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1813 - Ein Wendejahr deutscher Geschichte?

Titel: 1813 - Ein Wendejahr deutscher Geschichte?

Magisterarbeit , 2010 , 127 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Heiko Ziemer (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Neuere Geschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Jahr 1813 wirkt wie ein Brennpunkt, in dem sich die epochalen Umbrüche der vorherigen Jahre sammeln und gebündelt auf die nachfolgenden Jahrzehnte weiterstrahlen. Das „Schicksalsjahr 1813“ wird von der Geschichtswissenschaft unterschiedlich beurteilt. Die Arbeit folgt den bestehenden Forschungslinien und versucht deren Objektivität zu beurteilen. Deshalb wird provokativ gefragt, ob es ein Befreiungskrieg der Fürsten war, ein Freiheitskrieg der Patrioten oder ein Volkskrieg der Armen? Wer waren die führenden Agitatoren in den Befreiungskriegen und wieviel trug ihr Handeln zur Herausbildung einer deutschen Nation bei? Die zentrale Frage lautet, wer die künftige Trägerschicht einer deutschen Nationalbewegung bildete und ob sich diese bereits 1813 erkennen ließ?

Eine zusätzliche Unterteilung erfolgt territorial: anhand des politischen und wirtschaftlichen Wandels lassen sich große regionale Unterschiede in Preußen und Norddeutschland, in den Rheinbundstaaten und in den von Frankreich annektierten linksrheinischen Gebieten aufweisen. Mit der Betrachtung der unterschiedlichen Trägerschichten und der Untersuchung verschiedener Regionen soll ein Querschnitt des „gesamten Deutschlands“ unternommen werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ein Befreiungskrieg der Fürsten?

1.1 Preußens zerstörtes Selbstbewusstsein

1.1.1 Wandel der Loyalität: Die Konvention von Tauroggen

1.1.2 Friedrich Wilhelm III. – Preußens zaudernder Monarch

1.2 Der umworbene Bündnispartner Österreich

1.3 Die neue Souveränität der Rheinbundstaaten von Napoleons Gnaden

2. Ein Freiheitskrieg der Patrioten?

2.1 Preußisch-Deutsche Patrioten

2.1.1 Konstruktion des deutschen Nationalcharakters

2.1.2 Die deutsche Öffentlichkeit

2.1.2.1 Propaganda und Presse

2.1.2.2 Das Komitee für deutsche Angelegenheiten und die Deutsche Legion

2.1.3 Das Militär – Die Schule der Nation

2.1.3.1 Demokratisierung des Heeres

2.1.3.2 Die Freiwilligenverbände

2.1.4 Patriotische Frauen

2.2 Das Volkstum der Deutsch-Österreicher

2.3 Bürgerlicher Rheinbundpatriotismus

3. Ein Volkskrieg der Armen?

3.1 Preußen und Norddeutschland

3.1.1 Wandel der bestehenden Ordnung und wirtschaftlicher Niedergang

3.1.2 Kollektive Spendenbereitschaft und Gotteserfahrung

3.2 Die süddeutschen Reformstaaten

3.3 Die napoleonischen Modellstaaten

3.4 Die Sozialdisziplinierung der linksrheinischen Gebiete

Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Jahr 1813 als "Wendejahr" der deutschen Geschichte und hinterfragt kritisch, ob es sich dabei um einen Befreiungskrieg der Fürsten, der Patrioten oder der Armen handelte. Im Fokus steht die Analyse der unterschiedlichen Motive, sozialen Trägerschichten und regionalen Besonderheiten bei der Herausbildung einer deutschen Nationalbewegung im Kontext der napoleonischen Hegemonie.

  • Analyse der Rolle Preußens und Österreichs sowie der Rheinbundstaaten
  • Untersuchung der nationalen Mobilisierung und der Rolle der Öffentlichkeit
  • Bewertung militärischer Reformen und der Bedeutung von Freiwilligenverbänden
  • Betrachtung sozioökonomischer Auswirkungen wie der Kontinentalsperre
  • Differenzierte Darstellung der Partizipation verschiedener Bevölkerungsschichten

Auszug aus dem Buch

Wandel der Loyalität: Die Konvention von Tauroggen

König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) hatte unter der Regierung Hardenberg eine pro-französische diplomatische Ausrichtung eingenommen. Wenn auch nur widerwillig, mussten er und seine Berater sich eingestehen, dass das Königreich Preußen nur noch von Napoleons Gnaden existierte. Als sich abzeichnete, dass Napoleon die Kontinentalsperre gegen Russland notfalls durch einen Kriegszug gegen Russland durchsetzen wollte, stand Preußen vor der Entscheidung auf welcher Seite es stehen sollte. Friedrich Wilhelm III. entschloss sich für das vermeintlich kleinere Übel und wählte die Allianz mit Frankreich.

Daraufhin quittierten etwa 500 preußische Offiziere – ungefähr ein Viertel – ihren Dienst und traten in fremde Dienste ein. Boyen und Clausewitz gingen nach Russland. Nipperdey spricht von einem umstürzenden „Wandel der Loyalität: nicht mehr König, sondern [...] Vaterland und Nation [...] bestimmte das Pflichtgefühl.“ Es kam zu einem Wechsel von der dynastischen zur nationalen Legitimation. Andere Offiziere, so z. B. General Yorck, verblieben im preußischen Dienst, waren jedoch antifranzösisch eingestellt. Mit der Konvention von Tauroggen vom 30. Dezember 1812 leitete General Yorck eigenmächtig den Bündnisbruch mit Frankreich ein.

General Johann David Graf Yorck von Wartenburg (1759-1830), der den Rückzug des preußischen Hilfskorps nach dem gescheiterten Russlandfeldzug organisierte, stand unter dem unmittelbaren Eindruck der Niederlage Napoleons. Als sich günstige Umstände anboten, nutzte er eigenmächtig die Chance, ein Abkommen mit Russland abzuschließen und das Bündnis mit Frankreich zu lösen. Die Konvention von Tauroggen leitete den Wechsel in der Diplomatie Preußens ein.

Zusammenfassung der Kapitel

Ein Befreiungskrieg der Fürsten?: Beleuchtet den diplomatischen Umbruch Preußens von der Allianz mit Frankreich zur Abkehr unter Yorck und die Rolle der Monarchie.

Ein Freiheitskrieg der Patrioten?: Analysiert die Konstruktion des deutschen Nationalcharakters und die Rolle von Öffentlichkeit, Militärreformen und patriotischen Frauen.

Ein Volkskrieg der Armen?: Untersucht die sozialen Nöte, wirtschaftlichen Auswirkungen der napoleonischen Herrschaft und die Reaktionen der Bevölkerung in verschiedenen deutschen Regionen.

Schlüsselwörter

1813, Befreiungskriege, Preußen, Napoleon, Tauroggen, Nationalbewegung, Patriotismus, Rheinbund, Kontinentalsperre, Sozialgeschichte, Reformen, Bürgertum, Fremdherrschaft, Nationalcharakter

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Jahr 1813 als entscheidendes Wendejahr der deutschen Geschichte und prüft die verschiedenen Facetten und Deutungen der damaligen Ereignisse.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Themenfelder umfassen die diplomatischen Verwicklungen der Großmächte, die ideologische Konstruktion einer deutschen Identität sowie die sozioökonomische Lage der Bevölkerung unter der napoleonischen Herrschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wer die Trägerschicht der deutschen Nationalbewegung bildete und inwieweit diese bereits 1813 als solche erkennbar war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein historischer Querschnitt vorgenommen, der territoriale Unterschiede und verschiedene soziale Schichten einbezieht, um ein differenziertes Bild der Zeit zu zeichnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die drei Perspektiven: den Krieg der Fürsten (Diplomatie), den Krieg der Patrioten (Ideologie/Patriotismus) und den Krieg der Armen (soziale Auswirkungen/Widerstand).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Befreiungskriege, 1813, nationale Identität, Kontinentalsperre und der Wandel der Loyalitäten im frühneuzeitlichen Europa.

Welche Bedeutung kommt der Konvention von Tauroggen in der Arbeit zu?

Die Konvention wird als Wendepunkt der preußischen Diplomatie hervorgehoben, der den Bündnisbruch mit Frankreich einleitete und den Übergang von dynastischer zu nationaler Legitimation markierte.

Wie wird die Rolle der Frau in dieser Zeit bewertet?

Die Arbeit thematisiert die zunehmende Politisierung von Frauen durch patriotische Vereine und deren Rolle bei der materiellen und ideellen Unterstützung des Krieges.

Ende der Leseprobe aus 127 Seiten  - nach oben

Details

Titel
1813 - Ein Wendejahr deutscher Geschichte?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Note
1,3
Autor
Heiko Ziemer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
127
Katalognummer
V175769
ISBN (eBook)
9783640968961
ISBN (Buch)
9783640969418
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wendejahr geschichte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Heiko Ziemer (Autor:in), 2010, 1813 - Ein Wendejahr deutscher Geschichte?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175769
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Leseprobe aus  127  Seiten
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