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Die Figur der Ehebrecherin in ausgewählten Werken Theodor Fontanes

Titel: Die Figur der Ehebrecherin in ausgewählten Werken Theodor Fontanes

Magisterarbeit , 2008 , 63 Seiten , Note: 3,0

Autor:in: Claudia Schöll (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

1. Einleitung
Ein Großteil von Theodor Fontanes Romanoevre handelt von Ehe und Ehebruch,unstandesgemäßer Liebe und von Beziehungen, die der gesellschaftliche Kodex der Zeit für unerlaubt erklärte. In seinen Romanen Effi Briest, L´ Adultera und Graf Petöfy steht, wie auch in anderen großen europäischen Werken des 19. Jahrhunderts, die Figur der Ehebrecherin im Mittelpunkt. Die `gefallene
Frau´ avancierte zu einem populären literarischen Motiv, wobei sich die Darstellung nicht mehr in erster Linie auf den gehörnten Ehemann, sondern auf die untreue Ehefrau und ihre fremdbestimmte Existenz im Spannungsfeld unerfüllter Sehnsüchte, verbotener Leidenschaften, patriarchalischer Bevormundung, erstickender sozialer Zwänge und bigotter Sittenrichterei konzentrierte. Das Interesse an der Figur der Ehebrecherin stand im Zusammenhang mit einem Wandel der Institution der Ehe, die sich aus
theologischen Denkmustern löste und damit problematisch wurde. Tradierte Normen wurden in Frage gestellt, und zwar bevorzugt aus dem Blickwinkel der Frau.

Da der Motivkomplex des Ehebruchs und die Darstellung der ehebrechenden Frauenfiguren innerhalb des Fontaneschen Romanwerks einen solch breiten Raum einnehmen, werden sie auch in der Sekundärliteratur in nahezu allen romanspezifischen Interpretationen berührt, allerdings fast ausschließlich unter dem Aspekt, inwiefern der Ehebruch auf Gesellschaftskritisches, Politisches,
Zeittypisches oder Transzendentes verweist. „In der Regel werden Ehe und Ehebruch wie Geschlecht auf zeitgenössisch „Bedeutsameres“ transparent. (…) Ob es Ehe, Ehebruch oder Scheidung ist, letztendlich verweist alles auf Bismarck und Preußen“.Dies wird damit begründet, dass der individuelle Fall erst durch
die Einbettung in einen politischen, sozialen und gesellschaftlichen Kontext zum symptomatischen 'erhöht' wird, und damit der Eheroman zum Gesellschaftsroman werde. Gerne beruft sich die Forschung dabei auf ein Fontane-Zitat, in dem der Romancier anscheinend selbst die Aspekte in seiner Dichtung, die auf Zeitgeschichtliches und Gesellschaftskritisches verweisen, hervorhebt und
Handlung und Protagonisten zur Nebensache erklärt: „Liebesgeschichten, in
ihrer schauderösen Ähnlichkeit, haben was Langweiliges – , aber der
Gesellschaftszustand, das Sittenbildliche, das versteckt und gefährlich Politische,
das diese Dinge haben […], das ist es, was mich so sehr daran interessiert.“

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ehebruch

2.1. Elliptisches Erzählen

2.2. Präfigurationen

3. Konvenienzehe – Liebesheirat

3.1. Der Ehehandel und die partnerschaftliche Liebesehe - L ´Adultera

3.2. Die arrangierte Ehe – Effi Briest

3.3. Die Spuk-Ehe

3.4. Die asexuelle höfische Ehe – Graf Petöfy

4. Selbstbestimmung – Fremdbestimmung

4.1. Imaginierte Weiblichkeit

4.2. Naturhaftigkeit

4.3. Die Ehebrecherin zwischen Selbst–und Fremdbestimmung

4.4. Die selbstbestimmte Künstlerin als Gegenbild zur Ehebrecherin

5. Sinnlichkeit – Keuschheit

5.1. Die Ehefrau zwischen `Hure´ und `Heiliger´

5.1.1. Die Kindbraut – Effi Briest

5.1.2. Die sinnliche Ehebrecherin – Melanie van der Straaten

5.1.3. Das „Marienmotiv“ in Graf Petöfy – Franziska Franz

5.2. Ideal der Mütterlichkeit vs. Sinnlichkeit der Ehebrecherin

6. Langeweile – Selbstverwirklichung

6.1. „Bovarisme“ und „femme incomprise“

6.2. Ennui

6.3. Beruf

6.4. Kommunikation

7. Leidenschaft – Vernunft

7.1. Verführung – Effi Briest

7.2. Ohnmacht und Entsagung – Franziska Franz

7.3. Leidenschaft und Musikgenuss – Melanie van der Straaten

8. Schuld – Sühne

8.1. Das „Tyrannisierende Gesellschafts-Etwas“

8.2. Die unschuldig-schuldige Ehebrecherin

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Magisterarbeit analysiert die literarische Darstellung der Ehebrecherin in ausgewählten Romanen Theodor Fontanes. Dabei steht nicht die zeitkritische Einordnung im Vordergrund, sondern die Untersuchung, wie Fontane Geschlecht und weibliche Sexualität im Kontext der bürgerlichen Familie konstruiert, welche Rolle gesellschaftliche Konventionen spielen und inwiefern etablierte Treuevorstellungen problematisiert werden.

  • Konstruktion von Weiblichkeit und Sexualität im Realismus
  • Die Ehe als ökonomische Transaktion ("Konvenienzehe")
  • Weibliche Autonomiebestrebungen versus patriarchale Zwänge
  • Das Motiv der "gefallenen Frau" im Wandel
  • Die Rolle von Naturmetaphorik und "disguised symbolism"

Auszug aus dem Buch

3.1. Der Ehehandel und die partnerschaftliche Liebesehe – L ´Adultera

Bei der Ehe zwischen der adligen Melanie de Caparoux und dem wohlhabenden Bourgeois van der Straaten handelt es sich um eine typisch gründerzeitliche Konvenienzehe. Melanies Heiratsmotiv wird vom Erzähler klar benannt: Sie wird die Frau eines wesentlich älteren reichen Mannes, um die vom Vater hinterlassenen Schulden abzutragen, denn sie will nicht gerne „das Vermögen einbüßen.“(LA:28) Im Gegenzug bringt die Siebzehnjährige ihren Adelstitel, ihre Schönheit und ihre Unschuld in die Ehe ein. Durch diesen Tauschhandel wird „[w]eibliche Sexualität […] ökonomisch und sozial definiert, denn die Tochter war nur als Jungfrau tauschbar – zumindest im Rahmen des sich über Anständigkeit definierenden Bürgertums.“25 Van der Straaten sieht in der gebildeten adligen Genferin in erster Linie einen Besitz und ein prestigeträchtiges Vorzeigeobjekt, ähnlich seiner Bildergalerie, mit dem er sich in Gesellschaft schmücken kann, „denn die junge Frau war fast noch mehr sein Stolz als sein Glück.“ Er behandelt Melanie als unmündiges Kind und lässt sich von ihr als „Papachen“ (LA:22) anreden. Die ihr zugeschriebene Kindlichkeit hat zum einen den Zweck, das Ungleichgewicht der ehelichen Rollenverteilung zu festigen, welches auf seiner Dominanz und ihrer Abhängigkeit gründet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Ehebrecherin in Fontanes Werk sowie Abgrenzung der relevanten Ehebruchromane für die vorliegende Untersuchung.

2. Ehebruch: Darstellung des Ehebruchs als Widerstandsform gegen gesellschaftliche Normen, inklusive einer Analyse der Erzählweise und motivischer Vorwegnahmen.

3. Konvenienzehe – Liebesheirat: Untersuchung des gründerzeitlichen Ehemodells, bei dem Liebe oft ökonomischen Interessen untergeordnet wird, und dessen Scheitern in den analysierten Romanen.

4. Selbstbestimmung – Fremdbestimmung: Analyse der Konstruktion weiblicher Identität zwischen gesellschaftlichen Weiblichkeitsklischees und dem Wunsch nach Eigenständigkeit.

5. Sinnlichkeit – Keuschheit: Untersuchung der künstlichen Spaltung weiblicher Sexualität in "Heilige" und "Hure" sowie der Rolle der Mütterlichkeit.

6. Langeweile – Selbstverwirklichung: Analyse der Ursachen für die Unzufriedenheit und Isolation der Protagonistinnen in ihren Ehen sowie der fehlenden Möglichkeiten zur beruflichen Selbstverwirklichung.

7. Leidenschaft – Vernunft: Untersuchung der Rolle von Leidenschaft als Motor für den Ehebruch und die Suche nach echtem Gefühl versus Vernunftehe.

8. Schuld – Sühne: Analyse der gesellschaftlichen Konsequenzen für die Ehebrecherin und die verschiedenen Arten der Sühne bis hin zur Resignation oder Integration.

Schlüsselwörter

Theodor Fontane, Ehebrecherin, Ehebruch, Konvenienzehe, Liebe, Selbstbestimmung, Geschlechterdiskurs, Realismus, Weiblichkeit, Schuld, Sühne, Sexualität, Patriarchat, Gesellschaftskritik, Identität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Figur der Ehebrecherin in Theodor Fontanes Romanen "Effi Briest", "L'Adultera" und "Graf Petöfy" und analysiert, wie diese Frauen mit gesellschaftlichen Erwartungen und patriarchalischen Strukturen brechen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Kernbereichen zählen die Kritik an der Konvenienzehe, die Konstruktion weiblicher Identität, die Darstellung von Sexualität und die Spannung zwischen persönlicher Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Fremdbestimmung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Fontane Geschlecht und weibliche Sexualität innerhalb der bürgerlichen Familie literarisch konstruiert und inwieweit er etablierte Vorstellungen von Ehe und Treue als gesellschaftliche Institutionen problematisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die insbesondere auf der Interpretation von Symbolen, Motiven und der Figurenkonstellation (unter Einbeziehung von Sekundärliteratur) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Eheformen, Identitätsfragen, dem Spannungsfeld zwischen Sinnlichkeit und Keuschheit, dem Problem der Langeweile sowie der Dialektik von Leidenschaft und Vernunft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Ehebrecherin, Realismus, Konvenienzehe, Selbstbestimmung, Patriarchat, Schuld und Sühne sowie die spezifische Figurenkonstellation in Fontanes Werken.

Warum wird "Cécile" in der Arbeit nicht detailliert analysiert?

Der Roman wird in der Einleitung als "Vorstudie" zu "Effi Briest" bezeichnet, bei der jedoch der eigentliche Bruch der Ehe nicht vollzogen wird, weshalb er nicht in den Fokus der Ehebruch-Analyse rückt.

Wie bewertet die Arbeit Franziska Franz' Konversion zum katholischen Glauben?

Die Arbeit hinterfragt kritisch, ob es sich dabei um eine echte Emanzipation handelt oder lediglich um eine theatralische Inszenierung der reuigen Sünderin, die sich weiterhin konservativen Weiblichkeitsbildern unterordnet.

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Figur der Ehebrecherin in ausgewählten Werken Theodor Fontanes
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Neuere Deutsche Literatur)
Note
3,0
Autor
Claudia Schöll (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
63
Katalognummer
V176673
ISBN (eBook)
9783640980376
ISBN (Buch)
9783640980567
Sprache
Deutsch
Schlagworte
figur ehebrecherin werken theodor fontanes
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Claudia Schöll (Autor:in), 2008, Die Figur der Ehebrecherin in ausgewählten Werken Theodor Fontanes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176673
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Leseprobe aus  63  Seiten
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