Imperien - Ungeliebte Kinder der Geschichtsdidaktik?


Hausarbeit, 2011

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Imperien – eine Definition

III. Vortrag „Imperien – Ungeliebte Kinder der Geschichtsdidaktik von Prof. Dr. Raimund Schulz

IV. Imperien in den Geschichtsbüchern der Haupt-und Realschule von Klasse 5 - 10

V. Zusammenfassung & Schlusswort

VI. Bibliographie

I Einleitung

Imperien sind in der Geschichtsschreibung allgegenwärtig. Zu nennen wären allen voran das persische Imperium, das Heilige Römische Reich, das englische Empire und ebenso aktuelle Imperien, die diesen Begriff jedoch für sich selbst ablehnen wie beispielsweise die USA.

Der Begriff „Imperium“ muss jedoch erst einmal geklärt werden, bevor er benutzt werden kann, und dies soll in der vorliegenden Arbeit geschehen. Des Weiteren wird auf den Vortrag von Raimund Schulz aufgebaut, der im Rahmen des „Imperien“- Kolloquiums an der Universität Hildesheim über Imperien als „die ungeliebten Kinder der Geschichtsdidaktik“ referierte.

Im Anschluss an die Besprechung des Vortrages folgt eine Untersuchung der Geschichtsbücher für Haupt- und Realschule, da Schulz sich in seinem Vortrag nur auf das gymnasiale Curriculum bezog. Was bleibt also für Haupt- und Realschulen? Es wurde das verbreitete Lehrwerk „DenkMal“ für die Klassenstufen 5 – 10 genutzt, um diese Frage zu beantworten.

Auf die Untersuchung folgt das Fazit, in welchem zusammenfassend gesagt werden soll, inwiefern Imperien in der heutigen Geschichtsdidaktik wirklich vorkommen oder in welchem Maße sie von den Lehrkräften ignoriert werden (müssen), um den Zeitplan einhalten zu können.

II Imperien – eine Definition

In unterschiedlicher Literatur finden sich verschiedene Definitionen des Begriffs „Imperium“. Diese reichen von der Beschreibung eines „kooperativen Staatswesens mit regionalen und [...] lokalen Autonomien wie dem Heiligen Römischen Reich“[1] bis zum chinesischen Imperium „mit seiner Tradition von Zentralverwaltung und nach gesamtstaatlichen Regeln ausgebildeter Bürokratie“[2].

Es gibt verschiedenste Kriterien, die für die Bezeichnung eines Reiches oder eines Staatswesens als „Imperium“ zwingend gegeben sein müssen. Einmal zu nennen ist hier die Herrschaft über mehrere Völker und eine gewisse „Größe“ des herrschenden Staates. Über genauere Zahlen ist man sich natürlich nicht einig (beispielsweise existieren große Differenzen betreffend die territorialen Größe zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Russländischen Imperium)[3].

Gehört zu der Definition auch dazu, dass das Land oder der Staat den Titel „Imperium“ selbst annimmt? Was ist dann mit denjenigen Staaten, die sich selbst „Res Publica“ nannten, was mit der UdSSR, den USA oder dem Deutschen Reich?

Münkler konturiert Imperien wie folgt: Sie grenzen sich erstens von einem Flächenstaat ab indem letzterer durch eine „scharfe Linie“[4], das Imperium an seinen Rändern jedoch durch „Abstufungen der Macht“[5] definiert sind; zweitens seien Imperien durch direkte Herrschaft anstelle von Hegemonialherrschaft im Rahmen des Hegemonialstaates zu definieren. Drittens grenzt er den Begriff „Imperien“ noch von dem Begriff „Imperialismus“ ab, indem er erklärt, beim „Imperium“ ohne „Imperialismus“ fehle die sogenannte „grand strategy“[6], d.h. der Plan zur Imperiumsgründung. Gegenüber Großreichen werden Imperien durch ihre zeitliche und räumliche Ausdehnung abgegrenzt – Frankreich und das wilhelminische Deutschland sind demnach „Failed Empires“ .[7]

Münkler fasst diese Aspekte sehr gut zusammen, weshalb ich seinen Text an dieser Stelle zusammenfassend zitieren möchte:

„Imperien sind mehr als große Staaten; sie bewegen sich in einer ihnen eigenen Welt. Staaten sind in eine Ordnung eingebunden, die sie gemeinsam mit anderen Staaten geschaffen haben und über die sie daher nicht allein verfügen. Imperien dagegen verstehen sich als Schöpfer und Garanten einer Ordnung, die letztlich von ihnen abhängt und die sie gegen den Einbruch des Chaos, der für sie eine stete Bedrohung darstellt, verteidigen müssen.“ [8]

III Vortrag „Imperien – ungeliebte Kinder der Geschichtsdidaktik von Raimund Schulz

Obwohl von großer Bedeutung in der Geschichtsschreibung und in der Lage, das Geschichtsbild einer ganzen Epoche transportieren zu können, gelten Imperien in der Geschichtsdidaktik als „ungeliebte Kinder“. Sie finden und fanden kaum Einzug in den Unterrichtsinhalt, waren dank ihres großen Umfanges didaktisch schlecht aufbereitet und wurden deshalb gerne „fallen gelassen“. Es scheint weder Lehrkräften noch Institutionen, die sich mit Bildungsplänen beschäftigen, die Wichtigkeit und Bedeutung von Imperien für die Geschichtsschreibung bewusst zu sein.

Mit Beginn der Geschichtsdidaktik wurde eine kultur- und menschengeprägte Geschichte vermittelt, welche versuchte, den „guten, bemühten Menschen“ darzustellen. Schon hier findet sich der Gegensatz zu den Inhalten, welche bei Imperien vermittelt werden müssten: Das Sehnen des Menschen nach Krieg und Herrschaft bei gleichzeitiger Beleuchtung der negativen Aspekte. Außerdem entstünde ein Konflikt dadurch, dass bei Imperien eher Strukturen, weniger einzelne Menschen sowie deren Handlungen interpretiert werden müssen. So klammerte die Geschichtsdidaktik die Imperien erst einmal aus.

In den 70er Jahren wurden die Inhalte in der Geschichtsdidaktik politischer, übergingen die Imperien jedoch weiterhin.

In den 80er Jahren fokussierte man sich auf Alltags- und Kulturgeschichte, auch hier waren keine Imperien in den Lehrplänen zu finden.

Laut Schulz sind diese bis heute kaum in die Geschichtsdidaktik eingedrungen. Zu groß ist der Umfang, zu hoch die Anforderung an die Lehrer, den Schülern in den wenigen Geschichtsstunden einen genügenden Überblick zu verschaffen. Schulz nennt dies die „Sperrigkeit“ des Themas.

Dies bedeutet jedoch auch, dass seit Beginn des Geschichtsunterrichtes immer nur Teilaspekte der Geschichtsschreibung vermittelt wurden (werden konnten?). Um die Thematik der Imperien zu vermitteln darf nach Schulz jedoch nicht in Teilaspekte unterteilt werden. Um ein Imperium wirklich zu verstehen, muss den Schülern ein Gesamtbild vermittelt werden.

Dass Imperien nur ungenügend in den Lehrplänen auftauchen, bedeutet jedoch keinesfalls, dass viele Geschichtslehrer sich nicht bemühen, ihren Schülern Wissen über diese komplexen Gebilde zu vermitteln. Hier muss jedoch die Balance zwischen Umfang der Thematik und dem vorherrschenden Zeitmangel gefunden werden, was die Lehrkräfte nachvollziehbar vor ein Problem stellt. Im Unterrichtsfach Geschichte sollen geschichtliche Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden (bspw. Kulturgeschichte, Alltagsgeschichte etc.). Um dies mit dem Zeitplan in Einklang zu bringen, müssen die jeweiligen Perspektiven kurz nacheinander durch gearbeitet werden. Hier kritisiert Schulz nicht die Vorgehensweise, sondern die Tatsache, dass oft ein Gesamtfazit fehle, das den Schülern noch einmal die wichtigsten Vorgänge verdeutlicht und diese miteinander verbindet. Daraus folge, so Schulz, dass die Schüler zwar Teilperspektiven erkennen und verstehen, die Gesamtstruktur aber nicht erkannt und verstanden wird.

In einem weiten Spannungsfeld steht die Tatsache, dass Lehrkräfte oft versuchen, nach den Interessen der Schüler zu unterrichten. Hiermit lassen sich Imperien anscheinend nicht vereinbaren, es wird vermutet, dass die Schüler keinen Zugang zu der Thematik finden. Dies ist meiner Meinung nach allerdings fraglich. Für die Lehrer, so Schulz weiter, sei es schwierig, einen Zugang für die Schüler zu schaffen, da ausreichende didaktische Handlungsfelder fehlten.

Im Kerncurriculum für Gymnasien nachschlagend, findet sich Folgendes zu dem Thema „Imperien“:

1. Es ist für die Jahrgänge 5 und 6 vorgesehen, die Schüler mit dem Begriff „Imperium“ vertraut zu machen. Dieser Begriff steht neben 49 anderen Begriffen, die den Schülern „irgendwie“ erklärt und verdeutlicht werden sollen.

Dies ist meiner Meinung nach eine völlig unzulängliche Vorgabe. Hier wurde anscheinend versucht, die komplexen Thematiken über das gesamte erste Sekundarjahr zu verteilen und damit am besten „so früh wie möglich anzufangen“. Wäre es nicht sinnvoller, in den oberen Jahrgängen (8,9,10) diese Themen erst anzuschneiden, dann aber in ihrer Gesamtheit? Teilperspektiven können gut auch in den unteren Jahrgängen unterrichtet werden. Wieso nutzt man diese Aufteilung nicht, sondern „zerfleddert“ die Themen? Eine Gesamtstruktur lässt sich so für die Schüler sicherlich nicht erkennen.

[...]


[1] Hans-Heinrich Nolte, Imperien, Schwalbach 2008, S. 5

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Herfried Münkler,Imperien, Berlin 2005, S. 18

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Ebd., S. 23

[8] Ebd., S. 2

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Imperien - Ungeliebte Kinder der Geschichtsdidaktik?
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Kolloquium Imperien
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V176639
ISBN (eBook)
9783640979912
ISBN (Buch)
9783640979974
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
imperien, ungeliebte, kinder, geschichtsdidaktik
Arbeit zitieren
Svenja Strohmeier (Autor), 2011, Imperien - Ungeliebte Kinder der Geschichtsdidaktik?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176639

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