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Heilkunst im 17. Jahrhundert

Wie Dr. Menni die Seligenstädter Mönche kurierte und dabei mit Abt Leonhard I. in Streit geriet

Title: Heilkunst im 17. Jahrhundert

Scientific Essay , 2001 , 66 Pages

Autor:in: Manfred Schopp (Author)

Medicine - History
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[...] Dieser umfangreiche, rund 140 Seiten füllende Schriftwechsel zwischen den Beteiligten in Seligenstadt, Aschaffenburg und Mainz aus der Schlussphase des Dreißigjährigen Krieges, einer Zeit also, in der Land und Leute bereits großenteils in den oft beschworenen „Totalruin“ getrieben und an den Bettelstab gebracht waren, vermittelt uns vorab eine fundamentale Erkenntnis: Dass es zu dem endgültigen moralischen Verfall, den viele Zeitgenossen als unausweichliches Erbe dieses Krieges erwarteten, nicht kam, ist das unschätzbare Verdienst jener Männer, die in diesen Jahren des Grauens den lokalen Verwaltungen vorstanden und mit ungebrochener Energie Gesetz und Ordnung auch in auswegloser Lage am Überleben hielten. Mehr als die Starrköpfigkeit zweier Dickschädel sollte man die Ernsthaftigkeit und Geduld, die Fürsorge und das rechtliche Denken der Beamten bewundern, die in all dem Elend mit diesem Fall betraut waren. So, als wäre tiefster Friede, als gingen die Dinge ihren gewohnt harmlosen Gang und gäbe es keine dringlicheren Aufgaben zu meistern, so nahmen sie sich der Klagen Mennis und der Einwendungen Colchons an. Diese nimmermüden und tüchtigen Beamten waren es, die mit ihrer Bürokratie den Absturz einer ganzen Generation in blanke Gewalt, Faustrecht und Ganoventum verhinderten, - eine Möglichkeit, die sich am Ende des Dreißigjährigen Kriegs als apokalyptische Vision drohend am Horizont abzeichnete. Überhaupt wirkte die deutsche Beamtenschaft niemals verantwortungsvoller und pflichtbewusster als nach großen Katastrophen, wo oft Übermenschliches zu leisten war. Das gilt für den Dreißigjährigen Krieg ebenso wie für die beiden verlorenen Weltkriege des letzten Jahrhunderts. Wenden wir uns nun nach diesen allgemeinen Erwägungen unserem Streitfall zu. Dabei verfolgen wir eine doppelte Spur: Zu einem zeichnen wir anhand der 38 erhaltenen Dokumente den Verlauf der Auseinandersetzung zwischen Colchon und Menni im Detail nach, zum anderen widmen wir uns anschließend dem medizinischen Aspekt der Sache, indem wir die vier „Specificationes“ Dr. Mennis auswerten. So ergibt sich eine klare Zweiteilung unseres Themas.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

I. Teil: Der Streitfall

II. Teil: Die ärztliche Kunst

1. Dr. Menni und seine Patienten

2. Die Krankheiten

3. Die Arzneien

Anhang

1. Lateinisches Verzeichnis der Heilpflanzen

2. Bekannte Ärzte

3. Vertrag des Klosters mit Dr. Menni

Zielsetzung & Themen

Diese historische Abhandlung untersucht anhand eines überlieferten, umfangreichen Schriftwechsels den Konflikt zwischen dem Abt des Klosters Seligenstadt, Leonhard Colchon, und dem Aschaffenburger Stadtmedicus Dr. Johann Heinrich Menni während der Schlussphase des Dreißigjährigen Krieges. Ziel ist es, neben der Rekonstruktion des Rechtsstreits um Honorarforderungen, tiefe Einblicke in die medizinische Praxis und die Lebensumstände in einer von Krieg und Seuchen gezeichneten Zeit zu gewähren.

  • Konfliktanalyse zwischen geistlicher Obrigkeit und ärztlichem Dienstleister.
  • Aufarbeitung der medizinischen Versorgung im 17. Jahrhundert (Krankheitsbilder und Arzneikunde).
  • Historischer Kontext des Dreißigjährigen Krieges und seine Auswirkungen auf das Klosterleben.
  • Dokumentation der administrativen Bürokratie in einer Krisenzeit.

Auszug aus dem Buch

EINLEITUNG

Über die ärztliche Kunst vergangener Jahrhunderte haben wir Kenntnis aus unterschiedlichen Quellen. Da sind zum einen die Aufzeichnungen berühmter Ärzte, die ihr Wissen und den reichen Schatz ihrer Erfahrungen den nachfolgenden Generationen weitergeben wollten. Auch fanden manche Rezeptsammlungen ihren Weg aus Klosterapotheken in die Öffentlichkeit, von den zauberischen Salben und Pulvern der Kräuterweiblein und ihren Liebestränken gar nicht zu reden. All diese Bücher waren Studier- und Lehrwerke für angehende Chirurgen und Apotheker, gewissermaßen das theoretische Rüstzeug für die Praxis des Arztes. Aber wie sah dieser Alltag wirklich aus, der ja in seiner Banalität nicht beschrieben, sondern bewältigt sein wollte, und von dem wir daher meist wenig wissen?

Fast immer stößt der Historiker nur dann auf Beschreibungen des Gewöhnlichen, wenn etwas Außergewöhnliches, etwa ein seltenes Naturereignis, ein Rechtsstreit oder ähnliches, den alltäglichen – und daher nicht erwähnenswerten – Verrichtungen ein Gewicht beimisst, das sie, für sich genommen, niemals haben könnten.

Ein solcher Streitfall nun ist Gegenstand dieser Abhandlung. Ihm verdanken wir Einblicke in die ärztliche Praxis und die mit ihr verbundenen Belastungen, wie sie in der Regel kein Lehrbuch bietet. Bei den Streithähnen, die sich hier gegenüberstehen, handelt es sich um den Abt des Klosters Seligenstadt Leonhard Colchon (1) und den Doktor der Philosophie und Medizin und dazu Physicus in Aschaffenburg Johann Heinrich Menni (2). Leonhard Colchon, geboren am 5.5.1593 in Lüttich, war von 1625 bis 1653 Abt des Klosters Seligenstadt. Dr. Menni war Stadtmedicus in Aschaffenburg. Von Abt Colchon ist ja hinreichend bekannt, dass er keinem Streit aus dem Wege ging, aber auch Dr. Menni war nicht zimperlich im Austeilen, so dass sich mit dem Konflikt schließlich sogar die kurfürstliche Regierung in Mainz befassen musste. Aus Sicht des Historikers war dies ein wahrer Glücksfall; denn nur diesem Umstand ist es zuzuschreiben, dass die zwischen den Kontrahenten bzw. den Behörden gewechselten Schreiben noch erhalten und im Mainzer Regierungsarchiv (3) archiviert sind.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Teil: Der Streitfall: Detaillierte Rekonstruktion des Rechtsstreits um unbezahlte Honorarforderungen des Arztes Dr. Menni gegen den Abt Colchon, basierend auf dem erhaltenen Schriftwechsel der Jahre 1643 bis 1644.

II. Teil: Die ärztliche Kunst: Wissenschaftliche Einordnung und detaillierte Analyse der medizinischen Behandlungsmethoden, der aufgetretenen Krankheitsbilder und der angewandten Arzneien im 17. Jahrhundert.

1. Dr. Menni und seine Patienten: Chronologische Auflistung und medizinische Kommentierung der von Dr. Menni behandelten Fälle unter Einbeziehung der Sichtweisen beider Kontrahenten.

2. Die Krankheiten: Detaillierte pathologische und zeitgenössische Beschreibung der im 17. Jahrhundert verbreiteten Leiden wie Hämorrhoiden, Gicht, Fieberformen und Ruhr.

3. Die Arzneien: Systematische Aufarbeitung der verwendeten Heilmittel, ihrer Zusammensetzung und ihrer Anwendung unter Berücksichtigung damaliger pharmakologischer Kenntnisse.

Schlüsselwörter

Dreißigjähriger Krieg, Kloster Seligenstadt, Abt Leonhard Colchon, Dr. Johann Heinrich Menni, Medizingeschichte, Humoralpathologie, Arzneimittel, Apotheker, Hämorrhoiden, Gicht, Fieber, Purgantia, Confortantia, Rechtsstreit, Historische Dokumentation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Es geht um die historische Rekonstruktion eines Honorarstreits zwischen einem Mediziner und einem Abt im 17. Jahrhundert, der als Fenster zur medizinischen Praxis und zum Alltag der Zeit dient.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Medizingeschichte, die Arzneimittellehre der frühen Neuzeit, kirchliche Verwaltung und das Leben während des Dreißigjährigen Krieges.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, durch die Untersuchung des konkreten Konflikts zwischen Colchon und Menni die ärztliche Praxis und die medizinische Versorgung in einer Zeit des Totalruins aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine akribische Quellenanalyse des erhaltenen Schriftwechsels und ordnet diesen in den medizin- und kulturhistorischen Kontext des 17. Jahrhunderts ein.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Aufarbeitung des Streitfalls sowie eine umfangreiche wissenschaftliche Darstellung der medizinischen Kunst, der Krankheitsbilder und der Arzneien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kriegsmedizin, Klostermedizin, Humoralpathologie, Arzneimittel, historische Korrespondenz und Rechtsgeschichte.

Warum war der Abt Colchon laut Text auf seine Artzney angewiesen?

Er litt an chronischen Beschwerden, insbesondere Hämorrhoiden und Quartanfieber, die eine dauerhafte medizinische Betreuung notwendig machten.

Wie bewertet der Autor die fachliche Kompetenz von Dr. Menni?

Der Autor erkennt Dr. Mennis rastlosen Einsatz und sein Bemühen an, weist jedoch darauf hin, dass er in der präzisen Buchführung und in seiner Argumentationsweise dem geschliffenen Intellekt des Abtes unterlegen war.

Welche Rolle spielt die Humoralpathologie im Buch?

Sie bildet das theoretische Fundament der ärztlichen Kunst des 17. Jahrhunderts und erklärt, warum Ärzte wie Menni bestimmte Therapien – etwa Purgantia zur Reinigung der Säfte – angewandt haben.

Was erfahren wir über die Versorgung mit Medikamenten?

Es wird aufgezeigt, dass Ärzte dieser Zeit selten selbst Arzneien herstellten, sondern Rezepte ausstellten, die in externen Apotheken, etwa in Aschaffenburg, zubereitet werden mussten.

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Details

Title
Heilkunst im 17. Jahrhundert
Subtitle
Wie Dr. Menni die Seligenstädter Mönche kurierte und dabei mit Abt Leonhard I. in Streit geriet
Author
Manfred Schopp (Author)
Publication Year
2001
Pages
66
Catalog Number
V176177
ISBN (eBook)
9783640978113
ISBN (Book)
9783640978021
Language
German
Tags
Arzneien Honorarstreit Krankheiten Flecktyphus Apotheke Bezoardica Humoralpathologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Manfred Schopp (Author), 2001, Heilkunst im 17. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176177
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