Als Basis anderer Sprachen hat das Lateinische grossen Einfluss auf deren Entwicklung. Diese Hausarbeit soll den Fortbestand des lateinischen Suffixes -ārius im Italienischen nachzeichnen. Unter grammatikalischen, lexikalischen und semantischen Gesichtspunkten werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Suffigierung mittels -ārius zwischen dem Lateinischen und dem Italienischen aufgezeigt.
Als Einstieg sei ein Überblick dieses Suffixes im Lateinischen gegeben. Die Frage nach den damit gebildeten Wortarten und deren Bedeutung steht dabei im Vordergrund. Die italienischen Derivate von -ārius werden daraufhin vorgestellt und unter den gleichen Aspekten untersucht. Hinzu kommen Anmerkungen zu eventuell regionalem Sprachgebrauch, auf dessen Besonderheiten oder Unterschiede zum Standarditalienischen eingegangen wird. Der letzte Teil dieser Arbeit befasst sich mit dem Status der auf lateinisch -ārius basierenden italienischen Suffigierung. Dazu wird die Frequenz der unterschiedlichen Derivate vorgestellt und anschliessend deren Produktivität über die Jahrhunderte aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Das Fortbestehen von lateinisch -ĀRIUS im Italienischen
2 Lateinisch -ĀRIUS und dessen italienische Derivate
2.1 Die Funktionsweise von -ĀRIUS im Lateinischen
2.2 Die italienischen Derivate von -ĀRIUS
2.2.1 Die Suffixe -aio, -aro
2.2.2 Die Suffixe -iere, -iero
2.2.3 Das Suffix -ario
2.2.4 Die Suffixe -ai(u)olo und -ería
3 Status dieser Suffixe im Italienischen
3.1 Übernommene und neue Funktionen der italienischen Suffixe
3.2 Frequenz und Produktivität im Italienischen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Fortbestand und die sprachliche Entwicklung des lateinischen Suffixes -ĀRIUS im Italienischen. Ziel ist es, unter grammatikalischen, lexikalischen und semantischen Aspekten aufzuzeigen, wie sich die Funktionsweise, Frequenz und Produktivität dieses Suffixes vom Lateinischen zum Italienischen gewandelt haben.
- Evolution von lateinisch -ĀRIUS zu italienischen Derivaten wie -aio, -aro, -iere und -ario.
- Untersuchung der semantischen Funktionserweiterungen (Berufs- und Ortsbezeichnungen, Kollektiva).
- Analyse der Frequenz und Produktivität der Suffixe über mehrere Jahrhunderte.
- Vergleich von Standarditalienisch und regionalen bzw. dialektalen Sprachvarianten.
- Methodische Auswertung mittels elektronischer Wörterbücher (De Mauro, Lo Zingarelli, Treccani).
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Funktionsweise von -ĀRIUS im Lateinischen
Die Funktionsweise des Suffixes -ĀRIUS ist im Lateinischen sehr variativ, je nach Art der Derivation ergeben sich viele verschiedene Bedeutungen. Das Ergebins einer jeden Ableitung ist entweder ein Nomen oder ein Adjektiv.
Denominale Ableitungen führen zu Personenbezeichnungen (speziell im Hinblick auf Berufe), Begriffen der Zugehörigkeit (zu Sachen oder Tieren), im Neutrum zu Orten der Lagerung von Gegenständen oder der Haltung von Tieren, sowie im Femininum häufig zu Abstrakta. Das so aus lateinisch unguentum 'Salbe' abgeleitete unguentarius ist sowohl 'der Salbenhändler' und 'zur Salbe gehörig', als auch 'das Salbengefäß' (unguentarium, n.) und 'die Kunst, Salbe zuzubereiten' (unguentaria, f.).
Deverbale Ableitungen setzen am Präsensstamm (Infinitiv), dem Stamm des Partizip Perfekts oder dem Gerundium an. Auch hier finden sich wieder Personenbezeichnungen (berufsbezogen: regendum → regendarius 'Staatssekretär', nomen agentis: computare → computarius 'Rechner') und Bezeichnungen der Zugehörigkeit (conjectum → conjectarius 'auf Vermutung beruhend', molendum → molendarius 'zum Mahlen gehörig'). Auch Orts- und Werkzeugbezeichnungen (bibere → bibaria 'Trinkstube', ponderare → ponderarium 'Waage') sind anzutreffen. Bildungen mit dem Partizip Perfekt können auch die Möglichkeit des im Partizip Ausgedrückten bezeichnen (venditum → venditarius 'käuflich') oder die Dienlichkeit, beziehungsweise Eignung zu einer Tätigkeit ausdrücken (emissum → emissarius 'zum Herausschicken geeignet').
Zusammenfassung der Kapitel
1 Das Fortbestehen von lateinisch -ĀRIUS im Italienischen: Einführung in die Zielsetzung der Arbeit sowie die methodische Herangehensweise zur Untersuchung des Suffix-Fortbestands unter Verwendung digitaler Wörterbuchdaten.
2 Lateinisch -ĀRIUS und dessen italienische Derivate: Detaillierte Darstellung der Funktionsweise des Suffixes im Lateinischen und Analyse der daraus hervorgegangenen italienischen Suffixvarianten wie -aio, -aro, -iere, -iero, -ario und weiterer Formen.
3 Status dieser Suffixe im Italienischen: Untersuchung der übernommenen und neuen Funktionen der Suffixe sowie eine quantitative Analyse ihrer Frequenz und Produktivität im Zeitverlauf.
Schlüsselwörter
Latein, Italienisch, Suffix, -ĀRIUS, Derivation, Sprachgeschichte, Morphologie, Wortbildung, Berufsbezeichnungen, Produktivität, Frequenz, historische Linguistik, Neologismen, Dialektologie, Semantik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den Fortbestand des lateinischen Suffixes -ĀRIUS im Italienischen unter Berücksichtigung grammatikalischer und semantischer Veränderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die morphologische Ableitung, die semantische Ausdifferenzierung von Berufsbezeichnungen sowie der Vergleich zwischen gelehrten Entlehnungen und ererbten Formen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Suffigierung zwischen dem Lateinischen und dem Italienischen aufzuzeigen sowie die Produktivität dieser Suffixe über die Jahrhunderte statistisch zu erfassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen korpusbasierten Ansatz, bei dem elektronische Versionen maßgeblicher Wörterbücher (De Mauro, Lo Zingarelli, Treccani) ausgewertet werden, um Frequenz und Produktivität zu quantifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Funktionsweise im Lateinischen, die detaillierte Vorstellung der italienischen Derivate und eine Analyse zum aktuellen Status dieser Suffixe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Wortbildung, Suffix-Evolution, Morphologie und Sprachgeschichte charakterisieren.
Welche Rolle spielt die Konkurrenz zwischen den Suffixen?
Ein wesentlicher Befund ist die Verdrängung bestimmter Suffixe (wie -aio) durch moderne Bildungen (z.B. mit -ista), was die Produktivität der Sprachformen beeinflusst.
Warum werden dialektale Varianten in die Untersuchung einbezogen?
Dialektale Varianten (wie -aro oder -eri) verdeutlichen die regionale Ausprägung des Suffixgebrauchs und zeigen auf, wie sich die Sprache über das Standarditalienische hinaus diversifiziert hat.
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- Jens Heuser (Author), 2007, Die Entwicklung des lateinischen Suffixes -ĀRIUS im Italienischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176399