Zwischen Kunst und Wirtschaft scheint es auf den ersten Blick kaum Schnittstellen zu geben. Doch im Rahmen der Kunstförderung durch Unternehmen treffen diese beiden Bereiche aufeinander, wodurch Synergien entstehen können.
Auf der einen Seite stehen die Künstler, welche vor allem zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn finanzielle Unterstützung benötigen, um künstlerisch arbeiten und ihr Leben finanzieren zu können. Auf der anderen Seite stehen wirtschaftliche Unternehmen, die stets danach streben, neue Kunden zu gewinnen, indem sie sich von ihrer Konkurrenz abheben. Vor diesem Hintergrund bietet sich den Künstlern und den Unternehmen ein breites Spektrum an Möglichkeiten der Zusammenarbeit an. Die Förderung von Kunst durch Unternehmen entspricht dabei in vielerlei Hinsicht den gewünschten Anforderungen und Bedürfnissen beider Bereiche. Die Künstler erfahren finanzielle Unterstützung und die Unternehmen im Gegenzug eine positive Außenwirkung.
Der Kunstförderung durch Unternehmen steht die staatliche Kunstförderung gegenüber. Der Staat zieht sich jedoch aufgrund knapper Kassen und dem damit verbundenen Sparzwang zunehmend aus den einzelnen Bereichen der Kulturverantwortung zurück. Die staatliche Kulturförderung, wozu auch die Förderung der Kunst zählt, findet auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene als freiwillige Aufgabe statt. Einsparungen auf diesen Ebenen gefährden auf lange Sicht das Kulturpotential Deutschlands. Das Schließen der entstehenden Finanzierungslücke durch wirtschaftliche Unternehmen und die damit verbundene Sicherung des Kulturguts scheint demnach unausweichlich.
So einfach eine Verlagerung von Aufgaben des Staates auf einzelne Unternehmen klingen mag, ist die aktuelle Situation jedoch nicht einzuschätzen. Die finanzielle Unterstützung durch Unternehmen beruht auf dem Leistungsprinzip und ist demnach an konkrete Nutzenerwartungen geknüpft. Birgt eine Kunstförderung durch Unternehmen auch noch so viele Perspektiven und Möglichkeiten in sich, sind die Grenzen und Gefahren einer Verbindung von Kunst und Wirtschaft nicht außer Acht zu lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise
2. Definition von Kunstförderung
2.1 Prinzipien und Richtlinien
2.2 Abgrenzung von weiteren Möglichkeiten der Finanzierung von Kunst
3. Kunstförderung im Rahmen der Corporate Identity
3.1 Corporate Communication
3.2 Corporate Collecting
3.2.1 Sammelkonzept
3.2.2 Präsentationskonzept
3.2.3 Vermittlungskonzept
3.3 Corporate Social Responsibility
4. Kunstförderung durch Unternehmen
4.1 Perspektiven
4.2 Grenzen
4.3 Arbeitskreis Kultursponsoring und Arbeitskreis Corporate Collecting
5. Kunstförderung durch Unternehmen am Beispiel der Deutschen Bank AG
5.1 Das Unternehmen Deutsche Bank AG
5.2 Die Corporate Identity der Deutschen Bank AG im Rahmen der Kunstförderung
5.2.1 Kunst am Arbeitsplatz
5.2.2 KünstlerIn des Jahres
5.2.3 Deutsche Guggenheim Berlin
5.2.4 Ausstellungshighlights
5.2.5 Kunst-Kooperationen
5.2.6 Deutsche Bank Stiftung
6. Kritische Stimmen zur Kunstförderung der Deutschen Bank AG
6.1 Zeitgenössische Kunst in der Deutschen Bank Frankfurt – Hans Haacke
6.2 Die Moral des Künstlers – Walter Dahn
6.3 Wirtschaftsvisionen – Eva Grubinger
7. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Schnittstellen zwischen Kunst und Wirtschaft und analysiert die Motivationen sowie Auswirkungen von unternehmerischer Kunstförderung. Das primäre Ziel ist es, die Möglichkeiten für Unternehmen aufzuzeigen, Kunst als strategisches Instrument in ihre Identität zu integrieren, während gleichzeitig die damit verbundenen Gefahren der Instrumentalisierung und die notwendige staatliche Verantwortung kritisch beleuchtet werden.
- Kunstförderung als Instrument der Corporate Identity und Kommunikation.
- Die verschiedenen Modelle des Corporate Collecting und der Firmenkunstsammlungen.
- Perspektiven und Risiken für Unternehmen und Künstler bei Kooperationen.
- Die Rolle der Deutschen Bank AG als praktisches Fallbeispiel für Kunstengagement.
- Kritische Reflexionen durch Künstler wie Haacke, Dahn und Grubinger.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
Wer einmal in der Eingangshalle einer Bank war, wird festgestellt haben, dass diese oftmals mit Kunstwerken ausgestattet ist. Ein Beuys über dem Informationsschalter oder ein Baselitz im Besprechungszimmer des Finanzberaters. Manch einer wird diesen Werken der Kunstgeschichte keine Aufmerksamkeit geschenkt haben. Der überwiegende Teil der Kunden wird sich hingegen gefragt haben, warum eine Bank diese Werke in ihren Filialen präsentiert. Hat die Kunst einen dekorativen Charakter oder steckt womöglich mehr hinter der Präsentation von Kunstwerken? Aus welchem Grund kauft eine Bank Kunst und was will sie damit bezwecken?
Welche Gefühle die Kunst hervorruft, hängt vom Rezipienten ab. Ziel des Unternehmens ist es jedoch, auf diese Weise das Konsumverhalten der Kunden zu beeinflussen. Der Kunde soll sich in dem Unternehmen wohlfühlen und gewillt sein, Geschäftsbeziehungen mit diesem einzugehen. Die Sammeltätigkeit der Unternehmen hat dementsprechend einen anderen Hintergrund, als die bloße Ausgestaltung der Geschäftsräume.
Im Folgenden wird erläutert, welche Absichten Unternehmen damit verfolgen, Kunstwerke in ihren Geschäftszimmern aufzuhängen und Kunstsammlungen aufzubauen. Zudem wird darauf eingegangen, welche Motivationsgründe die Künstler haben, ihre Bilder nicht in Museen oder Galerien zu präsentieren, sondern an wirtschaftliche Unternehmen zu verkaufen. Sind es rein finanzielle Gründe, die zu dem Verkauf der Werke verleiten, oder stecken weiter reichende Absichten dahinter? Wo liegen in diesem Zusammenhang die Absichten der Unternehmen? Bewegt ein zugrunde liegender Profitgedanke, ein künstlerischer Anspruch oder die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung zum Kauf von Kunst?
Die Perspektiven und Grenzen einer Kunstförderung durch Unternehmen sind in diesem Zusammenhang zu klären. Einerseits wird auf die Rahmenbedingungen und historischen Voraussetzungen der Kunstförderung eingegangen, andererseits wird die Kunstförderung in einem betriebswirtschaftlichen Kontext dargestellt. Ziel der Analyse ist es, die Möglichkeiten der Kunstförderung aufzuzeigen und darüber hinaus die Gefahren einer Einvernahme der Kunst für unternehmerische Zwecke genauer zu betrachten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Verflechtung von Kunst und Wirtschaft vor dem Hintergrund eines sich zurückziehenden Staates und formuliert die zentralen Fragestellungen der Arbeit.
2. Definition von Kunstförderung: Hier werden zentrale Begrifflichkeiten definiert, Abgrenzungen zum Sponsoring vorgenommen und Leitlinien für faire Kooperationen zwischen Unternehmen und Künstlern vorgestellt.
3. Kunstförderung im Rahmen der Corporate Identity: Dieses Kapitel erläutert, wie Kunstsammlungen und Förderungen als strategische Instrumente zur Markenbildung und Identitätspflege eines Unternehmens eingesetzt werden können.
4. Kunstförderung durch Unternehmen: Es werden die Perspektiven der Unternehmen und Künstler diskutiert sowie die spezifischen Chancen und Grenzen dieses Engagements auf einer neutralen Plattform untersucht.
5. Kunstförderung durch Unternehmen am Beispiel der Deutschen Bank AG: Ein detailliertes Praxisbeispiel verdeutlicht anhand verschiedener Initiativen, wie die Deutsche Bank ihr Kunstengagement in ihre Unternehmensstruktur integriert.
6. Kritische Stimmen zur Kunstförderung der Deutschen Bank AG: Drei Künstler setzen sich kritisch mit der Rolle der Deutschen Bank und den moralischen Implikationen ihrer Kunstförderung sowie ihrer Geschäftspraktiken auseinander.
7. Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Analyse zusammen und betont die Notwendigkeit respektvoller Partnerschaften, um die Zukunft der Kunstförderung zwischen Staat und Wirtschaft zu sichern.
Schlüsselwörter
Kunstförderung, Kultursponsoring, Corporate Identity, Corporate Collecting, Deutsche Bank AG, Unternehmenskommunikation, Mäzenatentum, Public-Private-Partnership, Gesellschaftliche Verantwortung, Hans Haacke, Walter Dahn, Eva Grubinger, Kunstmarkt, Wirtschaft und Kunst, Kunstvermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der unternehmerischen Kunstförderung und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Unternehmensinteressen und der Freiheit der Kunst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die strategische Einbindung von Kunst in die Corporate Identity, die verschiedenen Formen der Finanzierung sowie die kritische Auseinandersetzung mit den moralischen Dimensionen dieser Kooperationen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Motive, Chancen und Gefahren einer Verbindung von Kunst und Wirtschaft aufzuzeigen, wobei die Bedeutung von Fairness und gleichberechtigten Partnerschaften hervorgehoben wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche in Kombination mit einer Fallstudienanalyse, wobei die Deutsche Bank AG als praktisches Beispiel dient, ergänzt durch eine kritische Diskursanalyse.
Was wird im Hauptteil ausführlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Corporate Identity und des Corporate Collecting, praktische Beispiele am Engagement der Deutschen Bank sowie eine kritische Fallbetrachtung von Künstlerreaktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die zentralen Schlagworte sind Kunstförderung, Corporate Identity, Unternehmenskommunikation, CSR (Corporate Social Responsibility) und das kritische Spannungsverhältnis zwischen Wirtschaftsethik und künstlerischer Praxis.
Warum spielt die Deutsche Bank AG eine zentrale Rolle?
Die Deutsche Bank gilt als ein weltweit führendes Beispiel für unternehmerisches Kunstengagement, dessen Umfang und Komplexität (Sammlung, Stiftung, Kooperationen) eine tiefgehende Analyse der Praxis ermöglicht.
Welche Perspektiven nehmen die Künstler Haacke, Dahn und Grubinger ein?
Während Haacke und Dahn die ethischen Verflechtungen der Bank in politischen Konflikten (Apartheid) anprangern, setzt sich Grubinger auf subtile Weise mit der Tauschlogik von Sponsoring auseinander.
Welche Bedeutung hat das Positionspapier des AKS?
Es dient als Orientierungshilfe, um durch Transparenz und faire Vertragsbedingungen eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen den Akteuren der Kultur und der Wirtschaft zu fördern.
Gibt es eine endgültige Antwort auf das Problem der Kommerzialisierung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass absolute Unabhängigkeit schwierig ist, plädiert jedoch für Partnerschaften auf Augenhöhe, bei denen Respekt und Kontinuität die Gefahr der bloßen Instrumentalisierung mindern.
- Arbeit zitieren
- Anna Krakor (Autor:in), 2010, Perspektiven und Grenzen der Kunstförderung durch Unternehmen am Beispiel der Deutschen Bank, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176076