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Herrscht in den brasilianischen Favelas eine Parallelmacht?

Title: Herrscht in den brasilianischen Favelas eine Parallelmacht?

Seminar Paper , 2010 , 13 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Luciana K.haotica (Author)

Politics - Topic: Peace and Conflict, Security
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“Digo no a un gobierno corrupto que no garantiza nuestra seguridad”1 – Dieser Ausspruch könnte von einem Bewohner der Elendsviertel (Favelas) in Rio de Janeiro oder São Paulo stammen. Die beiden brasilianischen Städte bilden den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit. Doch warum kann die dortige Regierung keine Sicherheit für die Bevölkerung garantieren?
Im Folgenden wird zunächst verdeutlicht, wie die Polizei in Brasilien als staatliche Institution organisiert ist und welche Defizite sich daraus ergeben. Dem wird im dritten Kapitel mit dem Comando Vermelho ein wichtiger nicht-staatlicher Akteur gegenübergestellt. Die Konfrontation beider Gruppen führt fortlaufend zu heftigen
Auseinandersetzungen. Welche Konsequenzen sich dabei für die Zivilbevölkerung ergeben, wird anschließend ausführlich untersucht. Ausgehend vom Gewaltbegriff nach Johan Galtung wird dieser am Beispiel der brasilianischen Großstädte zur Anwendung gebracht. Das fünfte Kapitel geht schließlich auf das neue Phänomen der Milizen ein.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, auf der Grundlage dieser Betrachtungen zu erörtern, ob in den brasilianischen Favelas eine parallele Macht zum Staat herrscht.

1 Bandeira 2008: 230.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Organisation der brasilianischen Polizei

3. Comando Vermelho als nicht-staatlicher Akteur

4. Konsequenzen für die Zivilbevölkerung

4.1 Gewaltbegriff nach Galtung

4.2 Die Manifestation von Gewalt in den brasilianischen Großstädten

5. Milizen

6. Parallelmacht: Ja oder nein?

7. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Gefüge von Sicherheit und Kriminalität in den brasilianischen Metropolen, mit einem spezifischen Fokus auf der Frage, ob in den Favelas eine Parallelmacht zum Staat existiert. Dabei wird analysiert, wie staatliche Institutionen, kriminelle Organisationen wie das Comando Vermelho und neue Akteure wie Milizen das Leben der Zivilbevölkerung beeinflussen und das staatliche Gewaltmonopol herausfordern.

  • Strukturelle Defizite und organisatorische Probleme der brasilianischen Polizei
  • Rolle von nicht-staatlichen Akteuren und kriminellen Netzwerken
  • Anwendung des Gewaltbegriffs nach Johan Galtung auf den städtischen Kontext
  • Entstehung und Wirkungsweise von Milizen in den Armenvierteln
  • Diskussion über das Konzept der "Parallelmacht" angesichts staatlicher Abwesenheit

Auszug aus dem Buch

4.2 Die Manifestation von Gewalt in den brasilianischen Großstädten

Dieses Kapitel soll zeigen, wie sich Gewalt im Alltag der brasilianischen Großstädte und in den Köpfen ihrer Bewohner manifestiert. Im Jahr 2002 druckte die Zeitschrift „Brennpunkt Lateinamerika“ ein „Sicherheitsthermometer“ ab. Die Städte São Paulo und Rio de Janeiro befanden sich auf der Stufe 5 (von 7) mit der Kennzeichnung „Verbrechen als ständige Bedrohung. Risiko einer Entführung oder terroristischer Handlungen gegeben.“ Wo genau liegen die Gefahren? Wie gehen die Bewohner damit um? Und wie äußern sich letztlich die einzelnen Formen der Gewalt nach Galtung?

Zunächst einmal muss man sich dessen bewusst werden, dass in Brasilien eine große Kluft zwischen arm und reich klafft. In den Armenvierteln der Großstädte, herrschen zum Teil miserable Lebensbedingungen. Es mangelt an technischer Infrastruktur, soziale Einrichtungen fehlen und die medizinische Hilfe ist oftmals unzureichend. Die hohen Armutsraten und die weit verbreitete Arbeitslosigkeit bieten kaum Zukunftsperspektiven für die Favelados (Bewohner der Elendsviertel). Hinzu kommt die tägliche Konfrontation mit der Gewalt. Dazu gehört allein schon die Angst durch Schüsse am Morgen geweckt zu werden. Verantwortlich hierfür sind die Drogenbanden, die von den Favelas aus operieren und im Wirrwarr der schmalen Gassen einen idealen Unterschlupf finden. Daneben spielt auch der Einfluss von außerhalb der Favela eine entscheidende Rolle. Im Kampf gegen die Kriminalität dringen Polizisten in die Elendsviertel ein und versuchen auf brutale Weise gegen die Verbrechersyndikate vorzugehen. Doch das verursacht noch größere Spannungen. Die eigentlichen Verlierer dieser Auseinandersetzungen sind die unbeteiligten Favelados. Immer wieder geraten unschuldige Zivilpersonen zwischen die Fronten oder werden durch verirrte Kugeln getötet. Ein weiterer Grund für die hohen Mordraten in den Armenvierteln ist der illegale Besitz von Waffen. Viele der Bewohner wollen sich selbst schützen, weil sie das Vertrauen in Polizei und Justiz verloren haben. Als Folge des Misstrauens gegenüber den staatlichen Institutionen üben einige der Favelados Selbstjustiz. Oft kommen auch Menschen einfach ums Leben, weil im Konfliktfall eine Waffe zur Hand ist. Die Favela-Bewohner stehen aufgrund der ständigen Konfrontation mit der Gewalt unter Druck. Das führt schnell zu unüberlegten Handlungen und Tötungen im Affekt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Sicherheit in brasilianischen Favelas und Formulierung der Forschungsfrage zur Existenz einer Parallelmacht.

2. Organisation der brasilianischen Polizei: Darstellung der Strukturen, Defizite und Probleme der polizeilichen Arbeit in Brasilien.

3. Comando Vermelho als nicht-staatlicher Akteur: Analyse des Einflusses der Drogenorganisation auf die lokale Bevölkerung und ihre Rolle als bewaffneter Akteur.

4. Konsequenzen für die Zivilbevölkerung: Untersuchung der Auswirkungen von Gewalt auf die Bewohner unter Einbeziehung theoretischer Gewaltkonzepte und lokaler Gegebenheiten.

5. Milizen: Erläuterung der Rolle von Milizen als neue, aus ehemaligen Sicherheitskräften gebildete Akteure im Machtgefüge der Favelas.

6. Parallelmacht: Ja oder nein?: Kritische Diskussion verschiedener Standpunkte zur Machtverteilung zwischen Staat, Drogenkartellen und Milizen.

7. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der staatlichen Legitimität und der zukünftigen Entwicklung in den betroffenen Gebieten.

Schlüsselwörter

Brasilien, Favelas, Kriminalität, Polizei, Comando Vermelho, Gewaltbegriff, Johan Galtung, Milizen, Parallelmacht, Sicherheit, soziale Ungleichheit, Staatsversagen, urbane Gewalt, Drogenhandel, Selbstjustiz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der prekären Sicherheitslage in den brasilianischen Favelas von Rio de Janeiro und São Paulo und untersucht das komplexe Verhältnis zwischen staatlichen Akteuren und kriminellen Organisationen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die polizeiliche Struktur, der Einfluss organisierter Kriminalität (Drogenbanden), die Entstehung von Milizen sowie die soziologischen Folgen von Gewalt für die betroffene Bevölkerung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu erörtern, ob die in den Favelas agierenden Gruppen wie Drogenkartelle oder Milizen als eine "Parallelmacht" zum brasilianischen Staat fungieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Ansätze (wie das Gewaltmodell von Johan Galtung) mit empirischen Beobachtungen und Berichten zur aktuellen Sicherheitslage in Brasilien verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Organisation der Polizei, die Rolle des Comando Vermelho, die verschiedenen Gewaltformen nach Galtung und die neuartige Entwicklung von Milizen in den Armenvierteln.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Brasilien, Favelas, Parallelmacht, Milizen, polizeiliche Defizite und die Gewaltkonzepte von Johan Galtung charakterisiert.

Wie wirken sich die sogenannten Milizen auf das tägliche Leben in den Favelas aus?

Milizen agieren oft als "neue Herrscher", die durch Schutzgelderpressung und Kontrolle lokaler Infrastruktur Profit generieren, wobei sie den Bewohnern Sicherheit vorgaukeln, während sie gleichzeitig die staatliche Ordnung weiter untergraben.

Inwieweit lässt sich das Konzept der "Parallelmacht" im brasilianischen Kontext halten?

Die Diskussion ist komplex; Experten streiten darüber, ob es sich um eine wirkliche Parallelmacht handelt oder ob diese Gruppen lediglich in einem staatlichen Vakuum operieren, das durch Korruption und mangelnde Präsenz entsteht.

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Details

Title
Herrscht in den brasilianischen Favelas eine Parallelmacht?
College
Free University of Berlin  (Lateinamerika-Institut)
Course
Organisierte Kriminalität in Lateinamerika
Grade
2,3
Author
Luciana K.haotica (Author)
Publication Year
2010
Pages
13
Catalog Number
V176812
ISBN (eBook)
9783640982387
ISBN (Book)
9783640982257
Language
German
Tags
Organisierte Kriminalität Rio de Janeiro Favela Milizen Militärpolizei Comando Vermelho Drogen Waffen Brasilien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Luciana K.haotica (Author), 2010, Herrscht in den brasilianischen Favelas eine Parallelmacht?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176812
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