Klimaschutz und Ernährung


Hausarbeit, 2010

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Wachsende Weltbevölkerung und Klimawandel

3. Die Klimarelevanz der landwirtschaftlichen Flächennutzung
3.1. Klimarelevanz tierischer Nahrungsmittel
3.1.1. Konventionelle Tierhaltung zur Lebensmittelgewinnung
3.1.2. Ökologische Tierhaltung zur Lebensmittelgewinnung
3.2. Klimarelevanz pflanzlicher Nahrungsmittel
3.2.1. Konventioneller Pflanzenanbau zur Lebensmittelgewinnung
3.2.2. Ökologischer Pflanzenanbau zur Lebensmittelgewinnung

4. Die Klimarelevanz der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte

5. Die Klimarelevanz des Transportes

6. Die Handhabung unserer Lebensmittel im Haushalt

7. Lösungsansätze und wieso diese so schwer zu realisieren sind
7.1. Handlungsempfehlungen
7.2. Die Auswirkungen sozial-ökonomischer Faktoren auf unser Handeln

8. Fazit

A. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Erde würde ca. 1,2 Jahre brauchen, um die Ressourcen, die die Menschheit in einem Jahr konsumiert, zu reproduzieren. Wir, die Be- wohner der Erde, schlagen mehr Holz, als nachwachsen kann, fi- schen mehr Fische, als das Meer hergeben kann und entlassen mehr Treibhausgase in die Atmosphäre, als die ökologischen Systeme ab- sorbieren können. Durch die erhöhte Konzentration der Treibhausga- se in der Atmosphäre kommt es zu Wetterextremen wie Überflutun- gen, Wirbelstürmen, Dürreperioden, Luftverschmutzung, Desertifika- tion und Wasserverunreinigungen.1 Dabei trägt die Landwirtschaft direkt mit ca. 10-12% zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei. Hinzu kommen die indirekten Emissionen, welche z.B. bei der Um- wandlung von Landflächen für die Landwirtschaftliche Nutzung, durch Düngerherstellung und durch Aktivitäten auf den landwirtschaftlichen Höfen entstehen.2

In der vorliegenden Arbeit soll insbesondere auf die Problematik der durch die Herstellung von Nahrungsmitteln zurückzuführende Emissi- on von Treibhausgasen in die Atmosphäre eingegangen werden. Da- bei wird ausschließlich auf die landwirtschaftliche Produktion einge- gangen. Die Erzeugung von Getränken, Honig, Fischprodukten u.Ä. bleibt unberücksichtigt. Die Vorgehensweise ist deduktiv und beruht auf Fachliteratur.

Zunächst wird im Grundlagenkapitel die Problematik der Ernährung einer immer wachsenden Weltbevölkerung sowie der Treibhausgas- emission durch die Landbewirtschaftung erläutert. Im Hauptteil dieser Arbeit wird auf die jeweilige Klimarelevanz verschiedener Landbewirt- schaftungsmethoden, der Verarbeitung der landwirtschaftlichen Pro- dukte, deren Transport sowie die Handhabung der Lebensmittel im Haushalt eingegangen. Im Anschluss werden Lösungsansätze aufge- zeigt sowie die sozial-ökonomischen Faktoren erläutert, welche die Lösung dieser Probleme erschweren. Zum Abschluss der Arbeit wird in Form eines Fazits ein Überblick über die in der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse gegeben.

2. Wachsende Weltbevölkerung und Klimawandel

Zwar weichen die Absolutwerte für das vorhergesagte Bevölkerungs- wachstum zum Teil erheblich voneinander ab, jedoch gehen die meisten Voraussagen von einer Weltbevölkerung von ca. 9 Milliarden Menschen im Jahr 2050 aus3, im Jahr 2100 eventuell sogar von 11 oder 12 Milliarden Menschen, im Vergleich zur heutigen Bevölke- rungszahl von ca. 7 Milliarden Menschen.4 Bei diesen Berechnungen wird im Wesentlichen eine Fortsetzung von gegenwärtigen Trends angenommen. Nach diesen Prognosen wird die Bevölkerungszu- nahme fast allein in den Entwicklungsländern, vor allem in Asien und Afrika, stattfinden.5 Schon heute leidet jeder siebte Mensch an Hun- ger und Armut, das heißt, dass eine Milliarde Menschen nicht genug zu essen haben. Die nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln zur Sicherung der Ernährung der Weltbevölkerung ist die zentrale Aufga- be der Agrarproduktion. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, müss- te das weltweit verfügbare Angebot an Nahrungsmitteln bis 2050 um mindestens 70 Prozent steigen.6

Das Bevölkerungswachstum hat auch Einflüsse auf das Klima der Erde. Seit einigen Jahren wird es immer deutlicher, dass es die menschlichen Einflüsse sind, die sehr große Klimaänderungen in sehr kurzer Zeit verursachen. So kommt es zu Überflutungen, Wirbel- stürmen, Dürreperioden, Luftverschmutzung, Desertifikation und Wasserverunreinigungen.7 Fast die Hälfte der Landoberfläche der Erde wurde durch den Menschen verändert, woraus große Konse- quenzen für die Biodiversität, die Bodenstruktur und damit für die Fruchtbarkeit der Böden und das Klima resultieren.8 Die Menschheit nutzt momentan bereits ca. die Hälfte der weltweit verfügbaren Netto- Photosynthesekapazität, also den Überschuss aus der Fähigkeit der Pflanzen, Sonnenenergie zu speichern. Dieser wird von der Mensch- heit für ihre Zwecke genutzt, vor allem für den Anbau von bestimmten Pflanzen als Nahrungsmittel als auch für die Nutzung von Pflanzen in Grünanlagen oder für die Ernährung von Nutztieren sowie als Bio- masse für die Gewinnung von Energie. Wird auf gleichem Niveau weitergemacht, wird bis 2050 fast die gesamte Netto- Photosynthesekapazität durch den Menschen beansprucht, was eine Nutzung für weitere Lebensformen, aus denen die Menschen keinen Nutzen ziehen, unmöglich macht.9 Es ist davon auszugehen, dass die landwirtschaftliche Nutzung der Erdoberfläche bereits jetzt nah an der Belastungsgrenze der verbleibenden Biosphäre steht, wenn diese nicht sogar bereits überschritten wurde.10

Seit 1950 nimmt das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten dras- tisch zu. Es wird geschätzt, dass das Aussterben tausendmal schneller vorangeht als in früheren geologischen Perioden. Feuchtgebiete in Küstenregionen sind durch den Menschen verändert worden und auch die Hälfte der Mangrovenwälder wurde zerstört.

Ebenso wurde der Stickstoff-, der Kohlenstoff- und der Phosphor- kreislauf der Erde durch menschliche Aktivitäten, wie zum Beispiel die Verbrennung fossiler Energieträger oder Massentierhaltung, ver- ändert.11 In der vorliegenden Arbeit soll auf die aus der Landwirt- schaft resultierende Veränderungen des Kohlenstoffkreislauf, also auf den anthropogenen (durch Menschen verursachten) Treibhauseffekt eingegangen werden. Denn die Konzentration von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zu- genommen.

Dabei ist Kohlendioxid ein an sich ungefährlicher Stoff der seit Jahr- millionen natürlicher Bestandteil der Atmosphäre ist. Es ist das wich- tigste klimarelevante Gas und erst durch seine Funktion als Wärme- speicher in der Atmosphäre konnte überhaupt erst Leben auf der Er- de entstehen. Die kurzwelligen Sonnenstrahlen durchdringen unge- hindert dieses Gas und werden nach Auftreffen auf der Erde in langwellige Strahlen umgewandelt. Diese langwelligen Strahlen werden von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre absorbiert. (siehe Abbildung 1) Daher bleibt ein Teil dieser Wärme der Erde erhalten und die Erdtemperatur beträgt im Mittel ca. +15°C statt -18°C ohne den Treibhauseffekt.12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Schematische Darstellung Treibhauseffekt13

Doch der CO2-Gehalt der Atmosphäre ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Dies konnte durch Messungen, die in den vergangenen 50 Jahren gemacht wurden, festgestellt werden. Mit Hilfe von Bohrungen im Eis der Antarktis konnten sogar die Kohlendi- oxidkonzentrationen der letzten 420.000 Jahre ermittelt und dadurch die Entwicklung des CO2-Gehaltes der Atmosphäre über diesen lan- gen Zeitraum festgestellt werden. Dabei kam heraus, dass durch die menschlichen Aktivitäten der letzten Jahrzehnte die Konzentration von Kohlendioxid weit über das durchschnittliche natürliche Niveau der letzten 420.000 Jahre gestiegen ist. Grund hierfür ist vor allem die Verbrennung von enormen Mengen fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Dadurch setzte die Menschheit in den letzten Jahrzehnten große Mengen von Kohlendioxid frei, die vorher fest gebunden in der Erde lagerten. Ebenso trägt das Abholzen großer

Wälder zum Anstieg des Kohlendioxid-Gehalts in der Atmosphäre bei, denn dadurch wird der im Holz gespeicherte Kohlenstoff frei, entweder durch Verbrennung oder durch Verrottung des Holzes. Auch weitere klimaschädliche Gase werden durch das Verhalten des Menschen in die Atmosphäre abgegeben. So zum Beispiel Methan: Dieses Gas erzeugt einen noch viel stärkeren Treibhauseffekt und wird vor allem durch Viehzucht, Reisanbau und Mülldeponien in die Atmosphäre abgegeben. All diese durch den Menschen verursachten Emissionen von Treibhausgasen steigen mit dem Wachstum der Weltbevölkerung und der Wirtschaft sowie dem durch die Globalisie- rung verstärkten Handel an. Die nicht nachhaltigen Lebensstile und die auf fossile Energieträger fokussierte Energiepolitik sind also ver- antwortlich für die Anreicherung der Atmosphäre mit diversen Treib- hausgasen und die Verstärkung des Treibhauseffektes. Resultierend daraus steigt die Erdtemperatur.14 Von der in den letzten 100 Jahren beobachteten Erderwärmung von insgesamt 0,8°C wurde n ca. 0,6°C durch menschliches Handeln verursacht. Die durch das Wirtschaften der Menschheit verursachten Änderungen der Treibhausgasemissio- nen verursachen schon jetzt einmalige Veränderungen des Energie- haushaltes der Atmosphäre und haben in den letzten Jahrzehnten zu einer weltweiten Häufung von Wetterextremen geführt.15

Die Ernährung der Menschheit trägt erheblich zum Ausstoß von Treibhausgasen bei, von der Landwirtschaft über den Handel bis zum Haushalt. Wenn auch die Hauptquelle der gesamten anthropogenen Treibhausgasemissionen die Verbrennung fossiler Energieträger ist, verursachen nicht-energiebezogene Emissionen etwa ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen. Dabei trägt die Landwirtschaft direkt mit ca. 10-12% zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei. Hinzu kommen die indirekten Emissionen, welche z.B. bei der Um- wandlung von Landflächen für die Landwirtschaftliche Nutzung, durch Düngerherstellung und durch Aktivitäten auf den landwirtschaftlichen Höfen entstehen.16

3. Die Klimarelevanz der landwirtschaftlichen Flä- chennutzung

Das Bedürfnisfeld Ernährung hat in Deutschland einen Anteil von ca. 20% am Gesamtausstoß von Treibhausgasen. Dabei stammen etwa die Hälfte aller ernährungsbedingten Emissionen aus der Landwirt- schaft, davon wiederum der größte Anteil aus der Produktion tieri- scher Nahrungsmittel. Auch der Handel und der Transport sowie die Verpackung sind für einen bedeutenden Anteil des Treibhausgasaus- stoßes verantwortlich. Die Verarbeitung in Industrie- und Handwerk hingegen fällt kaum ins Gewicht der Klimabilanz der einzelnen Le- bensmitteln. Allerdings schlägt der individuelle Umgang mit den Le- bensmitteln, also durch Kühlung, Zubereitung, Spülen und Einkaufs- fahrten mit dem Auto mit ca. einem Drittel der Treibhausgasemissio- nen des Bedürfnisfeldes Ernährung zu Buche.17 Um hierüber einen differenzierten Überblick zu vermitteln, werden in den folgenden Ab- schnitten zunächst einmal die unterschiedlichen Lebensmittel und deren Klimarelevanz genauer betrachtet. Dazu findet eine Untertei- lung in tierische und pflanzliche Produkte sowie deren Gewinnung auf konventionelle und ökologische Weise statt. In den Abschnitten 4 bis 6 soll ferner auf die Verarbeitung, den Transport sowie die Handhabung der Lebensmittel im Haushalt eingegangen werden.

3.1. Klimarelevanz tierischer Nahrungsmittel

Die Treibhausgasemission bei der Erzeugung tierischer Nahrungsmit- tel ist wesentlich höher als bei der Produktion pflanzlicher Lebensmit- tel. Die Viehhaltung ist weltweit für ca. 18% der Treibhausgasemissi- onen verantwortlich und emittiert damit mehr als der gesamte globale Transportsektor. Dabei ist vor allem der höhere Energieverbrauch, zumeist aus fossilen Energieträgern, bei der Erzeugung tierischer Lebensmittel für die stärkere Klimabelastung verantwortlich. Dabei fordert einerseits die Produktion von Futterpflanzen Energie, vor al- lem bei der Herstellung von mineralischen Stickstoffdüngern, und andererseits wird auch bei der Tierhaltung selbst Energie verbraucht.

[...]


1 vgl. Jäger, S. 29 f.

2 vgl. Koerber et. al., 2008, S. 12f.

3 vgl. Hahlbrock, S.246.

4 vgl. Jäger, S. 32.

5 vgl. Hahlbrock, S. 246 ff.

6 vgl. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher- schutz: S. 1.

7 vgl. Jäger, S. 29 f.

8 vgl. Jäger, S. 87.

9 vgl. Radermacher, S. 63 f.

10 vgl. Hahlbrock, S. 37.

11 vgl.Jäger, S. 36.

12 vgl. Jäger, S. 87.

13 Eisbrenner, www.das-energieportal.com.

14 vgl. Jäger, S. 90 ff.

15 vgl. Jäger, S. 38.

16 vgl. Koerber et. al., 2008, S.12 f.

17 vgl. Koerber et. al., 2007, S. 130.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Klimaschutz und Ernährung
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Veranstaltung
Nachhaltiges Wirtschaften in Theorie und Praxis
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V176301
ISBN (eBook)
9783640974573
ISBN (Buch)
9783640974757
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es handelt sich um eine erweiterte Hausarbeit im Themenfeld "Nachhaltiges Wirtschaften in Theorie und Praxis".
Schlagworte
Ernährung, Klimaschutz, Klima, CO2, Kohlenstoffdioxid, Klimaerwärmung, ökologischer Landbau, Ökolandbau, Bio, Klimawandel, Weltbevölkerung, Bevölkerungswachstum, Nachhaltige Entwicklung, Nachhaltigkeit, nachhaltig, Nahrungsmittel, Nahrungsmittelproduktion, Kohlendioxid, Treibhausgas, Treibhausgasemission, Methan
Arbeit zitieren
Janine Kowalla (Autor), 2010, Klimaschutz und Ernährung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176301

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