Form und Funktion fremder Suffixe im Gegenwartsdeutschen


Magisterarbeit, 2002

68 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhalt

A Einführung
A.1 Was bedeutet ‚fremd‘ in der Wortbildung des Deutschen?
A.2 Schwierigkeiten bei der Wortbildung mit fremden Suffixen
A.3 Vorgehensweise der Arbeit

B Forschungsüberblick: Deutsche Fremdwortbildung
B.1 Kategorisierung fremdsprachlicher Elemente
B.1.1 Konfixe 11 B.1.2 Fremde Suffixe
B.2 Analyse von Fremdwortbildungen
B.2.1 Stammorientierte versus wortorientierte Analyse
B.2.2 Lexembasierte versus zeichenbasierte Analyse
B.3 Bildung von Stammparadigmen

C Entwicklung einer eigenen Methode
C.1 Die Formvarianz des Suffixes –(at)ion
C.1.1 Die Analysen von Wellmann und Dittmer
C.1.2 Überprüfung der Ergebnisse von Wellmann und Dittmer
C.2 Methodische Grundlagen für eine alternative Analyse
C.3 Stammparadigmen-Diskussion
C.3.1 Widersprüche in Fuhrhops Konzeption
C.3.2 Modifiziertes Stammparadiga

D Ergebnisse der Untersuchung
D.1 Funktion des modifizierten Stammparadigmas
D.2 Nominale und verbale Derivationsstammformenbildung
D.3 Form und Funktion fremder Suffixe

E Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Anhang

A Einführung

Diese Arbeit behandelt die Wortbildung mit fremden Suffixen im Gegenwartsdeutschen. In der Forschungsliteratur wird die Bildung neuer Wörter mittels Suffixen unter die Oberbegriffe Ableitung, Derivation oder Suffigierung gefasst. Andere Wortbildungsarten wie Komposition, Präfigierung oder Konversion gehören nicht zum Gegenstand dieses Beitrages. Die fremden Suffixe werden synchronisch auf ihre Form und Funktion im System des heutigen Deutsch hin vornehmlich unter analytischer, nicht synthetischer Betrachtung untersucht. Im Vordergrund stehen somit die Wortgebildetheit bereits existierender Wörter und die Analyse ihrer Struktur, nicht allein die produktiven Modelle und Regeln für potentielle Wortbildungen.[1]

Zwei Aspekte müssen im Vorfeld geklärt werden. Erstens: Was bedeutet der Ausdruck ‚fremd‘ in der Wortbildung des Deutschen? Zweitens: Was ist das Schwierige an der Wortbildung mit fremden Suffixen?

A.1 Was bedeutet ‚fremd‘ in der Wortbildung des Deutschen?

Das Attribut ‚fremd‘ in der Sprachwissenschaft bezog sich lange Zeit nur auf die Charakterisierung von Entlehnungen auf der Wortebene und fand seine Anwendung in einer gesonderten lexikographischen Behandlung und sprachreinigenden Bekämpfung.[2] Die fremde Herkunft aus dem diachronisch-etymologischen Blickwinkel war das entscheidende Kriterium für die Abgrenzung der Fremdwörter von Lehn- und Erbwörtern.[3] Der Wortbildung mit fremdem Sprachmaterial wurde kaum Aufmerksamkeit gewidmet.[4]

Erst die synchronisch-strukturelle Sprachbetrachtung eröffnete mit den Begriffen Zentrum und Peripherie einen neuen systematischen Zugriff auf entlehntes bzw. fremdsprachliches Sprachmaterial im Deutschen. Auf den unterschiedlichsten Sprachebenen beschäftigen sich nun alle Disziplinen der Linguistik mit dem Fremdwort, dem fremden Element oder Merkmal. Phonologische, morphologische, graphematische, lexikalische und soziologisch-pragmatische Merkmalsraster werden entwickelt, um den Grad der Integration ins deutsche Sprachsystem festzustellen.[5] Die Zuschreibungen Fremdwort, Lehnwort, deutsch und fremd werden diachronisch und synchronisch in Frage gestellt, uminterpretiert und wieder verworfen.[6] In jüngster Zeit erhielt die Diskussion durch die Rechtschreibreform, die Sprachkontakt- und Internationalismenforschung und durch die Überarbeitung des Deutschen Fremdwörterbuchs (DFWB) einen neuen Schub. Die reiche Forschungsliteratur dazu kann nicht in der ganzen Fülle vorgestellt werden.[7]

Die Fremdwort-Diskussion hat sich zwar weithin vom sprachpuristischen Erbe gelöst, ist aber bei weitem noch nicht abgeschlossen. Die unterschiedlichen Standpunkte wirken sich natürlich auch direkt auf die Wortbildung aus, zumal sie als Schnittpunkt der Sprachebenen und die sie beschreibenden Disziplinen gelten kann.[8] Festzuhalten bleibt, dass der Fremdwort-Begriff zu jeder Zeit ein extrem konsensgebundener, zeitabhängiger und relativer Begriff ist, der nur durch den Begriff des Eigenen bestimmt werden kann.[9]

In den neueren synchron-strukturellen Grammatiken hat sich überwiegend eine Abgrenzung von fremd/egogen und heimisch/indigen nach grammatischen Eigenschaften und nicht nach der Herkunft durchgesetzt.[10] Eisenberg formuliert diese Auffassung folgendermaßen: „Die traditionellen Begriffe Fremdwort, Lehnwort und Erbwort sind für eine Wortgrammatik des gegenwärtigen Deutsch ungeeignet, weil sie auf die Herkunft abheben. [...] Die nichtfremden sind genau die, welche in Hinsicht auf ihre phonologischen und morphologischen Eigenschaften nicht auffallen und in diesem Sinne zum Kern des Wortschatzes gehören.“[11]

In dieser Arbeit wird das Attribut ‚fremd‘ im Sinne von ausdrucksseitig ‚fremdsprachlich sein‘ verwendet. Ein fremdsprachliches Wort/Element enthält ein oder mehrere für eine Fremdsprache charakteristische, für das Deutsche uncharakteristische Merkmale.[12] Ich übernehme infolgedessen Munskes These von der zweifachen Struktur des Deutschen, wobei „Fremdwortschatz und indigener Wortschatz aufgrund je spezifischer Reproduktionsmöglichkeiten und je spezifischer ausdrucksseitiger Teilstrukturen partiell eigene Ausdruckssysteme des deutschen Gesamtsystems [bilden].“[13] Das heißt, dass mit den Entlehnungen aus anderen Sprachen nicht nur Lexeme und neue Bedeutungen ins Deutsche aufgenommen wurden und werden, sondern zugleich neue Laute, Grapheme, Morpheme, Akzentregeln und Wortbildungsmittel.[14] Die zweifache Struktur drückt sich demnach auch in der Wortbildung aus. „Denn durch die Isolierung und produktive Verwendung von Fremdaffixen in Fremdwörtern wie auch durch die Einbeziehung entlehnter Basen in die indigene Wortbildung (tolerier-bar, Toleranz-gebot) hat der Fremdwortschatz seinen Status als Ansammlung entlehnter Fremdelemente verloren und ist zu einem gleichrangigen, wenn auch nach wie vor spezifischen Teil des deutschen Gesamtsystems geworden.“[15]

Für die Wortbildung sind natürlich nicht alle Wortentlehnungen interessant, sondern nur die, die entweder schon als morphologische komplexe Wörter entlehnt werden oder durch Re­analyse im Deutschen als morphologisch komplex segmentiert werden können.[16] Beides begegnet dem Wortbildungsforscher größtenteils bei griechischen, lateinischen und französischen Entlehnungen, die auch den größten Anteil im Fremdwortschatz besitzen. Mit den Wortentlehnungen werden auch Wortbildungsmuster und Wortbildungsmittel ins Deutsche transferiert, nach deren Vorbild und mit denen komplexe Fremdwörter innerhalb des Deutschen gebildet werden.[17] Die fremdsprachlichen, im Deutschen produktiven Wortbildungselemente sind häufig durch Morphematisierung griechisch-lateinischer lexikalischer Entlehnung­en entstanden.[18] In der Forschung wird diese Bildung von „deutschen“ Femdwörtern auf der morphologischen Basis entlehnter Elemente und Wortbildungsmittel als Lehnwortbildung oder auch als neoklassische Wortbildung bezeichnet.[19]

Obwohl schon Polenz in den 1960er Jahren auf dieses Phänomen aufmerksam machte, ist die Lehnwortbildung erst zwanzig Jahre später durch das aus der Neubearbeitung des DFWB entstandene Projekt „Lexikon zur deutschen Lehnwortbildung (LWB)“ am Institut für deutsche Sprache (IdS) umfassend erforscht worden.[20] Ein Blick ins Herkunftsregister des DFWB zeigt, dass eindrittel der Belege lehngebildete „deutsche“ Fremdwörter sind, 32 Prozent sind griechisch-lateinischer und zwanzig Prozent französischer Herkunft, aus dem Italienischen und Englischen gelangten jeweils vier Prozent in den Fremdwortschatz.[21]

Die Unterscheidung zwischen Wortentlehnung und Lehnwortbildung kann aber nur unter diachroner Perspektive erfolgen.[22] Deswegen bevorzugt Müller bei einer synchronen Analyse von fremdem Sprachmaterial in der Wortbildung den Terminus Fremdwortbildung anstatt Lehnwortbildung.[23] „Für die diachrone Fremdwortbildungsforschung ist die Frage relevant, ob es sich bei einem Fremdwort um Lexementlehnung handelt (also beispielsweise um ein Lehnwort aus dem Lateinischen oder Griechischen) bzw. um die Entlehnung einer nichtdeutschen Fremdwortbildung (z.B. des Französischen, Italienischen, Spanischen, Englischen etc.) oder ob eine deutsche Fremdwortbildung vorliegt.“[24] Bei synchroner Betrachtung hingegen ist nicht die Differenzierung ‚entlehnt‘ oder ‚nicht entlehnt‘ relevant, sondern die ausdrucksseitige Unterscheidung in ‚fremd‘ oder ‚nicht fremd‘. „Zum Gegenstandbereich ‚Deutsche Wortbildung‘ gehören somit zwei Teilbereiche: Der Bereich der indigenenen Wortbildung und der Bereich der exogenen Wortbildung (Fremdwortbildung), die im ganzen eigenständige Wortbildungssysteme darstellen, aber in Gestalt von Hybridbildungen (Kombination exogener und indigener Morpheme) miteinander verbunden sind.“[25]

Da diese Arbeit sich synchron und gegenwartsbezogen mit fremden Suffixen in der deutschen Wortbildung beschäftigt, werden im Sinne Müllers der diachrone Aspekt, der Entlehnungsvorgang, die Herkunft und die Entwicklung der produktiven entlehnten Morpheme keine Rolle spielen. Ich gehe also davon aus, dass sich ein fremdsprachliches Suffix von einem deutschen Suffix in seiner phonologischen, prosodischen, graphematischen und morphologischen, das heißt in seiner ausdrucksseitigen Distribution, unterscheidet. Im nächsten Abschnitt erläutere ich Schwierigkeiten, die bei der Analyse von Derivationen mit fremden Suffixen begegnen.

A.2 Schwierigkeiten bei der Wortbildung mit fremden Suffixen

Im Gegensatz zur indigenen Wortbildung treten häufig zwei Besonderheiten bei der Beschreibung der Wortbildung mit fremden Suffixen auf: Zum einen ist der morphologische Status der Einheiten nicht eindeutig analysierbar und zum anderen ist nicht immer eine Ableitungsbasis und -richtung und damit eine Motivationsbeziehung bestimmbar. Am Beispiel des fremden Suffixes –(at)ion werde ich schrittweise die Probleme vorführen, die bei einer herkömmlichen Analyse auftreten. Dieses Suffix wird auch als Ausgangspunkt für die Diskussion und die eigene Analyse in den weiteren Kapiteln dienen:

a) Wie in der indigenen Wortbildung gibt es reihenbildende terminale Einheiten: In fremdsprachlichen Wörtern wie in den femininen Substantiven Artikulation, Demonstration und Operation begegnet uns das Element –ation wie ein Suffix. Diese Wörter können in zwei Segmente zerlegt werden und sind damit zumindest formal komplex.
b) Wir erhalten Artikul-ation, Demonstr-ation, Oper-ation. Dem jeweils ersten Segment entspricht aber kein selbstständiges Wort. In der traditionellen Auffassung kann ihm kein Morphemstatus zugewiesen werden. Die scheinbare Ableitungsbasis hat nicht nur keine Bedeutung, sondern sie gehört auch keiner Wortart an.
c) Traditionell wird nach einer Ableitungsrichtung gesucht, um die Motivationsbeziehung aufzudecken. Die unselbstständigen Erstsegmente tauchen in anderen Konstruktionen auf: Demonstr- zum Beispiel in demonstrieren und demonstrativ. Somit stehen die Einheiten auf –ation wenigstens als Ganzes formal und semantisch mit anderen Wörtern in Beziehung. Die Verben und Adjektive bilden ebenfalls Reihen. Als kleinster gemeinsamer Bestandteil ist –ier(en) und –ativ als Endung abzuspalten. Aber auch dort erhalten wir keine selbstständigen Wörter als Ableitungsbasen. Erst mit den Suffixen werden die Wörter komplett und flektierbar. Die Suffigierung erfolgt nicht additiv, sondern substitutiv.
d) Die Reihen der femininen Substantive auf –ation, der Verben auf –ier(en) und der Adjektive auf –ativ sind jedoch nicht einheitlich. Zum Beispiel gehört nicht zu jedem Substantiv ein Verb und umgekehrt. Zudem gibt es formale Varianten wie –ition, –tion oder nur –ion. Handelt es sich um Allomorphe oder unterschiedliche Suffixe? Oder muss anders segmentiert werden, da die Wörter alle als gemeinsamen Bestandteil –ion aufweisen? Welchen Status erhalten dann die Segmente zwischen dem ersten Bestandteil und dem Suffix?

Allein die formale Analyse fremdsprachlicher Wörter hält viele offene Fragen bereit. Mit den traditionellen Methoden und Begriffen in der deutschen Wortbildungsforschung ist den skizzierten Schwierigkeiten nicht beizukommen.

A.3 Vorgehensweise der Arbeit

Im nächsten Kapitel bertrachte ich aus verschiedenen Blickwinkeln die jüngere Fremdwortbildungsforschung. Dort werden die wichtigsten Themen, Methoden und Ergebnisse vorgestellt. Die Ausführungen bereiten die Diskussion um einen adäquaten Ansatz zur Ermittlung der Form und Funktion fremder Suffixe in Kapitel C vor. Am Beispiel der Untersuchungen zum Suffix –(at)ion weise ich empirisch auf der Basis einer eigens erstellten Wörterliste nach, dass die bisherigen Forschungsergebnisse unzureichend und intransparent sind. In diesem Hauptteil entwickle ich eine eigene Konzeption zur Analyse und Segmentierung fremdsprachlicher Ableitungen. Die methodischen Grundlagen fußen vor allem auf die Arbeiten von Fuhrhop (1998) und Plank (1981). Insbesondere Fuhrhops Stammparadigmenmodell erweist sich als eine geeignete Darstellungsweise für die vielfältigen Ableitungsbeziehungen fremdsprachlicher Wortbildungen im Deutschen. In Kapitel D üperprüfe ich auf der Basis der Wörterliste, ob das alternative Konzept tatsächlich die Fremdwortsuffigierung plausibler beschreiben kann.

In allen Kapiteln wird mehrfach auf die ersten drei Bände zur Deutschen Wortbildung (DW, 1973/1975/1978), auf das Handbuch von Fleischer/Barz (1995) und auf die Wortgrammatik Eisenbergs (1998) Bezug gemommen. Das Belegmaterial stammt aus verschieden Wörterbüchern, den online zugänglichen Textkorpora des Instituts für deutsche Sprache (IdS) und vom Wortbildungsbrowser www.canoo.net.[26]

Das Ziel der Arbeit ist es, die ausdrucksseitig sehr komplexen fremdsprachlichen Suffigierungen durch die Bildung von Stammparadigmen transparenter darzustellen und die Anzahl der Suffixvarianten zu vermindern. Die formal-morphologische Untersuchung fremdsprachlicher Wörter und Suffixee nimmt dabei einen größeren Raum ein als die funktional-semantische Klassifizierung. Denn gerade hinsichtlich des morphologischen Status von fremden Elementen und der formalen Ableitungsbeziehungen divergieren die Auffassungen in der Forschung. Die Arbeit folgt aber nicht einer bestimmten Grammatik- oder Wortbildungstheorie. Ich strebe eine von der lexikalistischen, transformationalistischen, inhaltsbezogenen oder rein strukturalistischen Wortbildungslehre unabhängige Betrachtung der Fremdwortbildung im Deutschen an. Auch wenn im folgenden der allgemeine Begriff ‚Femdwortbildung‘ verwendet wird, verstehe ich darunter in erster Linie die Fremdwortderivation im Sinne von Suffigierung fremder Wörter mittels fremder oder indigener Suffixe.

B Forschungsüberblick: Deutsche Fremdwortbildung

In der synchronen Wortbildungsforschung des Deutschen nimmt die Wortbildung mit fremdsprachlichen Einheiten eine Randstellung ein. Klar erkennbar ist das in den meisten neueren Handbüchern und Wortbildungslehren, in denen auf die Wortbildung mit fremdsprachlichen Elementen entweder gar nicht eingegangen wird wie bei Motsch (1999) oder Olsen (1986) oder nur marginal wie bei Simmler (1998). Eine Ausnahme bilden Erben (42000) und die Bände zur DW (1973, 1975, 1978), in denen die Fremdwortderivation unter den funktionalen Haupkategorien Modifikation und Transposition gleichrangig neben den indigenen Ableitungsmustern behandelt wird. Bei Fleischer/Barz (21995) wird die Fremdwortbildung getrennt von der heimischen Wortbildung in besonderen Kapiteln und nach Suffixen geordnet vorgestellt. Sie fassen die Hauptprobleme der Analyse und Klassifikation in der Fremdwortbildung angemessen zusammen:[27] a) die Unterscheidung zwischen Entlehnung ganzer Wörter und Wortbildung mit fremden Elementen innerhalb des Deutschen, b) die formale und seman­tische Analysierbarkeit von komplex erscheinenden Fremdwörtern, weil diese beeinflusst wird durch die Kenntnis der entsprechenden Fremdsprache und c) die Bestimmung des Morphemstatus, da viele fremdsprachliche Grundmorpheme nicht wortfähig sind (hydro-, litho-).

In der Forschung gibt es derzeit zu allen drei Punkten Diskussionen und alternative Lösungsansätze. Insbesondere angestoßen durch die Arbeiten zum Projekt „Lexikon der deutschen LWB“ sind Anstrengungen unternommen worden, den Notstand in der Darstellung und Beschreibung zu mindern. Das Projekt hat zum erstenmal umfassend und empirisch abgestützt diachronisch, etymologisch und synchronisch fremdsprachliches Material unterhalb des Wort­ranges im Deutschen untersucht. Dadurch wurden für die Analyse produktiver Wortbildungen mit prinzipiell gebundenen entlehnten Elementen innerhalb des Deutschen neue methodische und terminologische Wege eröffnet. Ziel des Projekts war ein synchron-diachrones Lexikon der Lehnwortbildung der deutschen Gegenwartssprache.[28] Wegen der Fülle des gesammelten Materials und der schwierigen Abgrenzung zwischen LWB im Deutschen und Entlehnungen ins Deutsche ist das Vorhaben gescheitert.[29] Ein Teil der Ergebnisse ist in die neubearbeiteten Bände des DFWB eingegangen. Die aus dem Projekt entstandenen Einzeldarstellungen beziehen sich weitgehend auf initiale gebundene Morpheme und werden nicht für diese Arbeit herangezogen.[30]

Der folgende Überblick über Analysen und Methoden in der synchronen Fremdwortbildungsforschung behandelt in der Hauptsache diejenigen Aspekte, die unmittelbar mit der Derivation mit fremden Suffixen zu tun haben. An einigen Stellen ist es jedoch unerlässlich, auch auf allgemeinere Arbeitsschwerpunkte in der Wortbildungsforschung einzugehen. Die Themenbereiche Hybridbildungen, Distribution fremdsprachlicher morphologischer Einheiten und internationale Wortbildung stelle ich nicht explizit vor.[31]

B.1 Kategorisierung fremdsprachlicher Elemente

Komplexe Wörter bestehen nach der traditionellen (strukturalistischen) Auffassung aus mehreren Morphemen.[32] Diese Morphemgefüge oder Wortbildungskonstruktionen können aus unterschiedlichen Arten von Morphemen aufgebaut sein. In den Wortbildungslehren werden nach der Bedeutung und dem Grad der Selbständigkeit freie und gebundene Morpheme unterschieden. Je nach Betrachtungsweise werden die freien, selbstständig vorkommenden und wortfähigen Morpheme Wörter, Lexeme, Stamm-, Grund-, Kern- oder Basismorpheme genannt; die gebundenen, unselbstständig vorkommenden und nicht wortfähigen Morpheme bezeichnet man als Affixe, Derivateme oder Wortbildungsmorpheme.[33] Von dieser Unterscheidung in zwei Morphemklassen hängt die Einteilung in die Hauptwortbildungsarten Komposition bzw. Zusammensetzung (Kombination zweier Lexeme) und Derivation bzw. Ableitung (Kombination eines Lexems mit mindestens einem Affix) ab. Die Analyse von Wortbildungsstrukturen setzt also eine Kategorisierung der Morpheme voraus.

Diese Grobkategorisierung der Morphemarten trifft jedoch bei einer Reihe von Wortbildungen mit fremdsprachlichen Elementen nicht zu. Erkennbar komplexe Wörter wie Pragmatik oder Pragmalinguistik lassen sich zwar in einzelne Bestandteile segmentieren, aber der morphologische Status der Segmente ist schwer zu fassen. Damit einhergehend ist eine eindeutige Zuordnung zu einer Wortbildungsart nicht immer möglich.[34] Kombinationen mit nicht wortfähigen, gebundenen Einheiten als Wortbildungsbasen sind ein charakteristisches Merkmal in der Fremdwortbildung.[35] In der Wortbildungsforschung besteht große methodische und terminologische Uneinigkeit, welcher Morphemkategorie diese Einheiten und welcher Wortbildungsart die Kombinationen mit diesen Einheiten zugeordnet werden sollen.[36]

B.1.1 Konfixe

Im Rahmen des Forschungsberichts zur LWB entwickelt Schmidt (1987a) eine formalisierte Darstellungsweise, mit der er alle möglichen Kombinationen aus selbständigen und unselbständigen, entlehnten und indigenen unmittelbaren Konstituenten erfasst. Seine Ergebnisse zeigen, dass bei den entlehnten Einheiten die Kategorien ‚selbständig‘ und ‚basis- und kompositionsgliedfähig‘ sowie ‚unselbständig‘ und ‚Affix‘ nicht notwendigerweise zusammenfallen, wie es für die indigene Wortbildung üblich ist. Die Kombination Thermik besteht zum Beispiel aus den Konstituenten therm mit den Merkmalen ‚unselbständig‘ und ‚entlehnt‘ und ik mit den gleichen Merkmalen. Unzweifelhaft erscheint der Suffixstatus der zweiten Konstituente, aber welcher Morphemkategorie gehört die erste an? Diese Einheit taucht auch in anders strukturiereten Wortbildungen wie endotherm, Thermostat und Thermohose auf, aber niemals als freies Wort.

Die Frage, welchen Status nun solche gebundenen Einheiten wie therm besitzen, will Schmidt (1987b) durch eine erweiterte Terminologie für den Bereich der LWB klären. Denn „die Ver­wendung der Begriffe, die auf der Unterscheidung Wort – Affix und den WB-Arten Zusam­mensetzung (Komposition) und Ableitung (Derivation im weiten Sinne von Affigierung) be­ruhen, [führt] in bestimmten Beschreibungssituationen leicht zu Mißverständnissen und Widersprüchen“.[37] Er kritisiert bei der bisherigen Begriffsbestimmung die Vermischung von morphologisch-syntaktischen und funktional-semantischen Kriterien, denn ein Wort wird gegenüber dem Affix oft durch seinen höheren Inhaltswert charakterisiert.

Um die gebundenenen fremdsprachlichen Elemente nicht den traditionellen Morphemklassen zuordnen zu müssen, ermittelt Schmidt ihren synchronen morphologischen Status allein nach den morphologisch-syntaktischen Kriterien Basis- und/oder Kompositionsgliedfähigkeit und Position. Er fasst alle nur in Kombinationen auftretenden lexikalischen Einheiten unter dem Oberbegriff ‚Kombinem‘ zusammen und grenzt diese von den wortfähigen, freien Lexemen ab. Die Einheiten selber können einfach oder komplex, das heißt Kombinationen aus Elemen­ten sein. Kombinem-Subklassen sind einerseits die basis- und/oder kom­po­sitionsgliedfähigen Konfixe und andererseits die weder basis- noch kompositionsgliedfähigen Affixe. Letztere werden nach ihrer Position in Suffixe und Präfixe unterteilt, die Konfixe in weitere Klassen je nachdem, ob sie nur kompositionsgliedfähige Kombineme (Komponeme), nur basisfähige Kombineme (Baseme) oder beides sind (Basokomponeme). Diese drei Kategorien können noch nach ihrer Position analog zu den Affixen untergliedert werden.[38] Die Einheit therm(o) gehört also zur Kategorie Basokomponem, da sie am Anfang und am Ende einer Kombina­tion stehen kann. Die Kombination Thermohose besteht aus Konfix plus Lexem, Thermostat aus Konfix plus Konfix und Thermik aus Konfix plus Affix. Biologie ist ein Kombinemkom­positum aus dem Basokomponem bio und dem komplexem Komponem logie. Der Terminus Morphem wird von Schmidt nicht berücksichtigt, da der funktional-semantische Teil für die Kategorisierung der lexikalischen Einheiten ausgegliedert ist. Die morphologischen Oberein­heiten sind Lexeme auf der einen und Kombineme auf der anderen Seite.

Schmidts Klassifizierung hat Eingang gefunden bei Fleischer/Barz, die jedoch nicht die weite­ren Termini für die Subklassen verwenden.[39] Nicht wortfähige, aber basis- und kompositions­gliedfähige gebundene Grundmorpheme bezeichnen sie als wortartindifferente Konfixe. Die gebundenen Einheiten werden je nach Auftreten zur Komposition oder Derivation gerechnet. Konfixkomposita sind Kombinationen aus Lexem plus Konfix oder Konfix plus Konfix, Konfixderivate sind zum Beispiel elektr-izität, –ifizieren, –isch, –isieren oder fanat-ismus, –iker, –isch, –isieren.[40]

Anderer Auffassung ist Müller (2000). Er beanstandet, dass die Abgrenzung von Konfix und Affix bei Schmidt – trotz seiner Intention – und Fleischer/Barz nach semantischen Kriterien erfolgt: „Das Vorliegen von ‚Kompositionsgliedfähigkeit‘ setzt die Interpretation eines Konfixes als ‚gebundenes Grundmorphem‘ bereits voraus.“[41] Weil zudem die Kategorien ‚Grundmorphem‘ und ‚Affix‘ nicht grundsätzlich mit ‚wortfähig‘ versus ‚gebunden‘ konvergieren,[42] schlägt Müller ein Gegenmodell vor, dass sich allein nach den Kriterien ‚Wortfähigkeit‘ und ‚Topologie‘ richtet. Es ergeben sich vier Morphemklassen:[43]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Morphemklassen nach Müller (2000)

Nach Müller sind Konfixe also nicht definiert als gebundene Grundmorpheme, sondern als initial wie terminal vorkommende gebundene Morpheme. Damit stehen sie im Gegensatz zu Schmidts Theorie gleichrangig neben den anderen Affixarten. „Da die Semantik keine Rolle spielt, ist für den Morphemstatus auch irrelevant, mit welchen anderen Morphemen ein gebundenes Morphem kombinierbar ist. Therm ist deshalb in jedem Fall ‚Konfix‘, unabhängig davon, ob es mit wortfähigen (z.B. Thermohose) oder gebundenen Morphemen (z.B. thermal) verbunden ist.“[44]

Als Folge dieser Charakterisierung ergänzt Müller im Bereich der Fremdwort- und Hybridbildungen die Wortbildungstypen Komposition und Derivation um den neuen Typ der Affixkombination, in der nur gebundene Morpheme vorkommen. Er bezieht jeweils die vier Morphemklassen auf die drei Wortbildungsarten in einem Dreierschema:[45] Neu im Bereich der Derivation ist die Konfix-Derivation aus a) Konfix plus Lexem (Thermo-Blouson oder die hybride Bildung Thermohose) oder b) Lexem plus Konfix (Magnetophon). Die Affixkombinationen sind unterteilt in vier Subtypen: zum Beispiel isotherm als Präfix-Konfix-Kombination, Bibliothek als Präfix-Suffix-Kombination, Thermik als Kombination aus Konfix plus Suffix und die Konfix-Konfix-Kombination thermophil. Kompositionen sind, anders als bei Fleischer/Barz, nur Kombinationen von Lexemen.

B.1.2 Fremde Suffixe

Das Wortbildungselement therm wird bei Schmidt, Müller und Fleischer/Barz einheitlich der Kategorie Konfix zugeordnet. Nicht immer herrscht eine einheitliche Einteilung vor: So klassifizieren beispielsweise Fleischer/Barz bio- und –thek als Konfix, Müller dagegen als Präfix und Suffix.[46] Dass der Affixbestand keine statische Größe ist, wird in der Forschung immer wieder festgestellt.[47] Durch Entlehnungen, durch Morphematisierung fremdsprachiger Elemente, Grammatikalisierung von Lexemen und durch Lexematisierung ehemaliger Affixe kann sich die Zahl der Wortbildungsmorpheme verändern.[48] Aber der Hauptgrund für die Unterschiedlichkeit der aufgestellten Affixinventare liegt an den heterogenen Klassifikationen, den unzureichenden Grenzziehungen und den widersprüchlichen und undifferenziert verwendeten Begriffen.[49] Gerade die Zwischenkategorien Konfix und Halbaffix/Affixoid werden in der Forschung uneinheitlich beurteilt, so dass kein fremdsprachliches Affixinventar dem anderen gleicht.[50]

In dem für meine Arbeit relevanten Bereich der Fremdsuffixe schwanken Zahl und Bestand von Autor zu Autor erheblich.[51] Murjasov (1976) schreibt: „Die Nichtübereinstimmung der Zahl und des Bestandes der Fremdsuffixe bei verschiedenen Verfassern zeugt vom Fehlen zuverlässiger und einheitlicher Kriterien für die Aussonderung der Wortbildungsmorpheme, die ermöglichten, dem Ausgangssegment den Status eines Suffixes oder eines Stammes zuzuschreiben.“[52] Die Kontroverse, nach welchen Kriterien Konfixe kategorisiert werden können, findet sich auch in der Diskussion, inwieweit Suffixe nach formal-morphologischen, semantisch-funktionalen und/oder syntaktisch-grammatischen Merkmalen klassifiziert werden können.[53] Insbesondere ist umstritten, ob die Suffixe eine autonome Bedeutung haben.[54] Dieses Thema werde ich noch in späteren Abschnitten aufgreifen.

[...]


Die bibliographischen Angaben werden mit dem Nachnamen des Autors und Erscheinungsjahr der verwendeten Auflage angegeben. Die vollständigen Angaben sind dem Literaturverzeichnis zu entnehmen.

[1] Zu den Begriffen Wortbildung – Wortgebildetheit, Analyse – Synthese, Produktivität – Aktivität vgl. Erben (2000) S. 49f.; Gauger (1992); Olsen (1986) S. 2ff. und 17f. Siehe auch bei Fleischer/Barz (1995) S.53ff. die Unterscheidung in analytische Wortbildungstypen und synthetische Wortbildungsmodelle.

[2] Vgl. zur Geschichte der Fremdwortlexikographie und zum Sprachpurismus Polenz (1967/1979); Kirkness (1975); Olt (1987); Gardt (2001).

[3] Vgl. die Kritik an dieser „volkstümlichen“ Abgrenzung von Mackensen (1972) S. 6ff.

[4] Vgl. aber Habermanns Aufsatz (2000) zu fremden Wortbildungselementen in deutschen Grammatiken des 17. bis 19 Jahrhunderts.

[5] Vgl. die nach unterschiedlichen grammatischen Kriterien entwickelten Merkmalsraster zur Unterscheidung von Lehnwort, Fremdwort und heimischen Wort von Iluk (1974); Heller (1980). Polenz (1967/1979) macht in seinem wegweisenden Aufsatz den Vorschlag, den ganzen Wortschatz synchron nach sprachsoziologischen und stilistischen Kriterien zu gruppieren und nicht mehr nach formal-grammatischen Prinzipien in assimiliertes Lehn- und nicht integriertes Fremdwort zu unterscheiden.

[6] Vgl. zu den Begriffsdiskussionen und zum Verhältnis von Diachronie zur Synchronie hinsichtlich der Behandlung von lexikalischen Entlehnungen unter anderem W. Müller (1976); Kirkness (1976); Duckworth (1977); Link (1983); Eisenberg/Baurmann (1984).

[7] Siehe unter vielen anderen Veröffentlichungen besonders die Sammelbände von Braun (1979) zur Fremdwort-Diskussion, von Hoppe/Kirkness/Link et al. (1987) zur Lehnwortbildung, von Zabel (1987) zur Fremdwortorthographie, von Braun/Schaeder/Volmert (1990) und Munske/Kirkness (1996) zur Internationalismenforschung und von Stickel (2001) zur aktuellen Fremdwortlexikographie.

[8] Vgl. Kastovsky (1982) S. 15f.; Lipka/Günther (1981) S. 13f.

[9] Vgl. Gardt (2000) S. 34. Gardt betont, dass Sprachwissenschaftler jeder Generation nicht nur Eigenschaften des Sprachsystems beschreiben, sondern durch die Art und Weise der Beschreibung das System beeinflussen und Sprachwirklichkeit schaffen. Hier S. 32: „In ihren Grammatiken, Rhetoriken, Stilistiken, Wörterbüchern und sprachtheoretischen Essays ‚ist‘ dasjenige ein Fremdwort, was die Autoren dazu erklären, und diese Erklärungen wandeln sich je nach sprachtheoretischer, gesellschaftlicher, politischer oder ästhetischer Überzeugung.“

[10] Fremde Wörter weichen nach dieser Auffassung mehr oder weniger ausdrucksseitig stark vom Kernsystem des Deutschen ab. Die Grenzen sind aber fließend und der Integrationsvorgang wird als Kontinuum aufgefasst bzw. als wechselseitige Beeinflussung beider Systeme. Vgl. zur Integration Eisenberg (2001); Gardt (2001); Munske (2001); speziell zur Transferenz und Integration französischer Entlehnungen Volland (1986).

[11] Eisenberg (1998) S. 37; Vgl. Munske (2001) S. 27: „Bald wird die Unterscheidung von Erbwort, Lehnwort und Fremdwort nur noch eine lexikographische Reminiszenz sein.“

[12] Vgl. zu dieser Begriffsprägung und ihrer Begründung W. Müller (1976) S. 217.

[13] Munske (1988) S. 50. Munske weist dem Deutschen den Status einer Mischsprache zu (S. 68f.) Die Inhaltsseite wird ausgeklammert, weil sie nicht ausdrucksseitig erkennbar vom indigenen System abweicht. Hier S. 51: „Das Inhaltssystem einer Sprache wie auch die syntagmatischen Strukturen der Syntax und Wortbildung kennen nichts Fremdes, allenfalls Geläufiges oder weniger Geläufiges, und dies unterliegt vielfältigen pragmatischen Bedingungen.“ Vgl. auch Munske (2001) S. 7ff. Siehe auch schon Fleischer (1977), hier S. 110: „Die Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, daß sich neben dem System der heimischen [...]Bildungsmittel und Bildungsweisen ein Teilsystem herausgebildet hat, das mit Elementen fremdsprachlicher Herkunft auf der Basis der Wortbildungsstrukturen des Deutschen operiert.“

[14] Vgl. Munske (1988) S. 49. Siehe auch Schmitt (1995); Bergmann (1998).

[15] Munske (1988) S. 62.

[16] Vgl. Eisenberg/Baurmann (1984) S. 17. Zur Reanalyse vgl. Plank (1981) S. 67ff.; Eisenberg (1998) S. 233f; Fuhrhop (1998) S. 37ff. und 104f.

[17] Vgl. Munske (1988 und 2001); Volmert (1996). Siehe speziell zu französischen Suffixen im Deutschen Volland (1986).

[18] Zur Morphematisierung vgl. Erben (2000) S. 141ff.

[19] Vgl. Polenz (1967/1979); Munske (1988); Bergmann (1998) spricht auch von europäischer Wortbildung, da die aus dem Lateinischen und Griechischen entlehnten Morpheme, Lexeme und Wortbildungsmuster in vielen eurpäischen Sprachen vergleichbare produktive Wortbildungsreihen aufweisen.

[20] Vgl. den Forschungsbericht Hoppe/Link/Kirkness (1987). Siehe auch schon Link (1983) mit einer ersten Hauptlemmaliste der produktiven Lehnelemente. Vgl. schon den Terminus Lehnbildung bei Betz (1944 und 1959) und dessen Vorschlag eines Lehnbildungswörterbuchs. Auch Eisenberg/Baurmann (1984) S. 18 benutzen Lehnbildung für Wortbildungen im Deutschen mit produktiven entlehnten morphologischen Bestandteilen..

[21] Vgl. Herkunftsregister in Band 7 des DFWB (1988).

[22] Zu den Abgrenzungsschwierigkeiten vgl. Munske (1988) S. 65. Zur diachronen Behandlung von Fremdwörtern und Fremdelementen vgl. Kirkness (1976 und 1987); W. Müller (1976); Link (1983 und 1988); Schmidt (1987a).

[23] Fleischer/Barz (1995) S. 61 und Habermann (2000) S. 79 halten den Begriff Lehnwortbildung für missverständlich und favorisieren ebenfalls den Terminus Fremdwortbildung.

[24] Müller (2000) S. 118.

[25] Müller (2000) S. 115.

[26] Korpora der gesprochenen und geschriebenen Sprache: http://corpora.ids-mannheim.de/~cosmas/.

[27] Vgl. Fleischer/Barz (1995) S. 67.

[28] Vgl. zur lexikologischen und lexikographischen Konzeption des Lexikons Hoppe/Kirkness/Link et al. (1987) S. 441-449. Siehe auch Link (1988) und Hoppe/Link (1999) S. 1-50.

[29] Vgl. zu den Gründen Munske (2000) S. 413 und 422f.

[30] Vgl. unter anderem Hoppe (1999) zu ex-; Nortmeyer (2000) zu inter - und trans -; Kinne (2000) zu neo -, post -, prä -.

[31] Vgl. zu Hybridbildungen Fleischer/Barz (1995) S. 62ff.; Bergmann (1998) S. 178ff. Zur Distribution Dittmer (1983) S. 391ff. Zur internationalen, „eurolateinischen“ Wortbildung mit sogenannten Interlexemen und Intermorphemen Braun/Schaeder/Volmert (1990); Schmitt (1995); Munske/Kirkness (1996); Wellmann (2000).

[32] Eine Diskussion um den umstrittenen Morphem-Begriff kann hier nicht erfolgen. Für diese Arbeit soll es genügen, das Morphem als kleinstes Zeichen des Sprachsystems zu beschreiben, das nicht nur einen Lautwert, sondern auch eine signifikative Funktion hat. Vgl. Erben (2000) S. 25ff.

[33] Die Wortformenbildung mit Flexionsmorphemen ist nicht Teil der Wortbildung.

[34] Vgl. Eisenberg/Baurmann (1984) S. 18; Siehe auch Harras (1997). Sie setzt sich mit verschiedenen lexikalistischen Konzeptionen (u.a. Selkirk (1982), Höhle (1982), Reis (1983)) auseinander und diskutiert den morpholgischen Status prinzipiell gebundener fremdsprachlicher Elemente und die Einordnungsprobleme in die Hauptwortbildungsarten.

[35] Zu vereinzelten Fällen innerhalb der heimischen Wortbildung (unikale Morpheme, Pseudomorpheme) vgl. Polenz (1980) S. 172.

[36] Vgl. zur heterogenen Morphemklassifikation im Bereich der Fremdwortbildung Müller (2000) S. 117 und Harras (1997) S. 115f.

[37] Schmidt (1987b) S. 37.

[38] Vgl. die Abbildung bei Schmidt (1987b) S. 50.

[39] Vgl. Fleischer/Barz (1995) S. 67.

[40] Vgl. Fleischer/Barz (1995) S. 68.

[41] Müller (2000) S. 123. Siehe Fleischer/Barz (1995) S. 25: „Das entscheidenede Kriterium für die Zuordnung eines gebundenen Elements zur Klasse der Konfixe ist seine lexikalisch-begriffliche Bedeutung.“

[42] Vgl. auch Harras (1997) S. 122.

[43] Vgl. die Abbildung bei Müller (2000) S. 124.

[44] Müller (2000) S. 125.

[45] Vgl. weitere Beispiele zu den Kombinationsmöglichkeiten bei Müller (2000) S. 128f.

[46] Vgl. Fleischer/Barz (1995) S. 25 und Müller (2000) S. 127f.

[47] Vgl. Eisenberg (1998) S. 206; Fleischer/Barz (1995) S. 35f.

[48] Während in der heimischen Wortbildung Grammatikalisierungsprozesse (Lexem > Affix) ablaufen, ist die Lexematisierung (Affix > Lexem) für die Fremdwortbildung charakteristisch. Dabei kann es sich um einen Wechsel der Morphemkategorie handeln oder zur Morphemspaltung kommen, das heißt es existieren zwei homonyme Morpheme, mit denen nach verschiedenen Wortbildungsmodellen neue Wörter gebildet werden. Vgl. Müller (2000) S. 125f. mit Beispielen und auch die Diskussion bei Schmidt (1987b) S. 45f. Zu Grammatikalisierungs- und Morphematisierungstendenzen vgl. Erben (2000) S. 136-146.

[49] Vgl. Müller (2000) S. 123f.

[50] Vgl. zur Affixoid-Diskussion Schmidt (1987c); Fleischer/Barz (1995) S. 27f; Duden Grammatik (1995) S. 405; Eisenberg (1998) S. 210.

[51] Vgl. Murjasov (1976) S. 121f.; Eichinger (2000) S. 191.

[52] Murjasov (1976) S. 122.

[53] Einiges gilt gleichermaßen für die in dieser Arbeit nicht relevanten Präfixe. Im Allgemeinen werden formale, syntaktische und semantische Merkmale miteinander vermengt: Suffixe sind reihenbildend, besitzen eine abstraktere Bedeutung als Grundmorpheme, sind positionsfest, nicht wortfähig und bestimmen die Wortart und den Flexionstyp. Vgl. Fleischer/Barz (1995) S. 28f.; Fuhrhop (1998) S. 6ff. Funktional in Bezug auf die Ableitungsart werden Suffixe in den meisten Wortbildungsdarstellungen Ableitungsmustern, Funktionsständen bzw. Wortbildungsparadigmen zugeordnet und in transponierende und modifizierende Suffixe unterschieden, wobei semantisch polyfunktionale und syntaktisch polyfunktionale Suffixe existieren. Vgl. Erben (2000) S. 45f. und S. 73ff.; Duden Grammatik (1995); DW I bis III (1973, 1975, 1978).

[54] Eisenberg (1998) S. 29f. schreibt Affixen gegenüber der Lexembedeutung eine leere Affixbedeutung zu. Sie besitzen seiner Ansicht nach lediglich eine morphosemantische Funktion, indem sie beispielsweise aus Verbstämmen Substantivstämme bestimmter Art machen. Nach Erben (2000) S. 26f. besitzen Affixe „mehr grammatischen als semantischen Signalwert“ und haben im Unterschied zu Grundmorphemen geringeres inhaltliches Gewicht. Bei Becker (1990) S. 10 tragen Affixe generell keine Bedeutung. Siehe auch allgemein zur Problematik Donalies (1999). Beispiele wie das bedeutungstragende –itis und das als reine Verbmarkierung klassifizierte –ier(en) zeigen, wie semantisch heterogen die Suffixklasse charakterisiert ist. Vgl. zu –itis Müller (2000) S. 123f.; Schmidt (1987b) S. 45.

Ende der Leseprobe aus 68 Seiten

Details

Titel
Form und Funktion fremder Suffixe im Gegenwartsdeutschen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Sprach- und Literaturwissenschaften)
Note
1,8
Autor
Jahr
2002
Seiten
68
Katalognummer
V17615
ISBN (eBook)
9783638221467
ISBN (Buch)
9783638737630
Dateigröße
1038 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Form, Funktion, Suffixe, Gegenwartsdeutschen
Arbeit zitieren
Wolfram Baier (Autor), 2002, Form und Funktion fremder Suffixe im Gegenwartsdeutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17615

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