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Klinische Sozialarbeit mit Krebspatienten

Möglichkeiten und Grenzen der Sozialarbeit im Kontext psychoonkologischer und körpertherapeutischer Rehabilitation

Title: Klinische Sozialarbeit mit Krebspatienten

Master's Thesis , 2011 , 90 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Patrick Hentschke (M.A.) (Author)

Social Work
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Vor wenigen Jahren wurde bei mir Lymphknotenkrebs festgestellt, was sich nach eingehender Untersuchung als Fehldiagnose herausstellte. Dennoch bewirkte diese Information in mir eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit existenziellen Themen, wie etwa dem gelebten und ungelebten Leben, dem Tod, der Liebe, der individuellen Freiheit, dem Vermächtnis des eigenen Wirkens. Sie rückte unmittelbar die Frage nach den Qualitäten und der Legitimität bislang sicher geglaubter Denk- und Handlungskonzepte, ja nach der gesamten Identität und Biografie, in ein neues Licht. Aufgrund dieser Erfahrung war es mir ein Bedürfnis, diese Masterthesis den Möglichkeiten und Grenzen Sozialer Arbeit in der psychosozialen Versorgung von Krebspatienten zu widmen. Da wir als Menschen in postmodernen Industriegesellschaften tendenziell dazu neigen, eher verkopft und entrückt zu leben und sich diese Tendenz augenscheinlich in Beratungs- und Behandlungskontexten fortsetzt, liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit auf dem Aspekt der Integration körperorientierter Verfahren und Methoden in die Klinische Sozialarbeit.

Darüber hinaus ist es mir ein besonderes Anliegen, Bedarfe und Potenziale dieser Fachdisziplin aufzuzeigen, über das etablierte Handlungsspektrum administrativer Tätigkeiten hinauszuwachsen. Aus diesem Anspruch lassen sich folgende Fragestellungen ableiten: Was kann Soziale Arbeit im Kontext psychoonkolog. und körpertherapeut. Rehabilitation von Krebspatienten leisten? Verfügt sie über die nötigen Kompetenzen zu einer umfassenderen Versorgung dieser Klientel? Inwieweit ist sie im Kontext therapeutischer Behandlung krebskranker Menschen etabliert? Wo existieren ggf. Barrieren von medizinisch-psychologischer Seite?

Die Arbeit thematisiert mit der psychoonkologischen Rehabilitation ein anspruchsvolles, jedoch entgegen aller Notwendigkeit noch immer dürftig erschlossenes, interdisziplinäres Handlungsfeld Sozialer Arbeit. Abschließend wird exemplarisch die Tanztherapie als, gleichwohl in der Psychoonkologie wie in der Körperpsychotherapie eingebettetes, Ausdrucksverfahren zur Verbesserung der Lebensqualität von Krebspatienten auf ihr Integrationspotenzial in das Handlungsrepertoire der Klinischen Sozialarbeit untersucht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellungen

2. Hintergrund und wissenschaftlicher Forschungsstand

2.1. Krebs

2.1.1. Was ist Krebs?

2.1.2. Biopsychosoziale Risiko- und Einflussfaktoren

2.2. Psychoonkologie

2.2.1. Was ist Psychoonkologie?

2.2.2. Komorbidität bei Krebs und psychoonkologisches Behandlungsspektrum

2.3. Körperpsychotherapie

2.3.1. Was ist Körperpsychotherapie?

2.3.2. Biopsychosoziales Erkrankungsverständnis nach Wilhelm Reich

2.3.3. Neurowissenschaftliche Grundlagen körperpsychotherapeutischer Arbeit und ihre Bedeutung für die Behandlung von Krebspatienten

2.4. Klinische Sozialarbeit

2.4.1. Was ist Klinische Sozialarbeit?

2.4.2. Soziale Arbeit als psychosozialtherapeutische Disziplin

3. Rehabilitation von Krebspatienten als Handlungsfeld Sozialer Arbeit

3.1. Rechtliche Grundlage und wirtschaftliche Bedeutung der Rehabilitation als Handlungsfeld Sozialer Arbeit

3.2. Situation von Krebspatienten in der Rehabilitation

3.3. Situation der Sozialen Arbeit in der psychoonkologischen Versorgung

3.3.1. Qualifikation Sozialer Arbeit für eine psychosozialtherapeutische Versorgung von Krebspatienten

3.3.2. Leistungsspektrum Sozialer Arbeit in der onkologischen Rehabilitation

4. Entwicklungspotenziale und Grenzen körperorientierter Sozialer Arbeit im Rahmen psychoonkologischer Rehabilitation

4.1. Soziale Arbeit in multiprofessionellen Behandlungssettings: erfolgreich etabliert oder interdisziplinär ausgebremst?

4.2. Zur Notwendigkeit der Etablierung körperorientierter Sozialer Arbeit in der sozialtherapeutischen Rehabilitation krebskranker Menschen

4.3. Grundlagen körperorientierter Sozialer Arbeit im Rahmen der psychoonkologischen Rehabilitation

4.4. Verfahren und Methoden körperorientierter Klinischer Sozialarbeit am Beispiel der Tanztherapie bei Krebs

5. Zusammenfassung und Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Klinischen Sozialarbeit im Kontext der psychoonkologischen und körperorientierten Rehabilitation von Krebspatienten. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie Soziale Arbeit ihre Potenziale jenseits rein administrativer Tätigkeiten entfalten und körperorientierte Verfahren erfolgreich in den therapeutischen Kontext integrieren kann.

  • Analyse der psychoonkologischen Versorgungslandschaft und der Rolle der Sozialen Arbeit.
  • Untersuchung der Verbindung zwischen Körper, Psyche und Erkrankung unter Einbezug neurowissenschaftlicher Konzepte.
  • Erörterung von Potenzialen und Barrieren der Etablierung körperorientierter Sozialer Arbeit.
  • Darstellung der Tanztherapie als Beispiel für die Integration körperorientierter Methoden in die Klinische Sozialarbeit.

Auszug aus dem Buch

Klinische Sozialarbeit

Unter Klinischer Sozialarbeit ('klinisch' im Sinne von 'behandelnd') ist eine „gesundheitsspezifische Fachsozialarbeit [zu verstehen, deren generelles Ziel] die Einbeziehung der sozialen und psycho-sozialen Aspekte in die Beratung, (sozio-)therapeutische Behandlung und psycho-pädagogische Unterstützung von gesundheitlich gefährdeten, erkrankten und (vorübergehend oder dauerhaft) behinderten Menschen [ist]. Fokus ist die 'Person-in-ihrer-Welt' (person-in-environment) im Rahmen eines bio-psycho-sozialen Verständnisses von Gesundheit, Störung und Krankheit. Sie erhebt damit Anspruch auf eine psychosozialtherapeutische Expertentätigkeit, die sich „in Form von Planung, Vorbeugung, Beratung und sozialer Behandlung“ vollzieht.

Entstehungshintergrund der Klinischen Sozialarbeit waren Beobachtungen im Rahmen klinischer Studien, die hinsichtlich der Prävention und des Behandlungsverlaufs psychischer, psychosozialer und psychosomatischer Störungen positive Effekte bei einer intensivierten psychosozialen Versorgung feststellten. Wie bereits verdeutlicht (siehe 2.3.3.) können psychosoziale Hilfen demnach als wirksames Präventions- und Heilmittel im Erkrankungsverlauf bewertet werden. Gegen Ende der 1990er Jahre wurden auf der Basis dieser Erkenntnis großangelegte Untersuchungen durch die deutschen Krankenkassen durchgeführt. Diese bestätigten enorme Einsparpotenziale beim Einbezug der ambulanten Soziotherapie psychisch kranker Menschen. Im Vergleich zur Kontrollgruppe, in deren Behandlung keine Soziotherapie einbezogen wurde, zeigte sich das Potenzial einer drei- bis vierfachen Einsparung (durchschnittlich ca. 25.000 DM pro Patient!).

Sozialarbeit im klinischen Kontext ist nicht auf den, gegebenenfalls der deutschsprachigen Bedeutung des Begriffes 'klinisch' entlehnbaren, Einsatz im Rahmen der Klinik- bzw. Krankenhaussozialarbeit beschränkt, sondern erstreckt sich über ein breites Spektrum an Handlungsfeldern und Leistungsangeboten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Fragestellungen: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation für das Thema und formuliert die zentralen Fragestellungen hinsichtlich der Potenziale Sozialer Arbeit in der psychoonkologischen Rehabilitation.

2. Hintergrund und wissenschaftlicher Forschungsstand: Dieses Kapitel vermittelt Grundlagen zu Krebserkrankungen, der Psychoonkologie, der Körperpsychotherapie und der Klinischen Sozialarbeit sowie deren wissenschaftlichen Verbindungen.

3. Rehabilitation von Krebspatienten als Handlungsfeld Sozialer Arbeit: Hier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen, die spezifischen Problemlagen und Bedürfnisse von Krebspatienten sowie das Leistungsspektrum der Sozialen Arbeit beleuchtet.

4. Entwicklungspotenziale und Grenzen körperorientierter Sozialer Arbeit im Rahmen psychoonkologischer Rehabilitation: Dieser Teil diskutiert die Etablierung körperorientierter Ansätze und stellt die Tanztherapie als konkrete methodische Ergänzung für die Klinische Sozialarbeit vor.

5. Zusammenfassung und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die den Bedarf an einer ganzheitlicheren, körperorientierten Sozialen Arbeit unterstreicht.

Schlüsselwörter

Klinische Sozialarbeit, Psychoonkologie, Körperpsychotherapie, Rehabilitation, Krebs, Biopsychosoziales Modell, Körperorientierte Verfahren, Tanztherapie, Ressourcenaktivierung, Case Management, Psychosoziale Versorgung, Gesundheit, Salutogenese, Embodiment, Krankheitsverarbeitung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Master-Thesis beschäftigt sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Klinischen Sozialarbeit im Bereich der psychoonkologischen und körperorientierten Rehabilitation von Krebspatienten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die psychoonkologische Versorgung, körperpsychotherapeutische Ansätze, die klinische Soziotherapie sowie die notwendige Professionalisierung und Etablierung körperorientierter Methoden innerhalb der Sozialen Arbeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, den Bedarf und die Potenziale der Sozialen Arbeit aufzuzeigen, um über rein administrative Aufgaben hinausgehend eine ganzheitliche, psychosozialtherapeutische Begleitung von Krebspatienten zu leisten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer explorativen Abhandlung, die theoretische Grundlagen aus der Psychoonkologie, den Neurowissenschaften und der Körperpsychotherapie mit der Praxis der Klinischen Sozialarbeit verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Situation von Krebspatienten, die Rolle der Sozialen Arbeit in der Rehabilitation, die Bedeutung des biopsychosozialen Modells sowie konkrete körperorientierte Verfahren am Beispiel der Tanztherapie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Klinische Sozialarbeit, Psychoonkologie, Körperpsychotherapie, Rehabilitation, Krebs, biopsychosoziales Modell und Tanztherapie.

Welche Rolle spielen die Neurowissenschaften in dieser Arbeit?

Die Neurowissenschaften liefern durch Konzepte wie das Embodiment und die Spiegelneurone das theoretische Fundament für die Wirksamkeit körperorientierter Ansätze in der Arbeit mit Krebspatienten.

Warum wird die Tanztherapie als Beispiel angeführt?

Die Tanztherapie dient als praktisches Fallbeispiel, um zu illustrieren, wie körperorientierte Methoden zur Bewältigung von Ängsten und Depressionen sowie zur Ressourcenaktivierung in die Klinische Sozialarbeit integriert werden können.

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Details

Title
Klinische Sozialarbeit mit Krebspatienten
Subtitle
Möglichkeiten und Grenzen der Sozialarbeit im Kontext psychoonkologischer und körpertherapeutischer Rehabilitation
College
University of Applied Sciences Darmstadt
Grade
1,3
Author
Patrick Hentschke (M.A.) (Author)
Publication Year
2011
Pages
90
Catalog Number
V175455
ISBN (eBook)
9783640964369
ISBN (Book)
9783640964734
Language
German
Tags
Masterarbeit Klinische Sozialarbeit Krebs Soziale Arbeit Sozialtherapie Soziotherapie Psychoonkologie Körperpsychotherapie Körpertherapie Körperarbeit körperorientierte Pädagogik Psychomotorik Epidemiologie Biopsychosoziale Therapie klassische Therapie Schulmedizin Alternativmedizin Alternativ- und Komplementärmedizin Sozialpädagogik Krankenhaussozialarbeit Soziale Arbeit im Krankenhaus Krebspersönlichkeit Wilhelm Reich Komorbidität Angststörungen Anpassungsstörungen Depressionen Vegetotherapie Embodiment Leibgedächtnis Intuitive Kommunikation Spiegelneurone Belastungen von Krebspatienten Psychische Erkrankungen Krebspatienten wirtschaftliche Bedeutung der Rehabilitation Demografischer Wandel Situation von Krebspatienten in der Rehabilitation Bedürfnisse von Krebspatienten Rechte und Pflichten von Krebspatienten Patientenrechte Kompetenzen Sozialer Arbeit Gesundheitswesen Qualifikation von Sozialarbeitern Kompetenzprofil psychosoziale Beratung psychosoziale Behandlung körperorientierte Sozialarbeit Körper und Soziale Arbeit psychoonkologische Versorgung Methoden Verfahren Techniken Etablierung Sozialer Arbeit im Gesundheitswesen Risikofaktoren Richard Sennett Joachim Bauer Gustl Marlock Thomas Fuchs Körperpanzer Charakterpanzer Spannungsgürtel Komplementärmedizin Charakteranalyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patrick Hentschke (M.A.) (Author), 2011, Klinische Sozialarbeit mit Krebspatienten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175455
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