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Der Deutsche Corporate Governance Kodex

Selbstverpflichtung der Wirtschaft auf dem Prüfstand

Title: Der Deutsche Corporate Governance Kodex

Thesis (M.A.) , 2011 , 79 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marcel Rüttgers (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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„Es ist der deutschen Wirtschaft gelungen, die bei uns praktizierte Corporate Governance mit Hilfe des Kodex erfolgreich an die Anforderungen des globalen Wettbewerbs anzupassen. Wir haben ein gutes Werk geschaffen, wir verkehren heute international auf Augenhöhe mit Vertretern des einstufigen Board-Systems“1. So bewertet Gerhard Cromme, langjähriger Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, die Arbeit der Kommission und den seit 2002 existierenden Kodex. Die Meinungen in der wissenschaftlichen Literatur und bei den betroffenen Unternehmen sind durchaus differenzierter und reichen von strikter Ablehnung über kritische Beurteilung bis hin zu Unterstützung.
Die Kritikpunkte sind vielfältig und sollen in dieser Arbeit nicht alle en détail wiedergegeben werden. Ein kritischer Ansatz aber soll herausgehoben werden: Er behauptet, dass die Kodex-Kommission nur als Ideengeber für die Legislative fungiere. Demnach müssten die Ideen des Kodex nach und nach in zwingendes Recht umgeändert werden. Damit aber würde die Funktion der Kommission und somit auch des Kodex selbst konterkariert: Schließlich soll der Kodex deregulierend wirken und helfen, die deutsche Corporate Governance flexibler zu gestalten. Würde der Gesetzgeber die Vorschläge der Kommission zunehmend dafür nutzen, um beispielsweise das Aktien- oder Kapitalmarktrecht zu modernisieren, müsste der Kodex als gescheitert angesehen werden.
Die vorliegende Arbeit soll sich der Überprüfung dieser Hypothese widmen. Es stellen sich mithin folgende Fragen, die es zu klären gilt: Wie oft hat der Gesetzgeber Empfehlungen des Kodex aufgegriffen und sie in Gesetze transformiert? Welche Gründe gab es für diese Aufwertung? Welche Aussagen lassen sich über die Befolgungsquoten der verrechtlichten Empfehlungen treffen?
Die Arbeit zielt demgegenüber nicht auf eine grundsätzliche Kritik des Kodex ab. Diese wurde in der wissenschaftlichen Literatur bereits sehr breit diskutiert, während die hier aufgegriffenen Fragen eher selten gestellt wurden. Zwar finden sich gerade im Anschluss an das Gesetz zur Offenlegung der Vorstandsvergütung oder das Gesetz zurAngemessenheit der Vorstandsvergütung einige einschlägige kritische Artikel und Aufsätze. Eine systematische Überprüfung fehlt allerdings bislang.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Corporate Governance

2.1 Interne und externe Corporate Governance

2.2 Enge oder weite Perspektive

2.3 Pfadabhängigkeit und Systemhaftigkeit

3. Die Principal-Agent-Theorie

3.1 Das Menschenbild der Principal-Agent-Theorie

3.2 Der Principal-Agent-Konflikt

3.3 Die Principal-Agent-Theorie in der Wirtschaft

3.4 Notwendigkeit von Corporate Governance

3.5 Gute und schlechte Corporate Governance

4. Die Debatte um Corporate Governance

4.1 Der Deutsche Corporate Governance Kodex

4.1.1 Vorbilder und Vorläufer

4.1.2 Entstehungsgeschichte

4.1.3 Inhaltsübersicht

4.1.4 Die Funktionen des Deutschen Corporate Governance Kodex

4.1.5 § 161 AktG und die Entsprechenserklärung

4.1.5.1 Wissenserklärung, Absichtserklärung und Aktualisierungserklärung

4.1.5.2 Entsprechenserklärung als Element der Regelberichterstattung

4.2 Haftungsrisiken durch den Kodex

4.3 Rechtsqualität der Kodexempfehlungen

4.4 Kritik am Corporate Governance Kodex

5. Befolgung der Kodexempfehlungen: ein Überblick

6. Die wesentlichen Änderungen des Kodex

7. Kodexempfehlungen und Gesetzgebung

8. Kodexänderungen und Gesetzgebung

8.1 Gestrichene Empfehlungen

8.1.1 VorstOG (2006)

8.1.2 TUG (2007)

8.1.3 BilMoG und VorstAG (2009)

8.1.4 ARUG (2010)

8.1.5 Zwischenfazit

8.2 Weitere neuralgische Empfehlungen

8.3 Der Faktor Vielfalt in den Empfehlungen des Kodex

9. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht kritisch die Hypothese, ob der Deutsche Corporate Governance Kodex lediglich als Ideengeber für den Gesetzgeber fungiert. Dabei wird analysiert, wie oft Empfehlungen in Gesetze transformiert wurden, welche Gründe für diese Aufwertung sprachen und welche Aussagen über die Befolgungsquoten dieser verrechtlichten Empfehlungen getroffen werden können.

  • Analyse der theoretischen Grundlagen von Corporate Governance und der Principal-Agent-Theorie.
  • Untersuchung der Entstehungsgeschichte und Funktionen des Deutschen Corporate Governance Kodex.
  • Empirischer Überblick über die Befolgung der Kodexempfehlungen in verschiedenen Börsensegmenten.
  • Bewertung der Wechselwirkung zwischen Kodexänderungen und gesetzlichen Neuregelungen.
  • Diskussion der Haftungsrisiken und der Rechtsqualität der Kodexempfehlungen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Menschenbild der Principal-Agent-Theorie

Der Informationsvorsprung des Agenten bietet nun die Grundlage für den eigentlichen Konflikt mit dem Principal. Bevor dieser allerdings weiter ausgeführt werden kann, soll zunächst ein kompakter Überblick über das implizite Menschenbild der Principal-Agent-Theorie gegeben werden, der es sodann erleichtert den Konflikt zu verstehen.

Das Menschenbild der Principal-Agent-Theorie ist pessimistisch. Der Mensch ist zwar ein rationales Wesen. Richter und Furubotn stellen aber auch klar: „Somit lassen sich Menschen zwar als der Intention nach rational auffassen, sie sind aber nicht hyperrational“. Neben der Rationalität ist der Egoismus ein zentrales Wesensmerkmal des Menschen. Dementsprechend verfolgt er in erster Linie seine eigenen Ziele. Er handelt also stets eigennützig und dabei auch noch nutzenmaximierend. Richter und Furubotn bezeichnen den Menschen demnach als Maximand. Weiterhin lässt sich der Mensch noch als risikoavers bezeichnen. Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass die Principal-Agent-Theorie den Menschen als rationalen und risikoaversen Nutzenmaximierer versteht. Williamson geht noch einen Schritt weiter und unterstellt dem Menschen die „Verfolgung des Eigeninteresses unter Zuhilfenahme von List“; dabei nehmen sie durchaus auch die Schädigung anderer Personen in Kauf.

Dieses Menschenbild wird durchaus kritisiert. So bezeichnet von Werder es als self fulfilling prophecy und nicht realitätsgerecht. Nippa und Grigoleit sehen das Menschenbild als Teufelskreis, der immer neues Misstrauen hervorruft. Ein optimistischeres Menschenbild würde dahingegen von Loyalität und kooperativen Verhalten ausgehen, mithin Vertrauen statt Misstrauen vermitteln.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Corporate Governance und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der Kodex-Kommission als Ideenlieferant für den Gesetzgeber.

2. Corporate Governance: Erörterung des Corporate Governance-Begriffs, der Unterscheidung zwischen interner und externer Perspektive sowie pfadabhängiger und systemhafter Merkmale.

3. Die Principal-Agent-Theorie: Darstellung der agency-theoretischen Grundlagen, des Menschenbildes, der Informationsasymmetrien und der daraus resultierenden Notwendigkeit von Kontrollmechanismen.

4. Die Debatte um Corporate Governance: Historischer Rückblick auf die Entwicklung der Debatte, die Einbettung des Deutschen Corporate Governance Kodex sowie Analyse seiner Funktionen und der Entsprechenserklärung.

5. Befolgung der Kodexempfehlungen: ein Überblick: Auswertung der Befolgungsquoten basierend auf Sekundärdaten und Analyse der Akzeptanzunterschiede zwischen den Börsensegmenten.

6. Die wesentlichen Änderungen des Kodex: Skizzierung der wichtigsten Anpassungen des Kodex seit seiner Institutionalisierung im Jahr 2002.

7. Kodexempfehlungen und Gesetzgebung: Synthese der Ergebnisse zur Interdependenz von Kodexempfehlungen und legislatorischen Prozessen.

8. Kodexänderungen und Gesetzgebung: Detaillierte Untersuchung gestrichener Empfehlungen, neuralgischer Punkte und der Berücksichtigung von Vielfalt (Diversity) in Führungspositionen.

9. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangshypothese und Ausblick auf die weitere wissenschaftliche und politische Relevanz der Thematik.

Schlüsselwörter

Corporate Governance, Principal-Agent-Theorie, Deutscher Corporate Governance Kodex, Entsprechenserklärung, § 161 AktG, Selbstregulierung, Transparenz, Informationsasymmetrie, Kapitalmarkt, Kodex-Kommission, Gesetzgebung, Befolgungsquote, Stakeholder, Shareholder, Vorstandsvergütung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert die Rolle des Deutschen Corporate Governance Kodex in Deutschland und überprüft die kritische These, dass dieser lediglich als Ideengeber für den Gesetzgeber dient.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Neben den theoretischen Grundlagen (Principal-Agent-Theorie) fokussiert sich die Arbeit auf die Entstehung, Funktion und Befolgung des Kodex sowie auf die Interaktion zwischen Selbstregulierung und Gesetzgebung.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Untersuchung geht der Frage nach, wie oft Empfehlungen des Kodex in zwingendes Recht transformiert wurden und ob die Befolgungsquoten dieser Empfehlungen ein solches Vorgehen rechtfertigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer systematischen Auswertung von Sekundärdaten, insbesondere der jährlichen Kodex-Reports zur Befolgung der Empfehlungen.

Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?

Der Hauptteil behandelt die theoretischen Fundamente, die historische Debatte um Corporate Governance, die Funktionen des Kodex sowie eine detaillierte Analyse der Kodexänderungen im Kontext neuer Gesetze.

Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind Corporate Governance, Principal-Agent-Theorie, Entsprechenserklärung, § 161 AktG, Selbstregulierung und die Dynamik zwischen Wirtschaftskodex und Gesetzgebung.

Wie bewertet der Autor die Wirksamkeit der "comply-or-explain"-Regel?

Der Autor stellt fest, dass das Prinzip zwar Flexibilität bietet, aber die "Drohung" einer gesetzlichen Verrechtlichung bei niedrigen Befolgungsquoten als legitimes Druckmittel (Schatten der Hierarchie) fungiert.

Welche Bedeutung spielt der Faktor "Vielfalt" (Diversity) in der Arbeit?

Der Autor beleuchtet die Aufnahme von Vielfalt, insbesondere der Berücksichtigung von Frauen in Führungspositionen, als aktuelles Thema, bei dem der Gesetzgeber trotz vorhandener Kodex-Empfehlungen potenziell aktiv werden könnte.

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Details

Title
Der Deutsche Corporate Governance Kodex
Subtitle
Selbstverpflichtung der Wirtschaft auf dem Prüfstand
College
University of Trier
Grade
1,0
Author
Marcel Rüttgers (Author)
Publication Year
2011
Pages
79
Catalog Number
V176285
ISBN (eBook)
9783640974528
ISBN (Book)
9783640974818
Language
German
Tags
Corporate Governance Principle Agent Konflikt Principle Agent Theorie DCGK Deutscher Corporate Governance Kodex
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcel Rüttgers (Author), 2011, Der Deutsche Corporate Governance Kodex, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176285
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