Wenn man den Begriff „Leitmotiv“ in Google eingibt, erhält man auf Anhieb circa 912 000
Treffer. Neben zahlreichen Links zu Wagners Leitmotivtechnik sind mindestens genauso
viele darunter, die auf Leitmotive in der Filmmusik führen. Mein Interesse für das Thema
„Ein Diskurs über Leitmotive und ihre Anwendung in R. Wagners’ Ring der Nibelungen und
J. Williams’ Star Wars“ hat sich im Laufe der Zeit einerseits aus Neugier und andererseits aus
einem Unwissen heraus in diese Richtung entwickelt. Die Stadien dieser Arbeit beinhalten
auch die systematische Herangehensweise meinerseits. Zunächst soll von einem allgemeinen
Leitmotivverständnis ausgegangen werden, auf das, im weiteren Verlauf der Arbeit, innerhalb
der Themen eingegangen wird. Zum einen wird die Leitmotivtechnik in Wagners’ Ring der
Nibelungen betrachtet, zum anderen die in der klassischen Filmmusik bzw. die in Williams’
Weltraumoper Star Wars. Abschließend sollen allgemeine Affinitäten vom Musikdrama in
Richtung Filmmusik beobachtet und mögliche Ursachen erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das Leitmotiv
1.1 Leitmotivverständnis nach Wagner
1.2 Überleitung zur Filmmusik
1.3 Wagners Leitmotive im Hinblick auf die Filmmusik
1.4 Entspricht die Funktion der Leitmotive im Ring der Nibelungen denen in John Williams’ Star Wars?
1.5 Affinitäten vom Musikdrama in Richtung Filmmusik
Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen wissenschaftlichen Diskurs über die Verwendung der Leitmotivtechnik in Richard Wagners „Ring der Nibelungen“ und John Williams’ Filmmusik zu „Star Wars“ zu führen, um Gemeinsamkeiten sowie fundamentale Unterschiede in der funktionalen Anwendung dieser Kompositionsweise herauszuarbeiten.
- Historische Entwicklung und musiktheoretische Definition des Leitmotivs.
- Die spezifische Anwendung der Orchestermelodie bei Richard Wagner.
- Strukturelle Analyse der Filmmusik von John Williams im Kontext der Leitmotivik.
- Vergleich der mythologischen Funktion und der narrativen Eigenständigkeit in beiden Genres.
- Untersuchung der Affinitäten und Divergenzen zwischen Musikdrama und Filmmusik.
Auszug aus dem Buch
1.3. Wagners Leitmotive im Hinblick auf die Filmmusik
Wie bereits im vorherigen Abschnitt klar geworden ist, kann Wagners Leitmotiv auf der einen Seite unmittelbar, auf der anderen Seite aber auch nicht unmittelbar erkannt werden. Um es präziser zu formulieren, kann man sagen, dass die Musik, die man bereits gehört hat, zu einer ganz neuen bzw. anderen Szene erklingen und damit an etwas erinnern kann, was man zu einem anderen Zeitpunkt bereits gehört hat oder hören wird. Mit dem Motiv wird quasi gespielt wie beispielsweise in einem sinfonischen Werk ein bereits vorgestelltes Thema später vermollt oder variiert wird. 'Auch Dahlhaus meint, das Leitmotiv gehe weiter als nur bis zur Wiedererkennung einer Person. Musik kann seiner Meinung nach auch erklingen wenn eine bestimmte Person nicht in einer Szene auftritt.'22
Was in der Filmmusik oft als einfache und direkte Andeutung verstanden wird, ist bei Wagner nicht immer der Fall. Die erste Verbindung zu einer Person, einem Objekt oder einer Idee kann sich zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr bestätigen.
Manchmal gibt es absolut keine Verbindungen der Motive mit dem Drama. Dieses Phänomen geschieht bei Wagner nur, da die Sprache an die Musik gebunden ist. Mit anderen Worten, wenn sprachlich in Rätseln gesprochen wird, kann die Musik auf die Sprünge helfen, oder, wenn auf der Bühne sprachlich nichts passiert, leitet trotzdem die Musik. Das heißt also, dass der Vorbote in Form des Leitmotivs und seine Bedeutung in Form einer Person nicht eintreffen müssen. Die Musik kommt bei Wagner auch ohne die Sprache aus. Sie ist sozusagen eigenständig und in der Lage gewisse Passagen ohne linguistische Hilfe zu „erzählen“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor erläutert das Interesse an der Leitmotivtechnik und stellt das methodische Vorgehen sowie die Fragestellung für den Vergleich zwischen Wagners Musikdrama und der Filmmusik vor.
1. Das Leitmotiv: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Leitmotivs auf Basis musikwissenschaftlicher Literatur und beschreibt dessen historische Vorläufer in der Oper.
1.1 Leitmotivverständnis nach Wagner: Es wird analysiert, wie Wagner das Leitmotiv als Teil eines dichten Netzwerks in seinem Musikdrama entwickelte, um dem Orchester eine erzählerische Funktion zuzuweisen.
1.2 Überleitung zur Filmmusik: Hier wird der theoretische Rahmen für den Vergleich zwischen der romantischen Oper und der Filmmusik des 20. Jahrhunderts abgesteckt.
1.3 Wagners Leitmotive im Hinblick auf die Filmmusik: Der Abschnitt kontrastiert die komplexe, oft unabhängig von der Szene agierende Leitmotivik Wagners mit der direkteren, illustrativen Funktion in der Filmmusik.
1.4 Entspricht die Funktion der Leitmotive im Ring der Nibelungen denen in John Williams’ Star Wars?: Die Untersuchung fokussiert auf die mythische Anlage bei John Williams und stellt fest, dass die Freiheit des Motivs bei Wagner von einer stärkeren Bindung an die filmische Handlung bei Williams abweicht.
1.5 Affinitäten vom Musikdrama in Richtung Filmmusik: Dieses Kapitel vergleicht die Einheiten von Musik, Szene und Dichtung, um zu zeigen, dass trotz oberflächlicher Ähnlichkeiten die dramaturgischen Realisationen in beiden Medien grundlegend verschieden sind.
Schlussbemerkung: Der Autor fasst zusammen, dass Wagner und Williams zwar ähnliche technische Mittel einsetzen, diese jedoch für vollkommen unterschiedliche künstlerische und dramaturgische Ziele verwenden.
Schlüsselwörter
Leitmotiv, Musikdrama, Filmmusik, Richard Wagner, John Williams, Ring der Nibelungen, Star Wars, Orchestermelodie, Motivverarbeitung, Mythos, Dramaturgie, Filmmusiktheorie, Wagner-Rezeption, Symphonische Musik, musikalische Narration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Anwendung der Leitmotivtechnik in Richard Wagners Musikdrama „Ring der Nibelungen“ und vergleicht diese mit der Filmmusik von John Williams für „Star Wars“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Leitmotivik bei Wagner, deren Einzug in die klassische Filmmusik sowie die funktionalen Unterschiede in der narrativen Unterstützung durch das Orchester.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Es wird untersucht, ob die Funktion der Leitmotive bei Wagner mit der Verwendung in John Williams’ „Star Wars“ korrespondiert und ob beide Komponisten dieselben Ziele mit der Technik verfolgen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Der Autor nutzt einen komparativen Ansatz, der Fachliteratur (u.a. von Carl Dahlhaus und Adorno) mit einer musiktheoretischen Analyse der Leitmotivik verbindet, um die strukturellen Eigenheiten beider Kompositionsweisen gegenüberzustellen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Basis des Leitmotivs, Wagners Verständnis von Orchestermelodie, die historische Entwicklung zur Filmmusik sowie eine detaillierte Analyse der Ähnlichkeiten und Differenzen zwischen dem Musikdrama und der modernen Hollywood-Filmmusik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Leitmotiv, Musikdrama, Orchestermelodie, mythologische Funktion und filmmusikalische Narration charakterisiert.
Wie bewertet der Autor Wagners „Orchestermelodie“?
Wagner wird als Komponist betrachtet, der das Orchester nicht nur begleitend einsetzt, sondern es zum „Erzähler“ macht, der in der Lage ist, Unausgesprochenes oder Vergangenes musikalisch zu vermitteln.
Warum sieht der Autor Unterschiede in der Leitmotivik bei John Williams?
Williams nutzt laut Autor die Leitmotivik primär zur Orientierung des Zuschauers, während Wagners Motive ein komplexes, mythisches Gewebe bilden, das auch dann die Handlung weiterträgt, wenn auf der Bühne keine Aktion stattfindet.
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- Danko Drusko (Autor), 2007, Ein Diskurs über Leitmotive und ihre Anwendung in R. Wagners’ "Ring der Nibelungen" und J. Williams’ "Star Wars", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176108