Behavioral Finance - Irrationales Handeln gewöhnlicher Anleger


Examensarbeit, 2010
25 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung, Entstehung und Herkunft

2. Heuristiken
2.1 Heuristiken der Komplexitätsreduzierung
2.1.1 Das Mental Accounting
2.1.2 Vereinfachen von Sachverhalten
2.1.3 Verfügbarkeitsheuristiken
2.1.4 Vernachlässigung von Informationen
Selektive Wahrnehmung
Selektives Entscheiden
2.2 Heuristiken der Schnelle Urteilsfindung
2.2.1 Anchoring
2.2.2 Repräsentativitätsheuristik
2.2.2.1 Überschätzen von Wahrscheinlichkeiten

3. Gruppendynamik

4. Bezugspunkte und abnehmende Sensitivität, die Prospect-Theorie
4.1 Dispositionseffekt

5. Harmonie
5.1 Kognitive Dissonanz und die Verstärkung durch gesteigertes Commitment

6. Kritische Würdigung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Selektive Wahrnehmung

Abbildung 2 Selektives Entscheiden

Abbildung 3 Beeinflussung von zufälligen Ankerwerten

Abbildung 4 Herdentreiben auf Finanzmärkten

Abbildung 5 Wertefunktion in Anlehnung von Kahneman und Tversky

Abbildung 6 Erträge in Abhängigkeit der Haltedauer

Abbildung 7 Durchschnittliche Haltedauer von Verlierer und Gewinneraktien

Abbildung 8 Ertragsentwicklung in den folgenden Monaten nach Verkauf einer Aktie

Abbildung 9 Das Monty Hall Problem

Abbildung 10 Prospect-Theory in Abhängigkeit von Commitment

1. Einleitung, Entstehung und Herkunft

In vielen wirtschaftlichen Theorien zum Thema Finanzen wird von einem rationalen Anleger ausgegangen, dessen einziges Ziel es ist Gewinne zu maximieren. In der Behavioral Finance dagegen beschäftigen sich die Wissenschaftler damit, aus welchen emotionalen Beweggründen finanzielle Entscheidungen getroffen werden. Bislang wurden auf Basis des homo oeconomicus viele Theorien erarbeitet die helfen sollten Märkte und deren Entwick- lung voraus zu sagen. So entstanden zum Beispiel die Fundamentalanalyse und die techni- sche Analyse1. Jedoch waren deren Aussichten nur wenig erfolgsversprechend. In den letz- ten Jahren entstand deshalb in den USA ein neuer Zweig der Kapitalmarktanalyse, der das Verhalten der Marktteilnehmer unter Anwendung von Theorien und Methoden aus der Öko- nomie und der Psychologie erforschte. Dabei geht es bei der Behavioral Finance vor allem darum einen homo oeconomicus, also einen rational handelnden Menschen, auszuschließen und das in der Praxis überwiegende suboptimale Verhalten der Anleger zu verbessern. In der folgenden Arbeit soll hauptsächlich auf das Fehlverhalten eines durchschnittlichen Pri- vatanlegers bei Aufnahme, Verarbeitung und Bewertung von Informationen eingegangen werden.2 Außerdem soll das Verhalten eines Anlegers in einer Gruppe betrachtet werden, da anhand von Interaktionen unter den Marktteilnehmern sich Fehlverhalten auch auf eine Gruppe übertragen lässt. Das Ziel soll deshalb sein dem einzelnen Privatanleger ein besse- res Verständnis der eigenen Entscheidungsfindung zu vermitteln und auch ein umfassende- res Verständnis über das Verhalten anderer Marktteilnehmer.

2. Heuristiken

„Heuristik (altgriech. heurisko = ich finde, heursikein = auffinden, entdecken) bezeichnet die Kunst wahre Aussagen zu finden.“ … „Heuristiken sind Methoden, mit denen Sie komplexe Situationen, Herausforderungen, Probleme, die sich nicht vollständig lösen lassen, mit Hilfe einfacher Regeln unter Zuhilfenahme weniger Informationen entwirren“3. Heuristiken helfen die Unmengen an Informationen, welche einem Anleger täglich zur Verfügung stehen, zu sortieren und anhand von diesen die richtigen Schlüsse auf gewinnbringende Anlagen zu ziehen. Bei den meisten Anlegern spielen sich Heuristiken unbewusst ab, welches ein erheb- liches Risiko trägt, da, wie im Nachfolgenden gezeigt wird, diese oft zu Trugschlüssen füh- ren. Bewerkstelligt man es diese Heuristiken bewusst ablaufen zu lassen, können sie ein erfolgreiches Instrument zur Beurteilung von Situationen werden. Heuristiken werden in der Fachliteratur meist in zwei Gruppen eingeteilt. Heuristiken die zur Komplexitätsreduzierung führen und diese, die zu einer schnelleren Urteilsfindung beitragen.4

2.1 Heuristiken der Komplexitätsreduzierung

2.1.1 Das Mental Accounting

„Rational heißt nicht unbedingt glücklich und irrational zu sein verschafft uns die seltene Ge- legenheit eines ‚kostenlosen‘ Drinks.“5 Mental Accounting beschreibt das Führen verschie- dener geistiger Konten. Je nach Ausgaben verbucht man den gezahlten Geldwert auf der Minusseite und einen dazugehörenden emotionalen Wert auf der Plusseite des geistig ge- führten Kontos. Dabei ist es entscheidend mit welchem Konto man gewisse Ausgaben asso- ziiert. Ein in der Fachliteratur oft wiedergegebenes Beispiel von Tversky und Kahnemann soll auch hier zur Verdeutlichung herangezogen werden.

„Sie haben an der Abendkasse des Theaters eine Eintrittskarte für 10 Euro reservieren las- sen. Dort angekommen, stellen sie fest, dass Sie die 10 Euro verloren haben, die Sie für den Kauf der Eintrittskarte vorgesehen hatten. Kaufen Sie dennoch einer Karte für 10 Euro?“ Das Ergebnis dieser Umfrage war, dass 88% weitere 10 Euro ausgeben würden um die Eintritts- karte zu Kaufen.

Die zweite Variante lautet folgendermaßen. „ Sie haben vor wenigen Tagen eine Eintrittskar- te fürs Theater am Ticket-Counter für 10 Euro erworben. Vor dem Theater angekommen bemerken Sie, dass Sie ihre Karte verloren haben. Kaufen sie eine neue Eintrittskarte für 10 Euro?“ Das Ergebnis war das bei diesem Szenario nur 46% eine weitere Karte kaufen und somit weiter 10 Euro ausgeben würden.

Wie kam es zu den unterschiedlichen Antworten, obwohl die Fälle ökonomisch betrachtet identisch sind? Die Begründung dafür liegt in der unterschiedlichen Buchung auf verschiede- nen geistigen Konten. Im ersten Fall werden die verlorenen 10 Euro auf der Minusseite des Geldkontos aufgelistet. Somit haben sie keine Auswirkungen auf das Konto für den Theater- besuch. Deshalb ist die Mehrheit in diesem Fall bereit erneut 10 Euro zu investieren um das Theater besuchen zu können. Im zweiten Fall wurde das Theater-Konto bereits durch den Kauf der Karte am Ticker-Counter mit 10 Euro auf der Minusseite belastet. Steht man erneut vor der Wahl ein neues Ticket zu kaufen lehnt die Mehrheit ab, da ein neues Ticket das The- ater-Konto erneut belasten würde und der Preis für den emotionalen Wert des Theaterstücks auf 20 Euro ansteigen würde.

Dieses Beispiel verdeutlicht wie das Führen von mentalen Konten unsere Entscheidungen beeinflussen kann. Nun soll mit Hilfe eines weiteren Beispiels die Relevanz zum Verhalten an Finanzmärkten hergeleitet werden. Ein Anleger hat in seinem Portfolio vier verschiedene Anlagen.

Anlage A mit einem aktuellen Wert von 170€ und einem Einkaufspreis von 150€. Anlage B mit einem aktuellen Wert von 130€ und einem Einkaufpreis von 150€. Anlage C mit einem aktuellen Wert von 250€ und einem Einkaufspreis von 280€.

Und schließlich Anlage D mit einem aktuellen Wert von 510€ und einem Einkaufpreis von 550€.

Betrachtet der Anleger jede seiner vier Anlagen auf separaten Konten, würde er Anlage A eine positiven Wert von 20€ zuschrieben. Genauso würde er Anlage B einen negativen Wert von 20€, Anlage C einen negativen Wert von 30€ und Anlage D einen negativen Wert von 40€ zuschreiben. Er ordnet den Anlagen B, C und D den jeweiligen Verlust zu. Da aber diese getrennt relativ gering erscheinen entscheidet er sich dafür abzuwarten und ist davon über- zeugt, dass die Anlagen wieder steigen werden. In seiner Entscheidung wird er unter ande- rem von Anlage A bestärkt, da diese ihm das Gefühlt gibt alles richtig zu machen. Fasst man jedoch alle Anlagen auf einem gemeinsamen Portfolio-Konto zusammen, so ergibt sich ein Verlust von 70€. Dieser lässt den Anleger erkennen dass er sein Portfolio überarbeiten und sich über die Aussichten seiner einzelnen Anlagen weiter informieren sollte.

2.1.2 Vereinfachen von Sachverhalten

„Ein erster Schritt, die Komplexität von Entscheidungssituationen zu verringern, besteht in deren Vereinfachung. Beispielsweise bereits darin, etwa krumme Beträge auf- oder abzu- runden beziehungsweise geringe Unterschiede bei der Beurteilung von Informationen – so- weit sie nicht offensichtlich von besonderer Bedeutung in der Entscheidungssituation sind – schlicht und einfach zu vernachlässigen.“6 Anhand eines Beispiels lässt sich dieses Verfah- ren leicht nachvollziehen.

Der Teilnehmer eines Spiels steht vor der Wahl einen sicheren Geldbetrag von 10 € zu ge- winnen oder anhand einer zweiten Möglichkeit zu 49% einen Geldbetrag von 201€ zu ge- winnen. Der erste Teil dieses Szenarios ist für den Teilnehmer einfach zu verarbeiten. Er gewinnt mit der ersten Variante 50€. Der zweite Teil jedoch ist demgegenüber noch zu kom- pliziert. Deshalb wird der Teilnehmer versuchen diesen Sachverhalt zu vereinfachen in dem er von einer Gewinnchance von 50% und einem möglich Gewinn von 200€ ausgehen wird. Obwohl in diesem Fall die Vereinfachung wenige Komplikationen in sich birgt, soll jetzt an- hand eines weiteren Beispiels aufgezeigt werden das dieses Verfahren auch zu unvernünfti- gen Entscheidungen führen kann.

Für eine offene Stelle in einer Firma soll ein passender Bewerber ausgewählt werden. Fol- gende Informationen sind über die drei Bewerber gegeben.

Bewerber A hat eine Abiturnote von 1,0 und ein Jahr an Berufserfahrung. Bewerber B hat eine Abiturnote von 1,5 und drei Jahre an Berufserfahrung. Bewerber C hat eine Abiturnote von 2,0 und fünf Jahre an Berufserfahrung.

Der Personalleiter stellt nun folgende Überlegungen an. Bewerber B hat nur eine gering schlechtere Abiturnote im Vergleich zu Bewerber A, dafür aber wesentlich mehr Berufserfah- rung. Aus diesem Grund zieht er Bewerber B dem Bewerber A vor. Aus gleichem Grund be- vorzugt er Bewerber C über Bewerber B. Stellt er jedoch Bewerber C und Bewerber A ge- genüber, wird er feststellen dass Bewerber A, trotz der geringeren Berufserfahrung, aufgrund der deutlich besseren Abiturnote die bessere Wahl darstellt. Als Fazit stellt er folgendes Ranking auf. Bewerber B ist besser als Bewerber A. Bewerber C ist besser als Bewerber B und Bewerber A ist besser als Bewerber C. Zu einer Lösung des Problems kommt er anhand der Vereinfachung der Informationen nicht. Dasselbe Problem kann bei Bewertungen von Aktien auftreten, wenn man die gegebenen Umstände zu sehr vereinfacht und auf Grund dessen falsche Kriterien ansetzt um zu einer Entscheidung zu gelangen.

[...]


1 Vgl. Goldeberg/Von Nitzsch (2004), S.11-29

2 Für weitere Fehlverhalten sowie einen Überblick über die Behavioral Finance vgl. Montier (2010)

3 Vgl. Schriek (2009), S.34

4 Für einen Überblick über die wichtigsten Forschungsergebnisse vgl. Kahneman/Slovic/Tversky (1982) oder vgl. Strack (1998).

5 Vgl. Thaler (1985)

6 Vgl. Kahneman/Tversky (1979)

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Behavioral Finance - Irrationales Handeln gewöhnlicher Anleger
Hochschule
Hochschule Albstadt-Sigmaringen; Sigmaringen
Veranstaltung
Financial Management
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V176458
ISBN (eBook)
9783640977383
ISBN (Buch)
9783640977871
Dateigröße
802 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Behavioral Finance, Finance, Anleger, Aktien, Financial Management, Management, BWL
Arbeit zitieren
Patrick Rundio (Autor), 2010, Behavioral Finance - Irrationales Handeln gewöhnlicher Anleger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176458

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