Die organisatorische Einbindung vom Compliance-Management in das Unternehmen


Seminararbeit, 2011
24 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Compliance
2.1. Definition
2.2. Ursprung
2.3. Rechtliche Aspekte der Compliance

3.Welche Ziele verfolgt Compliance Management?
3.1. Allgemein
3.2. Die wichtigsten Ziele der Compliance

4. Welche Funktionen erfüllt Compliance Management?
4.1. Die Schutzfunktion
4.2. Die Informations- und Beratungsfunktion
4.3. Die Kommunikations- und Marketingfunktion
4.4. Die Überwachungsfunktion

5. Organisatorische Einbindung in das Unternehmen
5.1. Allgemein
5.2. Compliance als Teil von bestehenden Abteilungen
5.2.1. Übertragung der Compliance-Verantwortung an die Interne Revision
5.2.2. Übertragung der Compliance-Verantwortung an die Rechtsabteilung
5.2.3. Übertragung der Compliance-Verantwortung an die Personalabteilung
5.3. Die Organisation von Compliance als eigenständige Abteilung
5.3.1. Allgemein
5.3.2. Mögliche Implementierungsansätze der Compliance Organisation

6. Abgrenzung des Compliance Managements von anderen internen Kontrollinstanzen
6.1. Abgrenzung von der Corporate Governance
6.2. Abgrenzung vor der Internen Revision
6.3. Abgrenzung vom Risikomanagement

7.Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Compliance ist ein internationales und vor allem immer mehr präsentes Thema. Zahlreiche Unternehmensskandale, Haftungsfälle bei Vorständen und Aufsichtsräten von namenhaften Unternehmen wie die Schmiergeldaffäre von der Siemens AG, oder die tatverdachtslose Überprüfung von Mitarbeitern der Deutschen Bahn, die einen hohen Bußgeldbescheid zufolge hatte, verdeutlichen die Notwendigkeit eines einheitlichen Compliance-Managements im Unternehmen.

Zudem legen Regeln, Gesetze und interne Standards, der Wunsch nach mehr Transparenz aber auch die steigenden Ansprüche der Stakeholder die Messlatte für gute Unternehmensführung immer höher. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss die Unternehmensführung die Compliance organisatorisch wirksam in das Unternehmen einbinden.

Die vorliegende Arbeit untersucht die Organisation von Compliance im Unternehmen. Zu Beginn der Arbeit werden einige wichtige Grundlagen wie die Begriffsdefinition, der Ursprung und die rechtlichen Aspekte der Compliance aufgeführt. Um die Bedeutung der Compliance für die Unternehmen zu veranschaulichen, werden in den darauffolgenden Kapiteln zunächst die wichtigsten Ziele und Funktionen der Compliance kurz beschrieben, bevor die organisatorische Einbindung der Compliance in Kapitel fünf untersucht wird. Im Rahmen dieser Untersuchung werden in erster Linie die wichtigsten Elemente der organisatorischen Einbettung der Compliance in das Unternehmen vorgestellt, welche ausschlaggebend für die erfolgreiche Umsetzung der Compliance-Organisation sind. Anschließend folgt eine Darstellung und Bewertung möglicher Unternehmensbereiche, die für die Übertragung der Compliance-Verantwortung in Frage kommen. Dabei wird deutlich, dass dieser Ansatz keine ausreichende Lösung für große Unternehmen darstellt. Daraufhin wird die Organisation von Compliance als eigenständige Abteilung behandelt.

Kapitel sechs untersucht im weiteren Verlauf der Arbeit die Abgrenzung des Compliance-Managements von der Corporate Governance, der Internen Revision und dem Risikomanagement.

Daraus wird ersichtlich, dass die Interaktionen zwischen diesen Funktionen innerhalb eines einheitlichen Organisationsmodells des Compliance-Managements hinsichtlich einer in der heutigen Zeit erfolgreichen Unternehmensführung unumgänglich ist.

2. Compliance

2.1. Definition

„Der Begriff Compliance bezeichnet die Gesamtheit aller zumutbaren Maßnahmen. die das regelkonforme Verhalten eines Unternehmens, seiner Leistungs-- und Aufsichtsorgane sowie seiner Organisationsmitglieder im Hinblick auf alle gesetzlichen Ge-und Verbote begründen. Corporate Compliance kann- muss aber nicht- als ein Teil der ordnungsgemäßen Unternehmensführung (Corporate Governance) angesehen werden. Es handelt sich dabei um eine Selbstverpflichtung des Unternehmens bzw. seiner Organe.“1

Als zumutbare Maßnahmen werden in betriebswirtschaftlichen Dimensionen die Transaktionskosten gemeint, die in Kauf genommen werden müssen, um solch eine Organisation im Unternehmen aufzubauen.

Die Voraussetzung für ein Regelkonformes Verhalten im Unternehmen ist, dass Regeln bzw. Normen sowie die erwarteten Sanktionen bei Nichtverfolgung explizit gegeben sind und diese für alle Organisationsmitglieder bekannt und verständlich gemacht sind.2

Nach Deutschen Corporate Governance Kodex ( DCGK) vom 14. Juni 2007 wird der Begriff Compliance in Ziffer 4.1.3 DCGK wie folgt definiert:

„Der Vorstand hat für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und der unternehmensinternen Richtlinien zu sorgen und wirkt auf deren Beachtung durch die Konzernunternehmen hin ( Compliance).“3 Mit dieser Definition hat die Kodex Kommission die Pflicht zur Compliance nicht nur auf die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen beschränkt. Hierbei ist das unternehmensinterne Regelwerk miteinbezogen, sodass sich die Compliance-Verantwortung über die Einhaltung von Bestimmungen von Satzung und Geschäftsordnung hinaus auch auf die Ethik-Richtlinien, Merk- und Informationsblätter, Unterschriftenregelungen, Arbeitsanweisungen und Konzernrundschreiben erstreckt.4

„ Compliance dient der Risikovorbeugung und der Schadenabwehr im Unternehmen. Sie ist regelmäßig geeignet, Schadenersatzansprüche Dritter gegen die Gesellschaft (sog. Außenhaftung) abzuwehren, wie auch Ansprüche der Gesellschaft gegen die Mitglieder des Geschäftsleitungs- und des Aufsichtsorgans (sog. Innenhaftung) zu vermeiden.“5

Compliance kann auch als Teil des Risikomanagements betrachtet werden, zu dessen Einrichtung und Unterhaltung der Vorstand einer AG im Hinblick auf die existenzgefährdenden Risiken verpflichtet ist. Die Verantwortung der Risikofrüherkennung und Risikoprävention ist der Compliance übertragen. Dennoch kann auch eine verbindliche Compliance-Organisation sämtliche Regelverstöße nicht ausschließen, deshalb ist die Compliance beim Eintritt einer Krise durch einen Regelverstoß auch zur Krisenbewältigung und Schadenminderung berufen.6

2.2. Ursprung

Der Begriff Compliance hat den Ursprung in den Comercial-Banks und den Investmentbanken in den USA. Aufgrund einigen spektakulären Insiderfällen wurden im Jahr 1988 die externen Anforderungen an die Organisation von Investmentbanken durch den ITSFEA verschärft. Zu dieser Zeit verstärkte sich auch der öffentliche Druck auf die Investmentbanken eine Compliance-Orgenisation zu errichten und stärker mit der SEC zu kooperieren. Diese etablierte sich jedoch erst nach einigen aufsehenerregenden Insiderfällen wie zum Beispiel Drexel Burnham Lambert Inc. und Salomon Brothers Inc., die gegen Kapitalmarktvorschriften verstoßen hatten. In solchen Fällen wurden von der SEC Sanktionen verhängt wie zum Beispiel hohe Geldstrafen, ein Austausch des Managements oder auch teilweise Geschäftseinstellungen.7

1992 wurde das angelsächsische Compliance-Konzept von der Deutschen Bank AG übernommen, um sicherzustellen, dass kapitalmarktrechtliche Verhaltensregeln eingehalten, Marktintegrität gewahrt und Interessenskonflikte vermieden wurden. Durch die Skandale um ENRON, WorldCom und einige andere Unternehmen wurden die Gesetze der SOX nicht nur für Banken, sondern für alle Unternehmen verbindlich. Dieses hatte eine drastische Verschärfung der Aufsichtspflichten von CEO8 und Board zur Folge und außerdem wurden von nun an die großen Unternehmen zur Einrichtung einer Compliance-Organisation verpflichtet.

In Deutschland wurde Siemens zwangsläufig aufgrund begangener Straftaten wie Schmiergeldzahlungen im Ausland und weiteren Korruptionsfallen zum Vorreiter des Compliance-Aufbaus.9

Inzwischen ist der Aufbau einer Compliance-Organistation zu einem Trend bzw. einer Notwendigkeit zum Überleben von Unternehmen geworden.

2.3. Rechtliche Aspekte der Compliance

Wie bereits im Punkt 2.1 definiert umfasst der Begriff „ Compliance“ die Gesamtheit der Maßnahmen , die das rechtmäßige Verhalten eines Unternehmens, der Leistungsund Aufsichtsorgane und seiner Mitarbeiter sicherstellen soll.

Mittlerweile gehören Corporate Compliance Maßnahmen zum zentralen Bestandteil der gesetzlichen Verpflichtungen von Managern. Bereits bei Unterlassung von Implementierung eines Corporate Compliance Systems im Unternehmen verstoßen die Manager gegen deren Sorgfaltspflicht und rechtfertigen hiermit im Falle eines Regelverstoßes den Schadenersatzanspruch der Gegenpartei.10

Mit Compliance soll nicht nur die Haftung eines Unternehmens erweitert werden, sondern es soll vielmehr präventiv umgesetzt werden, d.h den potenziellen gesetzlichen Verstößen soll vorgebeugt werden. „Insoweit lässt sich Compliance im Sinne eines Schutzschildes verstehen, der gegen wirtschaftliche und damit verbundene rechtliche Risiken eingesetzt werden kann.“11

In Deutschland existieren bis heute keine verbindlichen gesetzlichen Compliance-Regeln vielmehr sind die Unternehmen mit einer Vielzahl von Vorgaben konfrontiert, welche den Unternehmen bei der Erfüllung große Schwierigkeiten bereiten.12 Der Deutsche Corporate Governance Kodex und andere Regelwerke wie ICC-Verhaltenskodex für die Wirtschaft dokumentieren die Erwartungshaltung, dass Compliance selbstverständlicher Bestandteil guter Unternehmensführung ist.13 Corporate Compliance beinhaltet eine Vielzahl von Regeln und Rechtsnormen, die sich in zwei Kategorien aufteilen lassen:

1. Regeln für alle Unternehmen:
- Korruptionsverbot
- Wettbewerbs-und Kartellrecht
- Diskriminierungsverbot
- Urheberrecht
- Buchführungsvorschriften
- Steuerrecht

2. Regeln für Unternehmen mit bestimmtem Geschäftsbetrieb:
- Börsennotierte Unternehmen: Kapitalrecht ( Insiderhandel, Ad-Hoc Publizität)
- Banken und Finanzdienstleistungsunternehmen: Geldwäscheprävention, MA Risk-Vorschriften u.a.
- Produzierendes Gewerbe: Produkthaftung, Sicherheitsstandards, Spezielles Umwelt-und Gefahrengutrecht.14

Die Nichterfüllung der Comliance-Regelungen und Rechtsverstöße im Unternehmen kann dramatische Konsequenzen für das Unternehmen bedeuten, die vom Imageverlust über erhebliche finanzielle Einbußen bis hin zu strafrechtlichen Maßnahmen reichen. Einige Konsequenzen sind zum Beispiel:

- Gefährdung des Unternehmens durch negative Presseberichte
- Werteverfall für die Shareholder
- Eingreifen von Aufsichtsbehörden
- Betriebsstilllegung
- Unternehmenskrise, Gefährdung der Arbeitsplätze
- Bußgelder bis zu 10% des Konzernumsatzes
- Untersuchungshaft und Freiheitsstrafen für Manager
- Schadenersatzansprüche durch Kunden, Wettbewerber und Verbraucher
- Bedrohung der beruflichen Existenz der Organmitglieder15

Des Weiteren kann ein Unternehmen die Regeln der „Corporate Social Responsibility“ befolgen. Dies sind Maßnahmen, die das Unternehmen freiwillig befolgt, um das Allgemeinwohl zu fördern und ethischen, moralischen oder religiösen Werten zu dienen. „Corporate Social Responsibility“ ist aber im Gegensatz zu „Corporate Compliance“ keine Pflicht. In der Praxis aber werden sie häufig miteinander verknüpft.16

3.Welche Ziele verfolgt Compliance Management?

3.1. Allgemein

Das oberste Unternehmensziel ist die kontinuierliche und langfristige Wertsteigerung des Unternehmens, die eine nachhaltige Existenzsicherung gewährleisten soll. Wie schon in Punkt 2.3 erwähnt, können Compliance-Verstöße große Schäden verursachen. Neben den unmittelbaren finanziellen Schäden erleidet das Unternehmen auch Reputationsverluste, die hohe Kosten und eine Reduktion des Unternehmenswertes verursachen. Somit liegt es im Interesse des Unternehmens solche Schäden, die aus Compliance-Verstößen resultieren zu vermeiden bzw. zu minimieren.17

3.2. Die wichtigsten Ziele der Compliance

Um die Risiken der Haftung und die Risiken der Reputationsverluste und die daraus resultierende Wertminderung und Existenzgefährdung des Unternehmens zu minimieren, muss das Unternehmen im Stande sein die Hauptziele der Compliance erfolgreich in Praxis umzusetzen. Diese sind im Wesentlichen Haftungsprävention, Schadenbegrenzung und Reputationserhalt und -aufbau.

- Haftungsprävention:

Die Sicherstellung eines normenkonformen und ethischen Verhaltens der Unternehmensorgane stellt die Basis zur Erfüllung dieses Zieles dar. Hierbei sollen die unternehmensspezifischen Risiken, die das Verletzen von Normen betreffen, identifiziert und gesteuert werden.18

Durch die erfolgreiche Umsetzung der Haftungsprävention sollen die Mitarbeiter und Organe eines Unternehmens präventiv vor Fehlverhalten, ob fahrlässig oder vorsätzlich, bewahrt werden, indem sie sich zu einem normenkonformen Handeln bekennen und sich dementsprechend verhalten.19

Außerdem kann ein effizientes Compliance-Management die Schadenersatzansprüche von Dritten gegenüber der Gesellschaft und den Geschäftsführern vermeiden.

[...]


1 Axel Jäger; Christian Rödl u.a., Praxishandbuch Corporate Copmliance, Grundlagen, Checklisten, Implementierung, WILEY-VCH Verlag2009, 1. Auflage, S.57.

2 Vgl. Axel Jäger; Christian Rödl u.a., 2009, S. 57

3 Gregor Wecker; Hendrik van Laak u.a., Compliance in der Unternehmerpraxis, Gabler GWV Fachverlag 2009, 2. Auflage, S. 50.

4 Gregor Wecker; Hendrik van Laak u.a, 2009, S. 35.

5 Gregor Wecker; Hendrik van Laak, Compliance in der Unternehmerpraxis, Grundlagen, Organisation und Umsetzung, Gabler GWV Fachverlag 2008. 1 Auflage, S.31.

6 Vgl. Gregor Wecker; Hendrik van Laak, 2008, S. 31-32

7 Vgl. Jürgen Ehrler, Compliance in den Universalbanken Strategien für das Management von Interessen konflikten, Gabler Verlag 1997, Band24, S. 107

8 chief executive officer

9 Vgl. http://www.managerismus.com/e2_compliance.html

10 Vgl. Stefan Behringer, Compliance Kompakt Best Praktice im Compliance-Management, Erich Schmidt Verlag2010, S.47

11 StefanBehringer, 2010, S.48

12 Vgl. StefanBehringer, 2010, S.48

13 Vgl.Wieland, Steinmeyer u.a., Handbuch Compliance-Management konzeptionelle Grundlagen, praktische Erfolgsfaktoren, globale Herausforderungen, Erich Schmidt Verlag 2010, S.172

14 Vgl.Wieland, Steinmeyeru.a., 2010, S 175

15 Vgl. Gregor Wecker; Hendrik van Laak u.a, 2009, S. 38.

16 Vgl.Wieland, Steinmeyeru.a., 2010, S 172

17 Vgl. Lars Jung, Corporate-Compliance-Berichtserstattung in Deutschland. Eine theoritische und empirische Analyse, Gabler Verlag, 1.Auflage 2010, S.10

18 Vgl.Dirk Pupke, compliance and corporate Performance the impakt of Compliance koordination on Corporate Performance, Book on Demand GmbH, 1. Auflage 2008, S. 28

19 Vgl. Lars Junc 2010, S.11

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Details

Titel
Die organisatorische Einbindung vom Compliance-Management in das Unternehmen
Hochschule
Universität Hamburg  (Wirtschaft- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Ausgewählte Fragen der Compliance und der Wirtschaftsprüfung
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V175554
ISBN (eBook)
9783640965960
ISBN (Buch)
9783640966400
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einbindung, compliance-management, unternehmen
Arbeit zitieren
Soheila Hajibigli (Autor), 2011, Die organisatorische Einbindung vom Compliance-Management in das Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175554

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