Kritische Bewertung des Deutschen Corporate Governance Kodex


Hausarbeit, 2011
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problemstellung

3. Historische Entwicklung von Corporate Governance in Deutschland

4. Der Deutsche Corporate Governance Kodex
4.1 Inhalt des DCGK
4.2 Aufgabe des DCGK
4.3 Kritik am DCGK

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Kapital ist die Basis unserer Wirtschaft. Eigen- oder Fremdkapitalgeber sind entscheidene Akteure. Sie stellen unserer Wirtschaft das Kapital zur Verfügung.[1] Damit sie Unternehmen Kapital zur Verfügung stellen, bedarf es Vertrauen in ein Unternehmen, dessen Leistungskraft und die Unternehmensführung. Vertrauen ist ein wichtiger Faktor für alle Stakeholder. Corporate Governance Systeme sollen Vertrauen in Unternehmen entwickeln und erhalten. Dieses Vertrauen wird gelegentlich durch prominente Unternehmen erschüttert, die eine gesteigerte Medienpräsenz erlangen, weil sie sich nicht an die gültigen gesetzlichen und moralischen Rahmenbedingungen gehalten haben. Der Grund dafür ist zumeist Opportunismus einzelner Akteure, die Auswirkungen oftmals verheerend für ein Unternehmen, eine Branche oder sogar die gesamte Wirtschaft. Somit ist Corporate Governance ein wichtiges Thema in der Praxis und den Wirtschaftswissenschaften.

Der Begriff Corporate Governance entstand in den 1980er Jahren,[2] die eigentliche Problemstellung ist jedoch um ein vielfaches älter. Für Corporate Governance gibt es keine einheitliche Definition, sie wird u.a. als „Unternehmensüberwachung“[3] oder „Unternehmensführung und -kontrolle“[4] übersetzt. Die inhaltliche Schnittmenge beschreibt jedoch immer dieselbe prinzipielle Problemstellung.[5]

Diese Hausarbeit stellt sich zur Aufgabe, die Entwicklung des Deutschen Corporate Governance Kodex[6] aufzuzeigen und diskutiert, anhand von Literatur, die die Inhalte dieses Instruments.

2. Problemstellung

Bereits im 18. Jahrhundert stellte Adam Smith fest, dass der Mensch "...so gut wie unausgesetzt die Hilfe seiner Mitmenschen [braucht], und diese würde er vergeblich nur von deren Wohlwollen erwarten. Er wird eher Erfolg haben, wenn er ihre Eigenliebe zu seinen Gunsten wecken und ihnen zeigen kann, dass es zu ihrem eigenen Vorteil ist, das zu tun, was er von ihnen haben will."[7] Der Mensch handelt, ökonomisch betrachtet, nur im eigenen Interesse. Mit Hilfe von Kontrolle und Transparenz sowie gezielt gesetzten Anreizen kann dieses Interesse umgeleitet werden.[8] Moral muss also Bestandteil der ökonomischen Theorie sein, um eine Konvergenz von ökonomischen und ethischen Zielen zu erreichen. Dies wird, gerade unter Wettbewerbsbedingungen, zu einem Problem.[9]

Das Basisproblem beschreibt die Prinzipal-Agenten-Theorie.[10] In Kapital­gesellschaften ist die Verfügungsmacht von Kapital getrennt. Diese Trennung schafft Informationsasymmetrien zwischen dem Prinzipal[11] und dem Agenten[12]. Prinzipal und Agent verfolgen unterschiedliche Ziele.[13] Die Informationsasymmetrie in Verbindung mit divergenten Interessen begünstigt opportunes Handeln des Agenten. Für den Prinzipal resultieren daraus Wohlfahrtsverluste. Die Prinzipal- Agenten-Theorie basiert auf der Theorie der unvollständigen Verträge und ist Bestandteil der Institutionenökonomie.[14] Ihre Bedeutung steigt in der heutigen hochspezialisierten Umwelt zunehmend.

Vorstände nehmen in der Corporate Governance Diskussion eine Schlüsselposition ein. Es besteht ein kontroverses Verhältnis zwischen den Interessen der Shareholder und des Vorstands. Shareholder sind an einer langfristigen Wertsteigerung des Unternehmens interessiert, die Anreizsysteme der Manager honorieren hingegen eher kurz- bis mittelfristige Wertsteigerungen.[15] Die Anreizsysteme wurden erst in den letzten Jahren flächendeckend verändert. „Noch 1990 beklagten Jensen und Murphy (1990) [...], dass Manager wie Bürokraten bezahlt würden, d.h. mit weitgehend von den Aktienkursen unabhängigen Kompensationen“[16] schreiben Osterloh und Frey und schildern: „... Zugleich hat sich die Schere zwischen dem durchschnittlichen Einkommen von Angestellten und den Einkünften der Top-Manager der S&P 500[17] Unternehmen weit geöffnet.“[18]

Auch Unternehmenswert und Unternehmensgewinn, als relevante Messgröße, haben sich nicht in vergleichbarer Form entwickelt um diese Entwicklung von Managerbezügen zu erklären. 18[19]

3. Historische Entwicklung von Corporate Governance in Deutschland

Am 15.08.1969 trat das Gesetz über die Rechnungslegung von bestimmten Unternehmen und Konzernen[20] in Kraft. Erfüllt ein Unternehmen Kriterien des PublG, so wird es verpflichtet öffentlich Rechenschaft abzulegen. Somit wurde die öffentliche Rechenschaftspflicht, über die bisherige alleinige Verpflichtung von Aktiengesellschaften hinweg, auch auf andere Großunternehmen übertragen. Für diese Unternehmen wurde die Pflicht zur unabhängigen und externen Wirtschaftsprüfung zum Standard. Ziel des Publizitätsgesetzes war Transparenz im Sinne des Anlegerschutzes.

Die Einführung des BiRiLiG war die Umsetzung Europäischen Rechts und trat am 1.1.1986 in Kraft. Diese neue Regelung weitete die Prüfungspflicht für Kapitalgesellschaften weiter aus und reformierte die Vorschriften der Rechnungslegung. Nun wurden auch kleinere Kapitalgesellschaften mit der Publikationspflicht versehen, um Transparenz und Kontrollen zu ermöglichen. Im Jahr 1998 übernahm der Gesetzgeber die Bilanzrichtlinien in das HGB, diese finden sich in §267 ff HGB.

Mit dem KonTraG wurde zum 1.3.1998 der steigenden Anzahl von Krisen bei zumeist börsennotierten Unternehmen Rechnung getragen. Das Gesetz verpflichtete Aktiengesellschaften und insbesondere deren Leitung zur Installation eines Risikomanagements. Zudem hatte es Auswirkungen auf die Jahresabschlussprüfung durch eine Verbesserung der Zusammenarbeit von Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfer. Die Reform hatte Auswirkungen auf das Aktiengesetz, das Handelsgesetz, das Publizitätsgesetz, das Genossenschafts­gesetz und das Kreditwesengesetz.[21]

Im Februar 2003 wurde durch die Bundesregierung ein Maßnahmenkatalog zur Stärkung der Unternehmensintegrität und des Anlegerschutzes im Rahmen eines 10-Punkte-Programms angekündigt.[22] Diese sollte eine Fortentwicklung der Bilanzregeln und eine Annäherung an internationale Rechnungsgrundsätze[23] beinhalten. Deutschland erhielt durch das BilMoG ein neues Bilanzrecht. Das Bilanzmodernisierungsgesetz trat am 29.05.2009 in Kraft und gilt als das am intensivsten und facettenreichsten diskutierte Gesetz der letzten 25 Jahre in diesem Bereich.[24]

4. Der Deutsche Corporate Governance Kodex

Der Deutsche Corporate Governance Kodex wurde in den Jahren 2001 und 2002 durch die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex entwickelt. Auslöser war die zunehmende Kritik von Aktionären an der deutschen Unternehmensverfassung. Nach Auffassung der Aktionäre waren Aktien­gesellschaften nicht ausreichend auf die Aktionärsinteressen ausgerichtet. Sie kritisierten die duale Unternehmensverfassung mit Vorstand und Aufsichtsrat, die geringe Transparenz von Unternehmensführungen, die mangelnde Unabhängigkeit von Aufsichtsräten und die nicht ausreichende Unabhängigkeit von Wirtschaftsprüfern.[25] Mit dem etablieren des DCGK reagierte die seinerzeit amtierende Bundesregierung auf die Forderung der Kapitalgeber.

4.1 Inhalt des DCGK

In dem DCGK wurden Deutsche Vorschriften und Richtlinien[26] zusammen mit Empfehlungen[27] und Anregungen[28] für eine transparente und nachvollziehbare Unternehmensführung zusammengestellt. Der Kodex will das Vertrauen der internationalen und nationalen Anleger, Kunden, Mitarbeiter und der Öffentlichkeit in die Leitung und Überwachung deutscher börsennotierter Gesellschaften fördern.[29] Der Fokus der Initiatoren richtet sich auf Aktiengesellschaften.

[...]


[1] Vgl. Eckelt, E.(1971), S.147.

[2] Vgl. Wieland, J.(2002), S.2.

[3] Vgl. Nippa, M.(2002).

[4] Vgl. Nassauer, F.(2000).

[5] Vgl. Kirchdörfer/ Kögel (2000),S.223; Vgl. Hucke/ Ammann (2003),S.1, Zitat aus Peltzer/ v.Werder ,AG2001,S.1; Vgl. Grundsatzkommission Corporate Governance (2000),S.2.

[6] auch DCGK.

[7] Smith, A.(1776), S.98.

[8] Vgl. Wieland, J.(1999), S.56.

[9] Wieland, J.(2005), S.257.

[10] Vgl. Wieland (2002), S.3.

[11] hier ein Kapitalgeber.

[12] hier ein Manager.

[13] Vgl. Lütge, C.(2005), S111f.

[14] Vgl. Jensen, M./Meckling, W.(1976).

[15] Vgl Wöhe,G., Döring, U.(2008),S.31f.

[16] Osterloh, M./ Frey, B.S.(2005),S.338.

[17] Index der 500 wichtigsten US-Aktiengesellschaften.

[18] Osterloh, M./ Frey, B.S.(2005),S.338.

[19] Vgl. Osterloh, M./ Frey, B.S.(2005),S.338.

[20] Publikationsgesetz (PublG).

[21] Vgl. Wolf/ Runzheimer, Risikomanagement und KonTraG (2009),S.20-22.

[22] Vgl. Zwirner, C.(2009), S.1.

[23] Angleichung an das IFRS-System.

[24] Zwirner, C.(2009), S.1.

[25] Vgl. www.corporate-governance-code.de, Abruf 02.06.2011.

[26] Angewandte Vorschriften zumeist aus dem AktG.

[27] „Soll“-Vorschriften, diese sollten eingehalten werden.

[28] „Kann“-Vorschriften, diese können eingehalten werden.

[29] Deutscher Corporate Governance Kodex,(18.06.2009),S.1.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Kritische Bewertung des Deutschen Corporate Governance Kodex
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Veranstaltung
Verantwortliches Handeln in Gesellschaften und Unternehmen
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V176536
ISBN (eBook)
9783640979189
ISBN (Buch)
9783640979530
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Corporate, governance, Kodex, Codex, Diskussion, Bewertung, kritische, Beurteilung, Wieland, Regierungskommission, Aktiengesetz, Deutscher, citizenship, compliance
Arbeit zitieren
Oliver Lüdemann (Autor), 2011, Kritische Bewertung des Deutschen Corporate Governance Kodex, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176536

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