Thukydides' Narration weicht bzgl. der Sizilienexpedition von 415 v. Chr. erheblich von seinem Kommentar in 2,65,11 ab. In dieser Arbeit wird die Darstellung der Expedition bei Thukydides untersucht und herausgearbeitet, wieso er nicht die Fehler der Strategen in den Vordergrund stellt, sondern die Schuld für das Scheitern der Expedition ganz allen bei der Ekklesia sucht.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Frage der Schuld bei Thukydides
1. Ursachen und Auslöser der Expedition
2. Die Zeit unmittelbar vor der Ausfahrt
3. Die Darstellung der Expedition
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen der detaillierten Schilderung strategischer Fehlentscheidungen der Feldherren Nikias, Lamachos und Alkibiades einerseits und der retrospektiven Beurteilung durch den Historiker Thukydides andererseits, welche die Schuld an der Sizilienexpedition primär der athenischen Volksversammlung zuschreibt.
- Historische Analyse der Sizilienexpedition im thukydideischen Werk
- Die Rolle der Volksversammlung versus individuelle militärische Verantwortung
- Quellenkritische Einordnung der Reden von Nikias und Alkibiades
- Die Bedeutung der Sizilienexpedition als Wendepunkt des Peloponnesischen Krieges
- Untersuchung der Expansionspolitik Athens nach dem Tod des Perikles
Auszug aus dem Buch
Die Darstellung der Expedition
Just vor der Abreise der Flotte fand in Athen der sog. Hermenfrevel statt, bei dem fast sämtliche Hermenstatuen in der Stadt mutwillig beschädigt worden waren. Auch Alkibiades wurde diskreditiert. Er insistierte auf eine schnelle Lösung des Konflikts vor der Abfahrt der Flotte. Seine politischen Gegner jedoch beharrten darauf, dass er sich auf den Weg machen solle und man die Angelegenheit nach seiner Rückkehr regeln könne. Dies erwies sich als List, denn Alkibiades wurde schon kurz nach der Ausfahrt der Flotte aus dem Piräus nach Athen zurückbeordert um sich zu verantworten. Er desertierte daraufhin nach Sparta.
Zu Beginn der Expedition brachen Lamachos, Nikias und Alkibiades mit 134 Trieren, 5100 Hopliten, 480 Bogenschützen, 700 rhodischen Schleuderern, 120 Leichtbewaffneten und 30 Reitern nach Sizilien auf. Thukydides schildert, wie drei vorausgesandte Schiffe bei Rhegion auf die attische Flotte trafen und diese davon in Kenntnis setzten, dass das versprochene Geld der Segestaner nicht disponibel sei. Lamachos und Alkibiades waren verwundert, Nikias hingegen „kam dieser Vorfall mit den Segestanern nicht überraschend“. Abermals wird der Stratege von Thukydides als weitblickend charakterisiert. Im Anschluss daran veranschaulicht der antike Historiker die Strategien der drei Feldherren. Nikias plädierte dafür, Selinus gewaltsam oder diplomatisch mit Segesta auszusöhnen und anschließend die Macht Athens vor der Küste zu demonstrieren. Allerdings koppelte er diese Schlichtung an die Einschränkung, dass Segesta für den Unterhalt der ursprünglich vereinbarten 60 Trieren aufkommen müsse. Da die Segestaner nicht über die adäquaten Mittel verfügten, ist es wahrscheinlich, dass die attische Flotte, wäre sie diesem Ratschlag gefolgt, Sizilien bald verlassen hätte. Nikias befolgte sehr genau den Auftrag, welchen die Versammlung verfügt hatte, nämlich kurzerhand den Bündnern Hilfe zu leisten - nicht mehr und nicht weniger.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung der Sizilienexpedition ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Diskrepanz zwischen der militärischen Verantwortung und der von Thukydides postulierten Schuld der Volksversammlung.
Die Frage der Schuld bei Thukydides: In diesem Kapitel werden die Ursachen der Expedition sowie die zeitliche Phase vor der Ausfahrt analysiert, wobei der Fokus auf den politischen Intentionen Athens liegt.
1. Ursachen und Auslöser der Expedition: Es wird dargelegt, wie Thukydides zwischen den langfristigen Expansionsplänen der Politen und dem unmittelbaren, teilweise auf Täuschung basierenden Hilfegesuch Segestas unterscheidet.
2. Die Zeit unmittelbar vor der Ausfahrt: Dieses Kapitel behandelt die öffentliche Debatte in der Ekklesia, wobei die rhetorischen Strategien von Nikias und Alkibiades im Kontrast zueinander sowie die Stimmung des Volkes beim Abschied im Piräus beleuchtet werden.
3. Die Darstellung der Expedition: Hier werden der Verlauf der Expedition, die strategischen Fehlentscheidungen der Feldherren und die retrospektive Bewertung durch den Historiker kritisch untersucht.
Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass es Thukydides nicht um die Anklage einzelner Feldherren ging, sondern um die Charakterisierung der unmoralischen und demagogisch geprägten Politik des athenischen Demos nach dem Tod des Perikles.
Schlüsselwörter
Sizilienexpedition, Thukydides, Nikias, Alkibiades, Peloponnesischer Krieg, athenische Volksversammlung, Ekklesia, Strategen, Expansionspolitik, Segesta, Syrakus, Machtstreben, antike Geschichtsschreibung, Demagogie, Peloponnes
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Sizilienexpedition von 415 v. Chr. im Werk des antiken Historikers Thukydides mit besonderem Fokus auf die Zuweisung der Schuld an der militärischen Niederlage Athens.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die strategischen Entscheidungen der athenischen Feldherren, die rhetorische Beeinflussung der Volksversammlung und die zugrundeliegende politische Analyse des Historikers hinsichtlich der athenischen Demokratie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu ergründen, warum Thukydides die Schuld für das Scheitern der Expedition primär der Volksversammlung zuschreibt, obwohl seine detaillierte Narration die taktischen Fehler der Feldherren deutlich hervorhebt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine quellenkritische Analyse des thukydideischen Werkes unter Einbeziehung relevanter Forschungsliteratur, um die narrativen Absichten des Autors freizulegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Ursachen und Auslöser der Expedition, die Analyse der politischen Debatten vor der Ausfahrt und die detaillierte Betrachtung des tatsächlichen Expeditionsverlaufs sowie der einzelnen strategischen Fehlentscheidungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sizilienexpedition, Thukydides, Nikias, Alkibiades, Ekklesia und Machtstreben charakterisiert.
Wie bewertet Thukydides die Person des Nikias laut der Analyse?
Die Analyse zeigt auf, dass Thukydides Nikias einerseits als weitsichtigen Strategen zeichnet, ihn jedoch gleichzeitig für eklatante strategische Fehler wie die Fehleinschätzung des Gylippos und die Zögerlichkeit bei der Einnahme Syrakus' verantwortlich macht.
Welche Rolle spielt die "Fernbeziehung der Reden" im Werk des Thukydides laut der Autorin bzw. des Autors?
Sie dient Thukydides dazu, den Grad der Authentizität seiner Darstellungen zu erhöhen und dem Leser ein umfassendes Abbild der gesellschaftlichen und politischen Dynamiken zu vermitteln, ohne den unmittelbaren narrativen Fluss zu unterbrechen.
Welche Bedeutung kommt der Mondfinsternis von 413 v. Chr. in der Darstellung zu?
Die Mondfinsternis fungiert als Wendepunkt, da sie die zögerliche Haltung des Nikias manifestiert und den fatalen Fehler unterstreicht, aufgrund von Vorzeichen weitere neun Tage zu warten, was den Untergang der athenischen Flotte besiegelte.
- Citation du texte
- Lorenz Klein (Auteur), 2011, Die Schuldfrage der Sizilienexpedition im thukydideischen Werk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176571