1. Einleitung
1.1 Die klassische Budgetierung im Umbruch?
Die Budgetierung stellt eines der zentralen Führungsinstrumente der meisten Unter-nehmen dar und wird vielfach auch als Rückgrat der Unternehmenssteuerung bezeich-net. Ungeachtet dessen, sieht sie sich kontinuierlich aufkommender Kritik und Unzu-friedenheit ausgesetzt. Jensen schreibt über die Budgetierung: „Corporate budgeting is a joke, and everyone knows it. It consumes a huge amount of executives’ time, forcing them into endless rounds of dull meetings and tense negotiations. It encourages manag-ers to lie and cheat, lowballing targets and inflating results, and it penalizes them for telling the truth” .
Fraglich ist, wie es zu einer derart hohen Unzufriedenheit mit der Budgetierung kom-men konnte? Es wird unter anderem beanstandet, dass die Budgetierung zu zeitaufwän-dig und inflexibel sowie ressourcenaufwändig ist. Sie ist wenig mit den strategischen Zielen verknüpft und zu stark auf die finanziellen Steuerungsgrößen fixiert. Nicht mo-netäre Größen (weiche Kennzahlen) werden vernachlässigt. Die klassische Budgetierung ist zudem nicht nah genug am dynamischen Markt orientiert und ist häufig der Auslöser für unternehmensinterne Budgetspiele. Diese Schwierigkeiten sind seit längerer Zeit bekannt, wurden aber mehr oder weniger vernachlässigt. Erst durch die rasanten Veränderungen im Wettbewerbsumfeld der neunziger Jahre und die Coporate Goverance-Skandale in den Jahren 2001 und 2002 kamen die Probleme ans Tageslicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Die klassische Budgetierung im Umbruch?
1.2 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit
2. Der Beyond Budgeting Ansatz
2.1 Entstehung des Beyond Budgeting
2.2 Die zwölf Prinzipien des Beyond Budgeting
2.2.1 Stuktur und Kultur der Dezentralisation und Delegation
2.2.2 Anpassungsfähiger Managementprozess
3. Instrumente des Beyond Budgeting
3.1 Shareholder Value-Modelle
3.2 Benchmarking
3.3 Balanced Scorecard
3.4 Activity Based Management
3.5 Customer Relationship Management
3.6 Unternehmensweite Informationssysteme und Rolling Forecasts
4. Beispiel anhand der Svenska Handelsbank
5. Kritische Würdigung: Möglichkeiten und Grenzen des Beyond Budgeting
6. Fazit/Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen des Beyond Budgeting-Konzepts als Alternative zur klassischen Budgetierung, um Unternehmen in dynamischen Marktumfeldern besser steuerbar zu machen.
- Grundlagen und Entstehungsgeschichte des Beyond Budgeting-Ansatzes
- Analyse der zwölf Prinzipien (Dezentralisierung und Managementprozess)
- Untersuchung begleitender Instrumente wie Balanced Scorecard und Benchmarking
- Anwendungsbeispiel der Svenska Handelsbanken zur praktischen Validierung
- Kritische Reflexion über Umsetzbarkeit und Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
2. Der Beyond Budgeting Ansatz
Die Abbildung 1 zeigt die konzeptionelle Einordnung der Budgetierungskonzepte anhand ihrer Eignung im Umgang mit Komplexität und Dynamik. Das Beyond Budgeting Konzept eignet sich am besten im Umgang mit einer hohen Marktdynamik, stößt aber bei steigender Komplexität an Grenzen. Neben dem durch die drei Konzepte abgedeckten grünen Bereich, existiert noch ein roter Bereich, in dem keine effiziente und effektive Prognose, Koordination und Motivation möglich ist.
Beyond Budgeting ist kein Instrument, das entwickelt wurde, um spezifische Probleme der Budgetierung zu lösen. Genau so wenig handelt es sich dabei um einen Satz von Prozessen, aus denen bei Schwächen einfach ausgewählt werden kann. Dieser Ansatz bietet, basierend auf den Anforderungen des operativen Managements und in Bezug auf die Entscheidungsfindung, ein alternatives Unternehmensmodell. Es unterstützt die alternativen Prozesse, die relativen Ziele und Anreize, kontinuierliche Planung, nachfragebasierte Ressourcenallokation, dynamische Koordination der Unternehmensbereiche und eine Reihe von Steuerungsmaßnahmen auf den verschiedenen Ebenen. Zusätzlich werden die Performance Standards forciert. Es erfolgt eine Dezentralisierung. Die Leistungsverantwortung wird von der Unternehmenszentrale auf die einzelnen Geschäftseinheiten transferiert. Im idealen oder im fortgeschrittenen Fall wird die Verantwortung auf die operative Ebene verlagert. Durch die verstärkte Einbeziehung und Bevollmächtigung der Mitarbeiter, ist die Motivation höher und wird zum Antrieb für ständige Verbesserung. Der Ansatz des Beyond Budgeting zielt auf eine radikale Abkehr von der bisherigen Führungs- und Budgetierungspraxis ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Kritik an der klassischen Budgetierung ein, die aufgrund ihrer Inflexibilität und Zeitintensität in der Kritik steht, und benennt das Ziel, den Beyond Budgeting-Ansatz als Gegenmodell zu beleuchten.
2. Der Beyond Budgeting Ansatz: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte und die zentralen zwölf Prinzipien, die in dezentrale Strukturen und adaptive Managementprozesse unterteilt werden.
3. Instrumente des Beyond Budgeting: Es werden methodische Unterstützungsmodelle wie Shareholder Value, Benchmarking, Balanced Scorecard, ABM, CRM sowie Rolling Forecasts vorgestellt, die für die praktische Umsetzung notwendig sind.
4. Beispiel anhand der Svenska Handelsbank: Das Fallbeispiel zeigt den praktischen Erfolg der schwedischen Bank auf, die durch radikale Dezentralisierung und den Verzicht auf klassische Budgets seit Jahrzehnten erfolgreich agiert.
5. Kritische Würdigung: Möglichkeiten und Grenzen des Beyond Budgeting: Eine Analyse der Vor- und Nachteile sowie der Grenzen des Modells bei hoher Komplexität der Unternehmensverhältnisse.
6. Fazit/Ausblick: Abschließende Einschätzung des Beyond Budgeting als neuen Denkansatz, der zwar kein Allheilmittel ist, aber notwendige Veränderungen in der Unternehmenskultur anstößt.
Schlüsselwörter
Beyond Budgeting, Unternehmenssteuerung, Budgetierung, Dezentralisierung, Leistungsmanagement, Managementprozess, Svenska Handelsbanken, Unternehmenskultur, Benchmarking, Balanced Scorecard, Adaptive Prozesse, Führungsinstrumente, Kostenführerschaft, Ressourcenmanagement, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Beyond Budgeting als alternatives Führungs- und Steuerungsmodell, das die klassische, oftmals als ineffizient empfundene Budgetierung durch dezentrale, marktnahe Strukturen ersetzen soll.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den zwölf Prinzipien des Beyond Budgeting, der Integration ergänzender Managementinstrumente und dem kulturellen Wandel in Organisationen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen des Modells aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit Beyond Budgeting in dynamischen Marktumfeldern als effektive Alternative zur herkömmlichen Planung dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Konzepte sowie auf eine fallstudienbasierte Untersuchung der Svenska Handelsbanken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Modells, die Beschreibung der zwölf Prinzipien, die Vorstellung verschiedener Steuerungsinstrumente und die praxisnahe Analyse des schwedischen Fallbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Beyond Budgeting, Dezentralisierung, adaptive Managementprozesse, Leistungsvergleich und Unternehmenskultur.
Warum ist das Fallbeispiel der Svenska Handelsbanken so bedeutsam?
Die Bank dient als praktischer Beweis, dass Unternehmen seit Jahrzehnten ohne klassische Budgets erfolgreich sein können, indem sie die Autonomie der Filialen radikal stärkt.
Was sind laut Autor die größten Herausforderungen bei der Implementierung?
Die größte Hürde ist der kulturelle Wandel; das Top-Management muss bereit sein, Kontrolle abzugeben und Mitarbeiter müssen lernen, in einem System mit hoher Eigenverantwortung zu agieren, statt sich an starre Pläne zu halten.
- Quote paper
- Dipl.Kfm (FH) David Henneke (Author), 2010, Möglichkeiten und Grenzen des Beyond Budgeting , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176757