Die Arbeit unternimmt zunächst den Versuch, die Motive für den Erwerb von Kolonien durch das Deutsche Kaiserreich zu analysieren. Der Fokus liegt sodann auf die Kolonie Deutsch-Südwestafrika und die deutsche Herrschaftsausübung durch das sog. "System Leutwein". Die Ursachen für den herero-Aufstand werden analysiert und die Niederschlagung als entscheidener Wendepunkt der Kolonialgeschichte Deutsch-Südwestafrikas. Daraufhin erfolgt die Skizzierung der letzten Jahre deutscher Herrschaft anhand einer forcierten wirtschaftlichen und personellen Erschließung. Abschließend wird der Verlust der Kolonie im Ersten Weltkrieg und die Instrumentalisierung des kolonialen Gedankens im Dritten Reich analysiert. Auf diese Weise entwirft die Arbeit einen kurzen und eindringlichen Überblick über die Geschichte Deutsch-Südwestafrikas sowie des deutschen Kolonialismus.
Inhaltsverzeichnis
1. VORREDE
2. DEUTSCH-SÜDWESTAFRIKA
2.1 BISMARCK UND DIE KOLONIALE IDEE IM DEUTSCHEN REICH
2.2 DER GRIFF NACH AFRIKA
2.3 ZWISCHEN FLAGGENHISSUNG UND HEREROAUFSTAND (1884-1904)
2.4 DER HERERO-AUFSTAND
2.5 DEUTSCH-SÜDWESTAFRIKA NACH 1907
3. RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die deutsche Kolonialpolitik in Deutsch-Südwestafrika, wobei der Fokus auf dem Zusammenleben von Ureinwohnern und der Kolonialmacht sowie dem Hereroaufstand zwischen 1904 und 1907 liegt. Es wird analysiert, inwiefern eine verfehlte Politik und ein bestimmter Zeitgeist zu den militärischen Auseinandersetzungen führten.
- Die koloniale Idee und Expansionspolitik im Deutschen Kaiserreich
- Der Erwerb und die Verwaltung von Deutsch-Südwestafrika
- Die Ursachen und der Verlauf des Hereroaufstandes
- Die Auswirkungen der deutschen Herrschaft auf die einheimische Bevölkerung
- Die wirtschaftliche Entwicklung und Bedeutung der Kolonie bis 1914
Auszug aus dem Buch
2.4 Der Hereroaufstand
Während die Schutztruppe im Süden mit der Niederschlagung des Bondelzwart-Aufstandes beschäftigt war, mehrten sich im Hereroland die drohenden Anzeichen einer beginnenden Erhebung. Bereits seit einiger Zeit wurden vermehrte Waffenkäufe durch die Herero gemeldet. Der Geograph Seiner bereiste 1903 das Hereroland und bemerkte hierzu: “Als wir an Kambazembis Dorf vorbeikamen, sahen wir längs des Dornenzaunes zwanzig Ovambos kauern, welche für Kambazembi Waren gebracht hatten. Wie mir mitgeteilt wurde, betrieben die Ovambos einen schwunghaften Zwischenhandel mit Pulver, das sie von portugiesischen Händlern kauften und an die Herero weiter verhandelten.” Sollte es zu Auseinandersetzungen zwischen Herero und Deutschen kommen, würden die Geschosse der Deutschen durch Geschosse der Aufständischen beantwortet werden.
Der Siedler Alex Niet meldete am 10.01.1904 dem Distriktchef von Okahandia, Oberleutnant Zürn, dass die Herero an einem bestimmten Tag einen Aufstand planen und 2000 Herero mit 300 Gewehren aus dem Norden im Anmarsch auf Okahandia seien. Aufgrund dieser und weiterer Meldungen wurden auf Initiative der Rheinischen Missionsgesellschaft, insbesondere durch den Missionar Diehl, am 11.01.1904 Verhandlungen mit den Hereros aufgenommen. Laut Aussage der Herero handelte es sich bei diesem Auflauf großer Hereromassen um die bevorstehende Häuptlingswahl im Zusammenhang mit dem Tod des Häuptlings Kambazembis. Am folgenden Tag sollten die Verhandlungen fortgesetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORREDE: Die Einleitung beleuchtet das Interesse an der deutschen Kolonialgeschichte und definiert den Fokus der Arbeit auf das Zusammenleben von Ureinwohnern und Kolonialmacht in Deutsch-Südwestafrika.
2. DEUTSCH-SÜDWESTAFRIKA: Dieses Hauptkapitel beschreibt die historische Entwicklung der Kolonie, von den Anfängen der kolonialen Idee unter Bismarck bis zur wirtschaftlichen Konsolidierung und dem Ende der deutschen Herrschaft durch den Ersten Weltkrieg.
2.1 BISMARCK UND DIE KOLONIALE IDEE IM DEUTSCHEN REICH: Hier werden die Motive und politischen Debatten zur Kolonialpolitik im Deutschen Kaiserreich sowie Bismarcks anfängliche Zurückhaltung und spätere Sinneswandel analysiert.
2.2 DER GRIFF NACH AFRIKA: Dieses Kapitel behandelt die europäische Expansionspolitik und die spezifische Inbesitznahme durch den Bremer Kaufmann Franz Adolf Lüderitz an der südwestafrikanischen Küste.
2.3 ZWISCHEN FLAGGENHISSUNG UND HEREROAUFSTAND (1884-1904): Die Jahre zwischen der Gründung der Kolonie und dem Aufstand werden beleuchtet, wobei soziale Spannungen, das Händlerunwesen und die Rolle der Schutztruppe im Fokus stehen.
2.4 DER HEREROAUFSTAND: Der Verlauf des Hereroaufstandes, von den ersten Anzeichen über die Eskalation bis hin zur militärischen Niederschlagung durch die Schutztruppe und General von Trotha, wird detailliert dargestellt.
2.5 DEUTSCH-SÜDWESTAFRIKA NACH 1907: Dieses Kapitel thematisiert die radikale Entrechtung der einheimischen Bevölkerung nach dem Aufstand sowie die wirtschaftliche Entwicklung durch Diamanten- und Erzförderung bis zum Ersten Weltkrieg.
3. RESÜMEE: Das Fazit fasst die gescheiterten politischen Ziele zusammen und reflektiert kritisch über das Erbe der deutschen Kolonialherrschaft in Bezug auf die Behandlung der einheimischen Bevölkerung.
Schlüsselwörter
Deutsch-Südwestafrika, Hereroaufstand, Kolonialpolitik, Schutztruppe, Theodor Leutwein, Samuel Maharero, General von Trotha, Kolonialismus, Siedlungskolonie, Diamantenförderung, Namibia, Rheinische Missionsgesellschaft, Landnahme, Infrastruktur, Deutsche Kolonialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Rolle der deutschen Kolonialpolitik in Deutsch-Südwestafrika und ihre Auswirkungen auf das Zusammenleben zwischen Siedlern und der einheimischen Bevölkerung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die deutsche Expansionspolitik, die Rolle der Schutztruppe, der Hereroaufstand sowie die sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen in der Kolonie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob die militärischen Auseinandersetzungen zwischen 1904 und 1907 eine direkte Folge verfehlter Kolonialpolitik und eines herabwürdigenden Zeitgeistes gegenüber den Ureinwohnern waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Untersuchung unter Verwendung von Primär- und Sekundärquellen, um die Ereignisse und Beweggründe der Akteure zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von den Ursprüngen der Kolonialidee unter Bismarck bis zur Unterdrückung der Bevölkerung nach 1907 und der wirtschaftlichen Nutzung der Kolonie vor dem Ersten Weltkrieg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Deutsch-Südwestafrika, Hereroaufstand, Kolonialismus, Schutztruppe und Leutwein charakterisiert.
Was unterscheidet das „System Leutwein“ von der Politik unter General von Trotha?
Das „System Leutwein“ setzte stärker auf diplomatische Ansätze und den Erhalt von Stammesstrukturen für eine effiziente Verwaltung, während unter von Trotha eine militärische Vernichtungspolitik forciert wurde.
Wie wirkte sich die Entdeckung von Diamanten auf die Kolonie aus?
Die Diamantenfunde ab 1908 führten zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und steuerten erhebliche Einnahmen zur Finanzierung der kolonialen Infrastruktur bei, änderten jedoch nichts an der Entrechtung der Schwarzen.
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- Magister artium Robert Oldach (Author), 2003, Die Kolonie Deutsch-Südwestafrika und die deutsche Herrschaftsausübung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176541