Bereits im Jahr 1920 erregte der amerikanische Psychologe und Philosoph William James (1920) Aufsehen durch die Aussage, das Begehren nach Wertschätzung sei das tiefste Verlangen des Menschen. Auch heute, fast 100 Jahre später, hat Wertschätzung nichts von ihrer Bedeutung verloren. Im Gegenteil, ihr wird aktuell eine erhöhte Aufmerksamkeit entgegengebracht. Beweis hierfür sich umfangreiche Studien, z. B. im Rahmen von Projekten zur Wertschätzungssteigerung im Beruf, finanziert durch das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung und Literatur speziell zum Thema Wertschätzung (Mettler-Meibom, 2007; Brüggemeier, 2010). Insbesondere Dienstleistungen zeichnen sich durch Interaktionen als Träger der Wertschätzung zwischen Führungskräften, Kollegen, Kunden oder Patienten aus (Nerdinger, 1994; Jacobshagen & Semmer, 2009; Goesmann & Nölle, 2009).
Ein Dienstleistungszweig, in dessen Kontext die Bedeutung von erlebter Wertschätzung eine besondere Rolle zu spielen scheint, ist der der Gesundheitsdienstleistungen.
Angesichts aktueller staatlicher Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen, die sich für den Patienten z. B. in erhöhten Kassen- und Zusatzbeiträgen widerspiegeln und für Krankenhäuser durch Personaleinsparungen und erhöhte Arbeitsbelastungen des Personals deutlich werden, steht für die medizinisch indizierte Betreuung und fürsorgliche Behandlung der Patienten immer weniger Geld und Zeit zur Verfügung.
Zusätzlich zu diesem finanziellen Aspekt, wird laut prognostizierter Altersentwicklung das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung stetig ansteigen (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2009). Da ältere Personen zusätzlich einen erhöhten Pflege- und Behandlungsbedarf aufweisen (Statistisches Bundesamt, 2011), ist davon auszugehen, dass insbesondere der Dienstleistungsbereich, der sich mit der Gesundheit und Gesunderhaltung von Personen beschäftigt, zukünftig weiter an Relevanz innerhalb der deutschen Wirtschaft gewinnen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesundheitsdienstleistung
2.1 Die Bedeutung von Gesundheitsdienstleistungen
2.2 Zum Begriff der Gesundheitsdienstleistung
2.3 Problemfelder bei der Arbeit im Gesundheitsdienstleistungsbereich
3. Wertschätzung
3.1 Die Bedeutung von Wertschätzung im Beruf und bei Gesundheitsdienstleistungen
3.2 Begriffsbestimmung - Wertschätzung
3.3 Aktuelle Forschungsprojekte zum Thema Wertschätzung
3.4 Bedingungen und Folgen von Wertschätzung – Der Forschungsstand
4. Methodisches Vorgehen
4.1 Theorie der Critical Incidents Technique
4.2 Praktische Anwendung der Critical Incidents Technique
4.2.1 Schritt 1: Problemdefinition und Bestimmung der Zielkriterien
4.2.2 Schritt 2: Untersuchungsdesign und Planung der Erhebung
4.2.3 Schritt 3: Datensammlung
4.2.4 Schritt 4: Datenauswertung mittels Inhaltsanalyse
5. Ergebnisse und Diskussion
5.1 Ergebnisse zu den Quellen der Wertschätzung
5.2 Ergebnisse zu den Facetten der Wertschätzung
5.3 Ergebnisse zur Wirkung der Wertschätzung und möglicher Moderatorvariablen
5.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
6. Fazit und Ausblick
6.1 Zusammenfassung
6.2 Ausblick und Limitationen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Diplomarbeit exploriert und beschreibt die Entstehung sowie die Wirkung von persönlicher Wertschätzung im Gesundheitsdienstleistungssektor. Ziel ist es, durch eine qualitative Studie Rückschlüsse auf die Ursprünge und Facetten der Wertschätzung zu ziehen, um die Arbeitsbedingungen und das Wohlbefinden der Beschäftigten in diesem hochbelasteten Berufsfeld zu verbessern.
- Erforschung der Quellen empfundener Wertschätzung im Gesundheitswesen
- Analyse der Ausdrucksformen und Facetten von Wertschätzung und Entwertung
- Identifikation von Auswirkungen der Wertschätzung auf die befragten Mitarbeiter
- Untersuchung von Moderatorvariablen, die den Wirkungseffekt von Wertschätzung beeinflussen
- Ableitung von Ansätzen zur Förderung einer wertschätzenden Unternehmenskultur
Auszug aus dem Buch
3.2 Begriffsbestimmung - Wertschätzung
Laut Bulitta (2005) bedeutet jemanden wertzuschätzen, ihn zu achten, anzuerkennen, zu ehren, zu respektieren und zu würdigen. Während im Duden Wertschätzung als veraltender Begriff bezeichnet wird (Scholze-Stubenrecht, Schoch & Wermke 2010), geht Mettler-Meibom (2007) davon aus, dass auch heute Wertschätzung für Personen sehr wichtig ist und eine Möglichkeit darstellt, um Werte wie Freude, Glück, Wohlbefinden, Verstehen und Wissen zu schaffen.
Mettler-Meibom (2007, S. 11) versteht Wertschätzung als „Haltung des Herzens, die sich auf die eigene Person, die Mitmenschen und auf die natürliche Mitwelt bezieht und die zuerst einmal akzeptiert, was ist“. Wertschätzung ist also eine Einstellung. Eine Einstellung gegenüber sich selbst und seinen Mitmenschen. Sie beginnt mit der Annahme des aktuellen Zustandes.
„Entscheidend ist, dass etwas zu einem Wert wird, weil es jemanden gibt, der es wertschätzt! Ein Wert existiert deshalb nicht unabhängig, sondern er haftet einer Sache solange an, wie es jemanden gibt, der ihm den Wert verleiht“ (iaw, 2010, S. 1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die historische und aktuelle Bedeutung von Wertschätzung als tiefes menschliches Verlangen und zentralen Stressor bzw. Ressource im Berufsleben, insbesondere im Gesundheitssektor.
2. Gesundheitsdienstleistung: Das Kapitel definiert den Gesundheitsdienstleistungsbegriff, erörtert die Bedeutung dieser Branche vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und analysiert spezifische Belastungsfaktoren.
3. Wertschätzung: Hier werden Bedeutung, Definition und Forschungsstand zur Wertschätzung im beruflichen Kontext aufgearbeitet, ergänzt durch die Vorstellung aktueller Forschungsprojekte.
4. Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel erläutert die Theorie und die praktische Anwendung der Critical Incidents Technique (CIT) als explorative Methode für die vorliegende Untersuchung.
5. Ergebnisse und Diskussion: Die gewonnenen Erkenntnisse zu Quellen, Facetten und Wirkungen von Wertschätzung sowie moderierenden Variablen werden detailliert beschrieben und diskutiert.
6. Fazit und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Ausblick auf notwendige zukünftige Forschung sowie Implikationen für die Berufspraxis.
Schlüsselwörter
Wertschätzung, Gesundheitsdienstleistung, Critical Incidents Technique, Arbeitsbelastung, Berufszufriedenheit, Mitarbeiterbindung, Burnout, soziale Unterstützung, Gesundheitswesen, Unternehmenskultur, Anerkennung, Respekt, Motivation, berufliche Gesundheit, Patienteninteraktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Erleben und die Bedeutung von Wertschätzung am Arbeitsplatz speziell für Beschäftigte im Gesundheitsdienstleistungssektor.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Quellen, Ausdrucksformen (Facetten) und die psychologische Wirkung von Wertschätzung bei Mitarbeitern in Kliniken, Praxen und Pflegeeinrichtungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist die Exploration und Beschreibung der Entstehung und Wirkung von persönlicher Wertschätzung, um Ursprünge und Facetten zu identifizieren und Rückschlüsse für die Praxis zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die „Critical Incidents Technique“ (CIT), eine qualitative Methode zur Erhebung kritischer positiver oder negativer Erlebnisse im Arbeitsalltag mittels teilstandardisierter Interviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Gesundheitsdienstleistungen und Wertschätzung, die detaillierte Beschreibung des methodischen Vorgehens sowie die Auswertung und Diskussion der 30 geführten Experteninterviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Wertschätzung, Gesundheitsdienstleistung, Arbeitsbelastung, Berufszufriedenheit, Mitarbeiterbindung sowie die Critical Incidents Technique.
Welche Rolle spielt der Vorgesetzte bei der Wertschätzung?
In den Ergebnissen stellt der Vorgesetzte die häufigste Quelle für Wertschätzung dar, wobei respektvoller Umgang, direkte Rückmeldungen (Lob) und das Vertrauen in die Arbeit als entscheidend hervorgehoben werden.
Können auch die Patienten eine Quelle für Wertschätzung sein?
Ja, Patienten sind neben Vorgesetzten und Kollegen eine der drei zentralen Quellen für Wertschätzung, wobei diese sich oft durch Dank, Bestätigung oder die Qualität der zwischenmenschlichen Interaktion äußert.
Welchen Einfluss haben „Moderatorvariablen“?
Moderatorvariablen wie Erwartungen, Stimmung oder das Selbstbild (intrinsisch) sowie Arbeitsaufgaben und Umgebungsbedingungen (extrinsisch) beeinflussen, wie stark eine Wertschätzungserfahrung auf den Mitarbeiter wirkt.
Was ist die Kernschlussfolgerung zur Verbesserung der Situation?
Die Arbeit betont, dass nicht primär finanzielle Mittel, sondern ein wertschätzender Umgang, klare Kommunikation und die Übertragung von verantwortungsvollen, qualifikationsgerechten Aufgaben essenziell sind, um die Motivation und das Wohlbefinden zu fördern.
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- Susanne Töpper (Author), 2011, Facetten und Ursprünge erlebter Wertschätzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176322