Praxisbezogene Leitfäden zu Sicherheit und Verantwortung bei Produktionen und Veranstaltungen für Profis und Experten gibt es viele. Diese Handbücher sind jedoch sehr allgemein gehalten und nicht auf die Gegebenheiten des jeweiligen Veranstaltungsorts abgestimmt. Darüber hinaus sind sie oft zu vielschichtig und zu unübersichtlich für Laien bzw. Kunden, die mit ihrem Veranstaltungsvorhaben an die professionellen Veranstalter herantreten und häufig von den komplexen Zusammenhängen und Erfordernissen einer erfolgreichen Produktion überfordert sind.
Meiner Meinung nach ist es sinnvoller und praktikabler, einen Leitfaden zur Verfügung zu haben, in dem die Maßgaben aller relevanten Verordnungen und Gesetze konkret für einen Veranstaltungsort herausarbeitet sind. Hierzu sollen maßgeblich entsprechende Checklisten, die auf den Veranstaltungsort zugeschnitten sind, zur praxistauglichen Einhaltung dieser Vorschriften dienen. Die Checklisten sind meiner Ansicht nach praktikable und umsetzbare Hilfsmittel, um die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten sowie Arbeitsabläufe zu vereinfachen und zu standardisieren.
Der Veranstaltungsort, um den es in der vorliegenden Arbeit gehen soll, ist die arena Berlin in Berlin-Treptow. Unter Berücksichtigung der besonderen dortigen Gegebenheiten in Bezug auf baurechtliche Zulassung, Betrieb etc. möchte ich eine Anleitung geben, wie Veranstaltungen dort vor Ort sicherer gemacht werden können – zum Beispiel, unter welchen Arbeitsbedingungen die Helmpflicht eingehalten werden muss, damit kein Mitarbeiter verunglückt. Neben dem kommentierenden und erklärenden Teil meiner Arbeit erfüllen vor allem die Checklisten diesen Zweck. Nicht nur für Profis wird somit der tägliche Arbeitsalltag erleichtert, sondern auch interessierte Kunden können sich einen allgemeinen Überblick über die Sicherheit und die Verantwortung von Veranstaltungen und Produktionen verschaffen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung, Fragestellung und Vorgehensweise
2 Die Geschichte der arena
3 Fragen der Verantwortung und Sicherheit
4 Gefährdungsanalyse für die arena
5 Sicherheits- und Arbeitsschutzplan für die arena
6 Vorteil und Notwendigkeit von Checklisten
6.1 Handhabung von Checklisten
7 Checkliste Veranstaltung
8 Checkliste BGV C1
9 Checkliste BetrVO
10 Checkliste Strom
11 Checkliste Beschäftigte
12 Checkliste Fremdpersonal
13 Checkliste Rigging
14 Checkliste Lasten
15 Checkliste Ton
16 Checkliste Catering
17 Checkliste Messe- und Galanutzung
18 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Sicherheit und Verantwortung bei Produktionen und Veranstaltungen unter Bedingungen von Zeitdruck und Stress in der "arena Berlin" praktisch gewährleistet werden können. Ziel ist die Entwicklung eines praxisnahen Leitfadens, der gesetzliche Vorschriften durch spezifische Checklisten in den Arbeitsalltag integriert und standardisiert.
- Sicherheitsanforderungen und Verantwortlichkeiten bei Veranstaltungen
- Gefährdungsanalyse für spezifische Veranstaltungsorte
- Rechtliche Grundlagen (z.B. BetrVO, ArbSchG) und deren Umsetzung
- Optimierung von Arbeitsprozessen durch Checklisten-Systeme
- Besonderheiten beim Rigging, bei elektrischen Anlagen und beim Brandschutz
Auszug aus dem Buch
Einführung
Wo gearbeitet wird, da passieren Fehler, und wo unter hoher Belastung gearbeitet wird, nehmen die Fehler eher zu als ab. Viele Fehler schmälern nur das künstlerische Ergebnis. Das ist nicht erfreulich, kann aber in gewissen Grenzen akzeptiert werden. Fehler können jedoch auch zu Unfällen führen, sie können zu Verletzungen, gar zum Tode führen. Das ist auf keinen Fall akzeptabel.
Die Besonderheiten der Veranstaltungstechnik führen leider zu einem recht hohen Gefährdungsniveau: Einerseits werden die Anlagen meist unter hohem Zeitdruck errichtet und oft nicht ausreichend geprüft, geschweige denn ordentlich erprobt. Andererseits werden diese Anlagen in unmittelbarer Nähe von Publikum und Künstlern betrieben. Beide Gruppen wollen sich um ihre Sicherheit keine Gedanken machen müssen, sind teilweise in emotionalen Ausnahmezuständen und stehen nicht selten auch unter dem Einfluss von Alkohol. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass es sich dabei nicht nur um eine theoretische Gefahr handelt: zusammenbrechende Riggs, abbrennende Diskotheken, zu Tode gequetschte Konzertbesucher – zuletzt bei der Love-Parade in Duisburg 2010. Es ist bereits genug passiert, als dass man das Thema Sicherheit bei Veranstaltungen ignorieren könnte.
Diese Problematik ist natürlich auch dem Gesetzgeber und anderen regelsetzenden Instanzen nicht verborgen geblieben. Schon auf die verheerenden Theaterbrände des 19. Jahrhunderts – wie z. B. dem Brand des Ringtheaters in Wien 1881 – wurde mit Polizeiverordnungen und Bauvorschriften geantwortet, die Vorgänger der jetzigen Versammlungsstättenverordnungen sind. Dazu kommt die Arbeitsschutzgesetzgebung, die nicht spezifisch für die Veranstaltungstechnik ist, dort aber Auswirkungen hat. So beinhaltet sie etwa das duale System, in dem sowohl Behörden (beispielsweise Landesämter für Arbeitsschutz) als auch Berufsgenossenschaften sich des Themas annehmen. Die zuständige Berufsgenossenschaft und die Unfallkassen haben sich des Themenkreises Veranstaltungstechnik recht intensiv und auch sehr kompetent angenommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung, Fragestellung und Vorgehensweise: Einleitung in die Problematik der Sicherheit in der Veranstaltungstechnik und Zielsetzung der Arbeit zur praxisnahen Unterstützung durch Checklisten.
2 Die Geschichte der arena: Überblick über die bauliche Historie und Nutzung der arena Berlin sowie ihre baurechtliche Zulassung.
3 Fragen der Verantwortung und Sicherheit: Klärung der haftungsrechtlichen Zuständigkeiten zwischen Betreiber und Veranstalter sowie Definition der Begriffe "anerkannte Regeln der Technik" und "Stand der Technik".
4 Gefährdungsanalyse für die arena: Erläuterung der Notwendigkeit und Umsetzung einer Gefährdungsanalyse zur Dokumentation von Maßnahmen zum Besucher- und Beschäftigtenschutz.
5 Sicherheits- und Arbeitsschutzplan für die arena: Beschreibung eines exemplarischen Sicherheitsplans für eine Mustermesse zur schnellen Übersicht relevanter Vorschriften.
6 Vorteil und Notwendigkeit von Checklisten: Darlegung, warum Checklisten trotz der Komplexität des Arbeitsschutzes notwendige Hilfsmittel zur Vereinfachung und Standardisierung von Abläufen unter Zeitdruck sind.
7 Checkliste Veranstaltung: Beschreibung der Basis-Checkliste, die Stammdaten und die wichtigsten Verantwortlichen einer Veranstaltung erfasst.
8 Checkliste BGV C1: Erläuterung der berufsgenossenschaftlichen Vorschrift C1 und deren Anforderungen an technische Einrichtungen in Veranstaltungsstätten.
9 Checkliste BetrVO: Zusammenfassung der Anforderungen aus der Betriebsverordnung hinsichtlich Rettungswegen, Bestuhlung und vorbeugendem Brandschutz.
10 Checkliste Strom: Erläuterung der Anforderungen an elektrotechnische Anlagen, Prüfungen und die Rolle der Elektrofachkraft.
11 Checkliste Beschäftigte: Fokus auf Arbeitssicherheit, persönliche Schutzausrüstung und das Verhalten in Gefahrensituationen für das Personal.
12 Checkliste Fremdpersonal: Behandlung rechtlicher Aspekte beim Einsatz von externem Personal sowie Überwachung der Arbeitszeiten.
13 Checkliste Rigging: Erläuterung technischer und sicherheitsrelevanter Aspekte bei der Lastenbefestigung und Nutzung von Traversensystemen.
14 Checkliste Lasten: Anforderungen an die Sicherung von ortsveränderlichen Geräten gegen Herabfallen.
15 Checkliste Ton: Maßnahmen zur Pegelbegrenzung und zum Gehörschutz sowie der Betrieb von Beschallungsanlagen.
16 Checkliste Catering: Regeln für den Einsatz von Koch- und Heizgeräten sowie Auflagen zur Abfallentsorgung.
17 Checkliste Messe- und Galanutzung: Spezifische Anforderungen an die Möblierung und Rettungswege bei erweiterten Nutzungskonzepten.
18 Zusammenfassung: Fazit über den Nutzen strukturierter Checklisten zur Unfallreduktion und rechtlichen Absicherung.
Schlüsselwörter
Veranstaltungssicherheit, Veranstaltungstechnik, arena Berlin, Arbeitsschutz, Gefährdungsanalyse, Checklisten, Haftung, Arbeitsschutzgesetz, Versammlungsstättenverordnung, Rigging, Lastensicherung, Brandschutz, Arbeitssicherheit, Elektrosicherheit, Pegelbegrenzung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verbesserung sicherheitsrelevanter Prozesse in der Veranstaltungstechnik in der arena Berlin, um gesetzliche Anforderungen trotz hoher Arbeitsbelastung und Zeitdruck praxisgerecht umzusetzen.
Welche zentralen Themenfelder deckt der Leitfaden ab?
Zu den Kernbereichen gehören rechtliche Verantwortlichkeiten, Brandschutz, Arbeitssicherheit für Beschäftigte und Fremdpersonal, elektrische Anlagen, das Rigging von Lasten sowie die Schallpegelüberwachung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Bereitstellung eines praxisorientierten Leitfadens mit spezifischen Checklisten, die als Hilfsmittel zur Einhaltung gesetzlicher Schutzziele und zur Standardisierung von Sicherheitsabläufen dienen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse bestehender Gesetze, Verordnungen und Berufsgenossenschaftlicher Vorschriften, die in Form von strukturierten Checklisten auf die konkreten Gegebenheiten der arena Berlin angewendet werden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der Verantwortlichkeiten und Gefährdungsanalysen sowie in die konkrete Vorstellung und Erläuterung der einzelnen Checklisten für verschiedene Gewerke und Veranstaltungstypen.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Veranstaltungssicherheit, arena Berlin, Arbeitsschutz, Gefährdungsanalyse, Checklisten, Rigging, Brandschutz und Haftung.
Warum wird für die "arena Berlin" ein eigenes Sicherheitskonzept benötigt?
Die arena Berlin ist ein historisches Gebäudeensemble, das ursprünglich nicht für moderne Eventanforderungen gebaut wurde. Daher erfordert die baurechtliche Zulassung und der Betrieb spezifische Anpassungen an die örtlichen Gegebenheiten.
Wie werden Verantwortlichkeiten auf Dritte übertragen?
Verantwortlichkeiten können schriftlich auf Personen übertragen werden, wobei der Geschäftsherr sich von der Eignung und Zuverlässigkeit der Person überzeugen muss und die Kontroll- und Überwachungspflicht verbleibt.
Warum sind die Checklisten als "hierarchisch" konzipiert?
Die Hierarchie ermöglicht es, von detaillierten Anforderungen auf unterer Ebene bis zur Erfüllung von Schutzzielen auf der oberen Ebene zu gelangen, was die Strukturierung komplexer Sicherheitsanforderungen erleichtert.
- Citation du texte
- Johannes Meißner (Auteur), 2011, Sicherheit und Verantwortung bei Produktionen und Veranstaltungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175701