Ludwig Feuerbach - Sein Leben, sein Werk und der Einfluß auf Gottfried Keller und dessen Roman "Der grüne Heinrich"


Seminararbeit, 1994

25 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Vorbemerkungen

II. Zur Person Ludwig Feuerbachs
1. Seine Eltern
2. Sein schulischer und studentischer Werdegang
3. Seine Dozententätigkeit und Universitätskritik
4. Feuerbach und die Politik
5. Sein Leben in Bruckberg
6. Sein Leben und sein Tod in Rechenberg

III. Die Werke Ludwig Feuerbachs
1. Die Gliederung der Werke
1.1 Die philosophischen Werke
1.2 Die religionsphilosophischen Werke
2. Feuerbachs Religionstheorie und die Kritik daran

IV. Der Einfluß auf Gottfried Keller und dessen Roman Der grüne Heinrich

V. Schlußbemerkungen

Literaturverzeichnis

I. Vorbemerkungen

Die Annahme eines Engels oder Gottes ist für mich sinnlos. Dieser geometrische Ort, an dem die göttliche Vernunft

meine eigene rechtfertigt, wird mir

immer unverständlich bleiben. Albert Camus

Diese Arbeit befaßt sich mit Ludwig Feuerbach (1804-1872), einem "der bedeutendsten Religionsphilosophen und Ethiker des 19.Jahrhunderts".1

Hier soll sein Leben und sein Werk vorgestellt werden, jedoch nicht mit Hinblick auf die Rezeption und Kritik durch andere Philosophen und seine Wirkungsgeschichte im allgemeinen, sondern mit Blick auf den speziellen Einfluß auf den Roman Der grüne Heinrich von Gottfried Keller (1819-1820).

Gottfried Keller lernte Feuerbach während eines Deutschlandaufenthaltes in Heidelberg (1848-50)2 kennen, hörte seine Vorlesungen, traf sich zu Unterredungen mit ihm und war - wie es seinen Briefen zu entnehmen ist3 - sichtlich beeindruckt von Feuerbachs Lehre, die ihn zu einem Umdenken hinsichtlich der Gottesfrage - besonders inbezug auf die persönliche Unsterblichkeit - veranlaßte.

Nachdem ich im nun folgenden Leben und Werk Feuerbachs vorgestellt habe, soll in einem weiteren Teil der Einfluß auf Keller anhand von examplarischen Textstellen aufgezeigt werden.

II. Zur Person Ludwig Feuerbachs

1. Seine Eltern

Ludwig Andreas Feuerbach, der sich als Autor stets nur Ludwig Feuerbach nannte, wurde am 28. Juli 1804 in Landshut als vierter von fünf Söhnen - und acht Kindern insgesamt - der Eheleute Paul Johann Anselm Feuerbach und Wilhelmine Feuerbach, geb. Tröster, geboren.1

Über das Leben der Mutter läßt sich sagen, daß sie die ihr in der damaligen Gesellschaft zugedachte Rolle der treuliebenden Ehefrau, Mutter und Hausfrau erfüllte.

Außer daß Ludwig Feuerbach eine innige Beziehung zu ihr hatte,2 ist mir darüber hinaus leider nichts über sie bekannt.

Hingegen lassen sich über das Leben und Wirken seines Vaters weitaus mehr Informationen finden:

Paul Johann Anselm Feuerbach (1775-1833) war seit frühester Kindheit von dem Gedanken beseelt, berühmt zu werden und seinen Namen über den Tod hinaus bekannt zu machen.

Er begann ein Jurastudium, das er dann wegen des mehr geliebten Philosophie- studiums - in dem er auch promovierte - zunächst aufgab. Als er dann Wilhelmine Tröster heiratete, erschien ihm die Philosophie als brotlose Kunst,3 und er vollendete das begonnene Jurastudium und wurde Rechtstheoretiker. Aufgrund seiner Tätigkeiten als Kriminalist, Schriftsteller und Universitätsprofessor wurde er im Jahre 1808 in den Ritterstand erhoben. Paul Johann Anselm Feuerbach hatte zeitlebens großen Einfluß auf seinen Sohn Ludwig, der seine Entscheidungen auch meist von den Ratschlägen seines Vaters abhängig machte.

Nach dem Tod des Ritter von Feuerbach veröffentlichte Ludwig Feuerbach viele seiner Schriften postum und erfüllte somit anteilsweise den Wunsch des Vaters, über den Tod hinaus berühmt zu sein.4

2. Sein schulischer und studentischer Werdegang

Feuerbachs Vater bestimmte ihn zur Theologie, so daß er bereits mit dreizehn Jahren im Gymnasium von Ansbach darauf vorbereitet wurde. Die bloße Lektüre der Bibel genügte Feuerbach allerdings nicht, und er nahm deshalb Hebräisch-Unterricht, um auch Zugang zu anderen Quellen über den christlichen Glauben zu erhalten.

1820 schloß er das Gymnasium ab, widmete sich jedoch noch drei Jahre einem Selbststudium über Kirchengeschichte, bevor er in Heidelberg - sehr zur Zufriedenheit des Vaters - das Theologiestudium aufnahm.1 In der Retrospektive schildert Feuerbach seine Entscheidung für die Theologie so:

Diese religiöse Richtung entstand aber in mir nicht durch den Religions resp. Konfirmationsunterricht, der mich vielmehr, was ich noch recht gut weiß, ganz gleichgültig gelassen hatte, oder durch sonstige religiöse inflüsse, sondern rein aus mir selbst, aus einem Bedürfnis nach einem Etwas, das mir weder meine Umgebung noch der Gymnasialunterricht gab.In Folge dieser Richtung machte ich mir dann die Religion zum Ziel und Beruf meines Lebens und bestimmte mich daher zu einem Theologen. 2

Der Vater hatte ihn in Heidelberg an einen Rationalisten verwiesen, dessen Lehre Feuerbach jedoch ablehnte, stattdessen tendierte er zu Carl Daub, durch den er die Philosophie Hegels kennenlernte.3

Zu diesem Zeitpunkt begann bereits sein Interesse an der Philosophie zum Nachteil der Theologie zu wachsen, und er beabsichtigte, nach Berlin zu wechseln, um Hegels Vorlesungen zu hören.

1824 zog er dann auch - gegen die Bedenken der Eltern, die erstens wegen der Verhältnisse in einer Großstadt und zweitens wegen der schlechten finanziellen Aussichten nach einem Philosophiestudium4 besorgt waren - nach Berlin um.

Zwar ging Feuerbach noch einen Kompromiß mit seinem Vater ein, indem er auch noch Theologie-Vorlesungen hörte, doch wird aus den folgenden Zitaten seine Entscheidung für die Philosophie bereits erkennbar:

Palästina ist mir zu eng; ich muß, ich mußin die weite Welt, und diese trägt bloßder Philosoph auf seinen Schultern. 1

Es war, wie er später sagte, etwas in seinem Wesen aufgegangen, was noch nicht in sein Bewußtsein trat. 2

So kam es, daß er 1825 vollends in die Philosophische Fakultät übertrat, wo er noch zwei Jahre Hegel hörte, bevor er nach Erlangen wechselte, um dort Naturwissenschaften zu studieren und seine Doktorarbeit zu verfassen.

Die Dissertation De ratione una, universali, infinita (Über die Einheit, Allgemeinheit und Unbegrenztheit der Vernunft) zeigt eindeutig hegelianische Züge, aber dennoch wird auch hier bereits Feuerbachs eigene Philosophie deutlich.3

3. Seine Dozententätigkeit und Universitätskritik

Feuerbachs akademische Karriere ließ sich gut an, da er bereits 1829 in Erlangen als Privatdozent tätig werden konnte.

Ein jäher und - wie sich später herausstellte - endgültiger Bruch zwischen ihm und den akademischen Würden wurde jedoch 1830 durch seine Abhandlung Gedanken eines Denkersüber Tod und Unsterblichkeit hervorgerufen. Zwar erschien diese Schrift anonym, aber Feuerbach wurde als Autor ausgemacht und das Werk polizeilich konfisziert.

Das reaktionäre Zeitalter, in dem die Schrift als zu freisinnig und freimütig klassifiziert wurde, erlaubte es auch in späteren Jahren nicht, daß Feuerbach eine Anstellung an einer Universität in Deutschland erhielt.4

Nur in den Jahren 1848/49 wurde er im Heidelberger Rathaus, wo er Vorlesungenüber das Wesen der Religion hielt, noch einmal als Dozent tätig (bei dieser Gelegenheit fand das Treffen mit Gottfried Keller statt).5

Obwohl Feuerbach nie ein begnadeter Redner war (er sah sich selbst als Forscher und nicht als Lehrer), regte ihn die Verweigerung einer Dozententätigkeit an deutschen Universitäten zu einer Kritik an derselben an: Erlangen bezeichnete er wegen der ihn ablehnenden Haltung seitens der Wür- denträger als "Pietistennest", und mit einem gewissen Stolz verkündete er, daß er sich nicht in die "spanischen Stiefel" der Erwartungshaltung "akkommodiert" hatte.1

4. Feuerbach und die Politik

Es ist nicht verwunderlich, daß ein Mann mit dem Bekanntheitsgrad Feuerbachs - den er nach der Veröffentlichung von Das Wesen des Christentum 1841 erreichte -auch für die politiktreibenden Kräfte interessant war.

Seine frühen religionskritischen und anti-idealistischen Schriften veranlaßten die Behörden in den Jahren 1843 und 1851, Hausdurchsuchungen bei ihm durchzuführen, da er im Verdacht stand, mit verbotenen Organisationen zu kooperieren2 - was jedoch nicht der Fall war. Ebenso wurde er 1851 nach einer Einladung seines Verlegers Otto Wigand nach Leipzig als angeblich gefährlicher Revolutionär ausgewiesen.3

Allerdings war Feuerbach nicht nur für die Staatsgewalt von Interesse, sondern vor allem auch für die Arbeiterbewegung.

So übersandte ihm Ferdinand Lassalle (Allgemeiner deutscher Arbeiterverein) seine sämtlichen Schriften, Flugblätter und philosophischen Abhandlungen, um ein Urteil Feuerbachs einzuholen. Es ist allerdings nicht bekannt, ob und gegebenenfalls wie Feuerbach darauf reagierte.4

1848 forderte ihn die Heidelberger Studentenschaft in einem offenen Brief auf, ein Mandat in der Nationalversammlung anzunehmen. Feuerbach nahm jedoch nur an einem demokratischen Kongreß teil, und obwohl er noch nicht einmal eine Rede hielt, wurde in einer Zeitung über seine vermeintliche Agitation berichtet.5

Es scheint, als wenn die Öffentlichkeit nicht glauben konnte, daß dieser Mann nicht vehement politisch am Revolutionsgeschehen beteiligt war.

Bezeichnend ist die Antwort, die er Marx und Engels auf ihr Angebot hin, sich ihrer Bewegung anzuschließen, gab:

Er sagte, er hätte es sich nicht zur Aufgabe gemacht "die materiellen Mißstände", sondern die "Kopf- und Herzkrankheiten der Menschheit" zu beseitigen.1

Auch beteiligte er sich nicht an den bewaffneten Aufständen, sondern setzte mehr auf die Macht des Wortes und hielt sodann dreißig Vorlesungen in Heidelberg, zu denen auch Mitglieder des Arbeiter-Bildungsvereins Zutritt hatten.2

Nach dem Scheitern der Revolution begann Feuerbachs Popularität zu schwinden, da er sich nicht den Reaktionsbewegungen, in denen das Interesse an seinen Schriften schwand, anschloß.

Daß trotz seines verblaßten Ruhms etwa zwanzigtausend Leute zu seinem Begräbnis kamen, ist wohl seinem Beitritt in die marxistische Arbeiterbewegung 1870 zu verdanken.3

5. Sein Leben in Bruckberg

1837 verabschiedete Feuerbach sich endgültig von der Universität und zog nach seiner Heirat mit Bertha Löw nach Mittelfranken ins Schloß Bruckberg. Obwohl seine Frau Mitbesitzerin einer Porzellanfabrik war, waren ihre Einkünfte eher bescheiden. Sie lebten von dem geringen Verdienst der Frau, seinen Honoraren und einer Rente, die ihm vom Vater her zustand.4

Abgesehen von den bescheidenen finanziellen Mitteln, hatte Feuerbach in den knapp fünfundzwanzig Jahren, die er mit seiner Frau und mit der 1839 geborenen, einzigen Tochter Eleonore in Bruckberg lebte, seine arbeitsintensivste und auch erfolgreichste Zeit als Schriftsteller und Philosoph.

[...]


1 Austeda (1989) S.109

2 vgl. Heigenmoser/Richter (1991) S.978

3 vgl. Kohut (1909) S.230

1 vgl. Schneider (1972) S.238

2 vgl. Kohut (1909) S.27f

3 vgl. Anselm Feuerbachs Bedenken gegen Ludwigs Entschluß, Philosophie zu studieren; Kap.II.2.

4 vgl. Kohut (1909) S.1ff

1 vgl. Kohut (1909) S.28f

2 Esser (Hg.) (1983) S.9f

3 vgl. Schneider (1972) S.239

4 vgl. Kap.I.2.: Anselm Feuerbachs Bedenken bezüglich seines eigenen Philosophiestudiums

1 Esser (Hg.) (1983) S.11

2 Kohut (1909) S.34

3 vgl. ebd. S.51f

4 vgl. ebd. S.69f

5 vgl. Esser (Hg.) (1983) S.17

1 vgl. Kohut (1909) S.261

2 vgl. ebd. S.233

3 vgl. ebd. S.311

4 vgl. ebd. S.273

5 vgl. ebd. S.210

1 Schneider (1972) S.241

2 vgl. Kohut (1909) S.212ff

3 vgl. Schneider (1972) S.241

4 vgl. ebd. S.240

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Details

Titel
Ludwig Feuerbach - Sein Leben, sein Werk und der Einfluß auf Gottfried Keller und dessen Roman "Der grüne Heinrich"
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Proseminar: Gottfried Keller - Der grüne Heinrich
Autor
Jahr
1994
Seiten
25
Katalognummer
V176688
ISBN (eBook)
9783640980819
ISBN (Buch)
9783640981069
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gottfried Keller, Der grüne Heinrich, Religionsphilosophie, Realismus, Feuerbach, Atheismus im Roman
Arbeit zitieren
Manfred Müller (Autor), 1994, Ludwig Feuerbach - Sein Leben, sein Werk und der Einfluß auf Gottfried Keller und dessen Roman "Der grüne Heinrich", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176688

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