Vor dem Hintergrund der zunehmenden internationalen Verflechtung wirtschaftlicher Beziehungen gewinnen Fragen des interkulturellen Managements an Bedeutung. Hinweise darauf bieten die steigende Anzahl von Publikationen und das wachsende Lehrangebot auf diesem Gebiet an den Hochschulen. Jedoch wurden bisher innerhalb der interkulturellen Managementforschung Untersuchungen der deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen zu Gunsten von Studien im asiatischen Raum vernachlässigt.
Dabei kommt der Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Amerikanern ein besonderer Stellenwert zu. Die USA sind für deutsche Unternehmen ein Markt, der auf Grund seiner Größe und Kaufkraft von hoher wirtschaftlicher Bedeutung ist. In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres gingen fast 11 % der deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten (vgl. Gutowski et al. 2003, S. 53). Der Prozess der Globalisierung wird in hohem Maße durch die amerikanische Wirtschaft bestimmt und auch in den deutschen Markt drängen immer mehr amerikanische Unternehmen. Die Netto-Direktinvestitionen aus den USA betrugen in den ersten neun Monaten 2002 mit 3,9 Milliarden Euro fast 12 % aller ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland (vgl.
Gutowski et al. 2003, S. 53).
Dabei besteht bei der Zusammenarbeit von Amerikanern und Deutschen eine besondere Problematik. Die Verbreitung der amerikanischen Kultur durch den Export von Filmen, Fernsehserien, Musik und Fast Food führt bei den Deutschen zu der irrigen Annahme, die USA gut zu kennen. Im Gegensatz dazu ist Deutschland im amerikanischen Alltag bzw. in den Medien viel weniger präsent (vgl. Thomas 1996a, S. 32). Die weite Verbreitung ihrer Kultur veranlasst Amerikaner jedoch zu der Annahme, auch überall verstanden zu werden. Die amerikanische und die deutsche Kultur werden oberflächlichals sehr ähnlich empfunden, insbesondere von deutscher Seite werden die Unterschiede zwischen den USA und Deutschland unterschätzt. Gründe für auftretende Spannungenin den transatlantischen Unternehmensbeziehungen wurden bisher vorwiegend in den Persönlichkeiten der Individuen gesucht und nur selten mit kulturellen Differenzen inVerbindung gebracht. Mit einem Anteil von 12,6 % belegten deutsche Unternehmen im Jahr 1997 den vierten Rang in der US-Investorliste. Ca. 70 % der deutschen Unternehmen scheitern jedoch innerhalb der ersten fünf Jahre mit ihrer Investition (vgl. Rolfes 1999, S. 67 f.). [...]
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG
1.2 ZIEL DER ARBEIT
1.3 GANG DER ARBEIT
1.4 AUSWAHL DER LITERATUR
2 GEGENSTAND DER UNTERSUCHUNG
2.1. KULTUR
2.1.1 Der Kulturbegriff in der anthropologischen Bedeutung
2.1.2 Funktionen von Kultur
2.1.3 Kultur und Nationalität
2.2 MANAGEMENT
2.3 THEORETISCHE PERSPEKTIVEN UND ANSÄTZE IN DER KULTURFORSCHUNG
2.3.1 Die etische und emische Perspektive
2.3.2 Universalisten und Kulturisten
2.4 DER DAIMLERCHRYSLER MERGER ALS BEISPIEL EINER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN ZUSAMMENARBEIT
3 LANDESKULTURSTUDIEN
3.1 LANDESKULTURSTUDIEN AUS ETISCHER PERSPEKTIVE
3.1.1 Die Studie von Hofstede
3.1.1.1 Design der Studie
3.1.1.2 Ergebnisse der Studie von Hofstede
3.1.1.3 Bewertung der Studie von Hofstede
3.1.2 Die Studie von Trompenaars
3.1.2.1 Design der Studie von Trompenaars
3.1.2.2 Ergebnisse der Studie von Trompenaars
3.1.2.2.1 Interpersonelle Beziehungen
3.1.2.2.2 Der Umgang mit der Zeit
3.1.2.2.3 Der Bezug zur Natur
3.1.2.3 Bewertung der Studie von Trompenaars
3.1.3 Die Kulturstudie von Hall
3.1.3.1 Design der Studie
3.1.3.2. Ergebnisse der Studie von Hall für die Kulturen Deutschlands und der USA
3.1.3.3 Bewertung der Studie von Edward T. Hall
3.2 EMISCHE LANDESKULTURSTUDIEN
3.2.1 Kulturstandards
3.2.1.1 Ausgangssituation und Klärung des Begriffs
3.2.1.2 Die Generierung von Kulturstandards
3.2.1.3 Managementrelevante deutsche Kulturstandards
3.2.1.4 Managementrelevante amerikanische Kulturstandards
3.2.1.5 Bewertung des Kulturstandardkonzepts
3.3 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE DER KULTURVERGLEICHSSTUDIEN
4. UNTERSCHIEDE IM AMERIKANISCHEN UND DEUTSCHEN MANAGEMENTPROZESS AUF GRUND DER VERSCHIEDENARTIGEN KULTURELLEN HINTERGRÜNDE
4.1. PLANUNG UND KONTROLLE
4.1.1 Die Bedeutung der Unternehmensumwelt für die Planung
4.1.2 Der Einfluss der amerikanischen Kultur und der Shareholder Value Orientierung auf den Prozess der Planung
4.1.3 Der Einfluss der deutschen Kultur auf die wertorientierte Unternehmensführung und den Prozess der Planung
4.1.4 Interkulturelles Konfliktpotenzial im Unternehmen und seiner Umwelt bei der Planung der Unternehmensziele und der Ergebniskontrolle
4.2 ORGANISATION
4.2.1 Koordination im Unternehmen
4.2.1.1 Der Einfluss der Nationalkultur auf die Organisation
4.2.1.2 Deutsche Unternehmensorganisation und der kulturelle Hintergrund. Organisationsmerkmale und Konfliktpotenzial bei der interkulturellen Zusammenarbeit
4.2.1.3 Amerikanische Unternehmensorganisation und der kulturelle Hintergrund. Organisationsmerkmale und Konfliktpotenzial bei der interkulturellen Zusammenarbeit
4.2.1.4 Unternehmensorganisation im Wandel vor dem kulturellen Hintergrund
4.2.2 Kommunikation
4.2.2.1 Kulturelle Einflüsse auf den Ablauf und Sprachstil deutscher Besprechungen und Präsentationen
4.2.2.2 Kulturelle Einflüsse auf den Ablauf und Sprachstil amerikanischer Besprechungen und Präsentationen
4.2.2.3 Typische Konfliktfelder bei deutsch-amerikanischen Besprechungen
4.2.3 Die Gruppe in der Organisation
4.2.3.1 Definition und Bedeutung des Problemlösungsprozesses
4.2.3.2 Der Problemlösungsprozess in deutschen Arbeitsgruppen und der kulturelle Hintergrund
4.2.3.3 Der Problemlösungsprozess in amerikanischen Arbeitsgruppen und der kulturelle Hintergrund
4.2.3.4 Häufige Konfliktfelder in der Zusammenarbeit von deutsch-amerikanischen Teams
4.3 PERSONALEINSATZ
4.3.1 Personalauswahl
4.3.1.1 Die Bedeutung der Personalauswahl für den Unternehmenserfolg
4.3.1.2 Unterschiede zwischen amerikanischen und deutschen Bewerbungsunterlagen und kulturelle Hintergründe
4.3.1.3 Kulturelle Einflüsse auf den Prozess der Personalauswahl von Angestellten und Arbeitern in den USA und in Deutschland
4.3.1.4 Kulturelle Einflüsse und Unterschiede bei den Instrumenten zur Personalauswahl von Arbeitern und Angestellten in amerikanischen und deutschen Unternehmen
4.3.2 Personalentwicklung
4.3.2.1 Die Bedeutung der Karrieremuster für Mitarbeiter
4.3.2.2 Entwicklungswege von Führungskräften in amerikanischen Unternehmen
4.3.2.3 Entwicklungswege von Führungskräften in deutschen Unternehmen
4.4. PERSONALFÜHRUNG
4.4.1. Führung
4.4.1.1 Der Begriff und Kulturabhängigkeit der Führung
4.4.1.2 Kulturelle Einflüsse auf das deutsche Führungsverhalten
4.4.1.3 Kulturelle Einflüsse auf das amerikanische Führungsverhalten
4.4.1.4 Typische Konfliktfelder bei der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit durch Unterschiede im Führungsverhalten
4.4.2 Motivation
4.4.2.1 Die Kulturabhängigkeit der Führungsaufgabe Motivation
4.4.2.2 Grundvoraussetzungen in der amerikanischen Gesellschaft für die Motivation der Mitarbeiter
4.4.2.3 Grundvoraussetzungen in der deutschen Gesellschaft für die Motivation der Mitarbeiter
5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturell bedingten Unterschiede im Managementprozess zwischen Deutschland und den USA. Ziel ist es, durch eine detaillierte Analyse dieser Differenzen – von der Planung über die Organisation und Personalauswahl bis hin zur Führung – ein tieferes Verständnis für interkulturelle Konfliktpotenziale zu schaffen und Möglichkeiten zur Verbesserung der Zusammenarbeit in transatlantischen Kooperationen aufzuzeigen.
- Kulturelle Einflussfaktoren auf das Management (Planung, Organisation, Personalauswahl, Führung).
- Vergleichende Analyse bekannter Landeskulturstudien (Hofstede, Trompenaars, Hall).
- Untersuchung deutscher und amerikanischer Kulturstandards in geschäftlichen Kontexten.
- Analyse von Konfliktpotenzialen am Beispiel der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit und der Fusion DaimlerChrysler.
- Strategien zur interkulturellen Handlungskompetenz und effektiven Gestaltung interkultureller Interaktionen.
Auszug aus dem Buch
Die Direktheit interpersonaler Kommunikation
Eine Eigenheit der Deutschen ist die Direktheit in der Kommunikation. Die eigene Meinung wird offen ausgesprochen, auf präzise Fragen erhält man präzise und ehrliche Antworten. Deutsche gelten gerne als aufrichtig und glaubwürdig, deshalb muss man ihre Aussagen nicht erst interpretieren, sondern kann sie entsprechend ihrer Formulierung verstehen. Bei der Zusammenarbeit von Deutschen kommt es immer wieder zu heftigen Konfrontationen, da die Meinungen der Kollegen kritisch hinterfragt und verschiedene Standpunkte ausdiskutiert werden. Auch wenn die Kritik konstruktiv gemeint ist, so fühlen sich Amerikaner durch die Direktheit und Offenheit der Deutschen oft persönlich angegriffen und vor den anderen bloßgestellt (vgl. Markowsky/Thomas 1995, S. 53). Für die Deutschen ist die Direktheit in der interpersonalen Kommunikation aber wichtig, da hierdurch verschiedene Sichtweisen eines Problems angesprochen werden und dies zur Auffindung einer geeigneten Lösung beiträgt (vgl. Schroll-Machl 2002, S. 174).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Definiert die Problemstellung der zunehmenden internationalen Verflechtung und leitet das Ziel der Analyse der deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen ab.
2 GEGENSTAND DER UNTERSUCHUNG: Klärt grundlegende Begriffe wie Kultur und Management und führt in die theoretischen Perspektiven der Kulturforschung ein.
3 LANDESKULTURSTUDIEN: Analysiert und vergleicht verschiedene etische und emische Studien sowie Kulturstandards, um die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA zu systematisieren.
4. UNTERSCHIEDE IM AMERIKANISCHEN UND DEUTSCHEN MANAGEMENTPROZESS AUF GRUND DER VERSCHIEDENARTIGEN KULTURELLEN HINTERGRÜNDE: Untersucht konkret, wie kulturelle Grundannahmen und Normen die Managementfunktionen Planung, Organisation, Personaleinsatz und Personalführung beeinflussen.
5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Fasst die Ergebnisse der interkulturellen Analyse zusammen und bewertet die Bedeutung interkultureller Handlungskompetenz für den Erfolg grenzüberschreitender Kooperationen.
Schlüsselwörter
Interkulturelles Management, Deutschland, USA, DaimlerChrysler, Unternehmenskultur, Landeskulturstudien, Kulturstandards, Problemlösungsprozess, Planung, Führung, Personalauswahl, Organisationsstruktur, Kommunikation, Motivation, interkulturelle Konflikte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA und deren Auswirkungen auf den unternehmerischen Managementprozess, um Verständnis für auftretende Konflikte in deutsch-amerikanischen Kooperationen zu schaffen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die kulturellen Rahmenbedingungen, die Einflüsse auf Planungs- und Organisationsstrukturen sowie spezifische Praktiken in der Personalauswahl, Führung und Motivation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, durch die Identifikation und Analyse kultureller Differenzen einen Beitrag zum Erfolg interkultureller Kooperationen zu leisten, indem Barrieren durch besseres Verständnis minimiert werden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden kulturvergleichende Studien (etisch) sowie das Konzept der Kulturstandards (emisch) herangezogen, ergänzt durch die Analyse von Praxisbeispielen wie der Fusion von Daimler und Chrysler.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch Kulturstudien und eine detaillierte Untersuchung der Auswirkungen von Kultur auf die Managementfunktionen Planung, Organisation, Personaleinsatz und Führung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind interkulturelles Management, deutsch-amerikanische Zusammenarbeit, DaimlerChrysler, Unternehmenskultur, Kulturstandards und interkulturelle Konfliktpotenziale.
Warum wird das Beispiel DaimlerChrysler herangezogen?
Die Fusion dient als exemplarisches Praxisbeispiel, da sich darin typische interkulturelle Konfliktfelder in Planung, Organisation und Führung sowie Probleme durch unterschiedliche nationale kulturelle Hintergründe in besonderer Deutlichkeit manifestieren.
Welche Rolle spielt das Konzept der Kulturstandards?
Die Kulturstandards ermöglichen eine emische, praxisnahe Beschreibung typischer Verhaltensweisen, die bei interkulturellen Begegnungen zwischen Deutschen und Amerikanern als Orientierungshilfen dienen, aber auch bei Missachtung zu interkulturellen Reibungspunkten führen können.
- Quote paper
- Ines Müller (Author), 2003, Management von interkulturellen Beziehungen am Beispiel Deutschland - USA, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17665