Leo Kirch, der Sohn eines Weinbauers aus Fahr bei Würzburg, hat es geschafft, aus dem Nichts eins weltweit agierendes Medienimperium mit verzweigten Strukturen aufzubauen. Innerhalb weniger Jahre ist es Kirch gelungen, seinen Einfluss auf die Programmgestaltung fast aller Sender in der deutschen Medienlandschaft massiv auszubreiten. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Einstieg Leo Kirchs in die Medienwelt. Angefangen mit dem Kauf und Weiterverkauf von Film- und Serienrechten stieg Leo Kirch in das private Fernsehgeschäft ein. Zunächst anonym, um Konflikten mit den öffentlich-rechtlichen Sendern auszuweichen, wirkte Kirch stark auf die Entwicklung des Privatfernsehens ein. Unterstützt und gefördert von Banken und Politikern baute Kirch ein kaum übersichtliches Imperium auf. Der steigende Einfluss Kirchs sowohl auf die öffentlich-rechtlichen als auch auf die privaten Sender konnte jedoch nicht lange vor den Medienwächtern verborgen bleiben. Es stellte sich jedoch als eine kaum lösbare Aufgabe heraus, Kirch Verstöße gegen den Rundfunkstaatsvertrag nachzuweisen. Der Vergleich mit den italienischen Verhältnissen, wie diese seit dem Auftauchen Berlusconis zuerst in der Medienlandschaft und später in der Politik existierten und existieren, drängt sich praktisch von alleine auf. Kirchs Umgang mit dem Rundfunkstaatsvertrag soll ein Schwerpunkt dieser Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzvita
3. Etablierung des Filmrechtehandelns
4. ZDF-Skandal
5. Kirch und Privatfernsehen
6. Kirch gegen den Rundfunkstaatsvertrag
7. Kirchs Ende
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Aufstieg und Fall des Medienimperiums von Leo Kirch und beleuchtet dabei kritisch die Machtverhältnisse sowie die Rolle der Aufsichtsbehörden bei der Regulierung des privaten Rundfunks in Deutschland.
- Die Entwicklung des Filmrechtehandels als Basis für Kirchs Medienmacht.
- Die Analyse der Einflussnahme Kirchs auf öffentlich-rechtliche und private Sender.
- Die regulatorische Auseinandersetzung mit dem Rundfunkstaatsvertrag.
- Der Vergleich mit dem italienischen Mediensystem und Silvio Berlusconi.
- Die Gründe für den Zusammenbruch des Kirch-Imperiums.
Auszug aus dem Buch
3. Etablierung des Filmrechtehandelns
Wie bereits erwähnt, liegen die Anfänge des Kirch-Imperiums in der Mitte der 50er Jahre, als sich der angehende „findige Unternehmer“ von seiner Frau eine für damalige Zeit ziemlich große Summe lieh und mit seinem Partner Andresen nach Italien aufbrach, um sich die Rechte an Federico Fellinis Film „La Strada“ zu sichern. Wer nun von den beiden zuerst die geldbringende Idee des Filmrechtehandelns hatte, ist nicht mehr mit absoluter Sicherheit zu ermitteln. Denn sowohl Kirch als auch Andresen beanspruchen diese Entdeckung für sich. Kirch, der Visionär, habe bereits vor dem Anbruch des Fernsehzeitalters die Entwicklung vorhergesehen. Andresen seinerseits habe die Idee von seinem Aufenthalt in den USA mitgebracht, damals das Land, in dem das Fernsehen dem Europas um Lichtjahre voraus war. Wie dem auch sei, übernimmt in den folgenden Jahren jeder der Partner das Gebiet, auf dem jeder sich am besten auskennt. Während der Andresen, „der blonde Preuße mit der spitzen Zunge und dem weltgewandten Auftreten“, für die Sichtung und Auswahl der Filme zuständig ist, kümmert sich Leo Kirch, „der dunkle Franke mit dem unschlagbaren Gehirn und dem genialen Sinn fürs Geschäftemachen“, um die Finanzierung und den Verkauf der Filme in seinem Büro in der Münchner Innenstadt.
Der Kauf von „La Strada“ erweist sich als ein voller Erfolg. Der Film wird an den Constantin-Verleih verkauft und spielt ein Vielfaches dessen ein, was die Lizenz gekostet hat. Der Grundstein ist gelegt, der Aufstieg Kirchs scheint kometenhaft. Am Ende der 50er Jahre besitzt Kirch die Rechte an rund 400 Filme, unter anderem ist es ihm gelungen, für gerade mal 3000 US-Dollar die Rechte an „Casablanca“ zu sichern. Bis 1987 wird der Film 14 Mal gezeigt, was natürlich bedeutet, dass Leo Kirch 14 Mal dafür kassiert. Außer über die Filmrechte verfügt Kirch ebenfalls zunehmend über ausgezeichnete Kontakte sowohl bei den Medienanstalten, als auch in höchsten politischen Kreisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Medienimperiums von Leo Kirch ein und skizziert die Fragestellung bezüglich seines Einflusses auf die deutsche Medienlandschaft.
2. Kurzvita: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Lebenslauf von Leo Kirch, von seinen frühen Jahren bis zu seinem Aufstieg zum Medienmogul.
3. Etablierung des Filmrechtehandelns: Hier wird der Grundstein des Kirch-Imperiums durch den Handel mit Film- und Fernsehrechten und die geschäftliche Zusammenarbeit mit seinem Partner Andresen beschrieben.
4. ZDF-Skandal: Dieses Kapitel analysiert die kritische Berichterstattung über die Abhängigkeit des ZDF von Leo Kirch und die nachfolgenden Untersuchungen durch Prüfungskommissionen.
5. Kirch und Privatfernsehen: Der Aufbau des Senders Sat.1 und Kirchs Rolle bei der Etablierung des Privatfernsehens in Deutschland stehen hier im Zentrum.
6. Kirch gegen den Rundfunkstaatsvertrag: Hier wird untersucht, wie Kirch versuchte, medienrechtliche Bestimmungen zu umgehen, um seinen Einfluss auf Sender wie PRO7 auszubauen.
7. Kirchs Ende: Das Kapitel schildert den wirtschaftlichen Niedergang und die schließlich eintretende Insolvenz des Kirch-Imperiums aufgrund hoher Verschuldung und Fehlkalkulationen.
8. Fazit: Das Fazit setzt die Entwicklungen in Deutschland in Bezug zu den italienischen Verhältnissen unter Silvio Berlusconi und zieht eine Bilanz der Machtstellung Kirchs.
Schlüsselwörter
Leo Kirch, Medienimperium, Privatfernsehen, Sat.1, Filmrechtehandel, Rundfunkstaatsvertrag, ZDF-Skandal, Medienmacht, Medienaufsicht, Insolvenz, Berlusconi, Medienpolitik, Konzern, Lizenzierung, Medienlandschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Aufstieg und das Scheitern des deutschen Medienunternehmers Leo Kirch und dessen Einfluss auf die deutsche Medienlandschaft nach 1945.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen den Aufbau von Filmrechtehandelsstrukturen, die Einflussnahme auf öffentlich-rechtliche Sender wie das ZDF und die Etablierung privater Fernsehsender wie Sat.1.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu hinterfragen, wie Kirch trotz regulatorischer Hürden eine marktbeherrschende Stellung erreichen konnte und warum die Aufsichtsbehörden seine Macht lange Zeit kaum einschränken konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, unter Einbeziehung zeitgenössischer Berichterstattung sowie dokumentarischer Quellen zur Mediengeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird chronologisch die Expansion von Kirchs Imperium, die Rolle politischer Kontakte, der Umgang mit dem Rundfunkstaatsvertrag und schließlich der finanzielle Zusammenbruch analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Medienmacht, Rundfunkstaatsvertrag, Kirch-Imperium, Medienpolitik und Konzerninsolvenz.
Inwiefern spielte der Rundfunkstaatsvertrag eine Rolle?
Er diente als zentrales regulatorisches Instrument, dessen Einhaltung Kirch durch komplexe Firmenstrukturen und politische Lobbyarbeit aktiv zu unterwandern versuchte.
Welcher Vergleich wird im Fazit gezogen?
Es wird untersucht, ob in Deutschland vergleichbare Machtkonzentrationen wie in Italien unter Silvio Berlusconi existierten, wobei die Arbeit die Unterschiede in der politischen Ambition der Akteure hervorhebt.
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- M.A. Wladimir Danilow (Autor), 2011, Die Machtlosigkeit der Aufsichtsbehörden im Fall Leo Kirch, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175950