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Der epistemologische Status von Wundern

Sind Wunder möglich und können wir sie erkennen?

Title: Der epistemologische Status von Wundern

Bachelor Thesis , 2010 , 36 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Vitali Heptin (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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Einleitung
In dieser Arbeit möchte ich mich mit den Fragen der Möglichkeit und Erkennbarkeit auseinander setzen. Ist ein Wunder nicht möglich, so erübrigen sich alle weiteren Fragen diesbezüglich. Ist ein Wunder nicht erkennbar, so hätten wir, auch wenn sie auftreten, de facto kein Wissen über sie.
Die Frage nach der Möglichkeit ist wichtig, obwohl sich negative Existenzaussagen kaum beweisen lassen. Der Grund ist das Wesen von Wundern. Es gibt mehrere Möglichkeiten, ihre Existenz auszuschließen oder wenigstens stark einzuschränken. Zum einen könnten sie definitorische Schwierigkeiten aufwerfen. So könnte die Definition von Wundern sie in einen Widerspruch zur Wissenschaft oder zu Naturgesetzen stellen. Ein anderer Weg könnte sein, die Unvereinbarkeit von Wundern und Wissenschaft zu zeigen. Da wir ein großes Vertrauen in die generelle Ausrichtung der Wissenschaften haben, würden wir dann eher das Konzept des Wunders fallen lassen. Bezüglich dieser Fragen sollen insbesondere die Autoren David Hume und Antony Flew untersucht werden, die beide – auf eine noch darzulegende Art und Weise – versucht haben, die Möglichkeit von Wundern sehr stark einzuschränken, wenn nicht gar auszuschließen.
Die Frage der Erkennbarkeit hängt stark von der Möglichkeit ab ein Wunder zu identifizieren. Daher wird auch in dieser Arbeit der Schwerpunkt auf diesem Punkt liegen. Ganz besonders soll das Prinzip der Analogie diskutiert werden, das von der Uniformität heutiger und geschichtlicher Ereignisse als Voraussetzung historischen Wissens ausgeht. Und auch die Möglichkeit und das Wesen der Kriterien, anhand denen sich Wunder erkennen lassen, sollen ausgelotet werden. Auch hier will ich vor allem auf die kritisch dazu stehenden Argumente Flews eingehen.
Diese Arbeit soll nicht hauptsächlich aus Rekonstruktionen der Argumente Flews und Humes und der Reaktionen ihrer Kritiker bestehen. Ich werde nur die wesentlichen Punkte ihrer Argumente klar machen und auf sie eingehen und sie zum besseren Verständnis des Konzepts eines Wunders und zur Diskussion der Möglichkeit und Erkennbarkeit von Wundern zu instrumentalisieren.
In dieser Arbeit werde ich die Kritik an Identifikation und Möglichkeit von Wundern weitgehend zurückweisen. Daher ist der Bereich, den ich aus den möglichen interessanten epistemologischen Fragen auswähle, die die ich für Grundlegend halte. Es sind die Fragen nach der Möglichkeit und Erkennbarkeit von Wundern.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Humes Argumente gegen Wunder

2.1 Humes a priori Argument

2.2 Humes a posteriori Argumente

3. Definition von Wundern

3.1 Konstellationswunder

3.2 Wunder und übergangene Ordnung der Natur

4. Möglichkeit von Wundern

4.1 Diskussion von Humes a priori Argument

4.2 Wunder und Naturgesetze

5. Identifikation von Wundern

5.1 Diskussion von Humes a posteriori Argumente

5.2 Das Prinzip der Analogie

5.3 Kriterien zur Identifikation

6. Darf man gerechtfertigt an Wunder glauben?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den epistemologischen Status von Wundern mit dem zentralen Fokus auf deren theoretische Möglichkeit sowie deren praktische Erkennbarkeit. Dabei werden insbesondere die klassischen kritischen Positionen von David Hume und Antony Flew analysiert und einer philosophischen Prüfung unterzogen, um zu klären, unter welchen Bedingungen der Glaube an ein wundersames Ereignis rational gerechtfertigt sein kann.

  • Kritische Analyse von David Humes Argumenten gegen die Erkennbarkeit und Möglichkeit von Wundern
  • Differenzierung verschiedener Wunderbegriffe (Konstellationswunder vs. Eingriffe in die natürliche Ordnung)
  • Untersuchung des Prinzips der Analogie und dessen Anwendbarkeit auf historische Einzigartigkeiten
  • Diskussion epistemologischer Kriterien zur Identifikation übernatürlicher Ereignisse
  • Rechtfertigung des Glaubens an Wunder unter Berücksichtigung individueller Kontexte und Beweisstärken

Auszug aus dem Buch

3.1 Konstellationswunder

Corduan bezeichnet Konstellationswunder nicht als in irgendeiner Form physikalisch unmöglich oder inhärent unwahrscheinlich, sondern als eine Kombination verschiedener Ereignisse, die gemeinsam eine höchst unwahrscheinliche Konstellation bilden.27 Ein solches Wunder lässt sich nur schwer objektiv deuten. Zum einen, da es sehr viele Verbindungen von unwahrscheinlichen Ereignissen gibt, die nicht wundersam sind. Man denke nur an Lotterieziehungen oder das Treffen von guten Bekannten in einem entfernten Land. Zum anderen, ließe sich immer der Zufall – von einer objektiven Position aus berechtigt – als Grund für das Ereignis angeben.

Um das Konzept besser zu verstehen ist ein Beispiel angebracht: Ein an Gott gläubiger Sozialarbeiter in einem Dritte-Welt-Land muss ein Behördenpapier bezahlen. Er hat dafür genau 24 Stunden Zeit, sonst wird er ausgewiesen. Er bittet Gott darum, dass er noch rechtzeitig genug Geld zusammenbekommt. Am nächsten Tag erhält er einen Brief von seiner Großmutter. Diese hat – da sie Banküberweisungen nicht traut – einige Geldscheine mit beigelegt und die Post vor zwei Wochen abgeschickt. Als unser Sozialarbeiter die Scheine in die Landeswährung wechseln lässt, ergibt sich genau die Summe, die er für die Behörde braucht. Überwältigt von den vielen Unwahrscheinlichkeiten – dass seine Großmutter genau rechtzeitig, genau den richtigen Betrag abgeschickt und der Wechselkurs genau den richtigen Stand hat – dankt er Gott für dieses Wunder.

Von außen betrachtet ließe sich sagen, dass diese Konstellation zufällig eingetreten ist. Aber der Sozialarbeiter sieht hinter ihr das Wirken Gottes, der in den Lauf der Dinge eingegriffen und sie zu seinem Wohl gelenkt hat. Ich will in dieser Arbeit von solchen Wundern absehen, da sie aufgrund der Probleme, sie zu identifizieren, schwer zu behandeln sind.28

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Faszination und die grundlegende Problematik des Wunderbegriffs ein, mit dem Ziel, die Möglichkeiten und Erkennbarkeit von Wundern im Dialog mit Autoren wie Hume und Flew zu beleuchten.

2. Humes Argumente gegen Wunder: Dieses Kapitel stellt Humes bekanntes Werk „Of Miracles“ vor und analysiert seine a priori sowie a posteriori Argumente, die darauf abzielen, die Glaubwürdigkeit von Wunderberichten systematisch zu schwächen.

3. Definition von Wundern: Hier werden verschiedene Kategorien wie Konstellationswunder und Wunder als übergangene Ordnung der Natur definiert, um präzise Merkmale für wundersame Ereignisse zu identifizieren.

4. Möglichkeit von Wundern: Das Kapitel diskutiert, ob Wunder logisch möglich sind, wobei Humes a priori Argumente sowie die Vereinbarkeit von Naturgesetzen mit übernatürlichen Eingriffen einer kritischen Prüfung unterzogen werden.

5. Identifikation von Wundern: Dieses Kapitel untersucht die methodische Erkennbarkeit von Wundern, hinterfragt das Prinzip der Analogie und erarbeitet Kriterien, anhand derer man reale Wunder von anderen Ereignissen abgrenzen könnte.

6. Darf man gerechtfertigt an Wunder glauben?: Das Fazit abwägt, unter welchen Bedingungen und mit welcher Beweislast eine rationale Rechtfertigung für den Glauben an Wunder im Einzelfall bestehen kann.

Schlüsselwörter

Wunder, Epistemologie, David Hume, Antony Flew, Naturgesetze, Induktion, Wahrscheinlichkeit, Zeugenberichte, Analogieprinzip, Identifikation, Übernatürliches, Religiöser Kontext, Wissenschaftstheorie, Wahrscheinlichkeitstheorie, Rationalität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Untersuchung, ob Wunder als Ereignisse möglich sind und ob wir Menschen in der Lage sind, diese als solche wissenschaftlich oder historisch zu identifizieren und zu erkennen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit behandelt die Wunderkritik nach David Hume, die Definition von Wundern im Verhältnis zu Naturgesetzen, die Rolle der Analogie in der historischen Forschung sowie die Kriterien zur Identifikation wundersamer Eingriffe.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, die Kritik an der Möglichkeit und Erkennbarkeit von Wundern zu prüfen und zu zeigen, dass der Glaube an Wunder unter bestimmten, kritisch reflektierten Umständen rational gerechtfertigt sein kann.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Es handelt sich um eine philosophische Diskursanalyse, die klassische Argumente (insbesondere Hume und Flew) rekonstruiert, mit modernen Ansätzen (z. B. dem Bayesschen Theorem bei Craig) vergleicht und diese kritisch bewertet.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?

Im Hauptteil werden Humes a priori und a posteriori Argumente dekonstruiert, das Konzept des Konstellationswunders vom direkten Eingreifen in die Natur unterschieden und Methoden zur Identifikation von Wundern (wie das Analogieprinzip) diskutiert.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit ist charakterisiert durch die Begriffe Epistemologie, Wunder, Naturgesetze, Beweislage, Analogie, Identifikation und rationale Rechtfertigung.

Wie unterscheidet der Autor zwischen einem wahren Wunder und einer bloßen Anomalie?

Der Autor argumentiert, dass eine Anomalie ein Ereignis ist, für das wir aktuell keine Erklärung haben, während ein Wunder einen übernatürlichen Eingriff voraussetzt, der insbesondere in einem religiösen Kontext und bei spezifischer Evidenz identifizierbar wird.

Warum ist laut der Arbeit das Prinzip der Analogie für Historiker problematisch?

Das Prinzip der Analogie ist problematisch, weil es dazu führen kann, dass alles, was nicht der gegenwärtigen Erfahrung entspricht (wie Wunder), von vornherein als unmöglich oder unerklärlich verworfen wird, was eine offene wissenschaftliche Untersuchung verhindern kann.

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Details

Title
Der epistemologische Status von Wundern
Subtitle
Sind Wunder möglich und können wir sie erkennen?
College
Bielefeld University  (Fakultät für Geschichte, Philosophie und Theologie, Abteilung Philosophie)
Grade
2,0
Author
Vitali Heptin (Author)
Publication Year
2010
Pages
36
Catalog Number
V175183
ISBN (eBook)
9783640960545
ISBN (Book)
9783640961078
Language
German
Tags
Epistemologie Wunder Hume Flew Religionsphilosophie Miracle Identifikation Troeltsch Analogie Auferstehung Gott Geschichte Philosophie Naturgesetz Nomologie Wissenschaft Wissenschaftstheorie Craig
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Vitali Heptin (Author), 2010, Der epistemologische Status von Wundern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175183
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