, der Expression von Zeitgeist.“[9]

Um die Nouvelle Vague und seine Folgen für das Kino besser zu verstehen, ist es nötig, die Entstehung genauer zu betrachten.

2. Die Entstehung der Nouvelle Vague 2.1 Von Amerika nach Europa

Wenn man Vergleiche zwischen amerikanischer und europäischer Filmgeschichte anstellen möchte, führen diese unumgänglich zu einer Grundsatzdiskussion, zu einer Unterscheidung von „genre“ und „auteur“. Auf die Definition und Details wird im späteren Verlauf dieser Arbeit näher eingegangen werden.

Die vorherrschende Stellung in der Welt des Films nahm das amerikanische Kino in den Jahren 1932 bis 1946 ein. „Ihm gegenüber konnte sich lediglich während
dieser Periode die britische Dokumentarschule, der „poetische Realismus“ und der Film Noir (u.a. Hitchcock, Lang, Wells, Wilder), ein sich von den üblichen Hollywoodfilmen abgrenzendes Genre, einen nennenswerten Ruf erarbeiten.“[10]

Es ging weniger um eine politische, als um eine künstlerische Abgrenzung Europas von Hollywood. Das Studiosystem in Los Angeles galt als eine „Massenproduktion“ von Regisseuren, Kameramännern, Produzenten, Drehbuchautoren, Schauspielern und zuletzt natürlich Filmen. Die Genrefilmproduktion verwendete immer wiederkehrende Muster: Handlungsmotive, Erzählmuster und Einstellungsfolgen wurden wiederholt. Die kreative Freiheit des Regisseurs geriet in den Hintergrund.

In diesem Zusammenhang versuchten sich europäische Regisseure in den fünfziger Jahren, diesem ihrer Meinung nach unpersönlichen Film, entgegen zu stellen und ihre eigene Handschrift zu entwickeln. Lediglich Alfred Hitchcock galt als einziger Regisseur in Hollywood als „auteur“.

Jedoch war keineswegs Europa als der größte Konkurrent Amerikas zu betrachten. Der Feind kam aus den eigenen Reihen, das Fernsehen. Denn während sich der amerikanische Film Anfang der Fünfziger mit dem Aufkommen des Fernsehers auseinandersetzen musste und infolgedessen stagnierte, entwickelte sich das Kino in Europa und organisierte sich nach überstandenem Krieg und politischen Umdenken neu.

Begünstigt von zugänglicherem Material wie dem 16mm-Film, wuchs das Filmvertriebssystem und es entstanden überall Filmclubs und Filmfestivals. „Diese bildeten wertvolle Promotion-Instrumente für Filmemacher, denen kein Hollywood­Apparat half.“[11] Vor allem das „Festival de Cannes“ wurde zu einem international bedeutenden Treffpunkt für die Filmlandschaft.

Dadurch begünstigt wurde auch Filmschaffenden vermeintlich kleinerer Länder der Zugang zum internationalen Film ermöglicht. Hollywood musste sich nun nicht nur ökonomisch mit dem Aufkommen des Fernsehens auseinandersetzen, sondern gleichzeitig auch ästhetisch mit dem „[..^internationalen Aufblühen neuer Talente[...]“[12]

In Hollywood blieben die alten Genres weiterhin erhalten, es kamen durchaus auch neue hinzu, aber in Europa entstand ein Kino das „[...]persönlich, erfinderisch, nicht abgeklatscht und die zeitgenössische Erfahrung direkt ansprechend[...]“[13] war.

Der italienische Neorealismus war eine Strömung, dich sich durch die oben genannten Attribute definierte. Das italienische Kino der vierziger und fünfziger Jahre um Zavattini, De Sica, Visconti und Rossellini nahm sich alltäglichen Situationen und Begebenheiten an. Laiendarsteller, einfache Technik, politische Haltung und Ideen anstatt platter Unterhaltung bildeten einen facettenreichen Kontrast zu Hollywood.

Den Höhepunkt dieser Filmkunstbewegung bildete die Mitte der fünfziger Jahre und ebnete den Weg für das „cinéma d'auteur“. Das Ergebnis dieser Periode, in der sich der europäische Film gegenüber dem amerikanischen Film emanzipierte und lossagte endete mit einem Höhepunkt und schuf eine neue Epoche: das Aufblühen des französischen Films im Jahr 1959 mit der Ankunft der Nouvelle Vague.

Es gilt also festzuhalten, dass ohne das amerikanische dominante Kino keine Entwicklung in der jungen Generation von europäischen Filmemachern hat stattfinden können. Denn wichtig war gerade, dass sie bei ihrer Auseinandersetzung mit den amerikanischen Filmen Bilder fanden, „[...]die ihnen den Stoff dafür gaben, Grundsätzliches über das Kino zu formulieren.“[14] Somit war Kinobildung, die die Regisseure im großen Nachbarn Amerika fanden Voraussetzung dafür Filme aus einem anderen Bewusstsein, einer neuen Sichtweise heraus zu drehen.

2.2 Die Nouvelle Vague in Frankreich 2.2.1 Das Jahr 1959 und das Filmfestival in Cannes

Im April 1959 wählten zwanzig Delegierte des Congrès de la fédération français des ciné-clubs (FFCC) in einem kleinen Kino in Avignon drei Filme für den Wettbewerb in Cannes: „Les Quatre cents coups“ von François Truffaut, „Hiroshima mon amour“ von Alain Resnais und „Orfeu“ von Marcel Camus. (vgl. Frodon, 1996, S. 47) Die Auswahl war eine Sensation. In der Zeitschrift L’Express war zu lesen:

„Wohl zum ersten Mal wird in der französischen Auswahl auf dem Festival von Cannes kein Film von Renoir, Carné, Delannoy, Duvivier, Becker, Clément, Tati oder René Clair Frankreich vertreten.“[15]

Statt der Altmeister des französischen Films, die jedes Jahr auf dem Filmfestival von Cannes nominiert waren und dort regelmäßig Preise bekamen, wählten die höchsten Entscheidungsträger des französischen Kinos ausschließlich junge, weitgehend unbekannte Filmemacher für eines der renommiertesten internationalen Filmfestivals. Mit der Auswahl von Truffauts erstem Spielfilm begann die Erfolgsgeschichte der Nouvelle Vague.

[...]


[1] Grob, 2006, S.7

[2] Jansen, 1979, S.209

[3] Grob, 2006 ,S.8

[4] Jansen, 1979, S.209

[5] Jansen, 1979, S.210

[6] Jansen, 1979, S.211

[7] Jansen, 1979, S.211

[8] Marie, 1999, S.5

[9] Marie, 1999, S.5

[10] Monaco, 2000, S. 301

[11] Monaco, 2000, S. 338

[12] Monaco, 2000, S. 338

[13] Faulstich, 1995, S. 376

[14] Grob, 2006, S.15

[15] Saunders, 1959, S. 36.

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Jean-Luc Godard - Sein Leben. Sein Werk. Und sein Einfluss auf die Nouvelle Vague.
Autor
Jahr
2010
Seiten
49
Katalognummer
V175164
ISBN (eBook)
9783640960491
Dateigröße
1311 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Godard, SAE, SAE INstitue, Jean-Luc, Jean-Luc Godard, Nouvelle Vague, Film, Kino, Frankreich, Studentenproteste
Arbeit zitieren
Felix Hummel (Autor), 2010, Jean-Luc Godard - Sein Leben. Sein Werk. Und sein Einfluss auf die Nouvelle Vague., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175164

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Jean-Luc Godard - Sein Leben. Sein Werk. Und sein Einfluss auf die Nouvelle Vague.



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden