Diese Hausarbeit setzt sich mit der Rolle der Familie für einen Verbindungsstudenten in der Zeit des Deutschen Kaiserreichs auseinander. Es soll die These verfolgt werden, dass die Biografie eines Verbindungsstudenten im Kaiserreich von Familienwegen her vorbestimmt ist und ein rollenbezogener Unterschied der Elternteile Einfluss auf die Aktivwerdung hat
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.1 Zeitliche Einordnung
2.2 Gesetzliche Voraussetzungen für das Familienleben
2.3 Vorstellung des Studentenverbindungswesens
2.4 Theoretische Ansätze: Die satisfaktionsfähige Gesellschaft und die Männerbundtheorie
2.5 Rolle der Familie bei Verbindungsstudenten im Kaiserreich
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Rolle der Familie bei der Aktivwerdung junger Männer in Studentenverbindungen während des deutschen Kaiserreichs. Dabei wird die These verfolgt, dass die Biografie eines Studenten stark durch familiäre Vorgaben geprägt ist und die Elternteile unterschiedliche, rollenbezogene Einflüsse auf den Lebensweg ihrer Söhne ausüben.
- Sozialisationsfunktion der Familie im Kaiserreich
- Entwicklung und Struktur des Studentenverbindungswesens
- Theoretische Einordnung durch die Männerbundtheorie und das Konzept der satisfaktionsfähigen Gesellschaft
- Geschlechtsspezifische Rollenverteilung in der elterlichen Erziehung
- Einfluss des Vaters vs. der Mutter auf die akademische Laufbahn
Auszug aus dem Buch
2.5 Rolle der Familie bei Verbindungsstudenten im Kaiserreich
Wie in Kapitel 2.2 bereits herausgestellt wurde, obliegt es den männlichen Nachkommen einer Familie rechtlich betrachtet mit Erreichen des studierfähigen Alters die Planung ihrer Zukunft selbst zu übernehmen. In dem folgenden Abschnitt soll am Beispiel der Aktivwerdung von Verbindungsstudenten gezeigt werden, dass die Familie vordergründig an sozialisierender Wirkung auf ihren Sohn verliert, aber nach wie vor Einfluss auf dessen kurz- und langfristige Lebensplanung hat. Dabei soll unter Berücksichtigung der geschlechtsspezifischen Rollenzuschreibung in Familien des Kaiserreichs auf die anhaltende Sozialisationsfunktion der Elternteile eingegangen werden. Als Belege dazu dienen rezitierte Biografien von Verbindungsstudenten aus der hier untersuchten Zeitspanne.
Betrachtet man den Einfluss der Eltern auf die Sozialisation ihrer Söhne bei Studienbeginn, so wird deutlich, dass dieser abnimmt. Nicht nur die räumliche Trennung, bedingt durch den Studienort, sondern auch die eintretenden Autonomie im Studienalltag. Diese äußert sich beispielsweise in der Verwaltung des anvertrauten Geldes oder aber in der freien Tagesgestaltung. Dennoch zeigen die Biografien, dass die Eltern „aus der Ferne im weitesten Sinne das Bildungsprogramm und die Karrierechancen ihrer Kinder“ (Möller 2011, S. 171) beobachten und darauf einwirken. Es wird deutlich, dass Eltern die Rolle von „Ratgebern, […] Kontrolleure, aber auch als emotionaler Rückhalt und Helfer in Krisen“ (ebenda, S.172) übernehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, inwieweit die familiäre Herkunft und das familiäre Umfeld die Entscheidung junger Männer im Kaiserreich beeinflussten, einer Studentenverbindung beizutreten.
2.1 Zeitliche Einordnung: Dieses Kapitel skizziert die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Deutschen Kaiserreichs zwischen 1871 und 1918.
2.2 Gesetzliche Voraussetzungen für das Familienleben: Hier werden die rechtlichen Grundlagen der Ehe und die gesetzlich fixierten Geschlechterrollen im Preußen des 19. Jahrhunderts und im späteren BGB analysiert.
2.3 Vorstellung des Studentenverbindungswesens: Dieses Kapitel behandelt die historische Entstehung und Entwicklung der Studentenverbindungen, insbesondere der Burschenschaften, bis zum Ersten Weltkrieg.
2.4 Theoretische Ansätze: Die satisfaktionsfähige Gesellschaft und die Männerbundtheorie: Unter Verwendung der Theorien von Norbert Elias und Heinrich Schurtz wird die sozialisierende Funktion studentischer Korporationen untersucht.
2.5 Rolle der Familie bei Verbindungsstudenten im Kaiserreich: Anhand von Biografien wird der spezifische Einfluss von Vätern und Müttern auf die Studien- und Lebensplanung der Söhne im Kaiserreich detailliert beleuchtet.
3. Schluss: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Eingangsthese zum väterlichen Einfluss und reflektiert die begrenzte Rolle der Mutter im Vergleich zur prägenden Wirkung der Studentenverbindung.
Schlüsselwörter
Deutsches Kaiserreich, Studentenverbindungen, Familie, Sozialisation, Burschenschaft, Männerbund, Erziehung, Geschlechterrollen, Preußen, Bürgerliches Gesetzbuch, Bildungsbürgertum, Väterrolle, Lebensbundprinzip, Sozialer Aufstieg, Studentenbiografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss der familiären Herkunft und Erziehung auf die Entscheidung junger Männer, während des Deutschen Kaiserreichs einer Studentenverbindung beizutreten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Familienbild und die Geschlechterrollen im Kaiserreich, die Struktur des Verbindungswesens sowie die Sozialisation junger Männer durch Elternhaus und Korporation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob die Biografie eines Verbindungsstudenten durch die Familie vorbestimmt ist und wie sich der rollenbezogene Einfluss der Elternteile auf die Aktivwerdung auswirkt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine historische Arbeit, die auf der Auswertung von Fachliteratur sowie der Analyse von Biografien von Verbindungsstudenten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden rechtliche Rahmenbedingungen, die Geschichte des Verbindungswesens, theoretische Sozialisationsansätze (Männerbundtheorie) sowie die spezifische Rolle der Eltern bei der Studienwahl analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Verbindungsstudenten, Kaiserreich, Sozialisation, Familie, Männerbund, Väterliche Autorität und Bildungsbürgertum.
Warum spielt der Vater eine so große Rolle für den Studenten?
Der Vater fungiert im Kaiserreich als Vorbild, Finanzier und Kontrollorgan, der maßgeblichen Einfluss auf Bildungsentscheidungen wie die Wahl des Studienfachs oder der Verbindung nimmt.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Mutter von der des Vaters?
Während der Vater autoritär die Karrierewege vorgibt, wird die Mutter primär auf einer emotionalen, trostspendenden Ebene wahrgenommen und verliert an direkter einflussnehmender Bedeutung.
- Arbeit zitieren
- Daniel Zäck (Autor:in), 2011, Die Rolle der Familie für Verbindungsstudenten in der Zeit des Kaiserreichs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176450