Das Wort Melancholie leitet sich von dem griechischen Begriff melancholia ab, was so viel wie „schwarze Galle“ (von dem griechischen melaina chole) bedeutet. Es bezeichnet einen seelischen Zustand von Schwermut oder Traurigkeit, der in der Regel auf keinen bestimmten Auslöser oder Anlass zurückgeht. In Bezug auf eine psychische Disposition oder ein Krankheitsbild ist der Begriff Melancholie im 20. Jahrhundert weitgehend durch den Begriff der Depression ersetzt worden .
Anhand dieser Einführung kann man gut erkennen, dass es sehr verschiedene Ansätze zum Begriff der Melancholie gibt, die nicht nur zeitlich, sondern auch faktisch differenziert werden müssen.
Für die Historia des D. Johann Fausten hat die Melancholie eine besondere Bedeutung. Es wird sich zeigen, in wie weit die Beschreibung der Person des Schwarzkünstlers der damaligen Auffassung der Melancholie entspricht und worin sie sich zeigt. Fest steht, dass ohne dieses Charaktermerkmal die Erzählung so nicht hätte funktionieren können.
Zuerst gehe ich auf die Entstehungsgeschichte und die Bedeutung des Begriffs der Melancholie ein um sie danach auf die Figur des D. Johann Fausten zu übertragen und auf Übereinstimmungen zu überprüfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeine Einleitung
2. Begriff der Melancholie: Bedeutung und Entwicklung
3. Melancholie in der Historia von 1587
4. Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Rolle der Melancholie als strukturbildendes Charaktermerkmal der Figur des D. Johann Fausten in der Historia von 1587, um aufzuzeigen, wie dieses psychische Dispositionselement den Pakt mit dem Teufel sowie den weiteren Handlungsverlauf determiniert.
- Historische Herleitung des Melancholie-Begriffs und der Vier-Säfte-Lehre.
- Die Verbindung des Melancholikers mit dem Planeten Saturn.
- Analyse von Faustus' Charakter als melancholischer Idealtyp.
- Wechselwirkungen zwischen Melancholie, Todesangst und christlichem Glauben.
- Die Funktion der Melancholie als Voraussetzung für das Scheitern des Protagonisten.
Auszug aus dem Buch
3. Melancholie in der Historia von 1587
Die Melancholie im Faust ist ein entscheidender Bestandteil, ohne den die Erzählung so nicht funktionieren würde. Sie ist maßgeblich der Grund für Faustus' Pakt mit dem Teufel, gepaart mit seinen anderen Charakterzügen wie der Neugier und dem ausgeprägten Hochmut. Diese Eigenschaften machen seine Person aus und lassen sich nicht trennen, dafür gehen sie aber ineinander über und bedingen sich teilweise. Sein Bewusstsein über sich selbst sehr logisch aufgebaut; er versucht seine anhaltende Melancholie durch seine extremen und gegensätzlichen Handlungen nicht nur zu kompensieren, sondern sie resultieren aus dieser negativen Grundhaltung und sind ein Ausbruch seines geringen Selbstwertgefühls, quasi eine Übersteigerung durch die mit dem Pakt gewonnene Macht. Diese beansprucht er auch für sich ganz allein, wie sich bei den Zauberern mit der Lilie feststellen lässt.
Augustinus sagt; Ein melancholisches Haupt ist ein Badehaus des Teufels. Faustus hat seinen ersten melancholischen Ausbruch nachdem er die Geschichte des Falls Luzifers gehört hat und sich damit identifizieren kann. Vor allem aber sieht er die Ausweglosigkeit seiner Situation. Er bereut nicht nur seine Entscheidung, sich mit dem Teufel eingelassen zu haben, sondern geht so weit dass er seine eigene Existenz bereut. Er möchte sich Gott wieder zuwenden, schafft dies allerdings vor lauter Zweifeln, Ungläubigkeit und Hoffnungslosigkeit nicht. Kurz danach ist er aufgrund einer der Antworten auf seine Fragen erneut in melancholischer Stimmung und verwirrt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeine Einleitung: Diese Einführung definiert den Begriff der Melancholie historisch und begründet deren besondere Relevanz für die Analyse der Figur des D. Johann Fausten in der Historia von 1587.
2. Begriff der Melancholie: Bedeutung und Entwicklung: Dieses Kapitel erläutert die antike Vier-Säfte-Lehre sowie die astrologische Verknüpfung mit dem Planeten Saturn, um das historische Weltbild des Melancholikers als „homo saturninus“ darzustellen.
3. Melancholie in der Historia von 1587: Hier wird die Melancholie als zentrales, strukturbildendes Element der Faust-Erzählung analysiert, welches in enger Verbindung mit Todesangst, Hochmut und dem Teufelspakt steht.
4. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt, dass Faustus' Scheitern untrennbar mit seiner melancholischen Veranlagung und der Einbettung in den damaligen christlichen Kontext verbunden ist.
Schlüsselwörter
Melancholie, Historia von 1587, D. Johann Fausten, Vier-Säfte-Lehre, Schwarze Galle, Saturn, Teufelspakt, Mittelalter, Reformation, Todesgedanke, Wahnsinn, Genie, Anthropologie, Sündhaftigkeit, Historia.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literaturwissenschaftlichen Analyse der Rolle der Melancholie in der Historia von D. Johann Fausten aus dem Jahr 1587.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die historische Vier-Säfte-Lehre, die Astrologie (Saturn-Bezug), der christliche Todesgedanke des 16. Jahrhunderts und die psychologische Charakterisierung Faustus'.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu zeigen, dass die Melancholie kein bloßes Nebenmerkmal ist, sondern die notwendige psychische Voraussetzung für Faustus' Pakt mit dem Teufel darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textimmanente Analyse der Historia unter Einbeziehung historischer, medizinhistorischer und theologischer Kontexte der Zeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird der Zusammenhang zwischen Melancholie, den Sünden Faustus' (Hochmut, Gier, Zauberei) und seiner Unfähigkeit zur Buße detailliert herausgearbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Melancholie, Historia, Faust, Vier-Säfte-Lehre, Saturn, Teufelspakt und Todesgedanke.
Wie korreliert Faustus' Melancholie mit seinem Teufelspakt?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die ständige Todesangst und die melancholische Niedergeschlagenheit Faustus dazu treiben, seine innere Leere durch übersteigerte, arrogante Handlungen und Machtgewinn mittels Zauberei zu kompensieren.
Warum wird Faustus im Text als „homo saturninus“ bezeichnet?
Faustus verkörpert die klassischen Attribute dieses Idealtyps, wie etwa Kälte, Trockenheit, intellektuelle Arroganz, Neigung zu Grübeleien und ein tiefes, destruktives Misstrauen.
Welche Rolle spielen die Frauenfiguren im Hinblick auf Faustus' Melancholie?
Sie dienen Faustus als Mittel zur kurzzeitigen Ablenkung von seiner fundamentalen Todesfurcht, wobei sein Umgang mit ihnen seine charakterliche Zerrissenheit zwischen Genusssucht und tiefer Depression widerspiegelt.
- Arbeit zitieren
- Tilman Kahleyss (Autor:in), 2010, Die Rolle der Melancholie in der Historia von D. Johann Fausten (1587), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175220