Dieses Werk analysiert die sizilianische Mafia Cosa Nostra aus organisationssoziologischer Sicht. Die Kriterien für diese Analyse stellen dabei die drei zentralen Merkmale einer Organisation dar: Mitgliedschaft, Hierarchie und Zweckgebundenheit. Eine Besonderheit der Mitglieder der Mafia ist ihr strenger katholischer Glaube. Anschließend und auf der grundsätzlichen Analyse der Mafia als Organisation basierend wird daher die These untersucht, dass die „Cosa Nostra“ als kriminelle Vereinigung bestimmte Merkmale aufweist, die der katholischen Kirche ähneln oder die dem katholischen Glauben zuträglich sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was sind Organisationen?
3. Die sizilianische Mafia als Organisation
3.1 Mitgliedschaft
3.2 Zweck
3.3 Hierarchie
3.4 Weitere Gemeinsamkeiten
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die kriminelle Organisation „Cosa Nostra“ aus organisationssoziologischer Perspektive. Ziel ist es, anhand der Merkmale Mitgliedschaft, Zweck und Hierarchie die paradoxe Verbindung zwischen den verbrecherischen Handlungen der Mafiosi und ihrem tief verwurzelten katholischen Glauben zu analysieren.
- Organisationssoziologische Charakterisierung der sizilianischen Mafia.
- Analyse der Rekrutierungsmechanismen und Aufnahmerituale.
- Vergleich der Zielsetzung und Machtstrukturen mit legalen Institutionen.
- Untersuchung der ideologischen Übereinstimmungen zwischen Mafia-Strukturen und katholischer Kirche.
- Reflektion über die Rolle historischer und soziokultureller Faktoren für die Selbstwahrnehmung der Mafiosi.
Auszug aus dem Buch
3.1 Mitgliedschaft
Die Mitgliedschaft in der „Cosa Nostra“ ist an feste Eintrittsregeln gebunden und es herrschen besondere Aufnahmekriterien. Eine Bewerbung dafür ist nicht möglich, stattdessen sucht der Clan gezielt geeignete Kandidaten aus, denen der Beitritt angeboten wird. Die Verwandtschaft mit einem Zuhälter, Polizisten oder Staatsanwalt ist dabei ein Ausschlusskriterium, die sizilianische Herkunft Bedingung. Darüber hinaus können nur Männer der „Cosa Nostra“ beitreten. Hier zeigen sich erste Parallelen zur katholischen Kirche, die Frauen keinen Zugang zu geweihten Ämtern erlaubt. Beide Organisationen sind also stark patriarchalisch geprägt und haben eine ähnliche, konservative Sicht auf die Rolle der Frau, deren Hauptfunktion sie in der Erziehung der Kinder sehen. Eine solche Ähnlichkeit der Aufnahmekriterien und des damit verbundenen Weltbildes lässt vermuten, dass die Mafiosi sich auch mit der katholischen Kirche und ihren Lehren identifizieren können.
Wenn die „Cosa Nostra“ einen geeigneten Kandidaten gefunden hat, muss er als Bedingung für die Aufnahme eine Prüfung bestehen. In den allermeisten Fällen besteht diese in einem schweren Verbrechen, nicht selten ist es ein Mord. Hat der Kandidat mit der Durchführung des Verbrechens seine Eignung unter Beweis gestellt, erfolgt in einem festen Ritual die Aufnahme. Dabei wird der Anwärter in einen Finger gestochen und muss einen Blutschwur auf eine katholisches Heiligenbild leisten, in dem er gelobt, die Regeln und Gesetze der Verbrecherorganisation bedingungslos und bis zu seinem Tode zu achten (vgl. Dickie 2004: 79 f.). Abgesehen von der Tatsache, dass eine katholische Ikone eine wo wichtige Funktion im Aufnahmeritual der „Cosa Nostra“ einnimmt ist außerdem festzustellen, dass die Initiation den Sakramenten der Weihung zum Priester oder Bischof in der katholischen Kirche ähnelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein und begründet die Forschungsfrage hinsichtlich der Paradoxie zwischen verbrecherischem Handeln und katholischem Glauben innerhalb der Mafia.
2. Was sind Organisationen?: Das Kapitel definiert Organisationen über die drei Kriterien Mitgliedschaft, Zweck und Hierarchie, um eine theoretische Grundlage für die weitere Analyse zu schaffen.
3. Die sizilianische Mafia als Organisation: Hier wird die „Cosa Nostra“ als kriminelle Organisation eingeordnet und ihr historischer sowie struktureller Hintergrund beleuchtet.
3.1 Mitgliedschaft: Dieser Abschnitt beschreibt die exklusiven Aufnahmekriterien und die patriarchalen Strukturen der Mafia, die Parallelen zur katholischen Kirche aufweisen.
3.2 Zweck: Das Kapitel analysiert die ökonomischen und machtpolitischen Ziele der Organisation sowie ihre Rolle als Ersatzstaat in kontrollierten Gebieten.
3.3 Hierarchie: Hier wird der strenge, hierarchische Aufbau der „Cosa Nostra“ von der Familie bis zum „capo die capi“ erläutert.
3.4 Weitere Gemeinsamkeiten: Der Autor erörtert, wie die Mafia ihre Gewalttaten durch ein spezifisches Verständnis von Strafe und moralischer Überlegenheit im Kontext ihres Glaubens rechtfertigt.
4. Fazit: Das Fazit bestätigt die Ausgangsthese, dass die Mafia organisationale Merkmale aufweist, die dem katholischen Glauben zuträglich sind, weist aber auch auf die Bedeutung historischer Kontexte hin.
Schlüsselwörter
Cosa Nostra, sizilianische Mafia, Organisationssoziologie, katholische Kirche, Mitgliedschaft, Hierarchie, kriminelle Organisation, Ersatzstaat, Omertá, Machtstrukturen, Patriarchat, Religion, Schutzgelderpressung, organisierte Kriminalität, religiöses Weltbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die sizilianische Mafia („Cosa Nostra“) aus der Perspektive der Organisationssoziologie und beleuchtet dabei insbesondere die Verbindung zwischen der kriminellen Struktur und dem katholischen Glauben ihrer Mitglieder.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind der Aufbau von Organisationen allgemein, die spezifischen Rekrutierungs- und Machtstrukturen der Mafia sowie die soziokulturellen und religiösen Schnittstellen zur katholischen Kirche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu analysieren, warum Mafiosi trotz ihrer kriminellen Handlungen keinen Widerspruch zu einem strengen katholischen Glauben sehen und welche organisationalen Gemeinsamkeiten dies begünstigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, bei der die Merkmale von Organisationen nach Luhmann auf die Struktur der „Cosa Nostra“ angewendet und mit kirchlichen Strukturen verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Organisationen und die konkrete Untersuchung der Mafia anhand ihrer Mitgliedschaftsregeln, ihres Zwecks, ihrer Hierarchie sowie weiterer gemeinsamer Merkmale mit der Kirche.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Die Analyse wird durch Begriffe wie Organisation, Mafia, Hierarchie, katholischer Glaube, patriarchales Weltbild und institutionelle Macht geprägt.
Welche Rolle spielt das Aufnahmeritual für die Identität der Mafia?
Das Ritual mit dem Blutschwur auf ein Heiligenbild dient als Initiationsakt, der die Bindung an die Familie religiös überhöht und die bedingungslose Treue bis zum Tod besiegelt.
Warum wird die „Cosa Nostra“ als Ersatzstaat bezeichnet?
Weil die Mafia in ihren kontrollierten Gebieten Aufgaben übernimmt, die sonst dem Staat obliegen – etwa die Bekämpfung von Kriminalität, die soziale Absicherung oder die Bereitstellung von Infrastruktur –, um sich den Rückhalt der Bevölkerung zu sichern.
- Citation du texte
- Tobi Remsch (Auteur), 2011, Die kriminelle Organisation "Cosa Nostra", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176087