Woran können gelungene Schreibaufgaben im Deutschunterricht der Grundschule erkannt werden? Es wurden Parameter nach Pissarek (2020) festgelegt, auf Grundlage derer Schreibaufgaben klassifiziert werden können. Des Weiteren entwarf Hanisch (2018) Aufgabenmerkmale, die die kognitive Aktivierung einer Aufgabe definieren.
Im Zuge des Seminars „Sprachgebrauch und Sprachreflexion Schreibaufgaben im Deutschunterricht“ an der Europa-Universität Flensburg im Frühjahrssemester 2022 wurde thematisiert, woran gelungene Schreibaufgaben im Deutschunterricht der Grundschule erkannt werden können. Es wurden Parameter nach Pissarek (2020) festgelegt, auf Grundlage derer Schreibaufgaben klassifiziert werden können. Des Weiteren entwarf Hanisch (2018) Aufgabenmerkmale, die die kognitive Aktivierung einer Aufgabe definieren. Als weiteren Punkt, um Schreibaufgaben zu analysieren, wurden in dem Seminar der Begriff Kompetenz sowie kognitive Strategien beim Schreiben nach Philipp (2013) thematisiert. Die eben genannten Kriterien dienen als Grundlage für die im Verlauf des Berichts folgende Analyse.
In diesem Bericht soll die Schreibaufgabe 1 auf ihren Mehrwert für den Deutschunterricht geprüft werden. Nach dieser Analyse erfolgt ein Vergleich der Schreibaufgabe 1 und der seminarbegleitenden Schreibaufgabe 2. Sie werden hinsichtlich des Parameters motivationale Wirkung nach Pissarek (2020) verglichen. Dabei spielt die Motivation der Schülerinnen und Schüler eine tragende Rolle. Alles in allem dienen die Analyse und der Vergleich als eine Reflexion der persönlichen Wissens- sowie Kompetenzaneignung, die in einer fachlichen Auseinandersetzung geprüft werden. Dies wird in einem abschließenden Fazit aufgegriffen und in einem Ausblick auf meine zukünftige Lehrpersönlichkeit reflektiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Analyse Schreibaufgabe 1
2.1 Parameter nach Pissarek (2020)
2.2 Kognitive Aktivierung nach Hanisch (2018)
2.3 Diskurse zum Schreiben nach Philipp (2013)
3 Vergleich der Schreibaufgaben
4 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Schwerpunkte
Der vorliegende Bericht befasst sich mit der Kriterien- und theoriegeleiteten Analyse sowie dem didaktischen Vergleich von Schreibaufgaben für den Deutschunterricht der Grundschule. Das primäre Ziel der Arbeit besteht darin, anhand etablierter fachdidaktischer Modelle die Qualität, kognitive Aktivierung und motivationale Wirkung von Schreibanlässen im Kontext des Märchens „Hänsel und Gretel“ systematisch zu untersuchen und deren praktischen Mehrwert für den Unterricht herauszuarbeiten.
- Kriteriengeleitete Aufgabenevaluation anhand der Parameter nach Pissarek (2020)
- Prüfung von Aufgabenmerkmalen zur kognitiven Aktivierung nach Hanisch (2018)
- Didaktische Verortung im Diskurs des kreativen Schreibens nach Philipp (2013)
- Vergleichende Analyse der motivationalen Wirkung zwischen einer produktionsorientierten Beschreibung und einem perspektivischen Tagebucheintrag
- Bedeutung von Entwicklungsaspekten wie dem kindlichen Egozentrismus und Differenzierungsmöglichkeiten im Grundschulunterricht
Auszug aus dem Buch
2.1 Parameter nach Pissarek (2020)
Pissarek (2020) beschreibt sieben Kriterien, die als eine Art Leitfaden zur Aufgabenevaluation dienen. Anhand dieser Kriterien soll nun die Schreibaufgabe 1 evaluiert werden.
Der erste Aspekt befasst sich mit der Wissensart. Diese Schreibaufgabe wird zunächst dem konzeptionellen Wissen zugeordnet, da den Schüler*innen bewusst sein muss, wie eine Beschreibung aufgebaut ist und was sie für Informationen enthält. Auf der anderen Seite kann die Aufgabe ebenfalls Faktenwissen inkludieren. Den Lernenden muss bewusst sein, welche Funktion das Knusperhäuschen in dem Märchen einnimmt und warum es Hänsel und Gretel anlockte. Somit beinhaltet die Schreibaufgabe zwei ineinandergreifende Wissensarten.
Werden nun die kognitiven Prozesse betrachtet, kann diese Aufgabe in den Bereich des nahen Transfers eingeordnet werden. Das Beschreiben von Gegenständen ist eine gängige Aufgabe in der Grundschule, weshalb den Schüler*innen ähnliche Aufgaben bereits bekannt sind. Eine Differenz ist, dass sie sich selbst Gedanken machen müssen, was ihnen gefallen und was sie anlocken würde.
Den Lebensweltbezug nennt Pissarek (2020) als dritten Aspekt. Hier ist der konstruierte Bezug passend. Dass ein Knusperhäuschen entsteht, welches an die Vorlieben und Interessen der Schüler*innen angepasst ist, wird in der realen Welt vermutlich nicht auftreten. Nichtsdestotrotz verbindet die Aufgabe das literarische Lernen mit der Lebenswelt der Schüler*innen und lässt somit einen konstruierten Lebensweltbezug zu.
Diese Aufgabe spricht unterschiedliche Kompetenzbereiche an. Einerseits wird durch das gemeinsame Lesen vor der Aufgabe die Kompetenz des Lesens beansprucht. Wenn über das Märchen anschließend gesprochen und reflektiert wird, wird ebenfalls der Bereich Sprechen angesprochen. Da es sich um eine Aufgabe handelt, in der das Knusperhäuschen schriftlich beschrieben werden soll, spielt der Kompetenzbereich des Schreibens ebenfalls eine Rolle. Somit kann die Aufgabe inklusive ihrer Vorbereitung und Vorarbeit als integrativ angesehen werden.
Kapitelübersichten
1 Einleitung: Führt in den theoretischen Rahmen des Seminars ein und benennt die zugrunde gelegten didaktischen Modelle sowie das Vorhaben, zwei Schreibaufgaben zu „Hänsel und Gretel“ vergleichend zu untersuchen.
2 Analyse Schreibaufgabe 1: Stellt die erste Schreibaufgabe („Welches Knusperhäuschen würde dich anlocken?“) vor und analysiert deren Aufbau, Vorbereitung und didaktische Einbettung.
2.1 Parameter nach Pissarek (2020): Untersucht die Aufgabe anhand von Kriterien wie Wissensart, kognitive Prozesse, Lebensweltbezug, Kompetenzbereiche, sprachliche Komplexität und Offenheit.
2.2 Kognitive Aktivierung nach Hanisch (2018): Beleuchtet Aspekte wie Nachvollziehbarkeit, Sozialform, Differenzierungsmöglichkeiten, geforderte Wissensarten und inhaltliche Korrektheit.
2.3 Diskurse zum Schreiben nach Philipp (2013): Setzt die Schreibaufgabe in Bezug zum Diskurs „Schreiben als Ausdruck individueller Kreativität“ und diskutiert Chancen sowie Herausforderungen fehlender Textmustervorgaben.
3 Vergleich der Schreibaufgaben: Vergleicht Schreibaufgabe 1 (Gestaltung eines Knusperhäuschens) mit einer zweiten Aufgabe (Tagebucheintrag aus Figuren-Perspektive) im Hinblick auf ihre motivationale Wirkung und entwicklungspsychologische Eignung.
4 Fazit und Ausblick: Reflektiert die Ergebnisse der Aufgabenanalyse, zieht Konsequenzen für die künftige Unterrichtspraxis und betont den Wert theoriegeleiteter Kriterien für die Aufgabenauswahl.
Schlüsselwörter
Deutschunterricht, Schreibdidaktik, Schreibaufgaben, Grundschule, Hänsel und Gretel, Kognitive Aktivierung, Pissarek, Hanisch, Philipp, Motivation, Differenzierung, Perspektivenübernahme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der kriteriengeleiteten Analyse und dem Vergleich von Schreibaufgaben im Deutschunterricht der Primarstufe, veranschaulicht anhand des Märchens „Hänsel und Gretel“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Kernbereichen gehören fachdidaktische Kriterien für Schreibaufgaben, kognitive Aktivierung von Lernenden, motivationale Effekte bei Schreibanlässen sowie Differenzierungs- und Reflexionsmöglichkeiten im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die systematische Beurteilung des didaktischen Mehrwerts einer Schreibaufgabe mittels wissenschaftlicher Kriterienkataloge und der vergleichende Nachweis, welche Aufgabenformate Grundschulkinder nachhaltig zum Schreiben motivieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoriegeleitete, qualitative Text- und Aufgabenanalyse angewandt, die sich auf etablierte didaktische Modelle von Pissarek (2020), Hanisch (2018) und Philipp (2013) stützt.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil analysiert eine Schreibaufgabe zur Beschreibung eines individuellen Knusperhäuschens hinsichtlich Wissensart, Kognition, Komplexität und Differenzierung und vergleicht diese anschließend mit einer Aufgabe zur Perspektivenübernahme bezüglich motivationaler Faktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Schreibdidaktik, Deutschunterricht, Grundschule, kognitive Aktivierung, motivationale Wirkung, Differenzierung und Märchenunterricht.
Worin unterscheiden sich die beiden im Text verglichenen Schreibaufgaben?
Schreibaufgabe 1 regt die Kinder an, ein eigenes Knusperhäuschen nach persönlichen Vorlieben zu beschreiben und optional zu zeichnen, während Schreibaufgabe 2 das Verfassen eines Tagebucheintrags aus der Sicht einer Märchenfigur verlangt.
Warum schneidet Schreibaufgabe 1 im Bereich der Motivation besser ab als Schreibaufgabe 2?
Aufgabe 1 knüpft direkt an die persönlichen Wünsche und Fantasien der Kinder an. Aufgabe 2 erfordert hingegen eine anspruchsvolle Perspektivenübernahme fremder Figuren, was jüngere Grundschulkinder aufgrund des entwicklungsbedingten Egozentrismus vor motivationale und kognitive Barrieren stellen kann.
Welche didaktischen Differenzierungsmöglichkeiten werden für Schreibaufgabe 1 aufgezeigt?
Als differenzierende Hilfen werden das Zeichnen und Beschriften von Skizzen für schwächere Schülerinnen und Schüler, vorgegebene Satzanfänge als Strukturierungshilfe sowie kooperative Partnerarbeit vorgeschlagen.
- Quote paper
- Tjara Rogge (Author), 2022, Gelungene Schreibaufgaben in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1759270