Wie kann abschlussorientierte Nachqualifizierung als Regelangebot im Rahmen des lebenslangen Lernens im Land Brandenburg etabliert werden?


Hausarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Definitorische Grundlage Nachqualifizierung
2.2 Vorstellung des Projekts QPass-Systems für Brandenburg
2.2.1 Ablauf
2.2.2 Akteure
2.2.3 Finanzierung
2.3 Kompetenzfeststellung
2.4 Stellenwert / Beurteilung

3. Schluss

Literatur

1. Einleitung

Im Bundesland Brandenburg stellt sich im Jahr 2009 folgende Situation dar: 23 Prozent der Geringqualifizierten[1] sind unter 25 Jahre alt und tragen zu einer Arbeitslosenquote von ungefähr 12 Prozent in Brandenburg bei (vgl. Ministerium für Wirtschaft Brandenburg 2010). Damit einhergehend herrscht zudem ein hoher Bedarf an Fachkräften mit einem Bildungsabschluss unterhalb der Fach- bzw. Hochschulebene in diesem Bundesland. Mit Unterstützung des Beratungsunternehmens BBJ Servis, welches sich auf Dienstleistungen zur Umsetzung europäischer Förderprogramme unter anderem in dem Bereich des Arbeitsmarkts, der Beschäftigung und der beruflichen Aus- und Weiterbildung spezialisiert hat, soll jungen Menschen in der acht Landkreise und zwei kreisfreie Städte umfassenden Region Westbrandenburg die Chance ermöglicht werden, einen anerkannten Berufsabschluss nachzuholen. Dabei wirkt BBJ Servis mit den lokalen Akteuren des Landes, der Landkreise bzw. Städte, der Bundesagentur für Arbeit und den Kammern zusammen.

Die Wichtigkeit dieses Vorhabens wird noch deutlicher bei der Feststellung, dass bundesweit im Bereich der jungen Erwachsenen ein Anteil von zehn Prozent ungelernt ist. Es bedarf folglich einer Fokussierung des Übergangs bzw. der Durchlässigkeit in den Facharbeiterstatus. Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit einem Programm, welches auf die Forderung nach der Schaffung von Möglichkeiten des Nachholens von Schul- und Berufsabschlüssen zu antworten versucht. Am Beispiel des Projekts QPass-System für Brandenburg soll der Frage nachgegangen werden, wie abschlussorientierte Nachqualifizierung als Regelangebot im Rahmen des lebenslangen Lernens im Land Brandenburg etabliert werden kann.

Beginnend mit einem Definitionsversuch des Begriffs der Nachqualifizierung, soll das Projekt Q-Pass-System für Brandenburg vorgestellt werden. Dabei wird sowohl auf den Ablauf, die beteiligten Akteure als auch auf die Finanzierung dieses Vorhabens eingegangen. Anschließend soll die Feststellung von Kompetenzen in diesem Zusammenhang beleuchtet werden. Zudem wird das Projekt auf seinen Stellenwert für die abschlussorientierte Nachqualifizierung von jungen Ungelernten untersucht. Abschließend sollen die Ergebnisse dieser Hausarbeit zusammengefasst und einer kritischen Bewertung unterzogen werden. Dabei wird geprüft, ob die eingangs formulierte These im Hauptteil bestätigt wurde.

2. Hauptteil

2.1 Definitorische Grundlage Nachqualifizierung

Ehe das Brandenburger Projekt zur Bereitstellung von nachträglichen Schul- bzw. Berufsabschlüssen eingehend untersucht wird, soll der Begriff der abschlussorientierten Nachqualifizierung definiert werden.

Die abschlussorientierte Nachqualifizierung dient dazu, Personen, welche der dualen Erstausbildung entwachsen sind, auf eine „Externenprüfung[2] “ (Servicestelle Nachqualifizierung Westbrandenburg 2010, S. 1) vor den Kammern, wie beispielsweise der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder der Handwerkskammer (HWK), vorzubereiten. Dies verläuft in Form eines schrittweisen bzw. modularen Aufbaus unter einer Kooperation zwischen Betrieb und Bildungsdienstleistern. Der gesamte Prozess wird koordiniert durch eine „institutionell verankerte[n] Lern- und Qualifizierungsbegleitung“ (ebenda, S. 1). Zudem kann die Nachqualifizierung auch sozialpädagogisch begleitet werden. Die Eckpunkte solcher Maßnahmen werden durch Bildungscoaching, Kompetenzfeststellung, Finanzierung des Lebensunterhalts und Freistellung nach dem Sozialgesetzbuch II sowie der Qualifizierung gebildet. (Vgl. Servicestelle Nachqualifizierung Westbrandenburg 2010)

Für den Inhalt dieser Arbeit soll diese Definition als Grundlage dienen.

2.2 Vorstellung des Projekts QPass-Systems für Brandenburg

Die Einführung des Projekts QPass-System für Brandenburg verfolgt die Zielstellung im Rahmen des lebenslangen Lernens im Land Brandenburg eine abschlussorientierte Nachqualifizierung als Regelangebot zu etablieren. Die Zielgruppe wird dabei von langzeitarbeitslosen Menschen gebildet, die länger als ein Jahr Arbeitslosengeld II[3] beziehen oder Personen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren, die über mindestens ein Jahr Arbeitserfahrung verfügen bzw. an einer beruflichen Qualifizierungsmaßnahme erfolgreich teilgenommen haben. (Perspektive Berufsabschluss / BBJ Servis GmbH 2010, S. 2)

Zentrale Bedeutung wird bei diesem Vorhaben einem regionalen Netzwerk beigemessen, das die Einbindung vorhandener Netzwerke und Akteure koordiniert. Die eingerichtete Servicestelle Nachqualifizierung Westbrandenburg, gebildet durch die BBJ Servis GmbH, tritt selbst nicht als Träger in Erscheinung, sondern agiert als Bindeglied zwischen den Akteuren und versteht sich als Moderator des angesprochenen Netzwerks. Ihre Arbeit wird durch einen Projektbeirat unterstützt, der sich unter anderem aus Vertretern des Arbeits- und Bildungsministerium des Bundesland Brandenburgs, der IHK und HWK sowie der Agenturen für Arbeit zusammensetzt. Als Instrumente zur Erreichung der genannten Ziele werden Bedarfsanalysen angefertigt, fachspezifische Workshops angeboten, Fachtagungen abgehalten, neue Entwicklungslinien zu Handlungsfeldern der Nachqualifizierung sowie Handreichungen und Leitfäden herausgegeben und ein Webportal für das Projekt betrieben. (Vgl. Schubert 2009)

Im Folgenden soll das QPass-System für Brandenburg anhand seines Ablauf bzw. Aufbaus, seiner partizipierenden Akteure und seiner Finanzierung vorgestellt werden.

2.2.1 Ablauf

Um die abschlussorientierte Nachqualifizierung nachvollziehen zu können, muss man sich den Ablauf des Projekts vor Augen führen.

Zentrales Element bildet der Betrieb als Lernort. Dieser kann jedoch in der Regel nicht alle Inhalte des Ausbildungsberufs mit seinen zur Verfügung stehenden Ressourcen vermitteln. Daher kooperieren im Rahmen des QPass-Systems Betriebe mit Bildungsdienstleistern und Oberstufenzentren[4] bzw. Berufsschulen. Aus dieser Tatsache ergibt sich ein weiterer möglicher Qualifizierungsweg. So kann auch der Bildungsdienstleister als zentraler Lernort, unter Berücksichtigung möglichst vieler integrierter betrieblicher Praxisphasen, dienen.

Unabhängig von dem jeweiligen Lernort kann man den Ablauf der Nachqualifizierung in drei Module einteilen. Das erste Modul umfasst die Akquisition der Teilnehmer, das Einstiegsgespräch sowie die Erfassung berufsbezogener Kompetenzen, die in einem Kompetenzprofil festgehalten werden, welches wiederum als Grundlage für die Erstellung des Bildungsplans dient. Der Erstkontakt mit dem QPass-System kann durch die zuständigen Arbeitsagenturen bzw. ARGEn[5], die Kammern aber auch durch direkte persönliche Kontaktaufnahme mit der Servicestelle Nachqualifizierung erfolgen. Mit Hilfe von öffentlichkeitswirksamen Medienkampagnen sollen speziell an- und ungelernte junge Menschen und deren soziales Umfeld angesprochen werden. Nach der Kontaktaufnahme folgt ein Einstiegsgespräch, in dessen Verlauf der Teilnehmer eingehend über das Vorhaben informiert und anhand eines Leitfadeninterviews über seine soziale Lebenssituation bzw. seiner Lern- und Arbeitsbiographie befragt wird. An das Kennenlernen und die Feststellung der Zugangsvoraussetzungen schließt sich die Kompetenzfeststellung an. Mit Hilfe des Kompetenzreflektors[6] werden von der Servicestelle Nachqualifizierung und einem Bildungsdienstleister die Kompetenzen des Teilnehmers, orientiert an Standards zur Kompetenzfeststellung in der Nachqualifizierung erfasst. Dieses Verfahren soll in einem eigenen Kapitel noch einmal aufgegriffen und genauer beleuchtet werden. Daraufhin wird ein individuell angepasster Qualifizierungsplan erstellt. Das Verfahren zur Kompetenzfeststellung soll zudem helfen „Motivation, das Durchhaltevermögen, die Selbstlernfähigkeit, eventuell vorhandene Prüfungsängste sowie […] andere den Lernprozess möglicherweise hemmende oder fördernde Aspekte“ (Servicestelle Nachqualifizierung Westbrandenburg 2010, S. 8) einzuschätzen. Auf dieser Grundlage wir dann durch einen Bildungsdienstleister eine passende Bildungsmaßnahme konzipiert. Inhaltlich sind darin Angaben über Zeit, Kosten, Abläufe, Ziel und Methoden der Maßnahme enthalten. Nachdem der erstellte Qualifizierungsplan durch die Servicestelle Nachqualifizierung „auf die vorgegebenen Qualitätsstandards, Wirtschaftlichkeit und Plausibilität“ (Servicestelle Nachqualifizierung Westbrandenburg 2010, S. 9) geprüft wurde, entscheidet der zuständige Bearbeiter bei der Arbeitsagentur bzw. ARGE, ob die Qualifizierungsmaßnahme über das SGB II bzw. III finanziert wird.

Das zweite Modul wird durch die inhaltliche Nachqualifizierung an sich gebildet. Der gesamte Prozess ist an Qualitätsstandards für berufliche Bildungsgänge und Bildungsdienstleister gebunden, die im Rahmen eines internationalen Konzepts entworfen wurden. Dabei handelt es sich um das von sechs EU-Staaten entworfene Leonardo Innovationsentwicklungsprojekt Quality Signet für Modular Vocational Education and Training for Disadvantaged Young People (QualiMoVET)[7]. Wie bereits erwähnt kann die Qualifizierungsmaßnahme sowohl in einem Betrieb als auch bei einem Bildungsdienstleister als zentraler Lernort durchgeführt werden. An dieser Stelle soll die Durchführung am Beispiel des Ausbildungsbetriebes erläutert werden. Die durch einen Qualifizierungsplan strukturierte Maßnahme wird von der regionalen Koordinierungsstelle, welche Analog zu der Managementebene in einem Unternehmen den gesamten Prozess initiiert bzw. koordiniert sowie gemeinsam mit den Teilnehmern und der Arbeitsverwaltung strategische Entscheidungen fällt, durch regelmäßige Besuche im Betrieb auf die Genauigkeit ihrer Durchführung kontrolliert (vgl. Servicestelle Nachqualifizierung Westbrandenburg 2010, S. 22). Die Vermittlung des theoretischen Lernstoffs kann in Oberstufenzentren oder berufsbildenden Schulen durchgeführt werden. Die Teilnehmer der Maßnahme werden dort dann als Gastschüler geführt. Sollte das Arbeitsverhältnis zwischen Teilnehmer und Betrieb vorzeitig aufgelöst werden, kann die Maßnahme bei einem anderen Betrieb oder Bildungsdienstleister fortgesetzt werden. Hat der Teilnehmer alle im Qualifizierungsplan geforderten Lerneinheiten erfolgreich durchlaufen, so kann er sich gemäß der jeweiligen Fristen bei der zuständigen Kammer für die Externenprüfung anmelden. Ehe diese Prüfung durchgeführt wird, durchläuft der Teilnehmer Modul drei, die Vorbereitung auf die Externenprüfung. Der Teilnehmer wird während einer intensiven Vorbereitungszeit inhaltlich auf die Prüfung vorbereitet und bei der fristgerechten Antragsstellung für die Prüfungszulassung durch die Sevicestelle Nachqualifizierung unterstützt. (Servicestelle Nachqualifizierung Westbrandenburg 2010, S. 8 ff.)

[...]


[1] Formal nicht qualifizierte Menschen (Galiläer 2007, S. 2)

[2] § 45 Abs. 2 BBiG bzw. § 37 Abs. 2 HwO

[3] Arbeitslosengeld II können alle erwerbsfähigen leistungsberechtigten Personen im Alter von 15 Jahren bis zur gesetzlich festgelegten Altersgrenze zwischen 65 und 67 Jahren erhalten. Der Regelbedarf deckt pauschal die Kosten für Ernährung, Kleidung, Haushaltsenergie (ohne Heizung und Warmwassererzeugung), Körperpflege, Hausrat, Bedürfnisse des täglichen Lebens sowie in vertretbarem Umfang auch Beziehungen zur Umwelt und die Teilnahme am kulturellen Leben ab. Einen Anspruch auf den vollen Regelbedarf haben Alleinstehende, Alleinerziehende sowie Volljährige, deren Partner minderjährig ist. Er beträgt seit dem 1. Januar 2011 bundeseinheitlich 364 €. (Bundesagentur für Arbeit 2011)

[4] Berufsbildende Schule, in der unter einem gemeinsamen Dach verschiedene Bildungsgänge eines Berufsfeldes zusammengefasst sind. (Vgl . Keller 2010)

[5] Aufgabe der Jobcenter (ARGEn) ist, Leistungen nach dem SGBII zu gewähren und durch das Prinzip des Förderns und Forderns den betroffenen Personen die Möglichkeit zu eröffnen, ihren Lebensunterhalt künftig aus eigenen Mitteln und Kräften bestreiten zu können. (Vgl. Arbeitsagentur 2011)

[6] Der Kompetenzreflektor ist ein Verfahren zur Reflexion und Analyse von persönlichen Kompetenzen. Er kann als Instrument angesehen werden, mit dem Prozesse zum Profiling (Kompetenzanalyse) & Coaching (Entwicklungsberatung) durchgeführt bzw. angeschoben werden können. (http://www.komnetz.de/index.php?id=167)

[7] Ein internationales Projekt, welches eine Empfehlung für gemeinsame Qualitätsstandards und einen Vorschlag für ein Verfahren zur Qualitätssicherung im Bereich berufliche Bildung von sozial benachteiligten Jugendlichen. (Vgl. Schneider/Bender 2011)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wie kann abschlussorientierte Nachqualifizierung als Regelangebot im Rahmen des lebenslangen Lernens im Land Brandenburg etabliert werden?
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V176462
ISBN (eBook)
9783640977413
ISBN (Buch)
9783640977628
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
berufliche Bildung, Nachqualifizierung, lebenslanges Lernen, Brandenburg, QPass-Systems für Brandenburg
Arbeit zitieren
Daniel Zäck (Autor), 2011, Wie kann abschlussorientierte Nachqualifizierung als Regelangebot im Rahmen des lebenslangen Lernens im Land Brandenburg etabliert werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176462

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