In diesem theoretischen Projekt soll erörtert werden, inwieweit Tiergestützte Intervention (TGI) mit einem Hund positive Auswirkungen auf das Verhalten von Kindern mit einem diagnostizierten frühkindlichen Autismus aufzeigen kann. In den ersten Kapiteln wird das Thema Autismus beleuchtet, wobei sich zuerst mit einer Autismus-Spektrum-Störung befasst wird. In einem weiteren Kapitel wird der frühkindliche Autismus näher beleuchtet. Danach wird näher auf die TGI eingegangen. In einer Zusammenfassung beider Variablen und einer Gegenüberstellung soll dies erörtert werden. Zielsetzung dieses Projekts liegt darin, Erkenntnisse zu gewinnen, inwiefern die Tiergestützte Intervention mit Hund zu einer Verbesserung der Kommunikation, der sozial-emotionalen und Sprachentwicklung beitragen können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Was ist ein Autismus
1.1. Was ist ein Frühkindlicher Autismus?
1.2. Symptomatik
2. Entwicklung eines Kindes mit frühkindlichem Autismus
2.1. Auffälligkeiten in der Sozial-Emotionalen Kompetenz
2.2. Auffälligkeiten in der Kommunikation
2.3. Auffälligkeiten im Spielverhalten
2.4. Problematik in der Beziehungsgestaltung
3. Therapiemöglichkeiten
3.1. Verhaltensmodifikation nach Lovaas
3.2. TEACCH
4. Geschichte der Tiergestützten Intervention mit Hund
5. Theoretische Grundlagen der Tiergestützten Intervention
5.1. Die Biophilie-Hypothese
5.2. Das Konzept der Du Evidenz
5.3. Bindung und Stress
6. Der Hund
7. Mensch-Hund-Beziehung
7.1. Wirkung des Hundes auf die Psyche eines Kindes
7.2. Die Rolle des Hundes in der TGI
7.2.1. Servicehund
7.2.2. Therapiehund
7.2.3. Sozialhund
8. Hypothesengenerierung
8.1. Zusammenfassung
8.1.1. Zusammenfassung des Frühkindlichen Autismus (abhängige Variable)
8.1.2. Zusammenfassung der TGI mit Hund (abhängige Variable)
8.2. Zusammenfassungsanalyse
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit besteht darin, theoretisch zu analysieren und zu erörtern, inwieweit tiergestützte Interventionen (TGI) unter Einsatz eines Hundes positive Auswirkungen auf das Verhalten, die Kommunikation sowie die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern mit diagnostiziertem frühkindlichem Autismus entfalten können. Dabei wird untersucht, wie die spezifischen Wesensmerkmale des Hundes und nonverbale Interaktionsformen therapeutische Barrieren abbauen und Entwicklungsimpulse setzen können.
- Klinisches Erscheinungsbild, Symptomatik und Entwicklungsbesonderheiten des frühkindlichen Autismus
- Pädagogisch-therapeutische Förderansätze wie das Lovaas-Konzept und das TEACCH-Programm
- Theoretische Fundierung der Mensch-Tier-Beziehung anhand der Biophilie-Hypothese, der Du-Evidenz sowie neurobiologischer Bindungs- und Stressmechanismen
- Funktionen und Einsatzrollen des Hundes in der tiergestützten Intervention als Übergangs-, Motivations- und Identifikationsobjekt sowie als Sozialkatalysator
- Differenzierung der Einsatzbereiche von Assistenzhunden in Service-, Therapie- und Sozialhunde
- Hypothesengenerierung über das Potenzial von Hunden zur Förderung von Kommunikation, Stressreduktion und Beziehungsaufbau bei autistischen Kindern
Auszug aus dem Buch
6. Der Hund
Es gibt keine Tierart, die derart mit den Menschen verbunden ist, wie der Hund. Dieser wurde schon seit Urzeit auf vielfältige Art und Weise eingesetzt, z.B. als Nutz- und Arbeitstier (Schutz-, Hüte- oder Jagdhunde). Hunde gelten als verlässliche, treue Partner, zudem als geduldige nicht wertende Zuhörer und bieten in der sozialen Interaktion mit anderen Hundebesitzern Anknüpfpunkte für Gespräche. Sie vermitteln bei Menschen das Gefühl seiner selbst Willen akzeptiert und angenommen zu werden. Sie geben ein Gefühl der Geborgengeit und vermitteln Spaß, Freude und Unbefangenheit im Umgang mit ihnen (vgl. Vernooij & Schneider 2013 ;190).
Die Hauptanschaffungsgründe, die dazu führen sich einen Hund zu holen, ist bei Familien i.d.R. der Kinder wegen, als Gefährte gegen Einsamkeit, für einen regulierten Tagesablauf oder aus gesundheitlichen Gründen (Zwang zur Bewegung) (vgl. mein-haustier.de). Besonders Hunde fungieren für viele Menschen als Partner oder Kinderersatz. Die subjektiven Interpretationen der tierischen Reaktionen ermöglichen den Menschen eine Schein- bzw. Teilbefriedigung, da das Tier nicht dazu in der Lage ist Sachverhalte richtig zu stellen bzw. Interpretationen zu korrigieren. Emotionale und soziale Defizite können so mit Hilfe eines Hundes kompensiert werden, z.B. bei Kampfhunden, wo das Problem immer wieder durch die Medien geht. Es ist aber Fakt, dass Tiere dieser Rasse bei normaler Sozialisation und Erziehung liebenswert und i.d.R. unauffällig sind. Erst durch Haltung und Dressur erscheint die von der Natur geprägte Aggressivität als Hauptmerkmal. Wo der Staffordshire Bullterrier in Deutschland auf der Liste der gefährlichen Rassen geführt wird, werden diese in den USA als gängige Therapiehunde geführt. (vgl. Feddersen & Petersen 2001: 175-187).
Vor allem kleine Rassen, wie Chihuahua, werden oftmals als Prestigeobjekt genutzt. Der Hund wird als Kind angesehen und in Handtaschen herumgetragen.
Die Verantwortung hinsichtlich der Ausprägung des individuellen Hundeverhaltens liegt beim Hundehalter, da das Spektrum des Sozialverhaltens des Hundes entscheidend anhängig von spezifischen sozialen Kontakten in bestimmten Entwicklungsphasen ist. Es gibt eine Vielfalt von Mensch-Tier-Beziehungen, die durch „ritualisierte Missverständnisse“ auf beiden Seiten wegen mangelnder Kenntnisse über den Hund gekennzeichnet sind. Dem Hund wird so in Folge ein „unerwünschtes“ Verhalten antrainiert (vgl. ebd.).
Hunde werden für die TGI besonders gerne mobilisiert, da sie in unserer heutigen Gesellschaft und Kultur zu festem Bestandteil gehören. Außerdem haben viele Kinder schon Kontakte zu anderen Hunden gehabt, sodass man auf die positiven und auch die negativen Vorerfahrungen aufbauen kann (vgl. Otterstedt 2007 ;122). Des Weiteren haben Hunde den Umgang mit Menschen gelernt und wissen instinktiv über die Stimmung des Menschen Bescheid, ohne sich darauf konzentrieren zu müssen, und richten aus diesem Grund ihr Verhalten danach aus (vgl. Trümler 1997 ;171 in Vernooij und Schneider 2013 ;190).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung thematisiert die historische Bindung zwischen Mensch und Hund sowie die ersten therapeutischen Einsätze durch Boris Levinson und skizziert die Fragestellung nach den Effekten von Hunden auf Kinder mit frühkindlichem Autismus.
1. Was ist ein Autismus: Das Kapitel erläutert die historische Begriffsbestimmung nach Bleuler und Kanner, die Einordnung im ICD-10 sowie die genetischen Ursachen und Kernsymptome autistischer Störungsbilder.
2. Entwicklung eines Kindes mit frühkindlichem Autismus: Hier werden die typischen Einschränkungen von Kindern im Spektrum detailliert dargestellt, insbesondere hinsichtlich sozial-emotionaler Kompetenzen, Auffälligkeiten in Sprache und Kommunikation, Stereotypien im Spielverhalten sowie Hemmnissen beim Beziehungsaufbau.
3. Therapiemöglichkeiten: Das Kapitel stellt bewährte Förderansätze wie das verhaltensorientierte Lovaas-Konzept und das strukturgebende TEACCH-Programm vor, welche auf eine Milderung der Symptomatik und Alltagsbewältigung abzielen.
4. Geschichte der Tiergestützten Intervention mit Hund: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des Einsatzes von Tieren im Gesundheits- und Sozialwesen von den ersten Betreuungsformen im 9. und 18. Jahrhundert bis zur Professionalisierung und Verbandsbildung ab den 1990er-Jahren.
5. Theoretische Grundlagen der Tiergestützten Intervention: Die theoretischen Wirkmechanismen werden anhand von Konzepten wie der Biophilie-Hypothese, der Du-Evidenz sowie hormonellen Prozessen bei Bindung und Stressbewältigung dargelegt.
6. Der Hund: Der Abschnitt charakterisiert den Haushund in seiner besonderen sozio-kulturellen Rolle als verlässlicher Partner des Menschen und analysiert die Ursachen seines differenzierten Sozialverhaltens.
7. Mensch-Hund-Beziehung: Es wird die Bedeutung nonverbaler Kommunikation und taktiler Reize für die kindliche Psyche beleuchtet sowie die Rollenvielfalt von Hunden in der TGI zwischen Service-, Therapie- und Sozialhunden systematisiert.
8. Hypothesengenerierung: Durch eine Zusammenführung der Merkmale des frühkindlichen Autismus mit den Wirkungsweisen der tiergestützten Intervention werden theoretische Thesen zur Förderung von Empathie, Kommunikation und Entspannung formuliert.
9. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung des therapeutischen Nutzens von Hunden für autistische Kinder und verweist auf die sozial- und gesundheitspolitische Problematik mangelnder Kostenübernahmen durch Krankenkassen.
Schlüsselwörter
Frühkindlicher Autismus, Autismus-Spektrum-Störung, Tiergestützte Intervention, Hundegestützte Therapie, Mensch-Tier-Beziehung, Biophilie-Hypothese, Du-Evidenz, nonverbale Kommunikation, Oxytocin, Stressreduktion, Sozialhund, TEACCH
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen Zusammenhängen und Potenzialen der tiergestützten Intervention mit Hunden im Alltag von Kindern, die von frühkindlichem Autismus betroffen sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den thematischen Schwerpunkten gehören das Störungsbild des frühkindlichen Autismus, klassische pädagogisch-therapeutische Fördermodelle, die theoretischen Konzepte der Mensch-Tier-Beziehung sowie die methodische Einbindung und Wirkung von Hunden in therapeutischen Settings.
Was ist das primäre Ziel beziehungsweise die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die theoretische Erörterung der Frage, inwieweit der gezielte Einsatz eines Hundes in der tiergestützten Intervention zu einer Verbesserung von Kommunikation, Beziehungsaufbau und sozial-emotionaler Entwicklung bei autistischen Kindern beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um ein theoretisches Literatur- und Konzeptionsprojekt, in dem empirische Studien, Fachliteratur und psychologische Theorien analysiert, zusammengeführt und zur Hypothesengenerierung gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden nach einer Darstellung der Symptomatik und gängigen Therapieverfahren (wie Lovaas und TEACCH) die Wirkmechanismen der tiergestützten Intervention vertieft, die Mensch-Hund-Interaktion analysiert und die verschiedenen Rollen sowie Dienstleistungsfunktionen des Hundes systematisiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind frühkindlicher Autismus, Tiergestützte Intervention (TGI), Mensch-Hund-Beziehung, Biophilie-Hypothese, Du-Evidenz, nonverbale Kommunikation und Verhaltensförderung.
Welche psychologischen Funktionen kann ein Hund innerhalb einer tiergestützten Intervention erfüllen?
Ein Hund kann als Übergangsobjekt zur Anbahnung von Vertrauen, als Motivator für Lernprozesse, als Identifikations- oder Projektionsfläche für Gefühle sowie als passiver Sozial- und Situationskatalysator zur Beruhigung und Entspannung dienen.
Wie erklärt die Biophilie-Hypothese die positive Resonanz von Kindern auf Tiere?
Die Biophilie-Hypothese besagt, dass der Mensch aufgrund der gemeinsamen Entwicklungsgeschichte ein angeborenes, tief verwurzeltes Interesse an Tieren und der belebten Natur besitzt, wodurch Begegnungen mit Tieren stressreduzierend und emotional stabilisierend wirken können.
Worin unterscheidet sich die Begrifflichkeit zwischen Therapiehund und Sozialhund?
Ein Therapiehund wird im Rahmen strukturierter therapeutischer Behandlungspläne von qualifiziertem Fachpersonal (z. B. Psychologen, Therapeuten) eingesetzt, während ein Sozialhund als trainierter Besuchshund zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens und zur Förderung sozialer Kontakte in Einrichtungen fungiert.
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- Berend Brouwer (Author), 2023, Der Hund im Alltag von Kindern mit frühkindlichem Autismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1759306