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Interkulturelle Jungenarbeit. Zur Lebenssituation von Jungen mit Migrationshintergrund

Title: Interkulturelle Jungenarbeit. Zur Lebenssituation von Jungen mit Migrationshintergrund

Diploma Thesis , 2003 , 172 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Claudio Peloso (Author)

Social Work
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Das Thema der vorliegenden Diplomarbeit ist "interkulturelle Jungenarbeit". Ein hochaktuelles Thema, könnte man meinen, wenn man die derzeitigen Diskussionen über Zuwanderung in Deutschland und die Migrations- und Integrationspolitik betrachtet. Die PISA- und Jugendstudien haben wiederum ihren Teil dazu beigetragen, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund als besondere Gruppe in den Blick zu nehmen. Zusätzlich befinden wir uns in einem Prozess der zunehmenden Europäisierung und Globalisierung, der mehr und mehr nationale Grenzen durchlässiger erscheinen lässt. Diese Diskussionen haben meist eines gemeinsam: es geht um die MigrantInnen, die türkischen Jugendlichen, die kriminellen "Ausländer", die nicht integrierten Aussiedler. Erfahrungsgemäß werden der geschlechtsbewusste Blick und die Vielfalt der ethnischen Gruppen, auch innerhalb eines Kulturkreises, wenig berücksichtigt. Nicht zuletzt wird viel über "die Fremden" diskutiert, und die eigenen Ängste, Gefühle, und Selbsterfahrungen, die damit zusammenhängen, werden (unbewusst) ausgeblendet.

Jungen, mit und ohne Migrationshintergrund, wachsen in einer Gesellschaft auf, die widersprüchliche oder wirklichkeitsferne Bilder von Männlichkeit konstruiert. Es wird verlangt, dass Jungen diese Männlichkeit ohne authentische Vorbilder entwickeln. Festzustellen ist daher, dass dieses Thema brisant ist und bleibt.

Ich möchte einen Überblick darüber geben, um was genau es sich bei interkultureller Jungenarbeit handelt und die Sicht auf den Professionellen lenken, der sich in das Feld begeben will oder bereits dort arbeitet. Der Focus soll nicht ausschließlich auf einer Umschreibung des Theoriekonzeptes liegen, sondern die angrenzenden Aspekte von Interkulturalität miteinbeziehen.

Es sollen einige Grundüberlegungen vorangestellt werden, die unabdingbar mit diesem Thema verknüpft sind. Die Arbeit soll für die Jungen sensibilisieren und gleichzeitig über ihre Lebensbedingungen informieren. Sie soll einen Überblick über ein komplexes und wichtiges Feld der Sozialen Arbeit liefern.

Ich werde einzelne Aspekte von Interkulturalität, Fremdheit, Geschlechterforschung, interkulturelle und geschlechtsbewusste Pädagogik miteinander verknüpfen. Des weiteren habe ich fünf leitfragengestützte Interviews mit Experten der Jungenarbeit zu diesem Thema durchgeführt. Außerdem werde ich versuchen zu klären, in welchem Prozess sich die interkulturelle Jungenarbeit befindet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Interkulturalität

1.1 Zum Begriff der InterKULTURalität

1.2 Diskussion in Deutschland

1.3 MigrantInnen in Deutschland

2. Jungenarbeit

2.1 Konstruktionen von Männlichkeiten

2.2 Jungenarbeit in Deutschland

3. Experteninterviews

4. Zur Lebenssituation von Jungen mit Migrationshintergrund

4.1 In der Schule

4.2 In der Freizeit

4.3 In der Familie

5. Interkulturelle Jungenarbeit

5.1 Grundlagen der interkulturellen Jungenarbeit

5.1.1 Zur Rahmenkonzeption interkultureller Jungenarbeit

5.1.2 Methoden der interkulturellen Jungenarbeit

5.1.3 Die Rolle des interkulturellen Jungenarbeiters

5.1.4 Ziele der interkulturellen Jungenarbeit

5.2 Praxisbeispiele aus der Jungenarbeit

5.2.1 "ànimo" – Geschlechtsspezifische Arbeit mit Jungen an Schulen

5.2.2 Sexualpädagogisches Arbeiten von „Pro Familia“ München

5.2.3 Interkulturelle Jungengruppe „MULTI - KULTI“

6. Schlüsselqualifikation „interkulturelle Kompetenz“

6.1 Was ist interkulturelle Kompetenz?

6.2 Interkulturelle Kompetenz in der Sozialen Arbeit

6.3 Schlüsselqualifikation in der interkulturellen Jungenarbeit

7. Auswertung der Experteninterviews

8. Schlussbetrachtung und Ausblick

Leitfragen zum Leitfadengestützten Interview

Informationsbogen

Leitfragen

Interview 1

Interview 2

Interview 3

Interview 4

Interview 5

Zielsetzung und Themen

Die Diplomarbeit untersucht das Feld der interkulturellen Jungenarbeit, um ein tieferes Verständnis für die Lebenssituation von Jungen mit Migrationshintergrund zu entwickeln und Ansätze für eine professionelle pädagogische Praxis zu definieren. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Fachkräfte in diesem Bereich ihre interkulturelle Kompetenz stärken können, um Jungen bei der Auseinandersetzung mit Männlichkeitskonstruktionen, Diskriminierungserfahrungen und kulturellen Spannungsfeldern ressourcenorientiert zu unterstützen.

  • Interkulturalität und deren Bedeutung in der deutschen Gesellschaft
  • Sozialisation und Konstruktion von Männlichkeiten
  • Lebenswelten und Benachteiligungserfahrungen von Jungen mit Migrationshintergrund
  • Konzeptionelle Ansätze und Methoden der interkulturellen Jungenarbeit
  • Anforderungsprofile und Schlüsselqualifikationen für Professionelle

Auszug aus dem Buch

Konstruktionen von Männlichkeiten

„Männerforschung in Bewegung“ heißt es im Vorwort des Buches „Der gemachte Mann“ von Robert W. Connell (2000). Nach einer langen Diskussion über Frauenthemen (sexuelle Gewalt, Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt, Lohnungleichheit, u.s.w.), resultierend aus dem Feminismus der 70er Jahre, sind in den Sozial- und Kulturwissenschaften auch Männerthemen (viele Männer fühlen sich nicht privilegiert und sind verunsichert darüber, was Männlichkeit bedeutet) in das Blickfeld der Wissenschaftler - und somit in Bewegung- geraten. R. Connell entwickelt das Konzept der „hegemonialen Männlichkeit“ und veröffentlicht dies erstmalig 1987 in einem breit angelegten theoretischen Kontext. Seitdem findet es Eingang in empirische Untersuchungen, pädagogische Anwendungen und auch in wissenschaftliche Abschlussarbeiten wie diese. (vgl. Müller 2000) Er erarbeitete das Modell der hegemonialen Männlichkeit, dessen Theorie m.E. das Basiswissen in der geschlechtsbewussten Arbeit mitbegründet und dort Berücksichtigung finden muss. Connell (2002) betont aber immer wieder, dass seine Begrifflichkeiten keine festen Charaktertypen bezeichnen, sondern bestimmte Handlungsmuster in einem Beziehungsgefüge beschreiben.

In der Auseinandersetzung um das Geschlecht sind viele weitere Konzepte entstanden. Einer von diesen Ansätzen ist die Trennung zwischen dem biologischen und dem kulturellen Geschlecht. Die Begrifflichkeiten dafür nennt man Sex (bio.) und Gender (kult.). Es soll damit verdeutlicht werden, „dass die unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen, die Frauen und Männer haben, keine Konsequenz einer natürlichen Geschlechterdifferenz, sondern Resultat kultureller und gesellschaftlicher Organisation sind.“ (Huschke 2002, S.58)

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Der Autor führt in das Thema der interkulturellen Jungenarbeit ein und verdeutlicht die Relevanz vor dem Hintergrund der Migrationsdebatte sowie der geschlechtsbewussten Pädagogik.

1. Interkulturalität: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Interkulturalität als dynamischen Prozess und beleuchtet die gesellschaftlichen Diskurse sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen für MigrantInnen in Deutschland.

2. Jungenarbeit: Der Fokus liegt auf theoretischen Konstruktionen von Männlichkeit, insbesondere dem Konzept der hegemonialen Männlichkeit nach Connell, und einem Überblick über etablierte Ansätze der Jungenarbeit in Deutschland.

3. Experteninterviews: Hier wird das methodische Vorgehen der leitfadengestützten Interviews mit Experten erläutert, die zur Gewinnung von Kontextwissen in diesem noch wenig erforschten Feld dienten.

4. Zur Lebenssituation von Jungen mit Migrationshintergrund: Dieser Abschnitt analysiert die spezifischen Lebenswelten und Belastungsfaktoren von Jungen mit Migrationshintergrund in Schule, Freizeit und Familie.

5. Interkulturelle Jungenarbeit: Das Kapitel verknüpft Theorie und Praxis, stellt Rahmenkonzeptionen sowie Methoden vor und diskutiert die zentrale Rolle des interkulturellen Jungenarbeiters.

6. Schlüsselqualifikation „interkulturelle Kompetenz“: Es wird erörtert, welche persönlichen und sozialen Kompetenzen professionelle Kräfte benötigen, um in einem interkulturellen Setting erfolgreich zu agieren.

7. Auswertung der Experteninterviews: Die Ergebnisse der Interviews werden reflektiert und in den theoretischen Rahmen der Arbeit eingeordnet.

8. Schlussbetrachtung und Ausblick: Der Autor zieht ein Fazit über die Notwendigkeit politischer Arbeit und einer weiteren Professionalisierung in der interkulturellen Jungenarbeit.

Schlüsselwörter

Interkulturelle Jungenarbeit, Männlichkeit, Migration, Identität, Sozialisation, geschlechtsbewusste Pädagogik, hegemoniale Männlichkeit, interkulturelle Kompetenz, Diskriminierung, Integration, Lebenswelten, Experteninterviews, Sozialpädagogik, Fremdheitserfahrung, Ethnizität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle von interkultureller Pädagogik und geschlechtsbewusster Jungenarbeit, um professionelle Ansätze für die Arbeit mit Jungen mit Migrationshintergrund zu entwickeln.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Konstruktion von Männlichkeit, die Lebensbedingungen von Jungen mit Migrationshintergrund, Rassismus sowie die Entwicklung interkultureller Kompetenzen für Fachkräfte.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, ein differenzierteres Bild der interkulturellen Jungenarbeit zu zeichnen und aufzuzeigen, wie professionelle Jungenarbeiter Jungen ressourcenorientiert in ihrer Identitätsentwicklung begleiten können.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Der Autor führt eine Literaturanalyse durch und kombiniert diese mit einer qualitativen Untersuchung, bestehend aus fünf leitfadengestützten Experteninterviews.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen von Interkulturalität und Jungenarbeit, analysiert Lebenswelten von Jungen in Schule und Familie und leitet daraus notwendige Kompetenzen und Methoden für die pädagogische Praxis ab.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem interkulturelle Jungenarbeit, Männlichkeitskonstruktion, Identitätsarbeit, soziale Marginalisierung und interkulturelle Kompetenz.

Welche Rolle spielt die „Ehre“ bei der Arbeit mit Jungen mit Migrationshintergrund?

Das Konzept der Ehre wird als zentraler und oft konfliktgeladener Bestandteil des sozialen Habitus analysiert, der für männliche Identitätsentwicklung und familiäre Bindungen in verschiedenen Kulturen eine signifikante Rolle spielt.

Wie unterscheidet der Autor zwischen dem „statischen“ und dem „dynamischen“ Modell von Kultur?

Das statische Modell betrachtet Kulturen als fest abgegrenzte Einheiten, während das dynamische Modell Interaktionen als offene, ständige Lernprozesse begreift, die nicht an eine festgelegte ethnische Identität gebunden sind.

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Details

Title
Interkulturelle Jungenarbeit. Zur Lebenssituation von Jungen mit Migrationshintergrund
College
University of Applied Sciences North Rhine-Westphalia Köln  (Soziale Arbeit)
Grade
1,3
Author
Claudio Peloso (Author)
Publication Year
2003
Pages
172
Catalog Number
V17533
ISBN (eBook)
9783638220859
ISBN (Book)
9783640315499
Language
German
Tags
Interkulturelle Jungenarbeit Jugendarbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Claudio Peloso (Author), 2003, Interkulturelle Jungenarbeit. Zur Lebenssituation von Jungen mit Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17533
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