Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist es, die drei gängigen Theorien, welche das Konsumverhalten von Gütern mit Suchtcharakter modellieren, darzustellen und anschließend aufzuzeigen, inwieweit empirische Untersuchungen und Belege für diese existieren. In einem ersten Schritt erfolgt eine Erläuterung grundlegender Begriffe. Im Anschluss daran, werden Theorien des rationalen, beschränkt-rationalen und irrationalen Suchtverhaltens vorgestellt.
Es folgt ein Überblick über empirische Untersuchungen und Befunde, welche abschließend diskutiert und im Hinblick auf ihre politische Bedeutung erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffserklärung
3 Theorie: Modelle zur Erklärung des Zigarettenkonsums
3.1 Rationale Suchtmodelle
3.2 Beschränkt - Rationale Suchtmodelle
3.3 Irrationale Suchtmodelle
4 Empirische Evidenz
5 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die ökonomischen Theorien zum Konsumverhalten bei Suchtgütern wie Zigaretten systematisch darzustellen und anhand empirischer Befunde zu evaluieren. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei, inwieweit unterschiedliche Rationalitätsannahmen – von vollständig rational über beschränkt-rational bis hin zu irrational – das beobachtbare Rauchverhalten und die Möglichkeiten der Rauchentwöhnung erklären können.
- Grundlagen der Suchtökonomie und Definition zentraler Effekte (Gewöhnung, Verstärkung, Entzug)
- Analyse rationaler Suchtmodelle nach dem Becker-Murphy-Ansatz
- Diskussion beschränkt-rationaler Modelle und zeitinkonsistenter Präferenzen
- Untersuchung irrationaler, kurzsichtiger Suchtmodelle
- Empirische Evidenz zur Preisreagibilität und Suchtintensität
- Politikimplikationen für staatliche Interventionen und Tabaksteuern
Auszug aus dem Buch
3.1 Rationale Suchtmodelle
Eine Vielzahl von Ökonomen, wie beispielsweise Stigler (1977), Iannaccone (1984) und Becker und Murphy (1988) haben Sucht als rationales Verhalten modelliert. Rationalität bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das betrachtete Individuum die Beziehung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in seinem Nutzenmaximierungsprozess berücksichtigt. Das meist zitierte Modell, welches auch die Grundlage vieler anderer Modelle bildet, ist jenes von Becker und Murphy (1988). Deren Absicht ist es, zu zeigen, wie der Konsum von Suchtgütern in den ökonomischen Rahmen eingebettet werden kann. Das Modell erklärt, dass auch Personen, die süchtig sind, vorausschauend handeln und verfügbare Informationen nutzen können, um den zukünftigen Nutzen der Konsequenzen ihrer Handlungen in der Gegenwart abzuschätzen. In ihrem Modell treffen Becker und Murphy die Annahme eines vorausschauend planenden, rationalen, vollkommen informierten Akteurs, welcher seinen Nutzen konsistent mit stabilen Präferenzen im Zeitablauf maximiert.
In diesem dynamischen Modell hängt der Nutzen vom Konsum zweier privater Güter ab, wovon eines als Suchtgut, beispielsweise Zigaretten, charakterisiert wird und das andere, ein normales Gut darstellt. Durch die Einbindung eines „Suchtkapitalstocks“ in die Nutzenfunktion werden die spezifischen Eigenschaften des Suchtguts berücksichtigt. Unter dem Suchtkapitalstock eines Individuums ist die diskontierte Summe aller vergangenen Konsumentscheidungen zu verstehen. Durch die Diskontierung wird die Tatsache berücksichtigt, dass Individuen Ereignisse zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedlich bewerten. Bezogen auf das Modell des Suchtverhaltens bedeutet dies, dass Handlungen, die länger zurück liegen, einen anderen suchterzeugenden Effekt haben, als solche, die erst kürzlich statt fanden. Im Becker & Murphy Modell des rationalen Suchtverhaltens, wird die Annahme einer exponentiellen Diskontierung mit konstanter ZPR getroffen. Aufgrund der konstanten ZPR fallen lang- und kurzfristige Interessen des Individuums gleich ins Gewicht. Wenn der Akteur zu einem Zeitpunkt den Nutzen eines späteren Ereignisses dem eines früheren Ereignisses vorzieht, ändert sich diese Bewertung auch dann nicht, wenn das frühere Ereignis in unmittelbare Nähe gerückt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung des Tabakkonsums ein und formuliert das Ziel der Arbeit, Theorien zum Suchtverhalten ökonomisch zu beleuchten.
2 Begriffserklärung: In diesem Kapitel werden zentrale ökonomische Begriffe definiert, insbesondere die Mechanismen der Gewöhnung, Verstärkung und des Entzugs sowie das Konzept der Rationalität.
3 Theorie: Modelle zur Erklärung des Zigarettenkonsums: Dieses Kapitel differenziert zwischen rationalen, beschränkt-rationalen und irrationalen Modellen zur Modellierung von Suchtverhalten.
3.1 Rationale Suchtmodelle: Hier wird der vorausschauende, nutzenmaximierende Akteur nach Becker und Murphy beschrieben, der zukünftige Konsequenzen vollumfänglich einbezieht.
3.2 Beschränkt - Rationale Suchtmodelle: Dieses Kapitel erläutert Modelle, die von stabilen, aber zeitlich widersprüchlichen Präferenzen bzw. hyperbolischer Diskontierung ausgehen.
3.3 Irrationale Suchtmodelle: Hier wird das kurzsichtige, myopische Verhalten des Konsumenten dargestellt, der die Folgen seines Suchtkonsums in der Zukunft ignoriert.
4 Empirische Evidenz: Dieser Abschnitt vergleicht die theoretischen Modelle mit empirischen Studien, insbesondere zur Preiselastizität der Nachfrage nach Zigaretten.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die politischen Implikationen von staatlichen Eingriffen und Tabaksteuern.
Schlüsselwörter
Zigarettenkonsum, Rationale Suchtmodelle, Suchtkapitalstock, Nutzenmaximierung, Preiselastizität, Zeitpräferenzrate, Beschränkt-rationale Modelle, Hyperbolische Diskontierung, Entzugseffekt, Gewöhnungseffekt, Suchtökonomie, Politische Intervention, Passivrauchen, Konsumentenverhalten, Suchtverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert ökonomische Erklärungsansätze für den Zigarettenkonsum und vergleicht diese mit vorliegenden empirischen Untersuchungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Modellierung von Suchtverhalten unter verschiedenen Annahmen der Rationalität sowie deren Relevanz für die Politikberatung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die systematische Darstellung und kritische Auseinandersetzung mit theoretischen Suchtmodellen und deren empirischer Bestätigung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und theoriebasierte ökonomische Analyse, die vorhandene Modelle und empirische Studien zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden rationale, beschränkt-rationale und irrationale Modelle detailliert hergeleitet, gefolgt von einer Übersicht empirischer Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Suchtökonomie, Rationalität, Preiselastizität, Suchtkapitalstock und Zeitpräferenz.
Warum spielt die Zeitpräferenzrate eine wichtige Rolle in diesen Modellen?
Sie bestimmt das Gewicht, das ein Konsument dem zukünftigen Nutzen gegenüber dem gegenwärtigen beimisst, und ist entscheidend für die Unterscheidung zwischen vorausschauendem und myopischem Verhalten.
Können rationale Suchtmodelle staatliche Eingriffe wie Tabaksteuern rechtfertigen?
In rein rationalen Modellen ist eine Rechtfertigung schwierig, da der Konsument die Folgen kennt; Eingriffe lassen sich hier primär nur über negative Externalitäten wie Passivrauchen begründen.
Was unterscheidet beschränkt-rationale von irrationalen Modellen?
Während beschränkt-rationale Modelle von einem intrapersonalen Konflikt und zeitinkonsistenten Präferenzen ausgehen, setzen irrationale Modelle ein rein kurzsichtiges Verhalten voraus, das zukünftige Konsequenzen vollständig ignoriert.
- Citation du texte
- Lidia Lüttin (Auteur), 2010, Zigarettenkonsum erklären, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176350