„Zwischen Salon, Schlafzimmer und Kabinett“

Der Höhepunkt der Auseinandersetzungen der polnisch-sächsischen Frage im Spiegel der Akten der Geheimpolizei auf dem Wiener Kongress


Seminararbeit, 2011
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Polnisch-Sächsische Frage

3. Spitzel, Confidenten und Chiffons – Die Akten der Wiener Geheimpolizei
3.1. Politische Polizei
3.2. Die Praxis der Geheimpolizei auf dem Wiener Kongress
3.3. Eine kurze Quellenkritik der Polizei-Akten vom Wiener Kongress

4. Die Polnisch-Sächsische Frage im Spiegel der Akten der Wiener Geheimpolizei im Dezember 1814

5. Fazit: Ein Gesellschaftsstück am Übergang zur Moderne

6. Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Die europäische Staatenwelt war mit den Feldzügen der napoleonischen Grande Armée aus den Fugen geraten. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war Geschichte. Die Befreiungskriege hatten nationalstaatliche Ideen in den deutschen Staaten keimen lassen. Und auch wenn die Unruhen der Französischen Revolution beendet waren, so hatten ihre Ideen und Ereignisse Politik und Gesellschaft in Europa nachhaltig verändert und an den Festen der Monarchen gerüttelt. Nach dem Sieg über Bonaparte musste wieder eine Ordnung für die politische Landkarte des Kontinents gefunden werden.

Zwischen dem 18. September 1814 und dem 9. Juni 1815 sollte in Wien nicht weniger als das beste aller möglichen Europas errichtet werden. Gastgeber war der österreichische Kaiser Franz I. und mehr als 200 Vertreter aus Staaten, Städten und anderer Körperschaften kamen nach Wien, um an den Verhandlungen teilzunehmen, darunter auch der russische Zar Alexander I., Friedrich Wilhelm III. von Preußen sowie die Könige von Bayern, Württemberg und Dänemark. Als eigentlicher Initiator des Kongresses galt der österreichische Staatskanzler Metternich. Neben dem preußischen Außenminister Hardenberg dem französischen Außenminister Talleyrand und dem englischen Außenminister Castlereagh war er eine der zentralen Figuren des Geschehens und zog geschickt die diplomatischen Fäden der Kongresspolitik.

Die Verhandlungen standen unter den Zeichen der Restauration der politischen Zustände von vor 1792, der Sicherung der monarchischen Legitimität, der Solidarität der Monarchen untereinander gegenüber revolutionären Bestrebungen und der Etablierung eines neuen Mächtegleichgewichts in Europa. 1

Neben den politischen Vertretern strömten ungefähr 100 000 Fremde nach Wien, die an diesem Schauspiel der Mächtigen verdienen und teilhaben wollten. Schätzungsweise vermehrte sich die Einwohnerzahl Wiens in den Jahren 1814/1815 um ein Drittel.2

Die Politik wurde hier nicht mit großen Versammlungen gemacht, die Tatsachen wurden in Ausschüssen, nicht-öffentlichen Konferenzen, im Salon, im Ballsaal und auch im Schlafzimmer geschaffen. Der Beschluss zur Wiener Kongressakte blieb die erste und letzte offizielle Tagung im Palais am Ballhausplatz. Doch die zahlreichen Festivitäten waren dadurch nicht weniger politisch. Viel eher zeigte sich auf dem Wiener Kongress, dass die Verläufe der Geschichte eben nicht nur von alten Herren an Konferenztischen austariert werden, sondern hinter jeder Entscheidung eine riesige Bandbreite an Personen, Kommunikationen und Ereignissen hängt.

Die Begrenzung des Raums, die zahlreichen gesellschaftlichen Veranstaltungen, die Teilhabe so vieler unterschiedlicher Menschen auf so unterschiedlichen Ebenen an den Festivitäten und das beständige Misstrauen der Verhandlungsführer untereinander kreierte eine besonders gut dokumentierte, dichte Situation historischen Geschehens.

Besonders interessant sind dabei die Akten der österreichischen Geheimpolizei3, die mit einem heute kaum vorstellbaren Aufwand bestimmte Teilnehmer des Kongresses überwachte. Die Dokumente geben Einblick in eine politische Realität, die jenem, der nur die Ergebnisse der Verhandlungen betrachtet, verborgen blieben. Sie eröffnen ein Gelflecht von Beziehungen, Kommunikationen und Stimmungen, die unter anderen Umständen wohl kaum politisch erschienen wären, jedoch in Wien eine europapolitische Dimension entfalteten und damit die internationalen Beziehungen über mehrere Jahrzehnte prägten.

Jenen Akten widmet sich die vorliegende Proseminararbeit. Dabei soll besonders der Monat Dezember, in dem die Verhandlungen auf Grund der polnisch- sächsischen Frage besonders angespannt waren, näher betrachtet werden. Es gilt zu untersuchen, wie sich das Thema in den Berichten widerspiegelt und welche geheimen Informationen, auf welche Weise in die geheime Polizeihofstelle gelangten. Im Hintergrund steht dabei die Frage, welchen zusätzlichen Aufschluss diese Erkenntnisse über Wiener Kongress ermöglichen. Kurze Einführungen in die Thematik der Polnisch-Sächsischen Frage und die Entstehung der Österreichischen Geheimpolizei sollen weitere Hintergrundinformationen für diese Analyse geben.

2. Die Polnisch-Sächsische Frage

Zur besseren Einordnung der im Folgenden vorgestellten Quellen soll zunächst die Polnisch-Sächsische Frage als einer der zentralen Streitpunkte auf dem Wiener Kongress näher vorgestellt werden.

Das Großherzogtum Warschau. war eine Schöpfung Napoleons Es wurde während der Feldzüge Bonapartes auf dem Territorium der alten Nation aus Gebietsteilen der drei Polnischen Teilungen von 1772, 1773 und 1795 geschaffen. König Friedrich August I. von Sachsen herrschte in Personalunion über Sachsen und das neue Großherzogtum. Da Sachsen sich mit den napoleonischen Truppen verbündet hatte, galt all dieses Land nun als verfügbar.4

Zar Alexander wollte das Großherzogtum als großpolnisches Reich neu gründen, mit einer eigenen Verfassung, eigenem Militär und eigener Verwaltung ausstatten und dann unter russischer Krone mit dem eigenen Reich verbinden. Metternich, Hardenberg und Castlereagh wollten jedoch unbedingt ein russisches Übergewicht in Osteuropa verhindern. Daher trafen sich die drei Vertreter am 23. Oktober 1814 zu einer gemeinsamen Runde, in der sie ihre gemeinsame Position gegen das russische Vordringen abstimmten.

Auch das Schicksal Sachsens spielte dabei eine Rolle, denn Preußen wollte den traditionsreichen deutschen Staat annektieren und genoss dabei die Unterstützung Russlands und Englands, stieß jedoch bei den Österreichern auf Bedenken. Auch in dieser Frage sollten Vorabsprachen eine gemeinsame Strategie absichern. So hatte Metternich Hardenberg in einer geheimen Note vom 22. Oktober die österreichische Unterstützung für die preußische Annexion Sachsens in Aussicht gestellt, wenn Preußen sich wiederum am Wiederstand gegen die russischen Pläne für Polen beteiligte.

Als Castlereagh den Zaren nach den geheimen Verhandlungen vom 23. Oktober mitteilte, dass die anderen europäischen Mächte die russischen Vorhaben in Osteuropa nicht unterstützen wollten, brach der Konflikt aus, wobei auch Sympathien und Differenzen persönlicher Natur mit zu tragen kamen. So fühlte sich der preußische König dem Zaren Alexander, seit dieser die napoleonischen Truppen bezwungen hatte, zu tiefen Dank verpflichtet. Zwischen Metternich und Alexander hingegen bestand schon länger eine gewisse Abneigung, was wohl auch etwas mit gewissen Frauengeschichten zu tun hatte.

[...]


1 Vgl.: Fehrenbach, Elisabeth: Vom Ancien Régime zum Wiener Kongress, 4. überarb. Auflage. München 2001 (Oldenburg-Grundriss der Geschichte 12), S. 125-136.

2 Vgl.: Spiel, Hilde: Der Wiener Kongress in Augenzeugenberichten. Düsseldorf 1965, S.15.

3 Vgl.: Fournier, August: Die Geheimpolizei auf dem Wiener Kongress. Eine Auswahl aus ihren Papieren. Wien [u.a.] 1913. http://www.archive.org/details/geheimpolizeiwie00four (Letzter Zugriff: 27.03.2011).

4 Vgl.: Kinder, Hermann; Hilgemann, Werner; Hergt, Manfred: dtv-Atlas Weltgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 2006, S. 306, Karte: Der Rheinbund 1812.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
„Zwischen Salon, Schlafzimmer und Kabinett“
Untertitel
Der Höhepunkt der Auseinandersetzungen der polnisch-sächsischen Frage im Spiegel der Akten der Geheimpolizei auf dem Wiener Kongress
Hochschule
Universität Rostock  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Der Wiener Kongress als transnationales Kommunikationsereignis
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V176405
ISBN (eBook)
9783640976140
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wiener Kongress, Restauration, Metternich, Geheimpolizei, polnisch-sächsische Frage, 1814
Arbeit zitieren
Elisabeth Woldt (Autor), 2011, „Zwischen Salon, Schlafzimmer und Kabinett“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176405

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