Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Über die Einteilung der Kunst

Eine kunsthistorische Auseinandersetzung


Hausarbeit, 2008
24 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die besonderen Formen der Kunst
2.1 Allgemeine Einleitung zur Einteilung in die Kunstformen
2.2 Die symbolische Kunstform
2.2.1 Die symbolische Kunstform am Beispiel der frühen Skulptur
2.3 Die klassische Kunstform
2.3.1 Die klassische Kunstform am Beispiel der Bildhauerei des Hellenismus
2.4 Die romantische Kunstform
2.4.1 Die romantische Kunst am Beispiel der Malerei

3 Die Frage nach der Bedeutsamkeit

4 Die griechische Tragödie - Ideal oder doch nicht?
4.1 Die grundlegenden Unterschiede zwischen Skulptur und Tragödie (Poesie)
4.2 Die antike Tragödie
4.3 Der zeitgeschichtliche Kontext, in welchem „Antigone“ und Hegel stehen

5 Schlussbemerkung

6 Abbildungsverzeichnis

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit soll sich mit dem deutschen Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) und der Entwicklung des Ideals hin zu seiner Einteilung des Kunstschönen in die drei Kunstformen beschäftigen, wobei ich Entwicklung des Ideals nur insofern eine Rolle spielen soll, das es letztendlich an einem ausgewählten Beispiel, nämlich der griechisch antiken Tragödie nachgewiesen werden soll. Da G.W.F. Hegel ein bedeutender Vertreter des Idealismus gewesen ist, lässt sich auch in seiner Vorlesung aus dem Jahre 1826, auf welche ich mich im Übrigen in der gesamten Hausarbeit beziehen werde, eine Grundidee Hegels erkennen, dass das menschliche Bewusstsein und die Geschichte sich zielgerecht und in dialektischen Schritten zu einem absoluten Sinn hin entwickeln, wobei die menschliche Vernunft, die Sittlichkeit, das Rechtsdenken und die Ästhetik von einem metaphysischen Weltgeist gelenkt werden. Da Hegel das Thema des Kunstschönen, sowie dessen drei Kunstformen und die Zuordnung der Kunstgattungen ein von Hegel sehr oft betrachtetes und deshalb inhaltlich sehr umfangreiches Werk ist, möchte ich dieser Hausarbeit einen eher einführenden Charakter geben, indem ich mich auf einige ausgewählte Themen konzentriere und diese zu erläutern versuche.

2 Die besonderen Formen der Kunst

2.1 Allgemeine Einleitung zur Einteilung in die Kunstformen

Da die Idee Hegels von der Einteilung in die drei Kunstformen nicht zufällig ist, soll hier erst einmal kurz erläutert werden, wie die Idee von dieser Einteilung entstand.

„ Ihren Ursprung finden diese Formen in der unterschiedenen Art die Idee als Inhalt zu erfassen, wodurch eine Unterschiedenheit der Gestaltung, in welcher sie erscheint, bedingt ist. Die Kunstformen sind deshalb nichts als die verschiedenen Verhältnisse von Inhalt und Gestalt, Verhältnisse, welche aus der Idee selbst hervorgehen, und dadurch den wahren Einteilungsgrund dieser Sphäre geben.

Denn die Einteilung muss immer in dem Begriffe liegen, dessen Besonderung und Einteilung sie ist “ 1.

Die Idee Hegels ist also, dass sich in der Darstellung bzw. Ausfertigung der einzelnen Kunstformen die Idee und der Gehalt/Inhalt in unterschiedlichen Verhältnissen befinden, was bedeutet, dass nicht alle dieser drei Kunstformen als das Ideal gelten können, sondern sehr wahrscheinlich nur eine davon. Zudem heißt es hier auch, dass aufgrund der Unterschiedenheit der Gestaltung die Kunst nicht immer einen Ausdruck finden kann, in welchem sie das Ideal erreicht. Aus diesem Gedanken lässt sich schlussfolgern, dass nicht alle Kunstgattungen in eine Kunstform eingeordnet werden kann, sondern dass es entweder verschiedene Ausführungen von Kunstgattungen geben muss, oder einige einfach für Hegel nicht als geeignet erscheinen, in eine bestimmte der von ihm bestimmten Kunstformen zu gehören. Deswegen sollen sich die nächsten Kapitel auch mit den von Hegel bestimmten Kunstformen beschäftigen und einen kurzen Überblick geben, worin diese Kunstformen sich unterscheiden und in welchen Formen sie zu finden sind. Deswegen soll am Ende eines jeden Kapitels ein Beispiel aus der Kunstgeschichte angeführt werden, was die Einteilung der Kunst durch Hegel begründen und vor allem verdeutlichen soll.

2.2 Die symbolische Kunstform

Laut Hegel handelt es sich bei der ersten Kunstform um die symbolische Kunstform2 . Symbolisch nennt er sie deshalb, weil „ ihre Abstraktion und Einseitigkeit lässt die Gestaltäußerlich mangelhaft und zufällig. Die erste Kunstform ist deshalb mehr ein bloßes Suchen der Verbildlichung als ein Vermögen wahrhafter Darstellung. Die Idee hat die Form noch in sich selber nicht gefunden und bleibt somit nur ein Ringen und Streben danach3 “ . Zuerst muss jedoch wahrscheinlich geklärt werden, welchen Epochen und geographischen Standorten er diese Art der Kunstform zuteilt: „ Diese Seiten machen im allgemeinen den

Charakter des ersten Kunstpantheismus des Morgenlandes aus4 “ . Hegel bezeichnet somit die die frühe Kunst des vorderasiatischen Raumes, welche seiner Meinung nach noch nicht die Verständigkeit hatte, die Idee und den Gehalt in ein angemessenes Verhältnis zu setzen und somit wohl nur als zweitklassig bezeichnet werden kann, denn „ [ … ] bei allem Streben und Versuchen bleibt die Unangemessenheit von Idee und Gestalt dennoch unüberwunden bestehen5 “ .

2.2.1 Die symbolische Kunstform am Beispiel der frühen Skulptur

Ein Beispiel, woran diese erste, symbolische Kunstform aufgezeigt werden könnte, wäre sicherlich leicht zu finden, jedoch möchte ich in Anbetracht der noch folgenden Kunstformen immer ein Beispiel wählen, welches leicht vergleichbar und auch mit allen Kunstformen in Beziehung zu setzen ist. Deswegen werde ich mich bei meinen Beispielen auf Skulpturen bzw. Teile von Skulpturen, also Fragmenten beschränken, wobei ich versuchen werde, die von Hegel aufgestellten Kriterien der jeweiligen Kunstform anzuwenden. Bei dem ersten Beispiel handelt es sich also um einen Frauenkopf, welcher das Fragment einer Marmorstatue aus Uruk6 ist, um 2700 v. Chr. erschaffen wurde und sich heute im Irak-Museum in Bagdad befindet (Abbildung 1). Die geographischen und historischen Grundvoraussetzungen Hegels sind also gegeben und somit ist diese Skulptur für eine genauere Betrachtung geeignet. Dargestellt ist der Kopf einer Frau, wobei die genauen physiognomischen Eigenschaften nur angedeutet sind, und die Augen sogar komplett ausgespart wurden. Hegel erläutert die symbolische Kunstform in Bezug auf die Darstellung folgendermaßen: „ [ … ] einerseits auch in die schlechtesten Gegenstände die absolute Bedeutung hineingelegt, andererseits die Erscheinungen gewaltsam zum Ausdruck [ … ] zwingt, und dadurch bizarr, grotesk und geschmacklos wird, [ … ]7. In seiner Definition liegt der symbolischen Kunstform liegt Hegel schon richtig, wenn er sie in den oben genannten Worten definiert und beschreibt. Die Idee ist vorhanden, hat „ aber die Form in sich selber

noch nicht gefunden8, was heißen soll, dass die Darstellung dieses Frauenkopfes nach einer bestimmten Idee entstanden ist, aber die endgültige Form am Ende dieser Idee nicht entsprechen kann, da auch vor ca. 4700 Jahren ein Frauenkopf anders aussah, als hier dargestellt. Allerdings wird auch in dieser „ bizarr, grotesk und geschmacklos9 wirkenden Skulptur immer noch ersichtlich, um was es sich handeln soll.

Jedoch möchte ich hier abschließend anmerken, dass die Wahl der Skulptur als stellvertretende Kunstgattung für die symbolische Kunstform von mir gewählt wurde. Dies soll natürlich nicht bedeuten, dass sich Hegel nur auf diese eine Form der Kunst bezieht, ganz im Gegenteil, denn in seinem Werk „Vorlesungen über die Philosophie der Kunst“10 untersucht er genauestens die einzelnen Formen und ordnet diese in die symbolische, klassische und romantische Kunstform ein. Es gibt somit Kunst, welche in fast allen drei Formen zum Vorschein tritt, aber auch Kunst, welche er nicht sehr geeignet für die eine oder andere Form ansieht. So wird z.B. auch die Architektur von ihm in die symbolische kunstform eingeordnet11. Die symbolische Kunstform soll also nicht nur auf die Skulptur beschränkt werden, denn hier diente sie nur als Vergleichsmoment, was aber in den folgenden Kapiteln noch deutlicher werden und zugleich auch zeigen soll, dass sich eine Kunstgattung nicht ohne Probleme in alle drei Formen einordnen lassen kann.

2.3 Die klassische Kunstform

Die zweite Kunstform, welche Hegel als die klassische Kunstform12 bezeichnet, „ tilgt den zwiefachen Mangel der symbolischen13, was heißt, dass „ die klassische Kunstform die freie adäquate Einbildung der Idee in die der Idee selber eigentümlich ihrem Begriff nach zugehörige Gestalt14 ist. Das bedeutet, dass nun in der klassischen Kunstform die Idee endlich zu ihrem zugehörigen Gehalt/Inhalt kommt. Es ist nicht mehr wie vorher in der symbolischen Form unvollständig, sondern durch diese Einheit von Idee und Gehalt gilt sie für Hegel als die vollkommene Kunstform: „ somit gibt erst die klassische Form die Produktion und die Anschauung des vollendeten Ideals, und stellt dasselbe als verwirklicht hin15. Aber trotz des Findens der vollendeten Form, ergibt sich für Hegel schon ein erneutes Problem, oder zieht vielmehr eine neue Frage nach sich. Denn auch in der klassischen Kunstform ist die Einheit von Idee und Gehalt gleich die Grundvoraussetzung für diese Kunstform, denn sonst wäre auch die Darstellung einer Blume, einer Landschaft oder einer Szene „ durch solche Kongruenz von Inhalt und Form schon klassisch16. Es geht also nicht nur darum, dass die Idee und der Gehalt übereinstimmen, sondern in diesem Falle gibt es noch eine weitere Ebene, die man betrachten muss, um ein wirkliches Beispiel, wenn nicht sogar das Beispiel für die klassische Kunstform finden will. „ Die Eigentümlichkeit des Inhalts besteht im Gegenteil im Klassischen darin, dass er selbst konkrete Idee ist, und als solche das konkret Geistige; denn nur das Geistige ist das wahrhaft Innere17 “ . Damit möchte Hegel ausdrücken, dass der Inhalt eines Kunstwerkes muss selbst die (konkrete) Idee sein, denn nur so kann er auch das konkret Geistige sein, welches am Ende das wahrhaftige Geistige ist. Und eben dieser Leitgedanke ist in Kunstwerken, welche wie oben schon genannt, z.B. eine Blume oder eine Landschaft darstellen, nicht gegeben, denn der „ Geist der Kunst18, also der subjektive Begriff muss diese Gestalt nur finden, denn sie ist anfänglich schon da, denn sie wurde durch den „ ursprünglichen Begriff19 selbst geprägt oder besser gesagt erfunden. Und laut Hegels Ausführungen kann zum einen nur eine Gestalt all diesen Bedingungen und Voraussetzungen entsprechen, nämlich die menschliche Gestalt. Hierzu meint Hegel: „ Diese Gestalt, welche die Idee als geistige und zwar die individuell bestimmte Geistigkeit an sich selbst hat, wenn sie sich in zeitliche Erscheinung herausmachen soll, ist die menschliche Gestalt20. Die menschliche Gestalt bedeutet also sich selbst, aber ist damit auch gleichzeitig das selber Deutende.

2.3.1 Die klassische Kunstform am Beispiel der Bildhauerei des Hellenismus

Damit ist dann auch zu verstehen, warum Hegel die griechisch-römische Kunst als die Ausbildung der klassischen Kunstform versteht. Denn besonders die griechischen Bildhauer verstanden sich darauf, die menschliche Gestalt in Perfektion darzustellen. Obwohl natürlich auch nicht schon zu Beginn der griechischen Kultur die Menschen und besonders die Künstler auf einem derart hohen künstlerischen Level waren. Diese Kunstfertigkeit entwickelte sich ebenfalls mit den Jahren und fand in der hellenistischen Epoche und der damit verbundenen Kunst ihren Höhepunkt (also in etwa 323 v. Chr. - bis teilweise ins 1. Jh. v. Chr.) Und deswegen ist es nun auch etwas verständlicher, warum ich meine Beispiele der Gattung der Skulptur entlehne. Denn nur in dieser Kunstgattung kann die menschliche Gestalt fast vollkommen dargestellt werden. Das Beispiel, welches ich stellvertretend für die klassische Kunstform ausgewählt habe, ist die Venus von Milo (Abbildung 2), eine Marmorskulptur, welche 2,04m groß ist, aus den Jahren um 130 v. Chr. stammt und sich heute im Louvre in Paris befindet21. Dargestellt ist eine junge Frau, welche nur mit einem Schleier oder Tuch bedeckt ist, der knapp unterhalb ihrer Hüfte beginnt. Die Skulptur ist sehr detailreich gearbeitet, aber wirkt dennoch nicht überspitzt oder phantasievoll, sondern sehr wahrheitsgetreu und menschenecht und zählt wohl auch deshalb heute zu den bekanntesten Werken der griechischen Plastik22. Und in diesem Fall ist sie ein sehr gutes Beispiel, um die Gedanken Hegels an ihr zu demonstrieren.

[...]


1 Henckmann, Wolfgang (Hrsg.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Einleitung in die Ästhetik, Wilhelm Fink Verlag München 1985, S.106. Kapitel: Geschichtliche Entwicklung des Ideals zu den besonderen Formen der symbolischen, klassischen und romantischen Kunst.

2 Vgl. ebd. S.106.

3 Vgl. ebd. S.106

4 Vgl. ebd. S.107-108

5 Vgl. ebd. S.108

6 Uruk: heute Ruinenstadt Warka im südlichen Irak, etwa 4000 v. Chr. gegründet, bedeutende Kultur- und Kultstätte der Sumerer; 3000-2700 Hauptstadt Babyloniens

7 Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Einleitung in die Ästhetik, Mit den beiden Vorreden von Heinrich Gustav Hotho. Wilhelm Fink Verlag München 1985, S. 108.

8 Vgl. ebd. S.108

9 Vgl. ebd. S. 108

10 Gethmann-Siefert, Annemarie (Hrsg.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Kunst, Felix Meiner Verlag Hamburg 2003.

11 Vgl. ebd. S. 45

12 Vgl. ebd. S. 108

13 Vgl. ebd. S. 108

14 Vgl. ebd. S. 108

15 Vgl. ebd. S. 108

16 Vgl. ebd. S. 108

17 Vgl. ebd. S. 108

18 Vgl. ebd. S. 109

19 Vgl. ebd. S. 109

20 Vgl. ebd. S. 109

21 Geyer, Angelika: Jenaer Hefte zur Klassischen Archäologie. Abgüsse aus dem Ehemaligen Archäologischen Museum der Friedrich-Schiller Universität, Jena 1997, S. 32.

22 Vgl. ebd. S. 32

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Über die Einteilung der Kunst
Untertitel
Eine kunsthistorische Auseinandersetzung
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Kunsthistorisches Seminar und Kustodie)
Veranstaltung
Einführung in die Ästhetik
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V175467
ISBN (eBook)
9783640964390
ISBN (Buch)
9783640964161
Dateigröße
2377 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
georg, wilhelm, friedrich, hegel, einteilung, kunst, eine, auseinandersetzung
Arbeit zitieren
Peggy Ott (Autor), 2008, Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Über die Einteilung der Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175467

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