Berkeleys Argumente für die Existenz Gottes und die vollständige Abhängigkeit der Materie von ihm


Essay, 2008

5 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Aufgabe: Berkeley argumentiert auf den Seiten 62 bis 72 für die Existenz Gottes und dafür, dass Gott die alleinige Ursache unserer Ideen ist. Von denkenden Wesen unabhängige Materie sei weder eine Nebenursache für unsere Ideen noch ein Werkzeug Gottes. Rekonstruiere möglichst wohlwollend und möglichst genau Berkeleys Argumente für diese Thesen.

Berkeleys Argumente für die Existenz Gottes und die

vollständige Abhängigkeit der Materie von ihm

Der britische Bischof und Philosoph George Berkeley (1685-1753) bemüht sich im zweiten Dialog seines Werks „Drei Dialoge zwischen Hylas und Philonous“ um einen Beweis der Existenz Gottes. Er versucht außerdem nachzuweisen das Gott der alleinige Verursacher unserer Ideen ist. Die Argumente die er hierfür anbringt sollen in diesem Essay kurz rekonstruiert werden.

Zunächst ist eine Vorbemerkung wichtig: Im ersten Dialog zwischen Hylas und Philonous hat sich Berkeley um Argumente bemüht, die begründen sollen, dass alle empirischen Gegenstände (von ihm „Sinnendinge“ genannt) nur Ideen seien.[1] Im gleichen Dialog lässt Berkeley durch seinen Repräsentanten Philo-nous sagen, dass „keine Idee außerhalb des Geistes existieren kann“ (Berkeley, G. (1713): 55; Berkeleys Hervorhebungen wurden gelöscht). Da er diese Thesen für erfolgreich begründet hält, setzt er sie für den zweiten Dialog voraus. Gleichzeitig bilden sie auch die ersten beiden Prämissen seines Argu-ments für die Existenz Gottes.

Seine nächste Voraussetzung ist, das Ideen, und somit auch Gegen-stände, nicht von ihm selber abhingen.[2] Er meint damit, dass er sich nicht aussuchen kann was er sieht, wenn er die Augen öffnet oder andere Sinnes-eindrücke hat. Das heißt nicht, dass es prinzipiell unmöglich sei, dass ein Geisteswesen Ideen hervorbringt. Denn genau das lässt sich mit der mensch-lichen Phantasie bewerkstelligen. Aber diese Vorstellungen hinterlassen einen deutlich schwächeren und unstetigeren Eindruck als die wirklichen Sinnen-dinge.[3] Diese könne er nicht beeinflussen, wenn er sie sehe.

Aus diesen Prämissen schließt Berkeley, „daß es irgendeinen anderen Geist geben muß, in dem [Sinnendinge] existieren“[4] (Berkeley, G. (1713): 62; Berkeleys Hervorhebungen wurden gelöscht).

Bis hierhin lässt sich das Argument so zusammenfassen:

(1) Sinnendinge sind Ideen
(2) Ideen können nur in einem Geist existieren
(3) Ideen sind von Berkeleys Geist unabhängig
(4) Also müssen Ideen in einem anderen Geist existieren

Dies ist zunächst nur eine vorläufige Schlussfolgerung, von der aus Berkeley weitergeht. Denn er muss noch zeigen, dass kein anderer Mensch oder ein sonstiges endliches Wesen die Ideen hervorbringt, die er wahrnimmt.

Dazu sieht er in der großartigen Vielfalt, Qualität und Zweckmäßigkeit der Natur eine solche Pracht, für deren vollständiges Begreifen und Erfassen die Sinne und Vorstellungskraft eines unvollkommenes Wesens nicht aus-reichen würden.[5] Daher müsse ein über alle Maßen weises, mächtiges und gutes Wesen der Urheber von allem, was Menschen wahrnehmen, sein.[6] Und das ist für Berkeley nur Gott.

Das Argument verläuft daher:

(4) Ideen müssen in einem anderen Geist existieren
(5) Die durch die Natur hervorgerufenen Ideen sind zu komplex, als das sie in einem endlichen Geist existieren könnten
(6) Daher müssen Ideen in einem unendlichen Geist existieren

Dieser unendliche Geist ist Gott.[7] Auf diese Weise hat Berkeley ein gültiges Argument gefunden, um die Existenz eines unendlichen Gottes nachzuweisen.

Aber selbst wenn man die Existenz Gottes anerkennt, ist noch nicht bewiesen, dass es Materie gibt. Sie könnte nämlich eine Nebenursache sein, die zwar von Gott abhängt, aber dennoch Ideen im menschlichen Geist auslöst.[8] Gegen diese These wendet sich Berkeleys nächstes Argument.

Zunächst muss diese Art von Materie definiert werden. Da weder der Betrach-ter, noch die Ideen selbst die Auslöser unserer Wahrnehmung seien, brauchen sie eine andere Ursache.[9] Diese könnte einfach Materie genannt werden, auch wenn nichts anderes über sie bekannt ist.[10]

[...]


[1] Vgl. Berkeley, G. (1713): 13-54

[2] Vgl. Ibid. 63 und 65

[3] Vgl. Ibid. 66

[4] Was Berkeley mit „in einem Geist existieren“ meint, ist etwas unklar. Einerseits existieren Sinnendinge auch in Menschen (vgl. Berkeley, G. (1713): 47 und 49), andererseits müssen sie in einem anderen Geist existieren (vgl. Ibid. 62). Wahrscheinlich beschreibt die erste Verwendung die Art ihrer Existenz und die zweite ihren Grund. Sinnendinge existieren nur in Geistern (auch unseren), es muss aber einen anderen Geist geben, der sie hervorruft. Ich hoffe, dass die folgenden Argumente durch diese Unterscheidung an Klarheit gewinnen.

[5] Vgl. Ibid. 60-61

[6] Vgl. Ibid. 66

[7] Vgl. Ibid. 62

[8] Vgl. Ibid. 66

[9] Vgl. Ibid. 67

[10] Vgl. Ibid.

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Berkeleys Argumente für die Existenz Gottes und die vollständige Abhängigkeit der Materie von ihm
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
5
Katalognummer
V176229
ISBN (eBook)
9783640972180
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
berkeleys, argumente, existenz, gottes, abhängigkeit, materie
Arbeit zitieren
Jan Hoppe (Autor), 2008, Berkeleys Argumente für die Existenz Gottes und die vollständige Abhängigkeit der Materie von ihm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176229

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