Dieses Video ist in Deutschland nicht verfügbar

Der Diskurs zwischen YouTube und der GEMA


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

35 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Akteure
2.1 YouTube
2.2 GEMA
2.3 Verwerter
2.4 Nutzer
2.5 Anonymous

3 Technik
3.1 Streaming
3.2 User Generated Content
3.3 Geoblocking
3.4 Digitalisierung
3.5 Breitbandanschlüsse

4 Normen
4.1 Urheberrecht
4.2 GEMA
4.3 Digitale Verwertung
4.4 Folgen für die Nutzer

5 Kommunikation
5.1 Der ursprüngliche Konflikt
5.2 Der aktuelle Konflikt
5.2.1 YouTube
5.2.2 Verwerter
5.2.3 Anonymous
5.2.4 GEMA

6 Macht
6.1 Definitionsmacht
6.2 Verhinderungsmacht
6.3 Durchsetzungsmacht

7 Ideologie

8 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Am 19. Juli 2009 erstellte ein User namens1

”TheKheinz“,bürgerlichKevin2

Heinz3, auf der Videoplattform YouTube4 einen Account5 und lud ein Video seiner Hochzeit6 namens ”JKWeddingEntranceDance“hoch.

Zu Beginn des Videos erscheint mit weißer Schrift auf orangefarbenem Grund der Titel ”JillandKevin’sBigDay“.Ihmfolgtindenweiteren 5 Minutendes Videos ein Hochzeitstanz, bei dem alle Beteiligten in ausgelassener Weise vor den Hochzeitsgästen über den Hochzeitsgang tanzen. Die Tanzenden wirken ähnlich amüsiert wie die Hochzeitsgäste, die im Rhythmus der Musik klatschen - einem Song von James Brown namens ”Forever“.

Zum Ende des Videos erscheint die Braut, tanzt ebenfalls vergnügt nach vorne, wird dort vom Bräutigam abgeholt und von ihm die letzten Meter geführt. Unter großem Applaus steht das Paar nun vorne - bereit für die Trauung -, während das Video mit einer Danksagung ausgeblendet wird.

Seit dem Upload wurde dieses Video 67’339’056 Mal angesehen7. Diese große Aufmerksamkeit führte dazu, dass das gespielte Lied - Chris Browns ”Forever“

–, welches am 19. April 2008 erschienen war8 und damit seine Abverkaufs- und Chartphase längst hinter sich hatte, einen zweiten Frühling erlebte9. Eine Gewinnsituation für alle Beteiligten: Jill Peterson und Kevin Heinz konnten diesen außergewöhnlichen Moment ihrer Hochzeit mit anderen teilen, Verwerter und Urheber erzielten weitere Erlöse durch die kostenlose Werbung, YouTube konnte seinen Usern gefragten Inhalt bieten, um dadurch ebenfalls weitere Werbeeinnahmen zu generieren und die Nutzer der Videoplattform konnten eine lustige und innovative Vorstellung ansehen.

Doch trotz der eigentlich wünschenswerten Situation, ist dieses Video in Deutschland nicht verfügbar. Der Versuch eines Aufrufes aus Deutschland10 führt zu einer Fehlermeldung (siehe Abbildung 1.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.1: Fehlermeldung bei Aufruf von

Dieses Konfliktpotential, das in der Vergangenheit immer wieder für Un- mut bei den deutschen Nutzern der Videoplattform sorgte (vgl. exemplarisch Abbildung 1.2), ist Teil eines längeren Diskurses, der medial jüngst wieder in Erscheinung trat und den ich daher nachfolgend analysieren möchte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.2: Sid der Liedermacher - ”FuckSonyEntertainment!“11

2 Akteure

Der vorliegende Diskurs beinhaltet einige Akteure, die im Folgenden kurz vorgestellt werden sollen.

2.1 YouTube

YouTube ist eine Plattform bzw. ein Portal zum Publizieren und Konsumieren von hochgeladenen Videos. Das Portal wurde im Februar 2005 gegründet, erfuhr seitdem ein rasantes Wachstum und wurde im Oktober 2006 vom GoogleKonzern übernommen12.

Das Unternehmen ist direkter Beteiligter und auch Betroffener des vorliegen- den Diskurses, da es um die dort veröffentlichten Videos, die Umsetzung der deutschen Bestimmungen sowie um die Verhandlungen mit der GEMA geht.

2.2 GEMA

Die GEMA ist die Gesellschaft f ü r musikalische Auff ü hrungs- und mechanische Vervielf ä ltigungsrechte und als Verwertungsgesellschaft für die Musikrechte ihrer Mitglieder in Deutschland verantwortlich13.

Die Gesellschaft ist direkter Beteiligter des Diskurses und zuständiger Ver- handlungspartner für die Rechte YouTubes an den ihr unterstehenden Werken.

2.3 Verwerter

Die Verwerter von Inhalten, vorrangig in Gestalt von Tonträgerunternehmen, sind Betroffene des Diskurses, da es sich um ihre Werke handelt, um die verhandelt wird. Durch öffentlicheÄußerungen ihrer Vorsitzender nehmen auch sie am öffentlichen Diskurs teil.

2.4 Nutzer

Die deutschen User der Plattform sind direkt betroffen, da ihnen der Zugang zu den betreffenden Videos verwehrt bleibt. Zudem sind sie durch das Hochladen möglicherweise geschützten Materials schon bei der Produktion bzw. Veröffentlichung der Inhalte betroffen und beteiligt.

Diese Gruppe ist alleine aufgrund ihrer Größe naturgemäß sehr heterogen und nicht vollständig erfassbar. Dennoch nehmen auch sie aktiv am Diskurs teil, was immer wieder exemplarisch anhand von Äußerungen aufgezeigt werden soll.

2.5 Anonymous

Die Hacker-Vereinigung Anonymous ist nur insoweit betroffen, als dass davon ausgegangen werden kann, dass es sich auch bei ihnen (oder einem Teil von ihnen) um Nutzer des Portals handelt. Nichtsdestotrotz haben auch sie sich medienwirksam in den Diskurs eingebracht und sind daher als aktiver Akteur des Diskurses zu verstehen.

3 Technik

Der Diskurs gründet sich maßgeblich auf bestimmte Techniken - sowohl in der Gesellschaft als auch auf Seiten YouTubes.

3.1 Streaming

Als Streaming wird gemeinhin ein Verfahren verstanden, das es ermöglicht, auf Dateien bereits während derÜbertragung zuzugreifen. Im Gegensatz zu einem normalen Download, bei dem eine Datei erst vollständig (und natürlich fehler- frei) übertragen werden muss, bevor sie sich nutzen lässt, ist es beim Streaming bereits nach kurzer Zeit - im Bestfall sofort - möglich, auf einen Teil der Datei zuzugreifen. Dies macht Streaming vor allem beim Ansehen von Videos sehr at- traktiv, da die Wartezeit, bis man sich das entsprechende Video ansehen kann, deutlich reduziert wird. Somit ist das Streaming als maßgeblich für die schnel- le Verbreitung von YouTube-Inhalten verantwortlich anzusehen. Zudem ist es möglich, verschiedene Teile des Videos zu streamen, um beispielsweise nur die zweite Hälfte anzusehen.

Insbesondere ermöglicht das Streaming auch die Möglichkeit, noch nicht beendete Inhalte auszutragen, was (in der Regel leicht verzögerte) Live-Übertra- gungen möglich macht.

3.2 User Generated Content

User Generated Content 14 (kurz: UGC) beschreibt Medieninhalte, die nicht vom Anbieter selbst stammen, sondern von den Nutzern eingestellt werden15. Ein Webangebot stellt hierbei seine Infrastruktur zur Verfügung, um es In- ternetnutzern zu ermöglichen, ihre Inhalte zu präsentieren. Dieser Umstand ist besonders deshalb wichtig, weil der Betreiber damit als so genannter Störer erst nach Kenntnisnahme oder bei Fahrlässigkeit für rechtswidrige Inhalte haftbar gemacht werden kann16.

3.3 Geoblocking

Beim so genannten Geoblocking werden User, deren Zugehörigkeit zu einem bestimmten Land über ihre IP-Adresse ermittelt werden kann17, von Inhalten ausgeschlossen18. Im konkreten Fall wird diese Technik verwendet, um deutschen Usern den Zugang zu entsprechenden Inhalte zu blockieren.

3.4 Digitalisierung

Durch das Fortschreiten der Digitalisierung in den letzten Jahren - vorwiegend in den letzten zwei Jahrzehnten -, haben sich die Möglichkeit zur Produkti- on von Inhalten enorm weiterentwickelt und verbreitet. Inhalte können bei- spielsweise live aus dem Radio-Stream mitgeschnitten und in gleicher Qualität gespeichert, bearbeitet und verwendet werden, anstatt sie aufwändig und in schlechter Qualität auf eine Kassette zu überspielen, welche die weitere Bear- beitung aufgrund des Mediums stark erschwert. Musik und Videos lassen sich immer häufiger als Dateien statt als physisches Medium (Videokassette, DVD, CD, ...) beziehen. Dies ermöglicht - auch dank einsteigerfreundlicher und güns- tiger Software - einer weitaus breiteren Masse an Personen das Bearbeiten von Medieninhalten19.

3.5 Breitbandanschlüsse

Nach der Produktion ist die Distribution, also die Verteilung von Inhalten, eine weitere, wichtige Komponente, die im Wandel der Zeit durch die Technik stark erleichtert wurde. Dies wurde spätestens 1999 mit dem Aufkommen der Tauschbörse Napster deutlich, die es durch Peer-to-Peer -Verfahren20 erlaubte, Dateien zwischen den Nutzern direkt zu ubertragen.

[...]


1 ”Eine hervorragende, die Erwartungen ubertreffende, umfangreiche, fundierte und typo- ¨ graphisch ansprechend aufbereitete Arbeit.“

2 Dieses Schema basiert auf dem MINK-Schema von Werner Patzelt. Siehe dazu Patzelt, Werner J.: Einfuhrung in die Politikwissenschaft ¨ . 2. Aufl., Passau : Wissenschaftsverlag Richard Rothe, 1992.

3 Vgl. Nocera, Kate: Fun Minnesota couple Jill Peterson and Kevin Heinz dance down the aisle at their wedding (2009). URL: http://www.nydailynews.com/news/2009/07/24/ 2009-07-24_fun_minnesota_couple_jill_peterson_and_kevin_heinz_dance_down_ the_aisle_at_their.html [29.06.2011].

4 http://www.youtube.com [29.06.2011].

5 http://www.youtube.com/user/TheKheinz [29.06.2011].

6 http://www.youtube.com/watch?v=4-94JhLEiN0 [29.06.2011].

7 Stand: 22. Juni 2011, 14:07 Uhr.

8 ”JKWeddingEntranceDance“ Vgl. Wikipedia: Forever (Chris Brown song). URL: http://en.wikipedia.org/w/index. php?title=Forever_(Chris_Brown_song)&oldid=433875982 [27.06.2011].

9 Vgl. Warner, Tiffany: Chris Brown: ’Forever’ single soars up iTunes chart thanks to wedding dancers (2009). URL: http://www.examiner.com/celebrity-headlines-in- los-angeles/chris-brown-forever-single-soars-up-itunes-chart-thanks-to- wedding-dancers [29.06.2011].

10 Gemeint ist ein Aufruf mit einer Deutschland zugeordneten IP-Adresse. Darauf wird später in der Betrachtung der Technikdimension genauer eingegangen. Siehe Ziff. 3.3.

11 Siehe Peghini, Siddhartha Ché; Fuck Sony Entertainment (2010). URL: http://sidsong. blog.de/2010/08/28/fuck-sony-entertainment-9266586/ [29.06.2011].

12 Vgl. Kröger, Michael: YouTube-Verkauf - Der Club der Millionäre (2006). URL: http: //www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,441871,00.html [29.06.2011].

13 Rolle und Legitimation der GEMA werden unter dem Aspekt der Normen thematisiert. Siehe Ziff. 4.2.

14 Der Begriff wird hier mangels anderer Erkenntnisse orthographisch wie der Begriff World Wide Web verwendet. Siehe dazu auch Bauer, Christian Alexander: User Generated Con- tent - Urheberrechtliche Zulässigkeit nutzergenerierter Medieninhalte. In: Große Ruse- Khan, Henning ; Klass, Nadine ; von Lewinski, Silke (Hrsg.): Nutzergenerierte Inhalte als Gegenstand des Privatrechts - Aktuelle Probleme des Web 2.0 (Band). Max Planck Insti- tute for Intellectual Property, Competition and Tax Law, Band 15, Heidelberg : Springer, 2010, S. 2, Fn. 1.

15 Vgl. Bauer: User Generated Content. S. 3-5. Der Autor setzt sich dort auch speziell mit einer juristisch anwendbaren Definition des UGC auseinander. Für diese Arbeit soll jedoch die intuitive Übersetzung der ”nutzergeneriertenInhalte“ausreichendsein.

16 Vgl. Wilhelmi, Rüdiger: Verantwortlichkeit und Verkehrspflichten für nutzergenerierte In- halte - Die Haftung von Plattformbetreibern und die Pressehaftung im Vergleich. In: Große Ruse-Khan, Henning ; Klass, Nadine ; von Lewinski, Silke (Hrsg.): Nutzergenerierte Inhal- te als Gegenstand des Privatrechts - Aktuelle Probleme des Web 2.0 (Band). Max Planck Institute for Intellectual Property, Competition and Tax Law, Band 15, Heidelberg : Sprin- ger, 2010, S. 129-133.

17 Es wird davon ausgegangen, dass der Leser mit der grundsätzlichen Funktionsweise des Internets und dessen Zugang über Provider vertraut ist. Siehe sonst auch Buck- ler, Grant: Putting limits on who can view online video: How it works and why it’s done (2009). URL: http://www.cbc.ca/news/technology/story/2009/02/04/f-tech- geoblocking.html [29.06.2011].

18 Vgl. Pryjda, Witold: Ländergrenzen im Internet - Geoblocking verhindert das gren- zenlose Surfvergnügen (2009). URL: http://www.zeit.de/digital/internet/2009-11/ geoblocking-grenzenloses-internet [29.06.2011].

19 Bauer spricht hierbei auch von einer ”DemokratisierungderProduktionsmittelfürmas- senmediale Informationsgüter“. Siehe Bauer: User Generated Content. S.14.

20 Zur Funktionsweise von Peer-to-Peer-Verfahren siehe auch Wong, Nigel: How Peer to Peer (P2P) Works (2005). URL: http://ezinearticles.com/?How-Peer-to-Peer-(P2P)- Works&id=60126 [29.06.2011].

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Details

Titel
Dieses Video ist in Deutschland nicht verfügbar
Untertitel
Der Diskurs zwischen YouTube und der GEMA
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Informatik)
Veranstaltung
Informatik und Informationsgesellschaft II: Technik, Geschichte und Kontext
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
35
Katalognummer
V176146
ISBN (eBook)
9783640975181
ISBN (Buch)
9783640974894
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dieses, video, deutschland, diskurs, youtube, gema
Arbeit zitieren
Sven Paris (Autor), 2011, Dieses Video ist in Deutschland nicht verfügbar, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176146

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