Deutsche Sprachpolitik in der Europäischen Union


Seminararbeit, 2010

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1. Einleitung und Zielsetzung

In meiner Hausarbeit werde ich mich mit dem Verhältnis von deutscher und europäischer Sprachpolitik auseinandersetzen. Dazu werde ich zunächst auf Sprachpolitik im Allgemeinen sowie auch auf Sprachverbreitungspolitik eingehen und mich anschließend mit der Sprachverbreitungspolitik im Hinblick auf das Deutsche befassen. Im Hinblick auf die Europäische Union werde ich kurz auf einige verschiedene Bereiche der Sprachpolitik eingehen und am Beispiel der deutschen Sprachpolitik gegenüber den Organen der EU grundsätzliche Probleme nationaler Sprachverbreitungspolitik innerhalb der Organe herauszuarbeiten versuchen. Abschließend werde ich zu bewerten versuchen, in welchem Verhältnis nationale Sprachpolitik und von der EU ausgehende Sprachpolitik zueinander stehen.

2. Sprachpolitik allgemein

Im Hinblick auf Sprachpolitik existieren mehrere Definitionen und Unterbegriffe, welche sich oftmals überschneiden, aber nicht immer deckungsgleich sind. Dies beginnt schon bei der Frage, ob es sinnvoll sein könnte, zwischen den Begriffen Sprachpolitik und Sprachenpolitik zu unterscheiden. Gemeinsam ist für beide, dass sie das Aufstellen von Regeln bezeichnen, falls Konflikte zwischen Sprechergruppen verschiedener Sprachen ohne sie nicht mehr gelöst werden können. Ein Ansatz zur Unterscheidung findet sich darin, dass sich Sprachpolitik als Begriff auf eine einzelne, Sprachenpolitik jedoch auf mehrere Sprachen bezieht. Im Hinblick auf die Inhalte sind diese Begriffe nicht einheitlich. So werden von Stark als Beispiele für Sprachpolitik Verschriftung und Sprachpurismus angeführt, welche von Christ wiederum unter dem Begriff Sprachplanung geführt werden. Insbesondere im Hinblick auf die Frage, in welchem Umfang die verschiedenen damit in Verbindung stehenden Teilbereiche einbezogen werden sollen, unterscheiden sich auch die Definitionen von Sprachenpolitik. Allgemeineren Definitionen zufolge befasst sich Sprachenpolitik mit dem politischen Status einer Sprache oder regelt, innerhalb oder außerhalb eines Staatsgebietes, das Zusammenspiel einer Sprache mit weiteren Sprachen, wobei die Abgrenzung von Sprachenpolitik zu Sprachenregelungen oder auch Sprachengesetzgebung nicht eindeutig ist. Ob eine solche strikte Unterscheidung der Begriffe Sprachpolitik und Sprachenpolitik in der Praxis sinnvoll sein kann, wird von Jörg Witt bezweifelt1 Er weist zwar auf die Möglichkeit hin, „(...)daß im politisierten Umgang mit Sprachen verschiedenste Teilbereiche ausgegliedert werden können(...)“2, entscheidet sich aber für die konsequente Verwendung des Begriffes Sprachpolitik. Darunter versteht er in Anlehnung an Stark die „(...)bewußte und planmäßige Einflußnahme von Regierungen oder gesellschaftlichen Machtgruppen auf die Entwicklung und die Stellung von Sprachen innerhalb und außerhalb des eigenen Territoriums(...)“.3

Weiterhin besteht die Möglichkeit, Sprachpolitik in implizite und explizite Sprachpolitik zu teilen, als Kriterium führt Witt die Sichtbarkeit derselben an.4 Für die inhaltliche Ebene kann zwischen normalisierender, standardisierender und liberaler Sprachpolitik, für die Ebene der Wertschätzung zwischen konstruktiver und destruktiver Sprachpolitik unterschieden werden.

Diese verschiedenen, einzelnen Unterbegriffe werde ich im Folgenden nicht alle erschöpfend thematisieren. Die von Stark gegebene und von Witt übernommene allgemeine Definition von Sprachpolitik halte ich hingegen für sinnvoll und werde mich darauf beziehen, wenn ich im Verlauf dieser Arbeit den Begriff Sprachpolitik verwende. Auf einige, für meine Arbeit wichtige Begriffe werde ich jedoch im Folgenden noch eingehen.

3. Sprachverbreitungspolitik

Auswärtige Kulturpolitik wird von den meisten Staaten in der einen oder anderen Form betrieben, zu den dafür eingesetzten Instrumenten zählen beispielsweise Sport (z.B. Teilnahme an internationalen Turnieren), Kunst (Musik, Film, Theater, Literatur) sowie Bildung und Wissenschaft.5 Besonders im Bereich Bildung und Wissenschaft setzen gerade hoch entwickelte Staaten häufig Bildungsangebote ein, welche Maßnahmen von Unterstützung von Bildungseinrichtungen im Ausland bis hin zu Studienmöglichkeiten für Gäste im Inland umfassen.6 Doch obwohl Sprache und Kultur in einer unbestreitbar engen Verbindung miteinander stehen, betreiben bei weitem nicht alle Staaten auch Sprachverbreitungspolitik im Rahmen ihrer Kulturpolitik. Sprachverbreitungspolitik wird von Ammon verstanden als jegliche Politik, welche die Verbreitung einer oder mehrerer bestimmter Sprachen zum Ziel hat, wobei es sowohl um die Aquirierung neuer Sprecher als auch um den Gebrauch in einem neuen Bereich gehen kann.7 Zentral ist dabei das Vorhandensein von Absichten zur Verbreitung einer Sprache, die Verbreitung darf also nicht unintendierte Konsequenz anderer politischer Maßnahmen sein.8

Desweiteren wird unterschieden zwischen interner und externer Sprachverbreitungspolitik. Die interne beschränkt sich dabei auf das Souveränitätsgebiet eines Staates, die externe findet auf dem Gebiet anderer Staaten statt, wodurch ihre Möglichkeiten und Instrumente sich notwendigerweise unterscheiden.9 Als besonderen Problemfall kann man Sprachverbreitungspolitik im Zuge militärischer Eroberungen betrachten. Während dabei faktisch die Möglichkeiten interner Sprachverbreitungspolitik bestehen, handelt es sich wegen der Verletzung der Souveränitäten von anderen Staaten nach dem Völkerrecht um externe Sprachverbreitungspolitik.10 Das Ziel von Sprachverbreitungspolitik ist die Erhöhung des internationalen Status der jeweiligen Sprache. Diesen Status zu messen oder festzustellen ist kein einfaches Unterfangen. Ulrich Ammon geht davon aus, dass diejenige Sprache die bessere internationale Stellung hat, in welcher mehr internationale Kommunikation stattfindet.11 Für Rückschlüsse auf die zu vermutende Menge internationaler Kommunikationsereignisse nennt er eine Reihe verschiedener Indikatoren, die er mit verschiedenen Annahmen verknüpft. Zunächst nennt er die Anzahl der Muttersprachler einer Sprache. Je größer diese Anzahl ist, desto größer ist auch die Anzahl von Kontakten mit Sprechern anderer Sprachen und damit die Anzahl der internationalen Kommunikationsereignisse. Auch werden größere Sprachen öfter als Fremdsprachen gelernt. Des weiteren spielt die Gesamtzahl derjenigen eine Rolle, welche die betreffende Sprache als Fremdsprache sprechen. Auch hier ermöglicht eine größere Anzahl Sprecher eine größere Menge internationaler Kommunikationsereignisse. Weiterhin nennt Ammon das Ausmaß von Radiosendungen, welche außerhalb des Sprachgebietes ausgestrahlt werden, und mit deren größerer Anzahl auch eine verstärkte Rezeption durch Sprecher anderer Sprachen möglich wird. Ähnliche Annahmen nennt er für die Indikatoren der Anzahl wissenschaftlicher Publikationen in einer Sprache sowie die Anzahl von Zitaten aus in der jeweiligen Sprache verfassten wissenschaftlichen Texten.12

[...]


1 Vgl. Witt, Joachim. Wohin steuern die Sprachen Europas? Probleme der EU-Sprachpolitik, S. 25

2 Witt, A.a.O, S. 25

3 Stark, Franz, nach Witt, Joachim. Wohin steuern die Sprachen Europas? Probleme der EU-

Sprachpolitik, S. 26

4 Vgl. Witt, Joachim. Wohin steuern die Sprachen Europas? Probleme der EU-Sprachpolitik, S. 26

5 Vgl. Praxenthaler, Martin. Die Sprachverbreitungspolitik der DDR, S. 8

6 Vgl. Praxenthaler, Martin. A.a.O., S. 8

7 Vgl. Ammon, Ulrich. Die internationale Stellung der deutschen Sprache, S. 526

8 Vgl. Ammon, Ulrich. A.a.O., S. 526

9 Vgl. Ammon, Ulrich. A.a.O, S. 527

10 Vgl. Praxenthaler, Martin. Die Sprachverbreitungspolitik der DDR, S. 20

11 Vgl. Ammon, Ulrich. Die internationale Stellung der deutschen Sprache, S. 16

12 Vgl. Ammon, Ulrich. A.a.O., S. 16 f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Deutsche Sprachpolitik in der Europäischen Union
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Germanistik)
Veranstaltung
Deutsch 2010 – Linguistisch-didaktische Perspektiven auf die Gegenwartssprache
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V176679
ISBN (eBook)
9783640980741
ISBN (Buch)
9783640980925
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutsch, EU, Sprachpolitik, EU-Sprachpolitik
Arbeit zitieren
Lennart Riepenhusen (Autor), 2010, Deutsche Sprachpolitik in der Europäischen Union, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176679

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